Alexander Gauland, Alice Weidel und Jörg Meuthen
Die AfD-Spitzenkandidaten Gauland und Weidel und Parteisprecher Meuthen (v.l.n.r.) feiern am Wahlabend ihren Erfolg. Bildrechte: dpa

Reaktionen zur Bundestagswahl Schock und Schuldzuweisungen nach AfD-Erfolg

Der AfD-Erfolg schockt die anderen Parteien: Sachsens Ministerpräsident Tillich ist überrascht, sein Thüringer Amtskollege Ramelow gibt der Union eine Mitschuld. AfD-Spitzenkandidat Gauland will die Debattenkultur im Bundestag ändern. Derweil hält sich die FDP für eine mögliche Regierungsbeteiligung im Bund bereit.

Alexander Gauland, Alice Weidel und Jörg Meuthen
Die AfD-Spitzenkandidaten Gauland und Weidel und Parteisprecher Meuthen (v.l.n.r.) feiern am Wahlabend ihren Erfolg. Bildrechte: dpa

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat der Union eine Mitschuld am starken Abschneiden der AfD gegeben.

Bodo Ramelow Ministerpräsident Thüringen in der Staatskanzlei
Bildrechte: dpa

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) hat der Union eine Mitschuld am starken Abschneiden der AfD gegeben. Die Union habe den Platz rechts von ihr freigemacht.

MDR AKTUELL Mo 25.09.2017 07:43Uhr 07:24 min

http://www.mdr.de/wahl2017/audio-498776.html

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Der Linke-Politiker sagte MDR AKTUELL, die Union habe den Platz rechts von ihr freigemacht. Völkisch-national aufgeladene Kandidaten seien mit einem Denkzettel in den Bundestag entsandt worden.

Er glaube aber nicht, dass die Wähler in den neuen Ländern wirklich völkisch national wählen wollten, sagte Ramelow. Seiner Ansicht nach ist das AfD-Ergebnis eher ein Ausdruck von Protest als von politischer Überzeugung.

Tillich überrascht

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich zeigte sich überrascht über den AfD-Erfolg. Der Christdemokrat sagte MDR AKTUELL, in Zeiten niedriger Arbeitslosigkeit und bester wirtschaftlicher Daten denke man, dass die Menschen anders wählen würden.

Die AfD war bei der Bundestagswahl am Sonntag in Sachsen mit 27 Prozent stärkste Kraft noch vor der CDU (26,9 Prozent) geworden. In Thüringen und Sachsen-Anhalt wurde die AfD zweitstärkste Kraft. Im Bund landete die Partei mit 12,6 Prozent aus dem Stand auf Rang drei.

Gauland will Debattenkultur ändern

AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland kündigte unterdessen an, die Debattenkultur im Bundestag ändern zu wollen.

Gauland sagte MDR AKTUELL, der Bundestag habe in den letzten Jahren alternativlose Politik abgenickt. Das werde sich mit der AfD ändern.

FDP bereit für Regierung

Ändern wird sich höchstwahrscheinlich auch die künftige Koalition im Bund. Nachdem die SPD noch am Wahlabend erklärt hatte, in der kommenden Legislaturperiode nicht mehr mitregieren zu wollen, gilt eine Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen als einzig mögliche Variante.

Eine Frau steht vor einer Leinwand. Sie hält ein Mikrofon in der Hand und spricht
Bildrechte: MDR/Bernhard Klingborn

FDP-Generalsekretärin Nicola Beer erklärte sich grundsätzlich zu einer Regierungsbeteiligung bereit. Beer sagte MDR AKTUELL, wenn alle Verantwortung übernähmen und wirklich seriös in die Gespräche gingen, könne ein Jamaika-Bündnis möglich werden. Allerdings wolle die FDP eine Trendwende in der deutschen Politik. Da müsse sich auch auf Seiten der Grünen und der CDU etwas ändern.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 25.09.2017 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2017, 13:47 Uhr

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27 Kommentare

27.09.2017 11:21 max mustermann 27

Es gibt keinen Zweifel nach dem Ergebnis. die CDU ist der
Grund, die AfD das Ergebnis.
Ich hatte 2010 vor dem Sozialgeicht
Dresden auf staatliche Kostenuebernahme fuer auslaendische Buerger bei
Notarzteinsaetzen nach negativem
Bescheid geklagt.

25.09.2017 16:56 Richard Rumbold 26

@Schnellschnitt: Aber auch die Linkspartei hat ihre Aktie an dem AfD-Erfolg. Die AfD hat einen Teil der Anhängerschaft der Linkspartei dort abgeholt, wo diese sie "abgestellt" hat.Die Linkspartei hat sich der Ostproblematik erst vor wenigen Wochen wieder zugewandt und auch nur halbherzig.

25.09.2017 16:51 Markus 25

Das Volk blieb zu lange von CDU nicht gehört. Statt im Himmel zu schweben, sollte CDU mehr über wirkliche Probleme von Menschen denken. Jetzt kann CDU alles noch gut machen. Wenn aber noch 4 Jahre nichts gemacht wird, dann haben wir bestimmt 60% für AfD.

25.09.2017 16:45 andre 24

@Dr. Harald Brandl - Wenn die Zuwanderungspolitik und die angebliche Antirussenpropaganda Sie dazu bewogen haben, die AFD zu wählen, dann sind Sie und Ihr Bekanntenkreis ganz schön kurzsichtig. Für mich waren wirtschaftliche und demokratische Punkte ausschlaggebend, wie wir weiter zusammenleben wollen, wie wir die Rente aufrecht erhalten können, wie es zukünftig mit der Gerechtigkeit in unserem Land aussieht etc. pp.... Aber gut, man kann auch aus Protest eine Partei wählen, die Rassisten und Rechtsextreme in ihren Reihen hat, aus Protest...

25.09.2017 16:36 Fragender Rentner 23

Na ob wir nicht ein paar überreden werden können?

25.09.2017 16:16 M. Jacob 22

Ob das noch ein Erfolg für die AfD wird, wage ich nach dem Debakel mit Frau Petry zu bezweifeln. Bereits am Tag eins nach der Wahl erodiert diese zweifelhafte Fraktion schon. Wetten, dass während der laufenden Legislaturperiode die Fraktion sich spaltet und der Petry Teil von der CDU aufgesogen wird? Alles nur eine Frage des Preises!

25.09.2017 15:36 Schnellschnitt 21

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat der Union eine Mitschuld am starken Abschneiden der AfD gegeben. Da muss ich Herrn Ramalow zustimmen.

25.09.2017 15:16 Frank 20

Der Herr Tillich ist also überrascht. Wo war er denn die letzten 2 Jahre? Spass aus!
Also auf jeden Fall willkommen im realen Leben. Krempeln Sie die Ärmel hoch, denn bis zur nächsten Landtagswahl haben Sie gut zu tun. Zeit zum Träumen haben Sie mit Sicherheit nicht mehr.

25.09.2017 15:04 Marek Ahlers 19

Das mit linker Schlagseite, links im Kreis fahrende Schiff ,ist endlich auf "Mitte" getrimmt worden. Der Kurs der Mitte ist also schon ein Rechtsruck. Das mag vielen Realitätsverweigerern so erscheinen,trotzdem war diese Kursänderung nötig. Eine Merkel CDU,die das eigentliche Problem ist und sich als Lösung anbietet. Eine FDP,die Lösungen der AfD kopiert,aber Gegenpol zur AfD sein will und die fern jeder Realität agierenden Grünen........nein,gut dass es die AfD gibt,sonst wäre es zu einen Bürgerkrieg gekommen! Die Konservative streitet demokratisch........ich bin erleichtert !

25.09.2017 14:31 Nachdenker 18

Wie wäre es, wenn jetzt mal alle die Realität akzeptieren würden - es war eine demokratische Wahl!!! Vielleicht wäre es nun hilfreich aufzuhören, die AfD zu ignorieren, auzugrenzen, die Wähler als "völkisch" (Th. Oppermann) zu bezeichnen. Es ist jetzt an der Zeit, die AfD Fraktion im BT in die Verantwortung zu nehmen, Politik für ALLE Bürger dieses Landes mitzugestalten. Dieses Dreck werfen ist einer Demokratie unwürdig. Es ist genau dieses Ausgrenzen und Ignorieren, dass sich die Menschen von den Altparteien abwandten. Es ist auch an der Zeit, exakt zu definieren: was ist Populismus, was ist "völkisch", was ist rechtsnational. Mit Polemik werden die alle die nächsten 4 Jahre D ins Chaos treiben! Es ist jetzt an der Zeit, zu ARBEITEN für das Volk, statt weiter mit Dreck zu werfen! Und es wird Zeit, die FDP wieder zu Partei des Mittelstandes zu machen.