Rüstige Senioren spazieren mit Hund.
Fit in den Ruhestand: Viele Menschen nutzen die Rente mit 63, um ihr Leben noch zu genießen. Bildrechte: IMAGO

Mitteldeutschland Rente mit 63 weiter stark gefragt

Nach 45 Arbeitsjahren ohne Abzüge in den Ruhestand. Dem Angebot der Rente mit 63 können viele Arbeitnehmer nicht widerstehen. Allein die Rentenversicherung Mitteldeutschland verzeichnet jährlich weit über 20.000 Anträge. Auch in diesem Jahr wird das so sein. Bundesweit gehen die Antragszahlen in die Hunderttausende. Kritik kommt aus der Wirtschaftsforschung.

Rüstige Senioren spazieren mit Hund.
Fit in den Ruhestand: Viele Menschen nutzen die Rente mit 63, um ihr Leben noch zu genießen. Bildrechte: IMAGO

Die abschlagsfreie Rente mit 63 ist in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nach wie vor stark gefragt. Wie die Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland in Leipzig mitteilte, haben im ersten Halbjahr 2017 insgesamt 10.766 ihrer Versicherten entsprechende Anträge gestellt. Davon entfielen 4.956 Anträge auf Versicherte mit Wohnsitz in Sachsen, 2.802 in Sachsen-Anhalt und 2.890 in Thüringen.

Über 23.000 Anträge 2016

Laut Deutscher Rentenversicherung Mitteldeutschland beantragten 2016 insgesamt 23.515 Arbeitnehmer in den drei mitteldeutschen Ländern die Rente mit 63. Im Jahr zuvor waren es mit 23.670 etwa ebenso viele.

Die Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland hat rund 2,1 Millionen Versicherte in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Das ist etwa die Hälfte aller Rentenversicherten in diesen drei Bundesländern. Andere Arbeitnehmer sind bei der Deutschen Rentenversicherung Bund beziehungsweise bei der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See versichert.

Bundesweit hunderttausende Anträge

Die beiden letztgenannten Versicherungsträger schlüsseln die Zahl der Anträge auf eine abschlagsfreie Rente mit 63 für besonders langjährig Versicherte jedoch nicht für die einzelnen Bundesländer auf. Deshalb gibt es von ihnen keine regionalen Angaben, sondern nur bundesweite Zahlen. So wurden etwa bei der Deutschen Rentenversicherung Bund im vergangenen Jahr 2016 insgesamt 241.419 Anträge auf die abschlagsfreie Altersrente mit 63 gestellt. Im Jahr 2015 waren es insgesamt 246.843 Anträge. Die Daten für das erste Halbjahr 2017 lagen nach Angaben der Versicherungsanstalt noch nicht vor.

45 Beitragsjahre nötig

Seit Juli 2014 können Arbeitnehmer in Deutschland, die mindestens 45 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt haben, ohne Einbußen bei ihrer gesetzlichen Altersrente vorzeitig in den Ruhestand gehen. Ansonsten wird das reguläre Renteneintrittsalter bis zum Jahr 2029 auf 67 Jahre angehoben.

Kritik aus der Wirtschaftsforschung

Die Rente mit 63 ist allerdings umstritten. Der Vize-Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Oliver Holtemöller, bezeichnete sie als größten Fehler der ablaufenden Legislaturperiode. Der Schritt sei teuer und eine Umverteilung von unten nach oben. Es würden nicht diejenigen erreicht, die die Hilfe der Solidargemeinschaft am nötigsten brauchten. Vielmehr profitierten Menschen mit 45 Versicherungsjahren, die ohnehin hohe Renten bezögen. "Erwirtschaftet wird das auch aus den Rentenversicherungsbeiträgen von Menschen mit niedrigem Rentenanspruch", kritisierte der Ökonom.

 

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 10.07.2017 | 11:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Juli 2017, 12:14 Uhr

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34 Kommentare

11.07.2017 15:52 Fragender Rentner 34

Zitat von Oben: Seit Juli 2014 können Arbeitnehmer in Deutschland, die mindestens 45 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt haben, ohne Einbußen bei ihrer gesetzlichen Altersrente vorzeitig in den Ruhestand gehen.

Wer setzt sich für die ein, die vor dem Gesetz zum Juli 2014 ebenfalls die 45 Jahre erfüllt haben und mit Kürzungen in Rente gegangen sind?

Scheinbar, hauptsache ich !!!

11.07.2017 12:45 LH 33

Ich möchte mich zu 100% Margitas Kommentar anschließen, insbesondere : es ist nicht eine unmögliche Äußerung, es ist eine Frechtheit zu behaupten, dass man eine höhere Rente bezieht, nur weil man 45 Jahre nonstop gearbeitet hat.

10.07.2017 22:45 Part 32

Wie viele der Anträge wurden denn notgedrungen gestellt weil die Jobcenter die Zwangsverrentung mit 63 durchführen und keine Leistungen mehr zahlen obwohl die 45 Jahre wegen bestimmter Erwerbsbiographien noch nicht erreicht sind?

10.07.2017 22:22 Fan Achim 31

Hallo MP kissme @22 Nicht ganz richtig, ab 1.7.2014 konnte man mit 63 in Rente. Ab 2016 wurde sie dann um 2Monate pro Jahr angehoben, da haben sie Recht. Fragender Rentner @23 Sie haben natürlich Recht, wenn sie bemängeln, dass die die ihre 45 Jahre vor dem Gesetz schon voll hatten mit Abschlägen in Rente gegangen sind. Hier wäre eine Gleichstellung angebracht, denn diese Leute haben es genauso verdient. Aber in unseren reichen Land fehlt hier wahrscheinlich das nötige Geld.

10.07.2017 21:59 Klaus 30

{ MPkissme 22 }
Das ist nicht richtig, es gibt viele unterschiedliche Modelle. Ich arbeite nur bis 60,5 und komme noch nicht mal auf 40 Beitragsjahre.

10.07.2017 21:55 Klaus 29

Das sollte doch auch bekannt sein. Die Höhe der Rente wird durch die Punkte bestimmt. Außerdem muss man nicht 45 Jahre gearbeitet haben, es zählen auch Arbeitslosenzeiten und viele andere Zeiten ohne Einzahlung wie z. B. Kindererziehung, politische Haftzeiten usw.
Ich habe 38 Arbeitsjahre und muss nur bis 60,5 arbeiten. Es gibt viele Modelle, man muss sich nur kundig machen.

10.07.2017 21:51 Paulchen 28

Ich denke nicht, dass man frühere sozialiatische Erwerbsbiografien mit der heutigen komplexen, hochtechnisierten, globalen wettbewerbsorientierten Wirtschaft vergleichen kann und @19 die Zahl der Jobs, für die man mit Hauptschulabschluss 45 Jahre lang jemanden findet, der einen dafür bezahlt, wird doch täglich geringer. Nicht nur bei VW, Bombardier oder der Mifa, man braucht nur den Wirtschaftsteil der Tageszeitung aufschlagen. Die Rente mit 45 Beitragszahlerjahren ist ein Auslaufmodell aus dem Industriezeitalter, und den meisten, die die freie Wirtschaft täglich erleben und die noch etwas Zeit bis zur Rente haben, ist das auch bewusst. Rente nach 45 Jahren, eine reine Symbolpolitik für die ältere Generation.

10.07.2017 20:51 Margita 27

ich möchte mich mal dem Kommentar 19 Hört auf damit anschließen. Dazu kommt auch, daß Menschen mit 45 Versicherungsjahren nicht auch automatisch eine hohe Rente beziehen, wie es im letzten Absatz geschrieben wird. Alles was über 450Euro ist und Rentenbeiträge bezahlt kann diese vorzeitige Rente nach 45 Versicherungsjahren nutzen....was sie an Rente bekommen hängt dann von dem ab, was sie gesteuert haben. Also kann man nicht verallgemeinern und sagen, Menschen mit 45 Versicherungsjahren haben ohnehin eine hohe Renten.....unmöglich diese Äußerung

10.07.2017 20:49 Klaus 26

{ Mary 13 ... und das auch nur, wenn ich zwischendurch nicht arbeitslos werde. }
Das ist nicht richtig, Zeiten der Arbeitslosigkeit zählen auch, ebenso politische Haftzeiten in der DDR.

10.07.2017 20:42 Klaus 25

{ thamm, edgar 18 }
Wer so sehr mit seinem Job verheiratet ist, dass er nach 40 Jahren nicht loslassen will, der hat m. E. etwas falsch gemacht. Man arbeitet um zu leben und nicht umgekehrt. Den Job macht man ja nicht wegen der Freiheit, außer um genug Geld für die übrige Zeit (Freiheit) zu haben. Wenn man sein Auskommen ohne Arbeit hat, dann ist die Freiheit vollkommen. Das kann naturgemäß kein Job bieten, weil dieser immer mit Zeitaufwand für eine bestimmte Tätigkeit verbunden ist, auch wenn diese Spaß macht.