Mann mit Bomberjacke und Baseballschläger.
Bis Ende des dritten Quartals wurden bundesweit über 800 Straftaten gegen Flüchtlingsheime registriert. Bildrechte: IMAGO

Statistik 2016 Rechtsextreme Gewalt in Mitteldeutschland

Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte schaffen es nur noch selten in die Top-Nachrichten. Dennoch machen sie, wie bereits im Rekordjahr 2015, einen erheblichen Anteil in die Statistik rechter Gewalttaten 2016 aus. Außerdem zählt das Bundeskriminalamt mehr versuchte Tötungen und Körperverletzungsdelikte von rechts. Was passierte im Bereich Rechtsextremismus im Jahr 2016? Ein Überblick über die Situation in Mitteldeutschland.

von Jennifer Stange, MDR AKTUELL

Mann mit Bomberjacke und Baseballschläger.
Bis Ende des dritten Quartals wurden bundesweit über 800 Straftaten gegen Flüchtlingsheime registriert. Bildrechte: IMAGO

Freital, Clausnitz, Dresden. Orte, die 2016 durch rechte Angriffe bundesweit in die Schlagzeilen geraten sind. Sie machen dem Jahrzehnte alten Klischee vom braunen Osten alle Ehre. Das Bundeskriminalamt spricht in seinem letzten Lagebericht vom Klima der Angst, das Rechtsradikale in Teilen Ostdeutschlands geschaffen haben. Linken-Innenpolitikerin Martina Renner: "Wenn wir uns die Zahl der rechtsextremen und rassistischen Straf- und Gewalttaten bezogen auf die Bevölkerung anschauen, dann sehen wir, dass häufiger im Osten solche schweren Straftaten, Gewalttaten geschehen. Wenn wir es absolut sehen, dann müssen wir konstatieren, dass in NRW, Bayern und Brandenburg häufiger entsprechende Angriffe und Anschläge stattfinden."

 Immobilien für Neonazis in Thüringen

Bis zum Ende des dritten Quartals 2016 wurden bundesweit über 800 Straftaten gegen Flüchtlingsheime registriert. Bei fast allen sieht das Bundeskriminalamt einen rechtsmotivierten Hintergrund. Bei etwa einem Viertel der Straftaten wendeten die Angreifer Gewalt an. Darunter mehr als 60 Brandstiftungen und zehn Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz. Auch die Zahl der von Neonazis und anderen Rechtsextremen verübten versuchten Morde und Totschlagsdelikte haben zugenommen.

Bis Anfang Oktober zählte die Polizei bundesweit elf versuchte Tötungsdelikte mit rechtem Tathintergrund. Renner: "Wir haben es derzeit mit einer bundesweiten Gewaltwelle zu tun, mit regionalen Schwerpunkten. Die haben auch immer etwas damit zu tun, wie entsprechend die neonazistische Szene vor Ort aufgestellt ist." In Thüringen sind es vor allem die strukturellen und logistischen Gegebenheiten, die Nazis anlocken, so Recherchen des Vereins Mobit aus Erfurt, der Dokumentation und Analyse zu Neonazi-Aktivitäten erstellt.

Konzerteinnahmen für NSU-Unterstützer?

Felix Steiner von Mobit: "Wir reden derzeit über 14 Immobilien, die wir erfassen. Das heißt, wir haben hier Freiräume für die Szene, wo Konzerte, Landesparteitage und Bundesparteitage stattfinden können." Insbesondere Konzerte gelten als Finanzierungsquelle für rechte Strukturen, so Renner: "Um zum Beispiel nicht nur die Angeklagten in Ballstädt zu versorgen. Der Verdacht ist, dass das Geld auch für die angeklagten NSU-Unterstützer genutzt wird, insbesondere dem angeklagten Ralf Wohlleben."

Linke fordert bundesweites Sicherheitskonzept

In Sachsen verzeichnete das BKA 2016 im Zusammenhang mit dem Thema Asyl eine hohen Straftatendichte in einzelnen Regionen. Die Bildung terroristischer und krimineller Gruppen innerhalb des rechten Spektrums müsse in Betracht gezogen werden. Ein Beispiel: Die sogenannte Gruppe Freital. Sie soll die Kleinstadt bei Dresden monatelang terrorisiert und unter anderem zwei Flüchtlingsunterkünfte angegriffen haben. Ursache dafür sei auch das gesellschaftliche Klima in Sachsen, so Renner: "Wir haben in Sachsen Kenntnis darüber, dass der Sprengstoffanschlag auf eine Moschee von einem oder möglicherweise sogar mehreren Tätern stammen, die aus dem Umfeld von Pegida, also dieser rassistischen Straßenmobilisierung, herrühren. Ich glaube aus dieser Stimmungslage heraus erwächst dann Hass und Gewalt." Die Linken-Politikerin fordert ein bundesweites Sicherheitskonzept der Behörden, um auf die neuen Gefahren von Rechts zu reagieren. 

Mit diesem Thema beschäftigt sich MDR AKTUELL auch im Radio | 15.01.2017 | ab 06:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Januar 2017, 05:00 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

77 Kommentare

16.01.2017 19:01 Ullrich 77

Und der Bogen zu Pegida wird in meinen Augen zu Recht gezogen, denn eine klare Distanzierung von rechten Gewalttaten fehlt bei großen Teilen von Pegida - im übrigen auch bei Teilen der AFD.

16.01.2017 18:52 Ullrich 76

@ wo geht es hin - für sie noch mal der Absatz:
“...Wir haben in Sachsen Kenntnis darüber, dass der Sprengstoffanschlag auf eine Moschee von einem oder möglicherweise sogar mehreren Tätern stammen, die aus dem Umfeld von Pegida, also dieser rassistischen Straßenmobilisierung, herrühren....“.
Wo steht hier was von “glaube“?
Und jetzt dürfen sie weiter ihre relativierenden Kommentare schreiben.
Und noch mal für alle anderen Relativierer - es geht in diesem Artikel um rechtsradikale Straftaten. Linke Gewalt ist ebenso zu verurteilen, aber darum geht es hier nicht!

16.01.2017 18:23 Wo geht es hin? 75

@Ullrich - Zitat von Ihnen:"den Abschnitt davor haben sie gelesen oder?" Zitat Ende. Keine Angst, hab ich. Alles davor steht doch aber auch in dem direkten Zusammenhang mit dem "glaube ich", oder etwa nicht? Mir geht es hier nicht um die Auflistung von Straftaten, sondern wie der Bogen dazu ganz schnell auf GANZ PEGIDA gespannt wird, obwohl man doch sonst ganz schnell mit der Parole kommt, das man nicht pauschalisieren dürfte. Wenn DER Slogan gebraucht wird, geht es aber immer komischerweise nur um Straftaten, die NICHTS mit PEGIDA zu tun haben. Und nur, weil so ein "Experte" etwas "glaubt", ist das für Sie das neue Evangelium?

16.01.2017 16:07 Irmela Mensah-Schramm 74

Am 7.1.17 stellte ich in Rosslau fest, dass leider auch von den Einwohnern die unzähligen NS Sticker geschützt werden und ich beschimpft wurde, weil ich sie - bei klirrender Kälte_ zerstörte.
Da fielen bei einem älteren Mann die Worte: "Die Kanaken fackeln die Häuser ab"!
So zu den Kommentaren da unten - die schon eine Zumutung für demokratisch gesinnte Bürger sind::
Leute bleibt mal auf dem Teppich!

16.01.2017 15:39 Ullrich 73

@70 - den Abschnitt davor haben sie gelesen oder? Bestimmt haben die dann auch verstanden in welchem Zusammenhang das “glaube“ steht. So geben sie aber ein gutes Beispiel dafür ab, wie Nachrichten manipuliert werden können.

16.01.2017 13:00 @ulrich 72

Und du bist dir weiterhin sicher das zu versuchen alle die nicht rotrotgrüner Meinung sind mit allen Mitteln Mundtot zu machen der richtige Weg ist ?
Ich glaube das selbst rotrotgrünen klar sein müsste das sowas bisher immer nach hinten los gegangen ist. Die Geschichte lehrt das zumindest.

16.01.2017 12:30 Wo geht es hin? 71

@Ullrich - Zitat von Ihnen: "Und nun?" Zitat Ende. Der von Ihnen Zitierte sagt: ich "glaube". Und nur weil er es "glaubt", stimmt dann auch alles so? Und wenn hier beim MDR steht, ich "glaube", den Ullrich kann man schön veräppeln, stimmt das dann auch? Weil: es steht ja hier beim MDR?

16.01.2017 11:44 ralf meier 70

@16.01.2017 08:44 Joachim Dierks: Hallo Herr Dierks, versuchen Sie doch mal für einen Moment, so zu tun, als ob Sie jemand andres wären. Schauen Sie sich die Zahlen im Kommentar vom Querdenker an und vergleichen Sie die Stellungnahme des Herrn Maier mit der des Herrn Dierks. Wer relativiert hier ?

16.01.2017 08:49 Ullrich 69

Ich zitiere mal aus dem Artikel für alle Besorgten:
Ursache dafür sei auch das gesellschaftliche Klima in Sachsen, so Renner: "Wir haben in Sachsen Kenntnis darüber, dass der Sprengstoffanschlag auf eine Moschee von einem oder möglicherweise sogar mehreren Tätern stammen, die aus dem Umfeld von Pegida, also dieser rassistischen Straßenmobilisierung, herrühren. Ich glaube aus dieser Stimmungslage heraus erwächst dann Hass und Gewalt.
Und nun?

16.01.2017 08:44 Joachim Dierks 68

Es ist doch selbstverständlich, dass man auch linksradikale Verbrechen verurteilt und ablehnt.
Was aber hier vielerorts passier, z.B. durch Sie Herr Meier, ist, dass man die rechten Straftaten durch das immer wieder vorgetragene Argument ,,aber die Linken doch auch'' relativieren will.
Das ist Kindergartenargumentation!
Die Verbrechensserie des NSU und die Angriffe auf Flüchtlingsheime sind Verbrechen und eine Schande für Deutschland, das hat nichts mit Ideologie zu tun, sondern einfach mit Menschlichkeit, das man so was aufs schärfste verurteilt!