Ein Motiv aus der US-amerikanischen Stummfilm-Komödie
Die Zeitumstellung ist jedes Mal wieder eine Anstrengung für Körper und Geist. Bildrechte: dpa

Nutzen gleich Null? Linke will Zeitumstellung abschaffen

Am 26. März dürfte wieder das halbjährliche Ächzen durchs Land ziehen. Denn dann werden die Uhren umgestellt. Seit 1980 gibt es die Sommerzeit. Damals hatte man gehofft, dass wir so das Tageslicht besser nutzen und damit Energie sparen können. Doch nach mehr als 35 Jahren Praxiserfahrung kann man wohl sagen: Die Zeitumstellung richtet eher Schaden an, als dass sie etwas nutzt. Und so wird immer wieder gefordert, die Zeitumstellung wieder abzuschaffen. 2017 eröffnet die Linke den Reigen.

von Cecilia Reible, ARD-Hauptstadtstudio für MDR AKTUELL

Ein Motiv aus der US-amerikanischen Stummfilm-Komödie
Die Zeitumstellung ist jedes Mal wieder eine Anstrengung für Körper und Geist. Bildrechte: dpa

Zweimal im Jahr wird an der Uhr gedreht: Ende März wird sie um eine Stunde vorgestellt, Ende Oktober dann wieder um eine Stunde zurück. Das ist sinnlos, findet Ralph Lenkert, umweltpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Bundestag. Er verweist auf eine Analyse des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag, in der es um den Nutzen der Zeitumstellung geht: "Da blieb nichts mehr übrig, also es gibt keine Vorteile." Das bestätigt auch der CDU-Abgeordnete Philipp Lengsfeld, ebenfalls ein Gegner der Zeitumstellung:

Keine Energieeinsparung, keine positiven wirtschaftlichen Effekte, aber gesundheitliche Probleme, insbesondere bei der Frühjahrsumstellung.

Philipp Lengsfeld, CDU

So kommen verschiedene Studien zu dem Ergebnis, dass nach der Zeitumstellung Ende März das Risiko steigt, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden. Für Philipp Lengsfeld ist der Fall deshalb klar: "Eine aufwendige und technokratische Idee hat sich überlebt und könnte jetzt in Ehre beerdigt werden." Ralph Lenkert ergänzt:

Wenn etwas keinen Nutzen bringt und gewisse Schäden verursacht, dann muss man es abschaffen.

Ralph Lenkert, Linke

Allmählich ist die Politik bereit

Der Zeiger einer Uhr ist zwischen 2 Uhr und 3 Uhr zu sehen.
Bislang hat sich der Bundestag konsequent geweigert, die Zeitumstellung abzuschaffen. Doch nun könnte sich das ändern. Bildrechte: dpa

Die Linksfraktion will nun Nägel mit Köpfen machen. Sie hat einen Antrag beschlossen, mit dem sie die Bundesregierung auffordert, sich auf EU-Ebene für eine Abschaffung der Zeitumstellung einzusetzen, erklärt Ralph Lenkert: "Wir werden diesen Antrag so einbringen, dass er rechtzeitig vor der nächsten Zeitumstellung behandelt werden kann. Ich hoffe, dass das die anderen Fraktionen motiviert, ebenfalls einen Antrag einzubringen - denn wir haben ja die Situation, dass die Union alle Anträge der Linken automatisch ablehnt."

Die Unionsfraktion braucht allerdings noch etwas Zeit für die interne Abstimmung und für Gespräche mit dem Koalitionspartner SPD. Philipp Lengsfeld ist aber optimistisch, dass sich seine Fraktion bald positionieren und ebenfalls die Abschaffung der Zeitumstellung fordern wird: "Ich glaube, wir sind unionsseitig schon sehr weit. Ich hoffe, dass die SPD unserer Linie folgt." Innerhalb der SPD-Fraktion ist die Zeitumstellung allerdings eher ein Randthema. Einzelne Abgeordnete wie der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach setzen sich für eine Abschaffung ein. Einen Fraktionsbeschluss gibt es jedoch nicht.

Die ganze EU soll mitziehen

In der Bevölkerung ist das Thema umstritten. Beim Petitionsausschuss des Bundestages sind in dieser Wahlperiode, also seit 2013, schon über 500 Petitionen eingegangen, in denen ein Ende der Zeitumstellung gefordert wird.

Letztendlich ist die Frage auf europäischer Ebene zu klären, sagt Ralph Lenkert von den Linken und setzt auf die Vorbildfunktion Deutschlands: "Die Bundesrepublik hat ein gewisses Gewicht in Brüssel. Insofern kann ich mir vorstellen, dass andere Staaten dem folgen werden und dann die Zeitumstellung abgeschafft wird."

Die Zeitumstellung Italien und Frankreich drehten schon ab 1966 fleißig an der Uhr, Deutschland erst seit 1980. Dass sich die Sommerzeit in Deutschland damals durchsetzte, ist auf die Ölkrise von 1973 zurückzuführen. Durch das Vorstellen der Uhr um eine Stunde sollte das Tageslicht eine Stunde länger genutzt und so Energie gespart werden.

Zweifel an der Zeitumstellung gibt es aber schon länger. So monieren Kritiker, der erhoffte Energiespareffekt sei kaum nachweisbar. Viele führen zudem die negativen Auswirkungen auf den menschlichen Biorhythmus als Punkt gegen die Zeitumstellung an.

Nicht alle Länder stellen um. Einige stellen sogar wieder zurück. Nachdem Russland 2011 die Uhren ganzjährig um eine Stunde vorgestellt hatte, wurde das Experiment nach drei Jahren beendet. Seither gilt wieder ganzjährig die sogenannte Normalzeit.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: Radio | 05.01.2017 | 05:38 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Januar 2017, 08:11 Uhr

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60 Kommentare

07.01.2017 12:19 Wachtmeister Dimpfelmoser 60

Den Linken wäre es doch am liebsten, wenn die Uhren 30 Jahre zurückgestellt würden.

06.01.2017 16:10 Fragender Rentner 59

Es wäre schade wenn die SZ abgeschafft würde!

Denkt mal an die schönen langen Sommerabende!

06.01.2017 14:01 Petra Hellkamp 58

Oh, wie wäre das schön!

06.01.2017 10:39 g 57

Die Einführung der Zeitumstellung wurde mit
Energieeinsparung begründet. So hatten es Experten
berechnet .Heute haben wir Energie im Überfluss.

06.01.2017 10:33 Wieland der Schmied [285:411] 56

A la Bonheur, die Linken getrauen sich etwas, wozu die alteingesessenen Dauerklatscherparteien nicht mehr fähig sind, nämlich dem Volk auf`s Maul zu schauen (Luther) und das zu fordern, was die Mehrheit schon lange will, aber nicht gehört wird. Und jetzt im Wahlkampf gleich gar nichts, denn wer will da schon einen "falschen Fehler" machen.

06.01.2017 09:12 parteilos 55

Wenn man die Kommentare liest, wundert man sich nicht mehr warum es in Deutschland so ist wie es ist. Es wurde mit viel Erfolg die Dummheit gefördert. Allgemeinbildung gibt es kaum noch und man kämpft sogar darum Abituranforderungen zu minimieren. Niemand soll noch Zusammenhänge erkennen, politische schon gar nicht. Eine einfache Diskussion über die Beibehaltung der Sommerzeit mündet in Hasskommentare über die Linke. Der MDR wollte sicher nicht als Plattform für solche Auswüchse dienen...oder doch ???

06.01.2017 06:59 Meckersack 54

Was ist das nur für eine seltsame Zeit?
Fast alle Leute regen sich über die Zeitumstellung auf. Da sollte man es ja eigentlich begrüßen wenn irgend jemand mal wieder mal das Thema in die Diskussion bringt (und nicht nur Ende März und Ende Oktober). Aber Hilfe!!! Die Linken habens getan... Das steht denen doch überhaupt nicht zu. Manche hier sollten sich wohl einfach mal den Schaum vom Mund wischen.
Ich wäre im übrigen ebenfalls für die ganzjährige Beibehaltung der Sommerzeit.

06.01.2017 05:48 Arbeiter 53

Der täglich im Freien Arbeitende ist froh etwas der Mittagshitze zu entgehen. Statt täglich 5 oder 6 Uhr mit der Arbeit zu beginnen, müsste dann 4 Uhr begonnen werden. Dafür müssen dann auch zahlreiche arbeitsrechtliche Änderungen in die Wege geleitet werden.

05.01.2017 23:09 der positivdenker 52

man kann´s nicht glauben tatsächlich kommt doch aus dieser Ecke endlich mal was Vernünftiges - blos nicht davon abweichen , auch wenn das der AfD gefallen würde . oder CSU oder ...Spötter würden vielleicht noch sagen : Erdogan hats vorgemacht - diese Welt ist doch wirklich sowas von verrückt .

05.01.2017 21:53 Untermensch aus Dunkeldeutschland 51

@Fragender Rentner: Es gibt wichtigere Dinge. Aber die EU-Kommission ist bereits so inkompetent, dass nicht einmal die Abschaffung der dümmsten Richtlinie möglich ist. Deshalb sind ja auch die Briten die größten Europäer geworden.