Eine Frau geht an einem Wandgemälde, dass zwei Herzen in Regenbogenfarben zeigt, vorbei.
83 Prozent der Deutschen sind für die gleichgeschlechtliche Ehe. Bildrechte: dpa

Umfrage zu Homosexualität Eigentlich tolerant

Die große Mehrheit der Deutschen findet, dass Lesben, Schwule und Bisexuelle weiter diskriminiert werden und fordert ihre komplette rechtliche Gleichstellung. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. 83 Prozent der Bevölkerung finden demnach, Ehen zwischen zwei Frauen oder zwei Männern sollten erlaubt sein. In der Familie wird Homosexualität jedoch schneller zum Problem.

von Daniel Bauer, ARD-Hauptstadtstudio

Eine Frau geht an einem Wandgemälde, dass zwei Herzen in Regenbogenfarben zeigt, vorbei.
83 Prozent der Deutschen sind für die gleichgeschlechtliche Ehe. Bildrechte: dpa

Wer sich wegen seiner Sexualität benachteiligt fühlt, kann das bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes melden. Und das passiert immer noch täglich. "Da wurde einem Altenpfleger beispielsweise gekündigt," berichtet Leiterin Christine Lüders, "weil er nicht zum Unternehmen passe. Da bekam ein lesbisches Paar keine Wohnung unter Verweis auf die sexuelle Orientierung. Und erst kürzlich beschäftigte uns ein Fall, in dem ein schwules Paar gebeten wurde, eine Hotel-Lobby zu verlassen, weil es sich geküsst hatte."

Mehrheit der Deutschen für "Ehe für alle"

Etwa 800 solcher Fälle könnte sie aufzählen - alleine für das Jahr 2016. Und das steht ein bisschen im Widerspruch zur aktuellen Studie der Antidiskriminierungsstelle. Demnach sind die Deutschen gegenüber Homosexuellen nämlich überaus liberal eingestellt. Fast alle finden es gut, dass es Gesetze gegen Diskriminierung gibt. Fast alle sind dafür, dass in den Schulen sexuelle Vielfalt vermittelt wird.

Und auch mit der gleichgeschlechtlichen Ehe hätten die Deutschen kein Problem, sagt Beate Küpper, die die Studie geleitet hat: "Die überwältigende Mehrheit stimmt der gleichgeschlechtlichen Ehe zu. Das Thema ist, um es salopp zu sagen, hier im Prinzip auch schon durch in der Mehrheitsbevölkerung."

Und deshalb plädieren Küpper und Lüders auch dafür, dass sich der Bundestag endlich damit beschäftigt. Am besten ohne Fraktionszwang - dann wäre eine Mehrheit für die wirkliche Homo-Ehe schnell zusammen. SPD, Linke und Grüne sind ja schon lange dafür. Und auch in der Union bröckelt der Widerstand. Auf der parlamentarischen Tagesordnung steht das Thema aber erst einmal nicht.

Mehr Distanz, mehr Akzeptanz

Und auch die aktuelle Studie zeigt, dass die meisten Befragten zwar generell sehr liberal gegenüber Schwulen und Lesben sind, aber das lässt auch schnell nach, wenn man persönlich mit dem Thema konfrontiert wird. Etwa ein Drittel empfindet es zum Beispiel immer noch als unangenehm, wenn zwei Männer sich in der Öffentlichkeit küssen. Christine Lüders zitiert die Studie: "'Homosexuelle sollten aufhören, so einen Wirbel um ihre Sexualität zu machen.' Hier haben wir 44 Prozent der Befragten, die da zustimmen. Wir haben über 26 Prozent, die sagen, wir möchten mit dem Thema Homosexualität möglichst wenig in Berührung kommen."

Und genau das zeigt die Studie auch an einer anderen Stelle. Da wurde gefragt, wie man es fände, wenn ein Arbeitskollege sich outen würde. Nur zehn Prozent fänden das unangenehm. Wenn sich aber herausstellt, dass der Kita-Betreuer des Sohnes Schwul ist, dann hätten damit schon 20 Prozent ein Problem. Und wenn der eigene Sohn irgendwann mal mit seinen Mann nach Hause kommt, dann sind es sogar 40 Prozent. Ganz offenbar steigt die Akzeptanz für alternative Lebensformen also an, je weiter diese von einem weg sind.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: Radio | 12.01.2017 | 17:22 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2017, 18:51 Uhr

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28 Kommentare

13.01.2017 18:16 4711 28

Alles kommt auf die Fragestellung an, deshalb die unterschiedlichen Ergebnisse.

13.01.2017 18:05 Klaus 27

{ Fragender Rentner 23 } Es gibt grundsätzlich zwei Fälle: Die Kinder des Partners adoptieren oder zur Adoption freigegebene Kinder adoptieren. Das hat mit der sexuellen Ausrichtung der Adoptiveltern oder des Adoptivelternteils nichts zu tun. Die Erziehung in einer Homo-Partnerschaft unterscheidet sich nicht grundsätzlich. Homo-Kinder können ja auch problemlos in einer Hetero-Partnerschaft aufwachsen, wenn die Eltern das können.
Seit 2014 haben Homo-Paare das Recht auf eine Sukzessivadoption, das heißt, die bereits adoptierten Kinder des Partners können adoptiert werden. Eine Stiefkindadoption ist bei homosexuellen Paaren mit eingetragener Lebenspartnerschaft bereits seit 2004 möglich. Was bei Homo-Paaren bisher rechtlich noch nicht möglich ist, ist die Adoption von zusätzlichen Kindern, die nicht durch die vorgenannten Fälle dieses Abschnittes benannt sind.

13.01.2017 17:11 HERBERT WALLASCH, Pirna (1/2) 26

An @20 - Aus ....: ist nicht mehr vorhanden. Nur dort in der Vergangenheit wo es ums Geld ging, konnte diese Art von Sexualität öffentlich ausgelebt werden, in der Antike und im Orient, man konnte sich Sklaven kaufen. Ansonsten war es später auch ein Mittel der öffentlichen Demütigung und Erniedrigung einzelner Personen oder Volksgruppen. Die Vergangenheit gehört wie überall mit zur Betrachtung, nicht boß das selbstzusammengebastelte Weltbild.

13.01.2017 16:16 Klaus 25

{ Wachtmeister Dimpfelmoser 22 } Die Evolution hat das so geregelt, dass ca. 5 % der Nachkommen Homosexuell veranlagt sind. Dieser Wert ist nahezu konstant, während die Akzeptanz immer mehr zunimmt, insbesondere für die Gleichstellung unabhängig von der sexuellen Ausrichtung. Die komplette Gleichstellung ist also nur noch eine Frage der Zeit.

13.01.2017 15:45 andre 24

@anonymus - Die Kinder von Homosexuellen Paaren haben es nur schwer in der Schule und werden von den anderen gehänselt, wenn die anderen Kinder von Ihnen und Ihrem Dunstkreis sind! Im restlichen, aufgeklärten Deutschland ist das schon Usus...:-)

13.01.2017 15:45 Fragender Rentner 23

Aber Kinder adoptieren wollen!

Sollten sie welche von Staat über das Amt bekommen, wie werden sie dann erzogen?

13.01.2017 14:46 Wachtmeister Dimpfelmoser 22

Umfrage hin, Ergebnisse her: Die Evolution - ihres Zeichens stärkste Kraft der belebten Natur - weiß schon, wie sie das zu regeln hat. Und die kann man weder belehren noch zurechtgängeln. Und Umfragen sind ihr sowieso egal.

13.01.2017 10:27 Fragender Rentner 21

Wer macht solche Umfragen und wen haben sie wirklich gefragt?

Traue nur dieser Statistik, die du selber gefälschst hast!
Der Spruch stammt nicht von mir soll von einem Engländer sein.

13.01.2017 07:10 aus Sachsen und denkt 20

@Herr Wallasch: "Wir haben Kapitalismus und da entscheidet der ökonomische Gewinn über den Grad der Toleranz."

Einfach igitt, diese Haltung.

Man muss als "Normalo" auch nicht begeistert davon sein, da gebe ich Ihnen recht. Die davon Betroffenen sind davon begeistert, weil sie jetzt endlich immer weniger ausgegrenzt werden. Irgendwann geht die Aufmerksamkeit mal wieder zurück ins Selbstverständliche, will heißen: es geht einfach keinen was an.

13.01.2017 07:08 S 19

Ich denke, wir sollten unseren Kindern wieder die Werte einer "normalen heterogenen" Familie aufzeigen und nicht das "gleichgeschlechtliche". Kinder brauchen Vater und Mutter um eine solide Grundbasis für das Leben zu erhalten. Dies können Schwule und Lesben ( so sehr sie sich auch Mühe geben) einfach nicht vermitteln. Die Familie aus Vater und Mutter gehört zu den wichtigsten Gütern, die wir durch das "gleichgeschlechtliche" nicht kaputt machen sollen.