Beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe fährt eine Polizeikolonne vor
Beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe fährt eine Polizeikolonne vor. In einem der Wagen sitzt der mutmaßliche Terrorist Yamen A. Er wurde am Dienstag in Schwerin gefasst. Bildrechte: dpa

Nach Festnahme in Schwerin Terrorverdächtiger Syrer nie vom BAMF angehört

Nach Recherchen des "Spiegel" hat der in Schwerin festgenommene terrorverdächtige Syrer 2016 nur einen Fragebogen ausfüllen müssen und eine Aufenthaltserlaubnis bekommen. Eine genauere Befragung durch das Bundesamt für Migration gab es nicht. Der mutmaßliche Bombenbauer profitierte offenbar vom Chaos bei den Behörden.

Beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe fährt eine Polizeikolonne vor
Beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe fährt eine Polizeikolonne vor. In einem der Wagen sitzt der mutmaßliche Terrorist Yamen A. Er wurde am Dienstag in Schwerin gefasst. Bildrechte: dpa

Der terrorverdächtige Syrer Yamen A. ist vor seiner Anerkennung als Flüchtling nie vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) befragt worden. Wie der "Spiegel" berichtet, musste er im vergangenen Jahr nur einen Fragebogen ausfüllen und erhielt eine Aufenthaltsgenehmigung für drei Jahre.

Der heute 19-Jährige war im Herbst 2015 nach Deutschland gekommen und wurde im April 2016 als Flüchtling anerkannt. Das Fragebogenverfahren wurde laut Bericht vor zwei Jahren bei zehntausenden Kriegsflüchtlingen aus Syrien, dem Irak und Eritrea angewendet. Ein Grund war, dass das BAMF mit dem großen Ansturm von Flüchtlingen überfordert war.

Von Übergangsregelung profitiert

Polizisten sind am 31.10.2017 im Plattenbauviertel Neu Zippendorf in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) im Einsatz, wo bei einem Anti-Terror-Einsatz ein mutmaßlicher Islamist aus Syrien festgenommen wurde.
Der mutmaßliche Terrorist Yamen A. wurde am 31.10.2017 im Plattenbauviertel Neu Zippendorf in Schwerin festgenommen. Bildrechte: dpa

Wegen Sicherheitsbedenken hatte die große Koalition die laxe Fragebogenerfassung dann abgeschafft. Zum Zeitpunkt der Entscheidung über den Asyl-Antrag von Yamen A. galt dem Bericht zufolge jedoch bereits die neue Regelung, wonach alle Asylbewerber wieder persönlich von BAMF-Mitarbeitern befragt werden mussten.

Das Bundesamt bestätigte dem Nachrichtenmagazin, dass das im Fall von Yamen A. nicht geschehen sei. Im Frühjahr 2016 habe es eine Übergangsphase gegeben. Wer den Fragebogen schon zugeschickt bekommen habe, sei nicht mehr zur Anhörung gebeten worden. Die Ausweispapiere des Syrers seien damals überprüft und für echt befunden worden, sagte eine Sprecherin.

Bombenanschlag vereitelt

Der Syrer war am Dienstag in Schwerin von Spezialkräften festgenommen worden. Er sitzt in Untersuchungshaft. Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft hatte er seit Juli einen islamistisch motivierten Bombenanschlag konkret vorbereitet. Sein Ziel sei es gewesen, möglichst viele Menschen inmitten einer größeren Menschenansammlung zu töten.  

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Fernsehen | 31.10.2017 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. November 2017, 20:59 Uhr

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