Social Bots können selbstständig Teetw und Postings absetzen.
Von 160 untersuchten Tweets zur Bundestagswahl kamen bis zu 15 Prozent von Social Bots, das hat eine Untersuchung der TU München ergeben. Bildrechte: MEDIEN360G

Bundestagswahl 2017 Welchen Einfluss haben Social Bots auf den Wahlkampf?

Social Bots sind Programme, die automatisch Einträge produzieren, dabei aber so tun, als wären sie echte Menschen. Gerade bei Twitter tauchen sie immer wieder auf. Forscher von der TU München haben genau das untersucht. Mit dem Ergebnis: bis zu 15 Prozent der abgesendeten Tweets zu Merkel oder Schulz kommen von Social Bots. Und: das rechte Spektrum greife vermehrt auf sie zu. Doch welchen Einfluss hat das auf die Meinungsbildung im Wahlkampf?

von Stephan Zimmermann, MDR AKTUELL

Social Bots können selbstständig Teetw und Postings absetzen.
Von 160 untersuchten Tweets zur Bundestagswahl kamen bis zu 15 Prozent von Social Bots, das hat eine Untersuchung der TU München ergeben. Bildrechte: MEDIEN360G

Welche Themen werden heiß diskutiert? Wer hat viele Anhänger und Leser? So etwas lässt sich bei sozialen Netzwerken wie Twitter scheinbar mühelos erkennen. Aber Social Bots können das Bild verfälschen. Das sind Programme, die automatisch Einträge produzieren und dabei so tun, als ob sie echte Menschen wären. Zum Teil stellen sie eigene Äußerungen ins Netz. Viele verfolgen und bewerten aber auch nur die Einträge von anderen.

Jeder zehnte Tweet zur Wahl kommt von Bots

Symbolbild für künstliche Intelligenz
Social Bots sind Programme, die Einträge produzieren und dabei so tun, als wären sie echte Menschen. Bildrechte: MEDIEN360G

Simon Hegelich von der TU München hat ein Programm entwickelt, mit dem solche Social Bots erkannt werden können. Für das MDR-Portal Medien360G hat er im Wahlkampf 160 Millionen politische Tweets ausgewertet. "Wir haben uns jetzt über die letzten sechs Monate angeschaut, wie viele Tweets zum Beispiel zu den Hashtags Merkel und Schulz gesendet wurden. Und da lässt sich ziemlich konstant zeigen, dass zwischen zehn und 15 Prozent der abgesendeten Tweets tatsächlich von Social Bots kommen."

Noch krasser ist das Ergebnis bei den Followern der Parteien, also bei den Menschen, die regelmäßig lesen wollen, was CDU, SPD und Co so twittern. Da geht Simon Hegelich davon aus, dass mehr als die Hälfte automatisch erzeugt wurde - ohne dass echte Menschen dahinter stecken. Den Parteien selbst macht er daraus aber keinen Vorwurf. Keine Partei setze offiziell Social Bots ein, so Hegelich, die automatischen Autoren würden eher von Sympathisanten der Partei eingesetzt.

Rechtes Spektrum vermehrt nutzt Social Bots

Bei der Nutzung von Social Bots ist Simon Hegelich auch ein ganz klarer politischer Trend aufgefallen. "Dass zumindest in den Daten, die wir analysieren, wir sehr viele Bot-Netze finden, die im rechten Spektrum tätig sind. Teilweise auch mit einer engen Verbindung aus Deutschland hin zur so genannten Alt-Right-Bewegung in den USA, also zur rechtsradikalen Bewegung in Amerika."

Bleibt die Frage: Welchen Einfluss haben die automatischen Tweets tatsächlich? Studien sagen: 95 Prozent der Menschen lassen sich durch soziale Netzwerke zumindest kurzfristig nicht beeinflussen. Dann verblieben aber immer noch fünf Prozent, so Hegelich, und das könne, wenn eine Wahl knapp sei, schon entscheidend sein.

Twitter muss mehr gegen Bots tun

Auf einem Smartphone sind die Logos  von Facebook, Twitter und YouTube zu sehen.
Eigentlich sind Social Bots bei Twitter verboten, doch das Unternehmen geht nicht konsequent gegen sie vor. Bildrechte: dpa

Twitter verbietet übrigens den Einsatz von Social Bots. Der Experte Simon Hegelich meint allerdings: Das Unternehmen tut zu wenig, um das Verbot durchzusetzen. Und er behauptet: das liege auch daran, dass Twitter von den unechten Nutzern profitiert. "Wenn sich jetzt herausstellen würde, dass ein entsprechender Anteil der Nutzer, zwischen neun und 20 Prozent vielleicht, keine echten Nutzer sind, dass es die gar nicht gibt – dann hätte das vermutlich einen extrem heftigen Effekt auf den Börsenkurs von Twitter."

Aber wenn falsche Nutzer ungebremst eingesetzt werden, leidet natürlich die Glaubwürdigkeit des sozialen Netzwerks.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 14.09.2017 | 09:47 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2017, 14:01 Uhr