Frauke Petry und Alexander Gauland, 2015
Frauke Petry und Alexander Gauland im Jahr 2015. Bildrechte: dpa

Kommentar Politische Scheidung bei der AfD

Frauke Petry und die AfD gehen endgültig getrennte Wege. MDR-AKTUELL-Hauptstadtkorrespondent Tim Herden meint: Petry hat, wie ihr Vorgänger Bernd Lucke, den Machtkampf gegen Strippenzieher Alexander Gauland verloren.

von Tim Herden, Hauptstadtkorrespondent MDR AKTUELL

Frauke Petry und Alexander Gauland, 2015
Frauke Petry und Alexander Gauland im Jahr 2015. Bildrechte: dpa

Frauke Petry und die AfD gehen endgültig getrennte Wege. Nach ihrem Rückzug aus der Bundestagsfraktion wird sie nun auch die sächsische Fraktion verlassen und aus der Partei ausscheiden. Petry hat, wie ihr Vorgänger Bernd Lucke, den Machtkampf gegen Alexander Gauland verloren.

Tischtuch zerschnitten

Spätestens seit Montag war das Tischtuch zwischen Frauke Petry und ihrer Partei zerschnitten. Mit ihrem Austritt aus der Bundestagsfraktion, trotz Direktmandat, hatte die bisherige Parteivorsitzende der AfD den längst sichtbaren Bruch zwischen ihr und dem Führungstrio Jörg Meuthen, Alice Weidel und Alexander Gauland endgültig vollzogen. Ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der Bundesrepublik.

Abgang fast ohne Unterstützer

Tim Herden
MDR-Hauptstadt-Korrespondent Tim Herden Bildrechte: Steffen Jaenicke

Aus der Bundestagsfraktion wird ihr offenbar keiner folgen. So jedenfalls sind die Rückmeldungen aus den Landesgruppen zu verstehen. Möglicherweise hat sich Petry hier völlig verkalkuliert.

Selbst ihre eigene Landtagsfraktion in Sachsen folgt ihr nicht, bis auf zwei Mitglieder. Das ist die schwerste politische und auch persönliche Niederlage Petrys. Ihr Austritt oder sogar Ausschluss aus der Partei ist nur noch eine Formsache. So sieht sie es auch selbst.

Die Geschichte wiederholt sich

Innerhalb von drei Jahren scheitert zum zweiten Mal ein Parteivorsitzender der AfD an der Auseinandersetzung mit den radikalen Kräften in der Partei um Björn Höcke. Wieder ist Alexander Gauland der Strippenzieher hinter den Kulissen. Wieder erfolgt ein Bruch nach einem Wahlerfolg.

2014 hatte die AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen Erfolge erzielt, war mit guten Ergebnissen in die Landtage aus dem Stand eingezogen. Schon damals nutzte der Partei dabei ein provokanter Wahlkampf, der mit den Ängsten der Menschen vor Zuwanderung und Kriminalität arbeitete.

Höcke als Zankapfel, Gauland als Strippenzieher

Während Bernd Lucke eher auf das Euro-Thema setzen wollte, erkannte Gauland gemeinsam mit Petry, dass diese Themen in der Bevölkerung stärker auf Widerhall stoßen und Stimmen bringen. Dazu verbündeten sich beide besonders auch mit Björn Höcke, dem Rechtsaußen der Partei.

Lucke scheiterte mit seinem Versuch, über Satzung und Plattformen gegenzuhalten. Er verließ mit rund einem Viertel der Mitglieder die Partei. Durch die Streitigkeiten drohte der gesamten Partei der Niedergang, doch die Flüchtlingskrise und die offenen Grenzen im Herbst 2015 bescherten der AfD - jetzt unter der Führung Frauke Petrys - neuen Zulauf.

Gauland-Höcke-Meuthen-Bündnis bringt Petry zu Fall

Allerdings war Höcke für Petry nur ein Werkzeug. Seine völkischen und nationalistischen Töne drohten den Aufstieg der Partei im Westen zu stören. Doch alle Versuche Petrys seit Herbst 2015, Höcke aus der Partei zu drängen, scheiterten.

Und noch einmal lief der gleiche Film. Wieder war es Alexander Gauland - mit dem richtigen Gespür für den Resonanzboden populistischer Forderungen in Ost und West - der sich dieses Mal mit Höcke und Meuthen gegen Petry verbündete.

Machtoption contra Fundamentalopposition

Spätestens seit dem Parteitag im April in Köln war klar, dass Petry mit ihrer Position, weniger radikal, sondern eher rechts von der CDU einen Platz zu suchen, gescheitert war. Ihr Versuch, der Partei damit eine Macht- und Regierungsoption einzuräumen, scheiterte.

Ein Kurs der Fundamentalopposition, wie ihn Gauland und Weidel als Spitzenkandidaten einschlugen, versprach mehr Erfolg - und das Wahlergebnis bezeugt das. Hinzu kommt, dass ein Ausschluss Höckes der Partei in Ostdeutschland womöglich das Genick gebrochen hätte, denn er verfügt mittlerweile hier über eine souveräne Machtbasis.

Gauland ist nicht zu unterschätzen

Allerdings sollte sich auch Björn Höcke nicht zu sicher fühlen und Alexander Gauland nicht unterschätzen. Was diesem gewieften und durch Jahrzehnte in den Machtkämpfen der hessischen CDU erprobten Politiker antreibt, ist schwer zu durchschauen.

Jedenfalls fielen erste Äußerungen nach der Wahlnacht deutlich zurückhaltender aus. Den Spruch vom "Jagen Merkels" hat er nicht wiederholt. Vielmehr will er zwar Opposition sein, sich aber an den Debatten zu politischen Entscheidungsprozessen beteiligen und sie offenbar nicht rundweg blockieren. Dazu hat er mit einer Fraktion mit über 90 Abgeordneten das entsprechende Hinterland im Rücken.

Avancen von der Union?

Petry erwägt vielleicht die Neugründung einer Partei, hofft darauf, dass ihr noch einige aus der Partei folgen, aber von der Papierform her scheint ihr Vorhaben gescheitert, der AfD eine Machtoption in Richtung CDU zu öffnen. Sie lehnt einen Parteiübertritt ab.

Nicht ausgeschlossen, dass es trotzdem Avancen gibt von der Union. Unbestritten ist sie ein politisches Talent, und ihre politische Wandlung in den letzten Monaten könnte ein Türöffner sein. Für sie wäre es vielleicht die Alternative zum Ende ihrer politischen Karriere.  

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: Radio | 26.09.2017 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. September 2017, 20:36 Uhr

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26 Kommentare

28.09.2017 19:58 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 26

@ 25. Wagner:
Zitat "da sie entsprechend ihres Plakates, Veränderungen in der Familienpolitik erreichen wollte"

Man kann ihr auf alle Fälle zurechnen, daß sie in ihrer 'eigenen Familien'-Politik eine ganz andere finanzielle Ebene erreicht hat.

28.09.2017 09:15 Wagner 25

Eigentlich ist Frau Petry als Direktkandidatin gewählt worden, da sie entsprechend ihres Plakates, Veränderungen in der Familienpolitik erreichen wollte, was auch dringend notwendig ist. Mit einem Parteiaustritt rückt dies möglicherweise in die Ferne.

27.09.2017 23:02 Wieland der Schmied 24

Was in dem Artikel vom Kopf her unzutreffend ist, ist die Mutmaßung, Petry habe den Machtkampf gegen Gauland verloren. Petry hatte als Vorsitzende alle Machtoptionen in der Hand gehabt, sie wollte aber keinen Aufruhr, weil sie von Beginn 2017 an sich auf Verräterkurs befand und keinen Staub aufwirbeln wollte. Gauland als erfahrener Stratege hatte das erkannt und bestärkte sie in dieser Haltung auf dem PT, als er auf dem Podium die einsame Perty aufsuchte im Stile eines altgedienten Chevaliers und ihr in tiefer Verbeugung einen Handkuß gab,eine zirkusreife Nummer. Sie konnte sich bis zum Ziel 24.09. in Sicherheit wiegen und er kannte auf die Unversehrheit der Partei achten, was auch haargenau so ablief .
Das weitere Hin und Her mit rechts oder rechtsextrem halte ich für Budenzauber, denn es wird zunehmend wirkungslos. Eine Wahlsiegerpartei braucht nicht mehr über jeden Stock zu springen, den man hinhält.Pery ist ausgeschieden und nimmt vorläufig weniger als erhoffte Abtrünnige mit.

27.09.2017 15:11 pudd'nhead 23

der wahl-o-mat hat für mich in puncto afd immer so um die 40% übereinstimmung angezeigt bei der spd ca. 50%. die frau hat nach meinen dafürhalten politisch richtig und mit gewissen gehandelt. bei genossin nahles kann man wahrscheinlich lange auf einen solchen schritt warten, diese überzeugungstäterin der agenda 2010.

27.09.2017 11:07 Markus 22

Wenn Frau Petry alles wie bisher richtig macht, dann hat sie gute Zukunft als Politikerin. Jetzt hat sie wieder sehr richtige Zeit gewählt, um eine neue Partei zu bilden. In 4 Jahren kann sie dann viel erreichen, vielleicht sogar Kanzlerin werden.

27.09.2017 10:41 Teo 21

Spätestens jetzt sollte eigentlich klar geworden sein, dass man Petry beim besten Willen nicht als politisches Talent sehen kann. Sie ist sicherlich klug und vertritt auch die richtigen politischen Positionen. Aber sie hat überhaupt kein Gespür für Menschen und Stimmungen und keinerlei strategischen Weitblick. Wie die Höckes und Maiers in der AfD, mit denen sie sich gegen Lucke verbündet hat, ticken und wo das hinführt, war 2015 absehbar und auch, dass mit Luckes Abgang knapp ein Viertel der Parteimitglieder folgen würden. Diesen intellektuellen Aderlass hat die Partei bis heute nicht verkraftet. Und auch hinter dem jetzigen Rücktritt steht kein Plan. Die Zahl derer die ihr folgen ist überschaubar und dass eine quasi familiengeführte neue Partei erfolgreich ist, wird wahrscheinlich nicht mal Petry selbst glauben.

27.09.2017 09:31 emil 20

man sollte hans o. henkel anhören. da ist mir
alex gauland aber sowas von lieber:
tschüüüss!

27.09.2017 08:56 Das wäre der Gipfel 19

Sitzt die Petry etwa trotzdem im Bundestag dann mit ihrem Direktmantat was sie sich erschlichen hat unter der AfD (Bürgerpartei) ? Das wäre dann ganz klar Wählertäuschung.

27.09.2017 08:31 mattotaupa 18

jetzt ist nicht mal mehr auf die blaubraunen verlaß! diese Auch mit Flüchtlingen Durchsetzte partei bietet nun steuerflüchtlingen, talkshowflüchtlingen und nun auch noch fraktions- und parteiflüchtlingen eine heimat ... oder eben auch nicht mehr. kein wunder, daß all die, in deren heimat keine oder kaum ausländer leben, das leben vor lauter flüchtlingen nicht mehr sehen können.

27.09.2017 08:26 Frederic 17

Nun - Frauke Petry glaubt alle müssen nach Ihrer Pfeife tanzen. Es ist zwar schade dass Sie aus der AfD autstreten wird, aber auch die ist ersetzbar. In letzter Zeit machte Frau Petry einen ARROGANTEN ÜBERHEBLICHEN Eindruck. Nun steht Sie alleine auf weiter Flur. Sie möchte eine "NEUE" Partei gründen - welche? Frau Petry macht ehe den Eindruck von Machtbesessenheit. Fakt ist, sie ist nicht so mächtig und so beliebt wie sie glaubt. Es könnte gesagt werden, Sie ist eine Kerze, deren Brenndauer begrenzt ist. Die AfD wird sich OHNE die Person Petry neu aufstellen und die Lücke Petry schließen. Sie ist mimosenhaft. Es ist trotzdem Schade wenn sie aus der AfD geht ---

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