Weiße Jutebeutel hängen über Stühlen. Auf die Beutel ist ein Einfarbiges Konterfei des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke gedruckt sowie der Spruch "Geht aufrecht".
In der Thüringer AfD hat Landesparteichef Björn Höcke Star-Status - inklusive Konterfei auf Jutebeutel. Bildrechte: MDR/Ludwig Bundscherer

Parteiausschlussantrag Wie nahe steht Björn Höcke der NPD?

Der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke soll nach dem Willen der Bundeschefin Frauke Petry aus der Partei geworfen werden. Begründet wird das jetzt in einem 62 Seiten dicken Ausschlussantrag, der dem MDR vorliegt. Darin wird Höcke mit Hitler verglichen und Zeugen unterstellen ihm große Nähe zur NPD.

von Ludwig Bundscherer, MDR-AKTUELL-Landeskorrespondent für Thüringen

Weiße Jutebeutel hängen über Stühlen. Auf die Beutel ist ein Einfarbiges Konterfei des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke gedruckt sowie der Spruch "Geht aufrecht".
In der Thüringer AfD hat Landesparteichef Björn Höcke Star-Status - inklusive Konterfei auf Jutebeutel. Bildrechte: MDR/Ludwig Bundscherer

Zur Erinnerung: Anstoß für das Parteiausschlussverfahren gegen Björn Höcke war seine Dresdner Rede vom 17. Januar. Und an dieser Rede hangelt sich auch der Ausschlussantrag gegen Höcke entlang. Der Antrag zieht Parallelen von Höckes Rede zu Hitler-Reden, beispielsweise anhand dieses Redeauszugs: "Ich will Veränderung. Ich will eine grundsätzliche Veränderung. Ich will die AfD als letzte evolutionäre Chance für unser Vaterland erhalten. Ich will, dass wir diesen Halben einen Strich durch die Rechnung machen."

Das steht im Ausschlussantrag

Mit den so gennannten 'Halben' bezeichnete Höcke damals AfD-Bundestagskandidaten, die seiner Meinung nach nur wegen des parteilichen Glamourfaktors nach Berlin wollen. Im Parteiausschlussverfahren wird dazu breit erörtert, dass der Begriff der 'Halben' von Adolf Hitler initiiert wurde. Weiter heißt es im Ausschlussantrag:

Höcke verfällt in egomanische Ausfälle, in eine 'Ich-Orgie', die den Schluss zulässt, dass er die demokratische Verfassung der AfD nicht akzeptiert, sondern stattdessen den Thüringer Weg als Führer vorgeben will und sich damit zum Führerprinzip bekennt.

Ausschlussantrag der AfD-Spitze gegen Björn Höcke

Vergleiche zu Hitler-Wahlreden

Als Beweis für Höckes ideologische Nähe zu Hitler werden im Ausschlussantrag Hitler-Wahlreden von 1932 als rhetorischer Vergleich angeführt. Und Björn Höcke wird vorgeworfen als radikaler Autor für die Thüringer NPD tätig gewesen zu sein, unter dem Pseudonym Landolf Ladig. Der angebliche Beweis dafür stammt von Matthias Wohlfarth, dem ehemaligen AfD-Landeschef von Thüringen. Er sagt über Höcke: "Wir glauben, er verbirgt einiges. Ich weiß zum Beispiel, dass es in Thüringen jemanden gibt, der aus seinem Mund gehört hat, dass er Landolf Ladig sei. Es kann nicht sein, dass Herr Höcke ein Versteckspiel spielt."

Dieser Jemand, der von Höcke gehört haben will, er sei der Nazi-Autor Landolf Ladig, ist ein ehemaliger AfD-Kreischef und Fraktionsmitarbeiter. Im Antrag auf Parteiausschluss wird eine E-Mail dieses Zeugen zitiert, darin heißt es: "Bei unserem geheimen Treffen am Burschenschaftsdenkmal in Eisenach 2015 hat Höcke unverblümt zugegeben, er sei Landolf Ladig und wolle mit diesem Outing herauskitzeln, was ich über seine NPD-Aktivitäten wisse." Wie sauber diese Zeugenaussagen sind, lässt sich im Moment nur schwer sagen.

Zweifel an den Kronzeugen?

Klar ist aber, dass alle Thüringer Kronzeugen persönlichen Groll gegen Björn Höcke hegen und ihn um jeden Preis zu Fall bringen wollen. Höcke selbst möchte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Aus seinem engsten Umfeld heißt es gegenüber dem MDR: "Die Vorwürfe sind ein verzweifelter Versuch von Teilen des Bundesvorstands, den Ausschluss von Höcke zu forcieren, nachdem festgestellt werden musste, dass die sogenannte Dresdner Rede dafür einfach nicht reicht. Zufälligerweise tauchen die Kronzeugen genau dann auf, wenn Frauke Petry sie braucht. Das scheint doch alles sehr konstruiert."

Zum Showdown zwischen Frauke Petry und Björn Höcke wird es vorerst aber nicht kommen. Seine Teilnahme am Bundesparteitag in gut einer Woche hat Höcke mit der Begründung abgesagt: Er wolle dort nicht polarisieren.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 13.04.2017 | 12:18 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. April 2017, 13:02 Uhr

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68 Kommentare

16.04.2017 14:35 Ekkehard Kohfeld 68

{@ Peterklauswessi 67} Aber gern doch! Leipziger Volkszeitung vom 15.04.2017. Dazu können Sie bei Bedarf nachlesen, u.a. Spiegel online, Tag24, RP online ... Zufrieden?##Jetzt hat er Stunden gebraucht um hier einig Seiten anzugeben auf
denen dazu gar nichts steht.

16.04.2017 13:45 Peter 67

@65 ralf meier: Aber gern doch! Leipziger Volkszeitung vom 15.04.2017. Dazu können Sie bei Bedarf nachlesen, u.a. Spiegel online, Tag24, RP online ... Zufrieden?

16.04.2017 09:51 Wieland der Schmied [0700] 66

Petry war bisher eine Lichtgestalt der Partei. Die Aburteilung des reuigen Sünders Höcke ist aber weit über das hinausgehend, was die Presse gegen ihn hervorgebracht hat, sondern eine Totalverurteilung. Nach den Auskünften Klonovskys zum Wesen und Bestreben Pretzells (Merkur) kann kein Zweifel daran bestehen, dass dieses unzumutbare Urteil gegen Höcke eine neue Ausrichtung der Partei mit Petry als Gallionsfigur und Pretzell als Steuermann angestrebt wird mit Schmusekurs zur Merkel-CDU, die immerhin auf dem Essener CDU-PT signalisiert hat, man solle die AfD im Wahlkampf nicht attakieren, warum wohl? Als gleichgeschaltetes Beiboot, wenn andere Stricke reißen.

16.04.2017 09:14 ralf meier 65

@Peter Nr. 63: Es wird also berichtet....Geht es auch etwas genauer , oder war es es eine innere Stimme , die Ihnen diesen Bericht zuflüsterte, so wie Ihnen vor kurzem eine eine innere Stimme zuflüsterte, ich wäre ein bekennernder regelmäßiger Teilnehmer der Montagsdemo in Dresden. Von mir konnten Sie das nicht haben. Ich war da nie und hab das im Gegensatz zu Ihnen auch nie behauptet. Also, wollen Sie mir verraten, woher Sie diesen 'Bericht' haben?

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15.04.2017 14:32 MuellerF 64

@62: Sie könnten die dort zitierten Texte von Ladig & Höcke ja auch im Original lesen, dann vergleichen & Ihre eigenen Schlüsse ziehen..ist Ihnen das zuviel Aufwand oder haben Sie Angst vor den Ergebnissen?
Natürlich haben auch Wissenschaftler in der Regel eine private, politische Meinung - das heißt aber nicht automatisch, dass sie diese ÜBER einen wissenschaftlichen Anspruch an ihre Arbeit stellen & ihre Ergebnisse entsprechend zurecht biegen.

15.04.2017 10:43 Peter 63

Es wird berichtet, dass die Petry-Gegner Höcke, Gauland und Co. in Goslar zusammengehockt haben, um eine Allianz zu schmieden. Ziel soll es sein, Petry im Wahlkampf ins zweite Glied zu verbannen.
Na ja, der Höcke will auf dem Parteitag nicht polarisieren. Zu diesem Zweck bringt es seine Verbündeten in Stellung. Die werden´s schon richten.

15.04.2017 10:42 Gottlieb 62

@ 44
Ihr Gewährsmann Andreas Kemper ist ein Soziologe, der im linksradikalen Spektrum zu verorten ist und dem der "Kampf gegen Rechts" Herzensanliegen ist. Die linke Soziologie ist die erste Pseudowissenschaft gewesen, die sich im Gefolge marxistischen Wissenschaftsverständnisses Parteilichkeit statt wissenschaftlicher Neutralität auf ihre Fahnen geschrieben hat. Was man dort finden kann, weiß man schon vorher. Wissenschaft, die den Namen verdient, ist weder parteilich noch sich selbst gegenüber unkritisch. Warum sollte ich also Ihrer Empfehlung folgen? Ich will doch kein ideologiekritisches Werk verfassen.

15.04.2017 08:27 Mediator an Bernd L.(55) 61

Politisch korrekte Formulierungen sind etwas, was Politiker beherzigen sollten, weil ihre Worte weit tragen. Wenn eine Privatperson hier kommentiert, dann ist diese sicherlich freier in ihrer Wortwahl, aber Anstand und Respekt sind doch nicht zuviel verlangt, wenn man mit anderen Menschen kommuniziert.
So etwas sollte auch bei konträren Meinungen möglich sein.

Die AfD Führung versucht sich von einem ihrer Spitzenpolitiker zu trennen und die erhobenen vorwürfe sind nicht neu. Gedankliche und persönliche Nähe zu rechtsextremistischen Ideen und deren als verfassungsfeindlich eingestuften Protagonisten in Deutschland. Neu ist, dass diesmal die Vorwürfe aus der AfD selbst kommen und nicht wie schon seit Monaten von Journalisten, Bürgern oder der Opposition.

Dass der Landesverband Thüringen und seine Mitglieder offensichtlich wenig an solchen Vorwürfen stören lässt tief auf das Demokratie- und Werteverständnis der AfD in Thüringen und im Osten blicken.

15.04.2017 08:15 Ralf112 60

Nur gut, dass diese Vorwürfe nicht von der Lügenpresse kommen. Nicht auszudenken, was wir hier von den sogenannten Patrioten lesen müssten...
Stattdessen ist es hier ja doch mit Ausnahme einiger Unbelehrbarer recht ruhig. Vielleicht ist dem ein oder anderen doch noch klar geworden, dass die Nähe eines Herrn Höcke zur rechtsextremistischen Szene nicht so weit hergeholt ist, wenn man das selbst in der eigenen Partei so sieht.
Jetzt muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er einer solchen Partei seine Stimme gibt. Nur WENN man das tut, dann weiß man spätestens jetzt, wen man da wählt. Dann sollte man aber auch offen dazu stehen, dass man eine entsprechende Gesinnung vertritt! Die Zeiten von "AfD steht für Nationalkonservativ", die sind vorbei.

14.04.2017 20:49 Peter 59

Mal zurück zum Thema des MDR-Beitrags:
Wie nah ist Höcke der NPD? Selbst die AfD-Führung sagt: Ganz nah!
Ist er allein? Kaum! Die letzten Landesparteitage belegen: Die AfD in Thüringen unterstützt ihn nahezu vorbehaltlos, die sächsische und die sachsen-alhaltinische AfD-Basis stehen dem kaum nach.
Ergo, wohin steuern die Alternativen?