Eine Krankenschwester hält die Hand einer Bewohnerin auf der Demenzstation des Pflegeheims
Bei der AOK Plus haben im Januar und im Februar 51.000 Patienten einen Antrag auf Pflegestufen gestellt. Das ist ein deutlicher Anstieg. Bildrechte: IMAGO

Drei Monate nach Start Pflegereform: Läuft, aber ...

30 Prozent mehr Pflegebedürftige gibt es in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr. Grund dafür ist die Pflegereform, die Anfang dieses Jahres in Kraft getreten ist. Vor allem Demente und deren Angehörige profitieren davon, weil nicht mehr nur körperlich-beeinträchtige Menschen Anspruch auf Pflege haben. Wie gut hat die Umstellung funktioniert?

von Lily Meyer, MDR AKTUELL

Eine Krankenschwester hält die Hand einer Bewohnerin auf der Demenzstation des Pflegeheims
Bei der AOK Plus haben im Januar und im Februar 51.000 Patienten einen Antrag auf Pflegestufen gestellt. Das ist ein deutlicher Anstieg. Bildrechte: IMAGO

Schon im vergangenen Jahr habe die Pflegereform zu vielen Fragen bei den Versicherten in Thüringen und Sachsen geführt, sagt Hannelore Strobel von der AOK Plus: "Wir haben Informationsveranstaltungen schon im letzten Jahr gehabt. Die waren überrannt. Wir hatten dann auch eine Hotline ausschließlich für dieses Thema geschaltet, nachdem wir die Bescheide im Dezember rausgeschickt hatten. Diese Hotline ist zum Teil fast zusammengebrochen. Da gab es ungefähr 4.000 Anrufe zwischen dem 12. Dezember und dem 6. Januar."

Patientenschützer befürchten lange Wartezeiten

Da die Krankenkassen zwei Jahre Vorlauf hatten, konnten sie sich gut auf die Reform einstellen. Bei der AOK Plus wurde beispielweise Personal umverteilt. Zum einen, um dem bürokratischen Mehraufwand gerecht zu werden. Zum anderen, um die Versicherten ausreichend beraten zu können. 51.000 neue Anträge sind im Januar und Februar allein bei der AOK Plus eingegangen und damit zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

Diese Anträge werden vom medizinischen Dienst der Krankenversicherungen, kurz MDK geprüft, der auch die Einteilung in die Pflegegrade vornimmt. Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz befürchtet, dass es dort zu langen Bearbeitungszeiten kommen kann: "Wir sollten den Menschen, die einen solchen Antrag stellen, offen und ehrlich sagen, dass es auch mal ein viertel Jahr dauern kann. Das hängt natürlich von Bezirk zu Bezirk und von der Antragstellung ab. Insgesamt versucht man ja, möglichst zügig zu bearbeiten. Da können wir auch als Patientenschützer nichts Kritisches zu sagen."

Nutzen Pflegedienste die Reform aus?

In Sachsen würden die meisten Anträge innerhalb von zwei bis vier Wochen bearbeitet, ist sich Michael Junge sicher. Er ist Beiratsmitglied im MDK und Vorsitzender des Sächsischen Pflegerates. Die Umstellung sei gut vorbereitet gewesen und deshalb größtenteils reibungslos abgelaufen: "Was wir jetzt als professionelle Pflegende erwarten, ist natürlich auch eine Verbesserungen für die Menschen, die Pflege zum Beruf gemacht haben. Da brauchen wir natürlich mehr Pflegepersonal, um die Menschen gut versorgen zu können. Wir warten schon seit mindestens zwei Legislaturperioden auf eine Reform des Pflegeberufegesetzes."

Laut Junge gibt es gerade im ländlichen Bereich zahlreiche Anbieter, die keine neuen Versorgungsaufträge annehmen können, weil sie kein qualifiziertes Fachpersonal finden. Christiane Rock vom Bundesverband der Verbraucherzentrale warnt außerdem vor Anbietern, die die Pflegereform ausnutzen. "Wir erleben eben in der Rücksprache mit Verbrauchern, dass diese Leistungsverbesserungen auch von Anbieterseite genutzt werden, um neue Verträge anzubieten. Teurere Verträge." Verbraucher sollten deshalb genau hinschauen, ob ihnen mit dem Vertrag zusätzliche Leistungen angeboten werden oder ob es nur darum ginge, bestehende Verträge zu verteuern.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im Radio: MDR | 19.03.2017 | 06:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. März 2017, 06:00 Uhr

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1 Kommentar

19.03.2017 12:24 4711 1

Die großen Worte unserer Politiker, lassen wenig Taten folgen! Alles Make up, übertüncht für s Wahlvolk !