Zwei Flüchtlingskinder gehen über das Gelände einer Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge
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Mehr als 300 sind da Unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge suchen Gastfamilien in Dresden

Unter den Flüchtlingen, die derzeit nach Deutschland kommen, sind etliche, die unter 18 Jahre alt und ohne Eltern unterwegs sind. Ihre Zahl steigt drastisch an: 2014 waren es deutschlandweit knapp 4.400 Minderjährige ohne Familie, die einen Asylantrag stellten. Im letzten Jahr waren es dann bereits 14.400 Anträge. Die zuständigen Kommunen suchen nun Gastfamilien. Was diese erwartet, was sie mitbringen müssen und wer die Ansprechpartner sind, hat unser Reporter in Erfahrung gebracht.

von Michael Voß, MDR INFO

Zwei Flüchtlingskinder gehen über das Gelände einer Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge
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Kerstin Kuhn ist für viele minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge die erste Anlaufstelle in der Stadt Dresden. Sie leitet die sogenannte Clearing-Stelle des Jugendamts. Hier werden Herkunft, Alter und mögliche gesundheitliche Probleme ermittelt. Außerdem bekommen die Minderjährigen einen Vormund, der Entscheidungen für sie fällt. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Doch für Kerstin Kuhn ist die wichtigste Aufgabe, die Angehörigen der Jugendlichen zu finden. "Das ist eigentlich immer wieder die Freude, die wir im Alltag haben, wenn wir die freudigen Gesichter sehen, wenn die Jugendlichen ihre Geschwister, Verwandte oder gar ihre Eltern in die Arme schließen."

"Oft sind die Eltern verstorben"

Doch in den meisten Fällen bringen die Recherchen bei anderen Jugendämtern, den Ausländerbehörden und auch im Ausland keine Lösung für den Minderjährigen. "Wir erfragen dann: Wo sind seine Eltern? Hat er die vielleicht auf der Flucht verloren? Oftmals müssen wir leider erfahren, dass sie in den Herkunftsländern verstorben sind", so Kuhn.

Für Kuhn und ihre Kollegen ist das keine einfache Situation. Das weiß auch die sächsische Sozialministerin Barbara Klepsch, die selbst in den Aufnahmestellen für unbegleitete Minderjährige war: "Mir sind junge Jugendliche begegnet, der Altersschnitt war so zwischen zwölf und 18, die sehr aufge
schlossen und sehr freundlich sind. Aber man merkt, dass sie wirklich einen großen Rucksack mit sich herumtragen. Sie haben wirklich ein Schicksal auf sich geladen und suchen bei uns Zuflucht." Zuflucht gefunden haben in Dresden zurzeit 317 jugendliche Flüchtlinge. Sie sind in Jugendherbergen und bei freien Trägern untergebracht.

Interessierte Familien können sich melden

Doch können die Jugendlichen an ihrem Zufluchtsort gut betreut werden und hat Dresden dafür zusätzliches Personal eingestellt? Claus Lippmann, der Leiter des Jugendamtes, kritisiert die Situation zaghaft: "Das Personalamt bemüht sich ganz stark, den Bedarf abzudecken. Allerdings muss man natürlich dazu sagen, dass die verfügbaren Fachkräfte in Dresden knapp werden." Da könnten auch Gastfamilien mithelfen, die nun gesucht werden - allerdings nicht nur wegen möglicherweise fehlender Mitarbeiter: "Wir sind dafür sehr dankbar, dass sich da relativ viele Dresdner Familien gemeldet haben. Und die Gastfamilien sind zuständig für die Wahrnehmung der Schulpflicht, für ärztliche Versorgungsmaßnahmen, für das tägliche Leben und so weiter."

Finanzielle Unterstützung für die Hilfe

Bislang sind allerdings nur drei Jugendliche in Dresden bei Gastfamilien untergebracht, zwölf weitere sollen folgen. Die Familien müssen genug Wohnraum haben, um eine zusätzliche Person aufnehmen zu können. Finanziell hilft die Stadt mit monatlich 675 Euro. Von diesem Geld müssen dann Essen, Unterbringung und Kleidung bezahlt werden. Auch andere Städte und Landkreise suchen übrigens Gastfamilien. Ansprechpartner sind immer die Jugendämter.

Zuletzt aktualisiert: 19. Februar 2016, 09:18 Uhr