Polizisten ruhen sich am 08.07.2017 in Hamburg am Rande einer Demonstration aus
Mehr als 20.000 Polizisten waren während des G20-Gipfels in Hamburg im Einsatz. Hier ruhen sich einige am Rande einer Demonstration am Sonnabend aus. Bildrechte: dpa

Polizeibilanz 476 verletzte Polizisten beim G20-Gipfel

Während des G20-Gipfels in Hamburg sind 476 Polizisten verletzt worden. Darunter sind auch zahlreiche Beamte aus Mitteldeutschland. Die Polizei sprach von skrupellosen Gewalttaten.

Polizisten ruhen sich am 08.07.2017 in Hamburg am Rande einer Demonstration aus
Mehr als 20.000 Polizisten waren während des G20-Gipfels in Hamburg im Einsatz. Hier ruhen sich einige am Rande einer Demonstration am Sonnabend aus. Bildrechte: dpa

Beim Polizeieinsatz während des G20-Gipfels in Hamburg sind fast 500 Beamte verletzt worden. Einsatzleiter Hartmut Dudde sagte, seit dem 22. Juni bis Sonntag habe es insgesamt 476 verletzte Polizisten gegeben. Dabei handelt es sich um Polizisten aus den Ländern und um Bundespolizisten.

44 verletzte Polizisten aus Mitteldeutschland

Unter den Verletzten sind auch 14 Bereitschaftspolizisten aus Sachsen-Anhalt. Drei Beamte seien in Hamburg schwer verletzt worden, teilte die Bereitschaftspolizei am Sonntag mit. Einem Polizisten habe ein Glassplitter aus dem Auge entfernt werden müssen. Außerdem seien ein Beamter am Knöchel und ein weiterer an der Wirbelsäule verletzt worden. Die elf anderen hätten sich Prellungen und Hämatome zugezogen, als sie mit Flaschen und Steinen beworfen worden seien.

Aus Sachsen wurden 20 Polizisten in Hamburg verletzt. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte dem MDR, einer der Beamten sei am Kopf schwer verletzt worden.

Aus Thüringen wurden zehn Polizisten während des Einsatzes in Hamburg verletzt. Nach Angaben des Thüringer Innenministeriums wurden die meisten durch geworfene Flaschen verletzt. Zwei Beamte seien vorerst dienstunfähig. Außerdem seien 17 Fahrzeuge der Thüringer Polizei beschädigt worden.

Polizei spricht von skrupelloser Gewalt

Die Polizei zeigte sich entsetzt über das Ausmaß der Gewalt bei den Ausschreitungen. Der Direktor der Bereitschaftspolizei Sachsen-Anhalt, Rigo Klapa, sagte dem MDR, Hamburg sei der schlimmste Einsatz seiner Laufbahn gewesen. So viel brutale Gewalt habe er bis dahin nicht erlebt. Nach seinen Worten mussten die Kräfte während der vergangenen Tage zum Teil mit einer Stunde Schlaf auskommen.

Brutalität der Krawalle kam unerwartet

Die Hamburger Polizei hat nach Darstellung von Innensenator Andy Grote nicht mit der Brutalität bei den Krawallen rund um den G20-Gipfel gerechnet. Grote sagte, man habe es mit skrupellosen Gewalttaten von Kriminellen zu tun gehabt.

Der Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann, sprach von einer neuen Dimension linksterroristischer und autonomer Gewalt. Mit dem Tötungsvorsatz der Gewalttäter habe man nicht gerechnet.

Roman wies zugleich Kritik zurück, wonach das Hamburger Schanzenviertel zeitweise ein rechtsfreier Raum gewesen sei. Er sagte, der Eindruck sei unzutreffend.

Bevor man in die Honigfalle eines Lagerfeuers rennt, muss die Polizei erst alle Nebengassen, Häuser und Dächer absichern, weil die Beamten ansonsten von dort aus dem Hinterhalt mit letal wirkenden Präzisionszwillen beschossen oder mit Gehwegplatten beworfen werden.

Dieter Romann, Präsident der Bundespolizei

Romann erwartet Urteile mit abschreckender Wirkung gegen die Gewalttäter von Hamburg. Auf die Justiz komme die Aufgabe zu, Polizisten vor einer Wiederholung zu schützen.

Fast 400 Menschen festgenommen oder in Gewahrsam

Währen des G20-Gipfels wurden nach Angaben der Polizei 186 Menschen festgenommen. 225 Menschen seien zeitweise in Gewahrsam genommen worden.

Wie viele G20-Gegner verletzt worden, ist nicht bekannt. Die Zahl lässt sich offenbar auch schwer ermitteln, weil viele von ihnen von selbstorganisierten Sanitäterteams vor Ort behandelt wurden und keines der Hamburger Krankenhäuser aufsuchten. Eine Umfrage des "Hamburger Abendblattes" in Krankenhäusern ergab, dass bis Samstagabend mehr als 100 Menschen nach Verletzungen bei den Anti-G20-Demonstrationen behandelt wurden.

Anmerkung der Redaktion: Am 14. Juli 2017 meldete das bayerische Innenministerium, dass bei dem vor gut einer Woche stattfindenden G20-Gipfel 231 Polizisten verletzt worden seien. Das Ministerium bezieht sich auf die "heiße Einsatzphase" vom 7. bis 9. Juli. Die Hamburger Einsatzleitung hatte bis dato immer von 476 verletzten Beamten gesprochen und sich auf einen erweiterten Einsatzzeitraum vom 22. Juni bis 10. Juli bezogen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 09.07.2017 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Juli 2017, 20:34 Uhr

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94 Kommentare

12.07.2017 15:15 Wieland der Schmied 94

Vermutlich hätte alles, auch wenn es so schon die Hölle auf Erden war, sogar noch schlimmer kommen können, wenn der Fall eingetreten wäre, über den heute einige Medien berichteten, daß ein Anschlag auf einen der Gipferteilnehmer geplant war. Unausdenklich, nicht ganz, für Hamburg am Ende eine Gnade, dass er nicht kam oder abgewendet wurde. Indizien waren, daß die Polizei ab Freitag Mittag erneut weitere Verstärkung verlangt hat um die Truppen am Gipfelort von Philharmonie und Hotels zu konzentrieren, dafür einige Stadtgebiete freiziehen mußte, wonach der Terror dort ungezügelt zuschlagen konnte. Darum war die Spannung am zweiten Tag aus der Versammlung heraus, Trump und Putin tagten gleich im Separee, andere vertraten sich die Beine und Erdogan ward überhaupt nicht mehr gesehen. Die Teflon-Kanzlerin hat das alles unbedrückt überstanden, sie ist gut im Aussitzen.

12.07.2017 13:51 Eulenspiegel 2 93

„Später entstanden daraus regionale linke Gewaltgruppen: Häuserkampfszene unter Joschka Fischer und Sohn-Bendits, Hafenstraße in Hamburg, Antifagruppen bis hin zur Rigaer Straße und der Roten Flora“
Jetzt fangen sie aber an völlig zu spinnen. Wer alles nach ihrer Ansicht in der Nachfolge der RAF stehen soll. Ich denke die würden sich solch eine Unterstellung schwer verbieten. Diese linken Gewalttruppen gab es tatsächlich. Ihre Gewalt bestandet aber hauptsächlich darin Polizisten mit Farbbeutel zu beschmeißen.
Alles im allem ein ideologische Warheitsverdrehun.

12.07.2017 13:49 Eulenspiegel 1 92

Hallo Jenaer 91
„Es war immer das erklärte Ziel der radikalen Linken, die herrschende Staatsform, den Kapitalismus, abzuschaffen, das System zu bekämpfen“
Das ist richtig. Die Abschaffung des kapitalistischen Systems ist einer der Ziele der radikalen Linken. Nur was hat das mit den Vorgängen in Hamburg zu tun mit den Straßenschlachten und den Plünderungen Man schafft das Kapitalistische System nicht ab in dem man sich Straßenschlachten mit der Polizei liefert und in dem man Geschäfte plündert.
Und die Entstehung der RAF ist nur aus der damaligen BRD zu erklären und hat mit diesen Krawallen nur in so weit zu tun das es sich in beiden Füllen um Kriminelle Handlungen handelt. An ansonsten besteht da kein Zusammenhang.
„Später entstanden daraus regionale linke Gewaltgruppen: Häuserkampfszene unter Joschka Fischer und Sohn-Bendits, Hafenstraße in Hamburg, Antifagruppen bis hin zur Rigaer Straße und der Roten Flora“
Jetzt fangen sie aber an völlig zu spinnen.

12.07.2017 09:07 Jenaer 91

Es war immer das erklärte Ziel der radikalen Linken, die herrschende Staatsform, den Kapitalismus, abzuschaffen, das System zu bekämpfen, einen Umsturz herbeizuführen, die politische Klasse wegzurevolutionieren - und sei es mit Gewalt. Aus deren Umfeld entstand einst die RAF, die zwar offiziell vom Staat verfolgt wurde, aber in linken Kreisen (nicht nur in der linken DDR) als willkommener Vollstrecker der eigenen Wunschvorstellungen bewundert wurde. Später entstanden daraus regionale linke Gewaltgruppen: Häuserkampfszene unter Joschka Fischer und Cohn-Bendits, Hafenstraße in Hamburg, Antifagruppen bis hin zur Rigaer Straße und der Roten Flora. Von letzterer (die sich eindeutig links positioniert) ging der Aufruf zur Demo „Welcome to hell“ aus, in dem zum Widerstand gegen die (Zitat) „Scheiß-Bullen“ aufgerufen wurde und in dem der schwarze Block an vorderster Front schon angekündigt wurde …
Dass Gewalt aus linkem Gedankengut nicht entspringen kann, ist ein Märchen.

11.07.2017 16:43 Eulenspiegel 90

Hallo Jenaer 88
„Die Parteien des linken Spektrums tun sich schwer anzuerkennen, dass es linke Gewalt gibt, und behaupten, das habe nichts mit linker Ideologie zu tun. Doch das ist scheinheilig. Eine selbstkritische Auseinandersetzung mit dem Phänomen Linksextremismus wäre überfällig.“
Dann erklären sie uns allen doch ein mal den Zugsamenhang zwischen derart Massiver Zerstörungswut und Plünderei und linkem Gedankengut. Also ich sehe da keinen Zugsamenhang aber vielleicht sind sie ja klüger als ich.

11.07.2017 16:34 Wessi 89

@ 88 bis auf die Tatsache, daß die Hamburger AfD den Gipfel wollte, hat Rechtsextremismus in der Tat mit den Unruhen nichts zu tun.Die Frage bleibt aber, ob nicht verantwortungslose Kriminelle das Wort "links" übelst mißbraucht haben?(s.hierzu Schorlemmer) Und Leute die reflexartig nun den Rücktritt von Scholz fordern, damit ,diesen Kriminellen eine Erfüllung von Zielen,nämlich ,die Beseitigung und den Sieg über Staatsorgane ermöglichten?! Die Frage ist auch noch:was ist extrem und was extremistisch?Oder was führt zu solchen Taten?Und dann sind wir wieder in Heidenau.Die geistigen Urheber sind die Schuldigen...wobei wir dann wieder (im rechten Fall) bei Leuten wären die nicht rel.konsensual denken+180° Grad-Wenden fordern.Im linken Fall sind d.v. Rechten gehassten Parteien eben nicht geistige Verursacher von Unruhen, sie stellen sich nicht einmal zur Wahl.Wenn etwas geändert werden soll,muß es Mehrheiten geben.Die es offensichtl.nicht gibt.Und das ist demokratisch.

11.07.2017 14:38 Jenaer 88

@86: Danke Theophanu, Sie haben das Problem treffend dargelegt.
@85: Es steht außer Frage, dass rechtsextreme Gewalt nicht geduldet werden darf, da stimme ich mit Ihnen überein. Nur, die Ereignisse in Hamburg haben rein gar nichts mit Rechtsextremismus und auch nicht mit der AfD zu tun. Im Gegensatz zu rechtsextremen Straftaten, bei denen ein breiter gesellschaftlicher Konsens darüber besteht, diese zu ächten, fallen linksextreme Motive in unserem Land leider immer noch auf einen geistigen Nährboden, hinter dem sich heimliche Sympathien für die linken Randalierer verbergen. Die Parteien des linken Spektrums tun sich schwer anzuerkennen, dass es linke Gewalt gibt, und behaupten, das habe nichts mit linker Ideologie zu tun. Doch das ist scheinheilig. Eine selbstkritische Auseinandersetzung mit dem Phänomen Linksextremismus wäre überfällig.

11.07.2017 13:05 Peter Riesler 87

Sehr geehrter 10.07.2017, 21:44, Bernd Ludwig (82).
Es geht um das VERSTEHENDE LESEN und nicht um das Zurechtinterprätieren von Beiträgen anderer Kommentatoren. Ich will dies hier mal deutlich hinterlegt haben.
Also. Niemand wird bestreiten, dass unter den "Krawallos" auch "Linksextreme" waren.
Man kann doch aber allen Ernstes nicht übersehen, dass hier eine unverantwortliche Hetzjagd gegen wirklichen Linken gestartet wurde. Im Übrigen verstehe ich parlamentarisch darunter nur "Die Linke", weder die CDU-gleichgeschaltene SPD, noch die Pseudo-Grünen.
Die Zusammensetzung des SB so auf eine politische Richtung auszulenken, ist unverantwortlicher dreckiger Wahlkampf.
Die wirklich Verantwortlichen (CDU, Senat HH und der irre Polizeichef) schieben die Schuld weit von sich.
Stattdessen werden hier weitere Überwachungssanktionen versucht, wieder hoffähig zu machen.
Was wurde über die Stasi hergezogen - gegenüber den jetzigen Zeiten war dieser Verein eine Muumelgruppe.

11.07.2017 11:00 Theophanu 86

Mediator 85:
Ich will mal antworten, obwohl ich das bei Ihren teilweise absurden Beiträgen für wenig erträglich halte.
Das Problem der linskextremen Gewalt ist vielschichtig. Es liegt nicht an der Polizei, sondern an der Justiz, die Linksextreme immer mit besonderer Nachsicht behandelt (2 Beispiele: Beim letzten Gipfel, als der linksextreme Mob Rostock gewütet hatte, gab es trotz vieler Festnahmen nur 3 Verurteilungen; in Leipzig wurden bei den großen linksextremen Randalen alle Verfahren eingestellt).
Außerdem ist die geistige Unterstützerszene breit: sie reicht von Politik (Linke,Grüne) bis zu vielen linksaffinen Journalisten und Zeitungen, die immer relativieren und beschönigen (auch jetzt bei den Hamburger Ereignissen).

11.07.2017 10:01 Mediator an Jenaer (84) 85

Ich denke niemand verharmlost Extremismus in unserem Land. Mann muss jedoch auch die Kirche im Dorf lassen und sich dem Problem sachlich stellen.

Das ständig von Rechter Seite zu hörende Jammern, dass linksextreme Straftaten angeblich nicht verfolgt werden kann ich nicht nachvollziehen. Die Polizeibehörden sind sicherlich bei der Aufklärung von Straftaten nicht weisungsgebunden. Die Dienstanweisung möchte ich sehen, die solche Ermittlungen verbietet. Ob Ermittlungen jedoch einen Tatverdächtigen finden, dass hängt letztendlich auch vom Geschick des jeweiligen Kriminellen ab. Besonders der Vorwurf, dass in konservativen CDU dominierten Ländern eine politische Nähe zu Linksextremisten vorhanden ist, kann nur als lächerlich bezeichnet werden.

Was unser Land gar nicht brauchen kann ist eine Verharmlosung von Rechtsextremismus mit der Begründung, dass Linksextremismus mit Blick auf Hamburg ja angeblich viel schlimmer ist.

Die AfD argumentiert aktuell genau in diese Richtung.