Symbolbild MDR Thementag Wer bezahlt den Osten
Der Aufbau Ost begann mit der Zerschlagung vieler Ostunternehmen - die Aufträge gingen zumeist an Westkonzerne. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR-Doku "Wer bezahlt den Osten?" Aufbau Ost ist vor allem Aufschwung West

Mit gewaltigen Summen wurde nach der Wiedervereinigung Ostdeutschland saniert. Doch Anfang der 90er-Jahre brach zunächst die Wirtschaft im Osten zusammen. Die großen Westunternehmen profitierten und sicherten sich in großem Stil neue Marktanteile. Eine dreiteilige MDR-Dokumentation beleuchtet die Transferströme von West nach Ost – und zeigt, dass ein Großteil der Gelder wieder zurückfloss.

Symbolbild MDR Thementag Wer bezahlt den Osten
Der Aufbau Ost begann mit der Zerschlagung vieler Ostunternehmen - die Aufträge gingen zumeist an Westkonzerne. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Seit der Wiedervereinigung sind rund 1,6 Billionen Euro in den Osten Deutschlands geflossen. 130 Milliarden Euro davon wurden allein in den ersten fünf Jahren für den Aufbau der Infrastruktur verwendet. Davon profitiert haben fast ausschließlich westdeutsche Unternehmen. Das belegen MDR-Recherchen für die Dokumentation "Wer bezahlt den Osten?", für die zahlreiche Studien, Statistiken und Haushaltsberichte von Bund und Ländern ausgewertet wurden.

Ostwirtschaft zerschlagen

Das gigantische Investitionsprogramm wurde von der EU, dem Bund und den westdeutschen Bundesländern finanziert sowie seit Einführung des Solidaritätszuschlages 1991 von allen Steuerzahlern. Dabei zahlten die Westdeutschen in den ersten zehn Jahren mit 1.500 Euro pro Kopf mehr als das Vierfache der Ostdeutschen.

Allerdings waren es auch damals große West-Konzerne, die etwa vom Verkehrsprojekt Deutsche Einheit profitierten: Wayss&Freytag, Hochtief Essen, Züblin aus Stuttgart oder Bilfinger und Berger. Der Wirtschaftsaufschwung ging jahrelang am Osten vorbei. Während die neuen Bundesländer bis 1994 etwa 3,5 Millionen Arbeitsplätze verloren, entstanden im gleichen Zeitraum im Westen rund eine Million neue Stellen.

Wachstumsprogramm für Westfirmen

Die Supermarkt-Ketten Rewe, Aldi, Karstadt & Co haben sich den Einzelhandelsmarkt in den neuen Bundesländern aufgeteilt. Verkauft wurden dort fast ausschließlich Westwaren. 96 Prozent des 1990 im Osten gekauften Kaffees waren Westprodukte. 1992 wurde die Hälfte des Ost-Einzelhandel-Umsatzes von 15 Milliarden Euro von Unternehmen mit Sitz im Westen erzielt. Die Gewinne und damit auch die Gewerbesteuern flossen in die sogenannten alten Länder.

Der Anteil der Gewerbesteuern aus dem Osten betrug 1992 gerade einmal 1,25 Prozent. Das westdeutsche Bruttoinlandprodukt kletterte im Jahr der Wiedervereinigung um sechs Prozent, 1991 und 1992 um fünf Prozent. Das waren die stärksten Wachstumsraten seit den 60er-Jahren. Im Osten dagegen brach die Wirtschaft um mehr als zwei Drittel Prozent ein.

Teil 1: "Geben und Nehmen"

Im ersten Teil der MDR-Dokumentation geht es um das Thema "Geben und Nehmen" und die Euphorie der Wendezeit. Die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion zwischen West und Ost 1990 ist dabei der "Urknall" - ein historisch beispielloses Experiment.

Die Autoren haben in Bonn und Bitterfeld recherchiert, in Günthersdorf, Weißwasser und Leipzig hinterfragt, wo die Milliardensummen damals landeten. Es tobte ein Verteilungskampf um Standorte und Geld.

Die Unternehmerin Ingrid Weinhold aus Bitterfeld erzählt von der Aufbruchstimmung, aber auch von der Enttäuschung über die Förderpolitik von Treuhand und Banken. SPD-Urgestein Klaus von Dohnanyi saß damals im Aufsichtsrat des DDR-Kombinates TAKRAF. Er sagt heute: "Man hätte engagierten Ost-Unternehmern mehr Geld in die Hand geben müssen". Kurt Krieger, Gründer des Möbel-Riesen Höffner, berichtet, wie er vom neuen Markt profitierte und warum er seinen Firmensitz in den Osten verlagerte – als eines von wenigen Großunternehmen aus dem Westen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: FERNSEHEN | 30.05.2017 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Mai 2017, 07:50 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

101 Kommentare

01.06.2017 20:25 Ullrich 101

@kritischer Bürger
Falsch und falsch! Weder der Name noch Großenhain - habe ich nie erwähnt - ist richtig.
Aber sie wissen ja alles.

[Liebe User,
bitte bleiben Sie beim Thema.
Kommentare ohne Bezug zum Thema des Artikels werden entsprechend unserer Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) nicht freigegeben.
Ihre MDR.de-Redaktion]

01.06.2017 20:20 Dorfbewohner 100

Hi Kritischer Bürger,

danke für die Auskunft!

01.06.2017 20:03 Kritischer Bürger 99

Der Inhalt der damals mit Freunden verteilten Flugblätter hätte heute noch an Bedeutung zu haben. Stichwort: Forderung nach Volksdiskussion. Damals über das Wehrdienstgesetz heute könnte man ähnliche Bereiche damit "bestücken" BÜRGER sollten damals über Entwicklungen in diesem benannten Fall (Wehrdienst) sich äußern dürfen und dieses Ergebnis sollte in der Endfassung dieses Gesetzes mit berücksichtigt werden. Ein Mann wie Hr. Sello 1957 geboren hatte gute Erwartungen doch für die Öffentlichkeit war dies 1982 viel zu früh.

01.06.2017 19:51 Kritischer Bürger 98

@Dorfbewohner 96: Hr. Ullrich (nehme ich mal an=Herr) meint die Verleihung des dt. Bundesverdienstkreuzes an Tom (oder besser Thomas) Sello. Diesen Bürger hatte Hr.Ullrich auch in einem anderen Kommentar schon einmal gemeint als er von Riesa und Großenhain schrieb! Das Bundesverdienstkreuz verliehen am 04.10.2013 neben Ihm auch an weiteren 14 Frauen und 17 Männern. Herr Sello hatte vieles bewegt doch er allein war auch nicht der Retter eines ganzen ostdeutschen Bürgertumes. Das haben allein die Bürger geschafft die sich in Kirchen und später an den Verhandlungstischen einfanden. Näheres kann man über Herrn Thomas Sello im Internet ganz schnell finden.

01.06.2017 18:41 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 97

@ 92. Ullrich:
/sign

01.06.2017 18:03 Dorfbewohner 96

Ullrich 95

Zita “... Die Anerkennung kam für einen mit dem Bundesverdienstkreuz für sein schwieriges Werk ihn der DDR.”

Bitte mal übersetzen.

01.06.2017 14:26 Ullrich 95

Wovon sie alles Ahnung haben! Ich schreiben nur viel. In meinem Bekannten und Freundeskreis sind Menschen ausgewiesen worden, worden frei gekauft, haben gesessen, durften kein Abitur machen! Die Anerkennung kam für einen mit dem Bundesverdienstkreuz für sein schwieriges Werk ihn der DDR.
Also hören sie auf von wissen zu sprechen!

01.06.2017 12:00 Kritischer Bürger 94

@Ullrich 92: +... (man war ja weg vom Fenster). ... und worauf soll sich diese Anmerkung beziehen? *** Bezieht sich diese Ihre Anmerkung auf: +....Bürger, welche zu frei aufbegehrten gegen das System waren schnell weg aus der Öffentlichkeit! ...+ Dann trifft meine Bemerkung vom vorherigen etwas weniger scharfen Beitrag=Kommentar auf Sie persönlich ja voll zu. *** Ich für meinen Teil warte mal auf die nächsten Teile dieser MDR-Recherche!

01.06.2017 11:53 Kritischer Bürger 93

@Ullrich 92: +...Wie sie schon schrieben. Sie sind in der DDR sozialisiert. Reden, aber keine Verantwortung übernommen (man war ja weg vom Fenster).
Den schuld sind die anderen....+ *Sie sind in der DDR sozialisiert.*Wer soll =SIE= sein?***Reden, aber keine Verantwortung übernommen* Wie sollte diese Verantwortung ausgesehen haben? Das man als Bürger schon 1949 den Kommunismus nicht nachlaufen sollte oder später die sozialistische Führung zu stürzen hatte. Das man mit 1989 auch die Investoren abweisen sollte (als Bürger wohl gemerkt) Was man nicht alles als Argumente beibringen will wenn man so überzeugt ist wie Sie und von noch weniger Ahnung hat!!

01.06.2017 07:51 Ullrich 92

@kritischer Bürger
Wie sie schon schrieben. Sie sind in der DDR sozialisiert. Reden, aber keine Verantwortung übernommen (man war ja weg vom Fenster).
Den schuld sind die anderen.

Dokus im MDR FERNSEHEN

Programmtipp: Wer bezahlt den Osten? (1)

Programmtipp: Wer bezahlt den Osten? (1)

Di, 30.05.2017, 20:50 Uhr

Programmtipp: Wer bezahlt den Osten? (2)

Programmtipp: Wer bezahlt den Osten? (2)

Di, 06.06.2017, 22:50 Uhr

Programmtipp: Wer bezahlt den Osten? (3)

Programmtipp: Wer bezahlt den Osten? (3)

Di, 13.06.2017, 22:05 Uhr