Polizisten gehen am 07.07.2017 in Hamburg nahe der Landungsbrücken gegen Demonstranten vor. Die Polizei hat der Demonstration mit mehreren tausend Teilnehmern den Weg von den Landungsbrücken zur wenige hundert Meter entfernten Elbphilharmonie abgeschnitten.
Gutes Material gibt es nicht überall. Viele Polizisten müssen ihren Dienst mit schlechter Ausrüstung tun. Bildrechte: dpa

Sicherheit Polizei in Europa schlecht ausgerüstet

Polizisten in Europa sind vermeintlich gut gerüstet. Doch die Unterschiede zwischen den EU-Staaten sind groß. Die Europäische Polizeiunion, der Dachverband der Polizeigewerkschaften, hat am Donnerstag in Berlin mit drastischen Beispielen gezeigt, wie es um die Polizisten in Europa bestellt ist.

von Martin Hoferick, ARD-Hauptstadtstudio für MDR AKTUELL

Polizisten gehen am 07.07.2017 in Hamburg nahe der Landungsbrücken gegen Demonstranten vor. Die Polizei hat der Demonstration mit mehreren tausend Teilnehmern den Weg von den Landungsbrücken zur wenige hundert Meter entfernten Elbphilharmonie abgeschnitten.
Gutes Material gibt es nicht überall. Viele Polizisten müssen ihren Dienst mit schlechter Ausrüstung tun. Bildrechte: dpa

Fehlende Funkgeräte, kaputte Schuhe, schlechte Ausrüstung: Polizisten in Europa haben nicht nur mit Verbrechen, sondern oft auch mit ihrer Ausstattung zu kämpfen. In Deutschland zeigte sich das jüngst an Schutzhelmen. Die wurden für die Thüringer Polizei beschafft - allerdings sind deren Visiere zu groß. Die Folge: Setzen Polizisten die Helme auf, können sie nicht richtig mit Maschinenpistolen zielen und schießen.

Für Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, ist klar: Das Problem ist der Flickenteppich. Denn neben der Bundespolizei ist jedes Bundesland für seine eigene Polizei verantwortlich. Wendt sagt:

Ich glaube, dass der Fehler genau da liegt, dass man in unserem Land immer Dinge 16, 17 mal machen muss, statt einmal zu sagen, jetzt machen wir mal was Vernünftiges und einigen uns." Ausrüstung zu beschaffen sei immer noch dezentral organisiert.

Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft

Das gleiche gilt für Europa: Jeder EU-Staat hat eigene Vorgaben, einheitliche Standards gibt es nicht.

Dienst in kaputten Stiefeln

Die Europäische Polizeiunion hat europaweit Polizisten nach ihrer Ausrüstung befragt, die Antworten fallen zum Teil bedenklich aus: So klagen vor allem in Osteuropa Polizisten über heruntergekommene Polizeistationen, zu wenige Funkgeräte und mangelhafte Uniformen. Das sei keine Frage der Eitelkeit, betont der Dachverband der Polizeigewerkschaften. Neun von zehn bulgarischen Polizisten gaben an, ihren Dienst mit kaputten Stiefeln zu verrichten. Nicht nur bei miesem Wetter, auch in Gefahrensituationen seien Polizisten schlecht ausgerüstet. Nicsa Nikodinovic, Sicherheitsexperte der Europäischen Polizeiunion, mahnt:

Es gibt es große Unterschiede im Ausrüstungsangebot und der Qualität der Ausstattung. Die meisten europäischen Polizisten sind beispielsweise nicht mit Stich- und Schusssicheren Westen ausgestattet.

Nicsa Nikodinovic, Sicherheitsexperte der Europäische Polizeiunion
Rainer Wendt
Polizeigewerkschafts-Chef Rainer Wendt Bildrechte: dpa

Dass europaweit verbindliche Standards möglich sind, zeigen die Spezialeinheiten wie die deutsche GSG9. Bei den Spezialkräften gibt es bereits ein Zusammenarbeit und ein einheitliches, hohes Niveau, sagt Polizeigewerkschafts-Chef Wendt: "Aber das sind eben konkrete Einsatzsituationen, in denen Spezialeinheiten eingesetzt werden. Das ist nicht der alltägliche Dienst, da geht es dann in einigen Ländern schnell bergab und da sind wir auf einem Standard, der Europa nicht würdig ist."

Unattraktiv für Nachwuchs

Nun seien die Europäische Union und ihre Mitgliedsstaaten gefordert, einheitliche Richtlinien zu bestimmen. Denn mit mangelhafter Ausrüstung können die Polizisten ihre Aufgaben nicht erfüllen, sie bleiben zudem unattraktiv für potentiellen Nachwuchs. Und den braucht die Polizei - europaweit.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 02.11.2017 | 16:24 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. November 2017, 21:18 Uhr

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4 Kommentare

03.11.2017 08:32 MuellerF 4

Eine der wenigen Gelegenheiten, wo ich Herrn Wendt zustimmen muss: wie auch im Bildungsbereich sorgt hier der Förderalismus für unnötiges Hickhack & Steuerverschwendung.

02.11.2017 20:38 Schädling 3

Führt endlich die Wehrpflicht wieder ein und lasst mit denen die Grenzen schützen. Polizei und Bundespolizei zusammen für innere Zwecke, sollte helfen.

02.11.2017 19:55 Moni 2

was bitte ist eine "Europäische Polizeiunion"?

02.11.2017 19:52 ein schon länger in Deutschland lebender 1

"Niksa Nikodinovic, Sicherheitsexperte der Europäische Polizeiunion"

- Herr Niksa Nikodinovic ist so geheim das er bei Google nicht einmal gefunden wird.
Oder ist der Name falsch geschrieben?

[Vielen Dank für den Hinweis. Die zuständigen Kollegen sind informiert. Herzliche Grüße aus der MDR.de Redaktion]