Eine Großbaustelle
Auch wenn viel gebaut wird, nach den Autoren der Studie reicht das derzeit nicht aus, um die Wohungs-Knappheit besonders bei Sozial-Wohungen zu beheben Bildrechte: IMAGO

Studie zum Wohnungsmarkt Es wird zu wenig und zu teuer gebaut

Durch das Wachstum der Bevölkerung, aber auch durch die steigende Anzahl kleinerer Haushalte wächst der Bedarf nach Wohnraum in Deutschland. Doch gebaut wird zu wenig und zu teuer. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag mehrerer Verbände. Betroffen sind vor allem Ballungsräume. Mit dem daraus folgenden Anstieg der Mieten haben vor allem Geringverdiener zu kämpfen.

Eine Großbaustelle
Auch wenn viel gebaut wird, nach den Autoren der Studie reicht das derzeit nicht aus, um die Wohungs-Knappheit besonders bei Sozial-Wohungen zu beheben Bildrechte: IMAGO

"Es wird nicht nur zu wenig gebaut, sondern auch zu teuer", so steht es in der Studie, die das Forschungs- und Beratungsunternehmen Prognos angefertigt hat. Im Auftrag mehrerer Mieter- und Bau-Verbände hat es den Wohnraum-Bedarf in Deutschland untersucht und festgestellt: Eine hohe Nachfrage nach Wohnraum steht einem geringen und wenig wachsenden Angebot gegenüber.

Zwar sei der Wohnungsneubau seit 2009 wieder im Aufschwung, der Mangel an Wohnungen aber verschärfe sich dennoch: Insgesamt fehlen der Studie zufolge bundesweit eine Million Wohnungen. Allein zwischen 2011 und 2015 seien rund 540.000 Wohnungen zu wenig gebaut worden. Dabei sei dies gerade vor dem Hintergrund der ansteigenden Bevölkerungszahl notwendig. Auch die Zahl der Ein- und Zwei-Personen-Haushalte werde größer – Ursachen für den gestiegenen Bedarf.

Vor allem Ballungsräume betroffen

Weil besonders in den Ballungsräumen die Bevölkerungszahl steige, sei der Mangel an Wohnraum auch dort besonders groß. In Leipzig etwa stieg die Zahl der Bevölkerung außergewöhnlich stark.

Insgesamt macht die Studie 138 Regionen in Deutschland aus, in denen der Wohnungsmarkt besonders angespannt ist. An der Spitze stünden dabei die sieben Städte Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Düsseldorf, Köln und Stuttgart. Allein hier würden 200.000 Wohnungen fehlen.

Doch auch in Mitteldeutschland gebe es angespannte Wohnungsmärkte: Leipzig, Dresden und Erfurt nennt die Studie – sie würden sich wie auch andere Regionen durch ein starkes Bevölkerungswachstum und eine hohen Arbeitsplatzdichte auszeichnen. Ländlichere Regionen Mitteldeutschlands seien dagegen eher durch den demografischen Wandel und Abwanderung geprägt.

Bezahlbarkeit der Wohnungen

Ein besonders großes Problem bedeutet die Wohnraum-Knappheit laut Studie für die Bezieher unterer und mittlerer Einkommen. Weil die Miet- und Kaufpreise in den angespannten Märkten steigen, werde es immer schwieriger bezahlbaren Wohnraum zu finden. Der Wohnungsneubau konzentriere sich vor allem auf das hochpreisige Segment in beliebten Ballungsräumen. Sozialer Wohnungsbau dagegen würde vernachlässigt. Während die Einkommen in den vergangenen fünf Jahren um acht Prozent gestiegen seien, seien die Mieten nun um 17 Prozent höher.

Deshalb fordern mehrere Verbände der Bau-Industrie politische Konsequenzen: Es müssten mehr Sozial-Wohnungen gefördert und gebaut werden. Gleichzeitig müssten Baugenehmigungsverfahren schneller durchgeführt werden. Bauvorschriften und -anforderungen seien zu überprüfen. Die Knappheit des Wohnraums in Deutschland – geht es nach den Verbänden, soll ein Thema im Wahlkampf zur Bundestagswahl im September werden.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: RADIO | 22.06.2017 | 11:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Juni 2017, 10:30 Uhr