Carsten Schneider
Mit 41 fast 20 Jahre Parlamentserfahrung: Carsten Schneider Bildrechte: dpa

Porträt: Carsten Schneider Der Neue hinter Nahles

Die geschrumpfte SPD-Fraktion im Bundestag hat ihre neue Spitze gewählt. Neue Chefin ist Andrea Nahles. Parlamentarischer Geschäftsführer wird einer der wenigen profilierten Ostdeutschen, die die SPD aufbieten kann – der Thüringer Carsten Schneider.

von Alex Krämer, ARD-Hauptstadtstudio für MDR AKTUELL

Carsten Schneider
Mit 41 fast 20 Jahre Parlamentserfahrung: Carsten Schneider Bildrechte: dpa

Schnell im Kopf und mit gutem Überblick – der Erfurter Carster Schneider ist auf die neue Aufgabe vorbereitet. Obwohl er erst 41 ist, hat er schon fast 20 Jahre Parlaments-Erfahrung. Sein Thema sind Finanzen. Zuletzt hat er sich dem Geld als stellvertretender Fraktionschef gewidmet.

Ein Mann des Geldes

Als Finanzer kennt man sich automatisch mit fast allem aus, sagt er. "Bei uns läuft alles durch, alle müssen zu uns. Deswegen hat man ein profundes Wissen über fast alle Dinge – nicht ganz tief, aber man kriegt ein gutes Gefühl mit der Zeit." Politik sei "eine Machtfrage". Will man etwas verändern, "geht das immer über Geld."

Dafür gibt es Beispiele. Zuletzt war Schneider der Unterhaltsvorschuss für Allein-Erziehende wichtig. Er setzte mit durch, dass der Unterhaltsvorschuss jetzt gezahlt wird, bis die Kinder 18 sind. Das war einer der Punkte, an denen man merken konnte, dass der Finanzer Schneider Sozialdemokrat ist. "Diesen Leuten, meistens Mütter und ihre Kinder, geht es wirklich dreckig. Sie stehen aber nicht im Fokus."

Es gibt hier in Berlin für jedes Kleinstunternehmen einen Lobbyverband, der deren Interessen vertritt. Aber für die Millionen Alleinerziehenden und deren Kinder gibt es den nicht.

Carsten Schneider, SPD

Die politische Haltung passt hier zur Biografie. Schneider ist der Sohn einer alleinerziehenden Mutter mit wenig Geld. Weil das knapp war, machte er nach dem Abi erst mal eine Banklehre, statt zu studieren. So kam er zum Thema Finanzen. Jetzt wird er sich breiter aufstellen müssen, um die gebeutelte SPD wieder voranzubringen.

Flügelmann für Nahles?

Die miserablen Werte, die seine Partei jetzt bundesweit geholt hat, kennt er aus Thüringen schon länger. Was Schneider vor einem Jahr über die Lage dort sagte, lässt sich nach der Bundestagswahl ganz gut auf die Bundespartei übertragen: "Die letzten Landesregierungen, an denen wir als Juniorpartner beteiligt waren, haben im Kern alle sozialdemokratische Politik gemacht. Aber das zahlt bei uns nicht ein." Wenn die Wahlergebnisse so schlecht seien, dass man nicht die Führung in der Regierung übernehmen könne, dann sei es schwer, "da noch mal rauszukommen. Das geht dann nur mit überragenden Persönlichkeiten."

Schneiders Aufgabe wird es künftig sein, Andrea Nahles dabei zu unterstützten, genau dazu zu werden. Dass die beiden gut zusammenpassen, ist aber nicht ausgemacht. Schneider ist Seeheimer, also einer der eher konservativen Sozialdemokraten, während Nahles dem linken Flügel zugerechnet wird. Eine solche Kombination an der Spitze kann den Vorteil haben, dass sich alle Strömungen eingebunden fühlen. Wenn die Spitzenleute sich aber nicht verstehen, kann das Ganze auch nach hinten losgehen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 27.09.2017 | 08:39 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. September 2017, 13:52 Uhr

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6 Kommentare

28.09.2017 02:19 Naja 6

Frau Merkel "wüßte nicht was wir falsch gemacht haben"
Schade, ich kannte sie anders und bin sicher, sie konnte analytisch denken. Aber das scheint im Politikbetrieb verloren gegangen sein.
Es sollte in Zukunft alle Macht vom Volke ausgehen und nach der zweiten Wahlperiode keine erneute Kandidatur möglich sein.
Das würde eine bessere Bodenhaftung der Mandatsträger fördern und sie müßten ihren Wählern mehr zuhören, denn ihre eigenen Gesetze und Renten würden dann wie die der Normalbürger aussehen.
Ich kenne hier in Sachsen viele Rentner, die nach 40 Jahren Arbeit unter 800 Euro Rente bekommen und meine Rente für 20 jahre Ost ist nur ein drittel der Rente für 20 Jahre West. Dazu war ich keinen Tag arbeitslos stets vollzeit beschäftigt neben vier Kindern. Dafür bekomme ich die Hälfte der Rente meiner kinderlosen westberliner Kolleginnen.
Klar, was soll ich dazu noch sagen?
Ich weine den sozialisten und ihren Gefängnissen keine Träne nach. Aber Gerechtigkeit ist anders.

27.09.2017 16:30 Mario K. 5

Herr Schneider aus Thüringen, der mal sinngemäß sagte, es habe keinen Sinn, Steuergeschenke an die Bürger zu verteilen, wenn kein Wahljahr ist...
Oder wie Frau Barley bei "Hart aber fair" sagte: "Wir haben verstanden" und "Wir müssen den Bürgern erklären...".
Dann wird es mit den 15% bei der nächsten Bundestagswahl sicher klappen.

27.09.2017 16:18 Wessi 4

Die Basis der SPD weiß ziemlich genau, daß jetzt ausgesprochen werden muß was nie gemacht wurde:"die handwerklich sauschlechte Agenda mag derzeit vllt.nötig gewesen sein.Nun geht es dem Land gut und sie muß weg".Die Niederlage war eine Niederlage der Seeheimer (mit Schulz),das Geschiele zur Mitte unnütz.Stefan Weil hat das gerade sehr gut herausgearbeitet.Nichtsdestotrotz muß man Parteiflügel integrieren, damit die Partei als ganzes das Gesicht wahrt.Carsten Schneider ist erstens jung,zweitens Ostdeutscher,drittens Seeheimer.Ganz ohne Verbindungen zur Wirtschaft geht es nicht.

27.09.2017 15:12 Fragender Rentner 3

Das wird spannend werden, wenn die SPD die Regierung in sozialen Dingen für die Bürger vor sich her treiben will?

27.09.2017 14:53 Mehr muss ich gar nicht wissen 2

"Schneider ist Seeheimer, also einer der eher konservativen Sozialdemokraten"

Es hätte dieser eine Satz ausgereicht. Das ganze windelweiche Gerede mündet und summiert sich auf in diesem Satz. Der Genosse Finanzlobbyist ist natürlich der Controller hinter Nahles. Er wird ihr die "Alternativlosigkeiten" i. A. vorrechnen.

Die SPD ist am Ende - sie ist offensichtlich nur der Pappkamerad des Seeheimer Kreises, der die Partei in der Partei darstellt und seine Sprechpuppen zum Wohle seiner Klientel tanzen lässt. Wir werden schon in wenigen Wochen den Weitergang des intellektuellen Siechtums erleben, den diese Partei dann "Oppositionsarbeit" nennen wird. Ich würe mich nicht einmal wundern, wenn es auf Ausschussebene eine Art verdeckte GroKo geben wird. Das Lügen und Belügen ist schon längst ganz normales politisches Mittel der Schröderlinge und sie werden auch nach der BTW davon nicht ablassen können.

27.09.2017 14:52 Nachdenklicher 1

Das nenne ich mal "1-a-Besetzung": Nahles studierte Politik, Philosophie und Germanistik in Bonn mit Abschluss Magistra Artium in den Fächern Neuere und Ältere Germanistik sowie Politikwissenschaft. Naja …

Und Schneider beendete seine Lehre 1997 als Bankkaufmann, leistete dann seinen Zivildienst, um nach der Bundestagswahl 1998 als damals jüngster Abgeordneter Mitglied des Deutschen Bundestages zu werden.

Also: zwei Berufspolitiker, die nach Ausbildung bzw. Studium nie in einem ordentlichen Beruf gearbeitet haben.

Da lobe ich mir doch die Thüringer AfD-Mitglieder: 2 Rechtsanwälte, 1 Orthopäde, 1 Medieninformatiker (und ja, auch ein promovierter Politikwissenschaftler) - alle aus dem wahren (Berufs-)Leben.