Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU)
Bleibt seiner "Leitkultur"-Idee treu: Bundesinnenminister de Maizière. Bildrechte: dpa

Debatte über Integration De Maizière verteidigt seine "Leitkultur"

Die "Initiative kulturelle Integration" hat in Berlin 15 Grundsätze zum Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft vorgestellt. Das Wort "Leitkultur" wurde dabei vermieden. Bundesinnenminister de Maizière dagegen verteidigte den Begriff.

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU)
Bleibt seiner "Leitkultur"-Idee treu: Bundesinnenminister de Maizière. Bildrechte: dpa

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat die Verwendung des Begriffs "Leitkultur" verteidigt. Er finde den Begriff "Leitkultur" gut, man solle sich daran aber nicht festbeißen, sagte de Maizière in Berlin bei der Vorstellung von 15 Thesen zum friedlichen Zusammenleben. Genauso gut könne man das Wort "Leitbild" verwenden, um für ein gutes Miteinander von Einheimischen und Zuwanderern zu werben.

Formuliert hatte die Thesen die "Initiative kulturelle Integration". Sie besteht aus 28 gesellschaftlichen Gruppen, die verschiedene Religionen, Arbeitgeber, Gewerkschaften und Medien repräsentieren. Sie wurde von der Bundesregierung und dem Deutschen Kulturrat ins Leben gerufen und arbeitet an Lösungen, wie das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft gelingen kann.

Kritik an de Maizière

Die "Initiative kulturelle Integration" lehnt den Begriff "Leitkultur" allerdings ab. Für den Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, auf dessen Idee die Gründung der Initiative zurückgeht, sei der Begriff "verbrannt". Er spalte, statt zusammenzuführen. Deshalb habe sich die Initiative nach einem Krisentreffen wegen de Maizières Äußerungen entschieden, den Ausdruck in ihren Überlegungen nicht aufzunehmen.

Als kirchlicher Vertreter der Initiative äußerte sich Erzbischof Stefan Heße. Er hänge "überhaupt nicht" am Begriff Leitkultur. "Mir ist wichtig, dass wir über das, was unser Land zusammenhält, im Gespräch sind", erklärte er. Das seien etwa Grundrechte wie die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, Bildung und Kultur. An dem Dialog sollten sich Einheimische und Fremde beteiligen.

Demokratie verlangt Toleranz und Respekt

In den 15 Thesen der Initiative wird das Grundgesetz als Grundlage für das Zusammenleben herausgestellt. Betont wird unter anderem auch, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Auch der Religion messen die Autoren eine bedeutende Rolle für den Zusammenhalt bei. Weitere Thesen weisen darauf hin, dass die freiheitliche Demokratie Toleranz und Respekt verlange. Schlüssel zur Teilhabe sei die deutsche Sprache, heißt es. Kulturelle Vielfalt wird danach als Stärke aufgefasst.

Die Initiatoren betonten, die Thesen sollten einen Auftakt für eine gesellschaftliche Diskussion bilden und riefen dazu auf, sich daran zu beteiligen. Es sei notwendig solche Debatten führen, auch um diffusen Ängsten vor dem Fremden zu begegnen, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz plädierte für ein Einwanderungsgesetz mit klaren Regeln, einer interkulturellen Öffnung in allen Bereichen, faire Zugänge zu Ausbildung und Arbeitsmarkt sowie den massiven Ausbau von Integrationskursen und erleichterte Einbürgerungen.

Leitkultur-Diskussion nicht neu

Der Begriff der deutschen "Leitkultur" prägt nicht zum ersten Mal die politische Diskussion in Deutschland. Bereits im Jahr 2000 hatte der damalige CDU-Fraktionsvorsitzende Friedrich Merz sich für eine freiheitlich demokratische Leitkultur ausgesprochen und eine entsprechende Änderung des Einwanderungsrechts gefordert. Demnach sollte Deutschland pro Jahr nicht mehr als 200.000 Ausländer aufnehmen.

Bundestagspräsident Norbert Lammert kritisierte 2005, dass die von Merz angestoßene Debatte voreilig abgebrochen worden sei, obwohl es eine breite Zustimmung dafür gab. Lammert forderte zudem, das Konzept auf eine europäische Leitidee der gemeinsamen kulturellen Wurzeln auszuweiten.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Fernsehen | 16.05.2017 | 19:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2017, 15:08 Uhr

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76 Kommentare

18.05.2017 21:18 Joachim Dierks 76

@Wessi: Ich glaube, es ist kein Widerspruch, sowohl von Heimatstadt/dorf, Heimatregions-Kultur, deutscher als auch europäischer Leitkultur zu sprechen. Die Menschen in meiner Heimatstadt Leipzig sehen sich häufig zu allererst als Leipziger, selten als Sachsen, häufig als Deutsche und gelegentlich als Europäer!
Dennoch kann ich am Begriff Leitkultur nichts verwerfliches finden, Herr De Maiziere hat mit seinen Thesen recht, auch wenn er das primitiv plakative ,,Wir sind nicht Burka" besser weggelassen hätte. Das ist vermutlich der Qualität der Zeitung geschuldet in der es stand.

18.05.2017 21:14 Klarheit 75

@17:30 Wessi 73,
selten habe ich so viel konfusen zusammenhanglosen Unfug gelesen !
Ihre Eltern haben über die DDR als östliches Ausland geredet - vielleicht sollten die und Sie da mal einen Dank an das östliche "Ausland" senden da die die Reparationen gegenüber der Sowjetunion für Gesamtdeutschland fast allein getragen haben !
EuropaSpinner die nationale Identität und gewachsenen Zusammenhalt ausmerzen wollen sind mir zutiefst zuwider, es gibt keine europ. Identität - fragen Sie mal Franzosen oder Briten - Frankreich zuerst ist dort der Slogan.
Ich hatte jetzt mal das "Vergnügen" Ihre "Vaterstadt" Hamburg zu besuchen - ich war froh wieder abreisen zu können , selten soviel Verwahrlosung, Obdachlose, Säufer am Morgen und "Zugezogene" gesehen ! Mein Weg führte am Bismarckdenkmal vorbei - eine Schande wie das durch Graffiti beschmiert und verunstaltet ist , aber es wundert mich nicht ......
Zitat: ----"ausländer und religionsfreie Hansestadt Hamburg....."------, interessant......

18.05.2017 19:38 Kritischer Bürger 74

@Wessi 73: +...denn Kultur ist unabhängig,friedlich - sie zu leiten hiesse Faschismus!...+ Genau so könnte man über Kultur schreiben ... sie zu leiten wäre sozialistisch, diktatorisch, kommunistisch usw. Liegt allein an der Auffassung und der Sichtweise. Faschismus ist eine aus Politik entstandene Richtung mit entsprechenden Gesinnungen!

18.05.2017 17:30 Wessi 73

@ 71h icbin ganz froh im Westen, nachdem ein Gros meiner väterlichen Familie von den Deutschen (ein Volk namens Nazis gab es nicht!) 33-45 ermordet wurde...+ein Teil der mütterlichen Familie den berechtigten allierten Bombenangriffen zum Opfer fiel.Meine Eltern haben über die DDR als östliches Ausland geredet,völlig undiskriminierend, aber die deutsche Vereinigung hatte für mich keinen idellen Wert..Nationale Deutsche die mir zugunsten einer preuss. Leithammelkultur meine europäische Identität stehlen wollen+das was ab 1949 bis heute v.bewundernswerten Politikern aufgebaute vernichten wollen (die EU,die noch unnationaler werden muß), werden bestimmt keine Freunde werden, erstrecht nicht solche die sich jeden Montag da zusammenrotten.Mein Heimatland heisst Europa,meine Vaterstadt die weltoffene, ausländer und religionsfreie Hansestadt Hamburg.@ 72 Auf "europäisches Recht+Gesetz" könnte auch ich mich einlassen, denn Kultur ist unabhängig,friedlich - sie zu leiten hiesse Faschismus!

18.05.2017 15:42 Kritischer Bürger 72

@Joachim Dierks 69: Ich selbst kennen Ihre angeführte Lektüre, denn in der DDR war es Pflichtlektüre (wenn ich mich richtig entsinne im Jahr 1968 waren es 20 Unterrichtsstunden). Diese Lektüre sollten Sie mal denen als Pflichtlektüre verschlagen welche hier herkommen und sich aufführen wie..... naja. Hat nichts mit Politik oder poli. Ausrichtung zu tun! Mal sehen was Ihnen da wohl geantwortet wird. Nur ein paar Stichworte: "Vermögen und die Großzügigkeit Nathans wurde berechnend ausgenutzt!" Sehen Sie Parallelen zu heute? *** Weiterhin: Die Weisheit Nathans zu testen hatte Saladin (der Leichtfertige in Geldsachen) vor. So und nun vergleiche man es mit der Freigiebigkeit hier in Deutschland wo Steuergelder vergeben werden, welche andere Mitmenschen erwirtschaften.Was fällt da auf? Also finde ich diese Richtung die hier Herr de Maizières die Gedanken ansprechen will durchaus richtig nur der Name ob nun Leitidee oder Leitkultur o.ä. passt nicht so recht dazu.Dt.Recht & Gesetz wäre besser.

18.05.2017 14:53 Wieland der Schmied 71

@ 65 Wessi Zitat „..Paris,Damaskus z.B.sind mir näher als Dresden od. München…“ > Jo mei, da spricht die pure Verzweiflung aus solcherlei Worten, was ich ich sehr bedauere, wenn ich es auch nicht nachvollziehen kann, denn natürlich soll des Vaterland auch eine Heimstatt für bedrückte und verzagte Bürger sein, wo sie ihren eigenen Stammplatz de jure sicher haben. Sie sind bestimmt noch nie in Dresden gewesen, die einen großen Teil ihrer sinnlos zertstörten barocken Schönheit wiederaufgebaut hat und wo man die bürgerliche Feingeistigkeit schon aus Zeiten als Residenzstadt spüren kann. Das Touristikgewerbe meldet zunehmende Zuwächse, vor allem an Montagen. Ich hatte Gelegenheit beim großen Spaziergang mit einen geblldeten jungen Mann aus Unterfranken mich über Herrgott und die Welt zu unterhalten, der zum Abschluß den Satz sagte: „Ein Reise am Montag nach Dresden ist mehr als eine Wallfahrt nach Lourdes.“

18.05.2017 12:43 Wessi 70

@ 67 im Prinzip haben sie ja nicht ganz Unrecht.Aber was Sie mir da anbieten, ist lediglich deutsche S.p.r.a.c.hkultur.Und selbst die gibt es nicht (Platt,Oberbayerisch etc.).Leitkultur im Sinne von Preussen allemal nicht, darum ist das Sujet "Kultur" auch bei den Bundesländern angesiedelt.Und persönlich ist es in der Tat so, daß ich als in der BRD (west) Sozialisierter mit 0 verwandtschaftlichen Bindungen östlich der Elbe,Paris+London dichter als Dresden od.München empfinde,ich bin auch so erzogen worden+meine Eltern haben die deutsche Teilung als Folge deutscher Taten respektiert.Bei uns wurde die DDR "anerkannt",als Christdemokraten noch v."Zone"+ähnlichem schwadronierten."Damaskus" ist reine Provokation, richtig:Angriff.(-: Meine Bindung an das Christentum ist weniger stark als an den Code Napoléon.Mit das Beste nach 45 war die Auflösung der preuss. Zwangskultur,so empfinde ich als Hanseat!

18.05.2017 12:14 Joachim Dierks 69

Dem Kritischen Bürger und dem Wessi empfehle ich die Lektüre von ,,Nathan der Weiße" geschrieben vom Sachsen(!) Gotthold Ephraim Lessing. Da erfahren Sie alles, was über den einen Gott!
Betrachten Sie er ruhig als ein Stück deutscher Leitkultur!

18.05.2017 11:16 pudd'nhead 68

viel geschwafel um nichts und wichtigtuerei von leuten die wahrscheinlich von der realität nicht viel mitbekommen. was soll dieser dumme streit um begriffe. selber konfessionslos muß ich hier Erzbischof Stefan Heße unterstützen und auch de Maizière. wann kehrt in diesem staat endlich wieder vernunft ein? jedenfalls nur mit einer starken konservativen regierung. keine koalitionen mehr!

18.05.2017 06:47 Joachim Dierks 67

@Wessi: Was wollen Sie uns mit Beitrag 65 sagen? Natürlich gibt es deutsche Kultur. Gerade hier in Mitteldeutschland sehen sie überall Bezüge dazu, was unser Land seit Jahrhunderten formte und ausmachte z.B. jetzt zum Reformationsjubilläum! Luther ist mit Sicherheit identitätsstiftend für die Deutschen, übrigens auch für Katholiken. Goethe schrieb auch nicht auf französisch oder arabisch.
Mit ihrem eher abgehoben Duktus von ,,Damaskus ist mir näher als Dresden..." geben Sie den Populisten nur mehr Nahrung und Angriffsfläche.
Vielleicht sollten wir es lieber mit Udo Lindenberg halten, der schon 1987 erkannte, dass unsere Kultur auch Zuzug und andere Einflüsse braucht um den eigenen Horizont zu erweitern und nicht in einer Welt mit lauter grauen Gaulands aufzuwachen: ,,Wir sind die Bunter Republik Deutschland - Wir freuen uns auf jeden Zug, graue Mäuse haben wir schon genug."