Ein junger Mann spielt an einem Spielautomaten
Automaten machen schneller und öfter süchtig als andere Gewinnspiele. Bildrechte: dpa

Gesetzesverstöße an Raststätten Spielautomaten oft zugänglich für Kinder

An Autobahnraststätten und Autohöfen werden die gesetzlichen Bestimmungen zur Aufstellung von Geldspielautomaten oft nicht eingehalten. Darauf hat die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler hingewiesen. Sie verweist auf eine neue Studie des Arbeitskreises gegen Spielsucht. Die Forscher haben dafür rund 500 Raststätten untersucht.

von Cecilia Reible, ARD-Hauptstadtsudio

Ein junger Mann spielt an einem Spielautomaten
Automaten machen schneller und öfter süchtig als andere Gewinnspiele. Bildrechte: dpa

Mehr als 15.000 Kilometer haben die Experten des Arbeitskreises gegen Spielsucht von Oktober bis Januar zurückgelegt. Ihr Ziel: Die deutschen Autobahnraststätten und deren gastronomischen Einrichtungen.

Maximal drei Geldspielautomaten darf eine Gaststätte nach geltender Gesetzeslage aufstellen. Das Personal muss die "Einarmigen Banditen" ständig im Blick haben. Auch müssen die Automaten technisch gesichert sein, damit Kinder und Jugendliche nicht daran spielen können.

In über 91 Prozent war der Jugendschutz außer Kraft gesetzt.

Jürgen Trümper, Arbeitskreis gegen Spielsucht

Doch Verstöße gegen diese Bestimmungen seien in den meisten Autobahnraststätten an der Tagesordnung, beklagt Jürgen Trümper, Geschäftsführer des Arbeitskreises gegen Spielsucht. "Die technische Sicherung an den Geräten haben wir nur in 8,8 Prozent der gastronomischen Betriebe an Autohöfen und Raststätten vorgefunden."

Das hieße im Umkehrschluss: In mehr als 91 Prozent war diese technische Sicherung nicht vorhanden und damit der Jugendschutz außer Kraft gesetzt. 

Frei zugänglich für Kinder und Jugendliche      

Die Betreiber der Autobahnraststätten seien in der Pflicht, hier Abhilfe zu schaffen, fordert Trümper. Er beklagt auch die unsensible Aufstellung der Spielautomaten in den Raststätten. "Die Geräte stehen mitten in den Betrieben, sind frei zugänglich für Kinder und Jugendliche, die auch natürlich das Spiel beobachten."

So würden 16-Jährige mitbekommen, wie aus dem Wechselgeld einer Currywurst beispielsweise Vermögenswerte gewonnen werden können. "Da braucht der Betreffende gar nicht selber daran zu spielen", sagt Trümper. Sogar neben EC-Automaten seien die "Einarmigen Banditen" manchmal platziert. In Spielhallen sei das aus gutem Grund verboten.

Suchtrisiko 30 Mal höher als bei anderen Spielen

Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler ist alarmiert. Zwar ist die Zahl der Menschen, die süchtig nach Glücksspielen sind, zuletzt zurückgegangen. Das Zocken am Geldspielautomaten scheint aber gefährlicher zu sein als andere Glücksspiele. "Wir wissen, dass das Suchtrisiko 30mal so hoch ist wie im Vergleich zu anderen Spielen. Das müssen wir ernst nehmen", sagt Mortler.

Dazu komme, dass 60 Prozent des Umsatzes eines Glücksspielautomaten von Spielsüchtigen erzielt würden. Eine unglaubliche Zahl, findet die Bundesdrogenbeauftragte: "Denn hinter Spielern steht in der Regel eine ganze Familie. Das heißt der Spieler ruiniert sich am Ende nicht nur selber, sondern zerstört die ganze Familie."

Bußgelder sollen Abhilfe schaffen

Um Abhilfe zu schaffen, will Mortler die Ministerpräsidenten der Länder in einem Brief an ihre Aufsichtspflicht erinnern. Die kommunalen Ordnungsämter müssten die Einhaltung der Jugend- und Spielerschutzbestimmungen an Raststätten stärker kontrollieren, fordert die CSU-Politikerin. Bei Verstößen müssten entsprechende Bußgelder verhängt werden.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 30.03.2017 | 09:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. März 2017, 05:00 Uhr

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2 Kommentare

30.03.2017 19:42 Ulf 2

Ich bin der Meinung, dass Spielautomaten nur in vom Gaststättenbetrieb getrennten Räumlichkeiten aufgestellt werden sollten. Ich finde es nicht richtig, dass da auf den Rasthöfen eine Vermischung stattfindet. Wenn 60% des Umsatzes durch Süchtige erzielt werden, so sollte dies zu denken geben.

30.03.2017 17:26 HERBERT WALLASCH, Pirna 1

Gerade bei Raststätten kann man die Verantwortung nicht nur auf die Betreiber abschieben, die Eltern sind da ihre Aufsichtsflicht nicht nachgekommen. Das ist eben das Schlimme in der heutigen Zeit, es wird immer ein Schuldiger gesucht und gefunden, nur nicht sich selbst.