"Neuvermessungen" von Sigmar Gabriel, Verlag Kiepenheuer & Witsch
Cover des neuen Buchs "Neuvermessungen" von Sigmar Gabriel Bildrechte: Kiepenheuer & Witsch

Buchvorstellung Vermischt Gabriel Ministeramt und Autoreninteressen?

Außenminister Gabriel hat ein Buch geschrieben, es heißt "Neuvermessungen". Es beschäftigt sich mit seiner Sicht auf die aktuellen politischen Herausforderungen. Vorgestellt hat es der SPD-Politiker gemeinsam mit EU-Kommissionspräsident Juncker. So weit, so normal. Aber die Einladung zur Buchpremiere ist auf dem offiziellen Briefpapier des Auswärtigen Amts mit dem Bundesadler verschickt worden. Ist das korrekt?

von Sebastian Hesse, ARD-Hauptstadtstudio Berlin

"Neuvermessungen" von Sigmar Gabriel, Verlag Kiepenheuer & Witsch
Cover des neuen Buchs "Neuvermessungen" von Sigmar Gabriel Bildrechte: Kiepenheuer & Witsch

Den Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Schäfer, hat die Frage kalt erwischt. Den Vorwurf, sein Chef habe Privatinteressen vermengt mit seinem Ministeramt, konnte er natürlich nicht auf Gabriel sitzen lassen. Zur Präsentation des Buchs "Neuvermessungen" mit dem Außenminister und seinem Laudator, Jean Claude Jucker, habe der Verlag geladen.

Und der Verlag habe auch die Kosten für das Verschicken der Einladung an ausgewählte Journalisten getragen. "Viele von denen haben diese Einladung wahrgenommen. Und sie haben sie richtig verstanden als eine Veranstaltung, auf der die Gelegenheit besteht, dem Vorsitzenden der europäischen Kommission und dem deutschen Außenminister und Vize-Kanzler Fragen zur aktuellen Lage zu stellen", so Schäfer.

Sprecher weist Kritik zurück

Erwartungsgemäß sei es bei dem gemeinsamen Auftritt von Gabriel und Juncker um aktuelle Politik gegangen und weniger um den Inhalt des Buches. "Wenn Sie die Medienlage im Anschluss an diese Veranstaltung durchgehen, wenn Sie sich die Agenturen durchsehen, dann sehen Sie: Es ging im Wesentlichen um eine Bewertung der am Vortag geschehenen Wahl vom Emmanuel Macron zum französischen Präsidenten. Diese Wahl ist naturgemäß nicht Teil des Buches von Herrn Gabriel, weil das vorher geschrieben, redigiert und gedruckt werden musste."

Sigmar Gabriel
Sigmar Gabriel unter Rechtfertigungsdruck Bildrechte: dpa

Weil Gabriel als Außenminister befragt wurde, sei es zu rechtfertigen, dass er mit dem Briefkopf des Auswärtigen Amtes zu der Veranstaltung lud.

Zumal dem Steuerzahler keinerlei Kosten entstanden seien: "Dass eine solche Veranstaltung, bei der es offenbar und auch im Vorfeld erkennbar um Dinge geht, bei denen sich der deutsche Außenminister und Vizekanzler zu Themen aktuellen Interesses äußert, Teil des Aufgabengebiets im Auswärtigen Amt ist, scheint mir völlig selbstverständlich."

Auch in den sozialen Medien wurde die Veranstaltung beworben.

Unzulässige Vermengung oder nicht?

Wer Gabriel in Berlin wohlwollend gegenübersteht, sieht es wie der Außenamtssprecher: Zu den Aufgaben eines Bundesministers gehöre es, die Öffentlichkeit über seine Sicht der Dinge und die der Bundesregierung zu informieren, auch mal in nicht alltäglichem Rahmen.

Die weniger Wohlwollenden in der Politik, die eine unzulässige Vermengung wittern, halten den Ball jedoch flach. Aus gutem Grund: Sie alle könnten schließlich jederzeit in die gleiche Lage wie Gabriel kommen.

Für Außenamtssprecher Schäfer ist das Thema jedenfalls erledigt: "Also das, was geschehen ist, habe ich mich bemüht, Ihnen so gut ich kann, zu erläutern!"

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 11.05.2017 | 12:19 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Mai 2017, 14:18 Uhr

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9 Kommentare

12.05.2017 21:17 Bingo 9

Verdient "dieser Herr" zu wenig um seine Fam.zu ernähren,oder hat er in seinen Jop lange weile und ist nicht ausgelastet, das er Bücher schreibt (oder schreiben lässt)????Beschämend, für einen Politiker in seinem Amt.Ich schäme mich, einstmals SPD gewählt zu haben.

12.05.2017 18:25 raberudi 8

Wer ist Herr Gabriel? Muß man den kennen, habe ich was verpasst?

12.05.2017 10:31 Fragender Rentner 7

Zitat von Oben: Vermischt Gabriel Ministeramt und Autoreninteressen?

Er tritt vielleicht in die Schuhstapfen eines anderen aus der SPD?

Gab es da nicht mal so einen Spruch, wie Genosse der Bosse?

11.05.2017 21:54 4711 6

Wer ließt von dem Bücher? Selbst Märchenbücher sind interessanter!

11.05.2017 17:50 OHNEWORTE 5

Lasst ihn schreiben, was er will,und wenn mit von Steuergeldern bezahlten Kosten.
Die Recyklingindustrie ist dankbar fuer das Papier .

Was wird da neu vermessen ?

11.05.2017 17:41 ralf meier 4

Im Ductus vieler RRG Politiker wäre ich jetzt 'entsetzt und empört'. Ein Rücktritt wäre das Mindeste, was ich erwarten würde. Ich finde, gibt Schlimmeres und Wichtigeres, worüber die Medien berichten und der Leser sich aufregen sollte.

11.05.2017 14:56 Ekkehard Kohfeld 3

Außenminister Gabriel hat ein Buch geschrieben##Wofür die alle noch nebenbei Zeit haben,oder wahr das gar nicht nebenbei sondern in der von Steuerzahlern bezahlten Arbeitszeit?

11.05.2017 14:17 Harry 2

Es gab Zeiten, da mussten Bundesminister für soetwas den Hut nehmen. Aber Möllemann war ja auch kein Spezialdemokrat.

11.05.2017 13:41 Barbara 1

Ja wer der hoch qualifizierte AM. - Diplomat....... bei seinem
Lehrer Posten gebliebe, die Arbeit hätte er noch geschafft.................