Das Foto zeigt angespülten Plastikmüll am Strand der Insel Henderson im Südost-Pazifik.
Ein Großteil des Mülls in den Meeren besteht aus Plastik. Hier an der Henderson-Insel im Pazifik. Bildrechte: dpa

Gefahr für die Weltmeere Runder Tisch gegen Meeresmüll tagt

Riesige Mengen Müll lagern in den Weltmeeren. Zehn Prozent der weltweiten Kunststoff-Produktion landen dort. Die Nord- und Ostsee werden vor allem durch Hausmüll und Fischereinetze belastet. Politik, Fischerei, Industrie und Tourismus wollen am Mittwoch an einem "Runden Tisch" Maßnahme dagegen entwickeln.

Das Foto zeigt angespülten Plastikmüll am Strand der Insel Henderson im Südost-Pazifik.
Ein Großteil des Mülls in den Meeren besteht aus Plastik. Hier an der Henderson-Insel im Pazifik. Bildrechte: dpa

Vertreter von Politik, Fischerei, Industrie und Tourismus werden am Mittwoch in Berlin zu einem "Runden Tisch" gegen Meeresmüll zusammentreten. Sie wollen über Maßnahmen gegen die Verschmutzung der Meere beraten. Im besonderen Fokus des Gremiums sind die Nord- und Ostsee.

Der Runde Tisch war im März vergangenen Jahres von den Umweltministerien des Bundes und Niedersachsens ins Leben gerufen worden. Damals sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, es bedürfe "ein breites Maßnahmenbündel und die Kraft und Kreativität der Zivilgesellschaft", um dem Problem Herr zu werden.

Zehn Prozent der Kunststoff-Produktion landet im Meer

Je nach Schätzung befinden sich in den Weltmeeren 100 bis 142 Millionen Tonnen Abfall. Das reicht laut Bundesumweltministerium, um einen etwa 400.000 Kilometer langen Güterzug zu füllen. Es existierten sogenannte Müllstrudel, deren Größe der Zentraleuropas entspricht.

600.000 Tonnen Müll auf dem Nordseegrund

Nach Angaben des Umweltbundesamtes werden allein auf dem Meeresgrund der Nordsee rund 600.000 Tonnen an Abfällen vermutet. Müllfunde in Nord- und Ostsee bestehen dem Amt zufolge zu rund zwei Dritteln aus Kunststoffen. Man gehe davon aus, dass in der Ostsee jährlich bis zu 10.000 Stellnetze verlorengehen, die jahrelang herrenlos weiterfischen könnten. Wissenschaftler gehen davon aus, dass etwa zehn Prozent der jährlichen Kunststoff-Produktion in die Meere gelangt.

Fischernetze und Hausmüll

70 Prozent des an den Stränden von Nord- und Ostsee gefundenen Mülls ist aus Plastik. Während an der Nordsee Fischerei-Überreste dominieren, sind es an den Stränden der Ostsee Hinterlassenschaften von Touristen wie Zigarettenstummel oder Lebensmittelverpackungen.

Gefährdung für ganze Populationen von Meereslebewesen

Das Bundesumweltministerium betont, dass der Müll Meereslebewesen und Vögel gefährde. Entweder würden sie die Abfallpartikel verschlucken oder sich in den illegal im Meer entsorgten Fangnetzen verheddern. Ganze Populationen verschiedener Robbenarten, Vögel und Schildkröten seien deshalb bedroht. Auch in Speisefischen lagerten sich Müllpartikel an, die der Mensch dann über seine Nahrung aufnehme.

Fischer sammeln in Nord-und Ostsee Müll

Um die Abfälle in den Meeren zu verringern, setzt das Umweltministerium vor allem auf Müllvermeidung und -entsorgung. In einer ersten staatlich geförderten Maßnahme sammeln bereits 120 Fischer während ihrer Arbeit Müll aus der Nord- und Ostsee. Auch soll das Thema Meeresmüll in Lehrplänen verankert und der Einsatz von Fischereinetzen neu reguliert werden.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Fernsehen | 13.09.2017 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2017, 07:27 Uhr

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8 Kommentare

13.09.2017 18:04 Nordseesprotte in Öl 8

Der Fisch schwimmt nur im Meer,
der Vogel fliegt hinter her, und
der dumme Mensch tanzt im Plastikmüll wie ein Bär.

13.09.2017 17:30 Frederic 7

Was das Leben in den Meeren zerstört, ist nicht nur das - was die Menschen und die Schiffe im Meer entsorgen, es sind auch die in das Meer gebaute, - Windkraftanlagen. Die Erzeugen E- Smog, die Erzeugen - LÄRM - was die Fische, die Meeresbe - wohner abwandern läßt. Zudem kommt noch die Überfischung der Weltmeere. Nach dem Fang werden TAUSENEDE TONNEN an TOTENFISCHE und alles was im Netz ist, als Müll entsorgt ! Ergo es gibt hier keine, verbindliche Regelung. Jeder Staat sieht das anderes - und möchten "IHRE MÜLLENTSOR- GER" schützen. Das ist die Schande der Seefahrt.

13.09.2017 15:25 Nachdenker 6

zur Überfischung: solange China die Weltmeere leer fischt, sich einen Dreck um Fangquoten und Hoheitsgewässer schert, solange wird es keine Lösung geben. Solange Massen Fisch und Meerestiere zu Fischmehl für die Schweinemast (ekelhaft!) verarbeitet werden, solange gibt es keine Lösung! Müll: Solange es nicht drakonische Strafen für das Wegwerfen von Müll zu Land und zu Wasser gibt, solange die Billig - Kreuzfahrer die Meere verdrecken, weil Massen von Leuten diese Kreuzfahrten cool finden, gibt es KEINE Lösung!

13.09.2017 13:37 REXt 5

Nicht nur DE schafft sich ab, nein , die Menscheit inihrem Müllwahn!

13.09.2017 12:49 MikeL 4

Wieso trifft man sich in Berlin?
Der Müll liegt doch an den Stränden, wieso versammelt man sich nicht dort und legt selbst mal Hand an und geht mit gutem Beispielt voran?

13.09.2017 10:56 Fragender Rentner 3

So ein Quatsch das führt doch auch nur wieder zu einem "Nichtviel" für die Natur!

Es müssen kosequente Lösungen her, wie z.B. absofort nur noch die Hälfte fangen!

Was so alles an toten Fisch auf den Märkten rumliegt, das kann doch nicht gegessen werden und die Händler entsorgen es dann irgend wie!

13.09.2017 09:53 Anfrage 2

Das wird Zeit und was wird aus dem Weltraumschrott , denkt man auch einmal darüber nach ??

13.09.2017 07:43 Warum dieser Aufwand? 1

Immer mehr große Luxusschiffe. Immer mehr Menschen, die "billige" Schiffsreisen machen wollen. Immer mehr Menschen, die auf Schiffen am liebsten ihren eigenen Stewart hätten, die im Pool schwimmen müssen, die in die Sauna müssen, die jeden Tag frische Wäsche brauchen und unendlich gut und billig essen wollen.
Wo also wird gespart? Wohl am einfachsten an der Müllentsorgung!
Was also soll der Runde Tisch ausrichten?