Konsequenzen nach Al-Bakr-Selbsttötung Verband fordert festangestellte Dolmetscher für Gefängnisse

Berichten zufolge konnte für den inhaftierten mutmaßlichen Terroristen al-Bakr stundenlang kein Dolmetscher gefunden werden. Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer wundert sich.

Nach dem Suizid des mutmaßlichen Terroristen Al-Bakr hat der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) die Festanstellung für Dolmetscher im Justizvollzug gefordert. BDÜ-Vize Thurid Chapman sagte MDR AKTUELL, außerdem müsse es in Gefängnissen einen Dolmetscher-Bereitschaftsdienst geben. Derartige Probleme könnten laut Chapman mit tariflich angestellten sowie gut honorierten und qualifizierten Dolmetschern umgangen werden.

Stundenlang kein Dolmetscher für al-Bakr

Al-Bakr hatte sich in einer Leipziger Haftanstalt das Leben genommen. Laut Medienberichten konnte dem inhaftierten Terrorverdächtigen 32 Stunden lang kein Dolmetscher zur Verfügung gestellt werden. Diese Zeitspanne wundert die BDÜ-Vizechefin: "Nach dem bisher bekannten Ablauf und angesichts der hohen Dichte an Arabisch-Dolmetschern allein in Leipzig ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar, warum in dem vorliegenden Fall von Dienstagvormittag bis Mittwochabend kein Gespräch mit dem Inhaftierten geführt werden konnte."

Leipzig mit höchster Dichte bei Arabisch-Deutsch-Dolmetschern

Leipzig ist nach Angaben des Verbandes die Stadt mit der weltweit höchsten Dichte an Arabisch-Deutsch-Dolmetschern. Grund sei die weltweit einzige universitäre Ausbildungsstätte für diese Dolmetscher. Die bundesweite Justizdatenbank ergibt für das Bundesland Sachsen 45 Arabisch-Dolmetscher, davon allein in Leipzig 27.

Auch Strafvollzugsbedienstete für festangestellte Dolmetscher

Auch der Bund der Strafvollzugsbediensteten Deutschlands (BSBD) in Sachsen hat für festangestellte Dolmetscher plädiert. "Bei einem weiteren Anstieg des Ausländeranteils in den sächsischen Gefängnissen sollte überlegt werden, Dolmetscher in den relevanten Sprachen anzustellen, die dann in Krisensituationen auch außerhalb der normalen Geschäftszeiten schnell verfügbar sind", sagte BSBD-Sachsen-Chef René Selle MDR AKTUELL.

Zuletzt aktualisiert: 28. Oktober 2016, 15:32 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

16 Kommentare

29.10.2016 10:58 Fragender Rentner 16

Hatte gefragt, ob es auch welche sein könnten, die schon länger in Deutschland sind.

Könnte vielleicht auch helfen.

28.10.2016 17:22 Anmerkung 15

Da kann sich ja Amerika ein Beispiel nehmen ,Deutsche sitzen dort auch in Einzelzellen ,ohne Dolmetscher. Fragen sie doch mal den Musiker aus Leipzig und die Jugendlichen die in Singnapur im Gefängnis waren ,wie dort mit ihnen umgegangen wurde und ob man sich so bemühte ,wie wir jetzt um die Asylanten.Dazu könnte der MDR mal berichten.

28.10.2016 09:23 BDÜ Pressestelle 14

Die Forderungen des BDÜ sind als Lösungsansätze für die offensichtlich bestehenden Probleme zu sehen. Ein Vorschlag ist die bedarfsgerechte Festanstellung von Dolmetschern beim Freistaat Sachsen bzw. auch in anderen Bundesländern, nicht nur für die Justizvollzugsanstalten. Diese stünden damit auch für andere (bekanntermaßen immer zahlreichere) Aufgaben zur Verfügung. Ein fester Bereitschaftsdienst wäre eine Alternative, insbesondere für die selteneren Sprachen, für die eine Festanstellung nicht sinnvoll ist.

25.10.2016 22:27 Bürgerin 13

Wieviele Dolmetscher sollen denn da eingestellt werden bei den vielen verschiedenen Sprachen? Und die dann noch in jeder JVA.
Und dann wartet jeder Dolmetscher dann bis ein Gefangener kommt, der genau ihn braucht. Und dann hat er doch gerade an diesem Tag frei oder Urlaub...
Interessante Vorstellung.

25.10.2016 19:48 walter 12

Festangestellte Dolmetscher können doch gar nicht erforderlich sein, dass sind doch alles nur Einzelfälle.
Was sollen diese Dolmetscher denn den ganzen Tag machen?

25.10.2016 15:42 Dolmetscherverein 11

Die tägliche Arbeit zeigt, dass die zuständigen Beamten oft gar nicht wissen, wo sie nach Dolmetschern suchen sollen. Selbst die hauseigene Dolmetscherdatenbank der Justiz ist manchen Justizangestellten fremd. Für Leipzig sind 31 beeidigte Dolmetscher für Arabisch in der Datenbank eingetragen. Da erscheint es zumindest unwahrscheinlich, dass in der ganzen Zeit keiner dieser Dolmetscher zur Verfügung gestanden haben soll. Natürlich macht es Arbeit, einen Dolmetscher zu suchen und eventuell eine ganze Reihe von ihnen erst einmal abtelefonieren zu müssen, um zu erfahren, ob sie zur Verfügung stehen. Der Verein beeidigter Dolmetscher und Übersetzer Sachsen e.V. betreibt seit 16 Jahren ehrenamtlich eine Hotline, über die rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr Dolmetscher an sächsische Gerichte und Behörden vermittelt werden. Auch auf diese Dienstleistung hätte die JVA zurückgreifen können.

25.10.2016 06:55 HOPF L. 10

@ 8 Dolmetscherin. Zünächst vielen Dank für Ihre Klarstellung.
@ 7 ralf meyer. Ich muß feststellen,daß der Chef
der Deutschen Polizeigewerkschaft,Rainer Wendt,
mit dem Journalisten Dr. Udo Ulfkotte überein-
stimmt,wenn Dr. Ulfkotte,von der deutschen
Asylindustrie bzw. von seinen Profiteuren spricht.

24.10.2016 22:27 NN 9

Nicht die Justiz fordert an, nein der Verband der Dolmetscher fordert seine Anstellung bei der Justiz. Festangestellt werden diese erpressbar: "Gestern hast du für XY übersetzt, heute hat er verschärfte Haftbedingungen. Du hast also etwas Falsches gesagt" Einen kleinen Auszug über die Anzahl der Dolmetscher liefert uns D.o.M. (4). Diese alle in doppelter Ausführung um die Korrektheit der Übersetzung zu prüfen.

24.10.2016 21:38 Dolmetscherin 8

So einfach wie es hier dargestellt wird ist es nicht. Es kann nicht ein x-beliebiger Dolmetscher gerufen werden. Ein Dolmetscher der für Polizei und Strafvollzug übersetzt ist vom Gericht vereidigt und NUR diese Dolmetscher dürfen dort auch übersetzen.

24.10.2016 21:13 ralf meier 7

@24.10.201619:12 Sabine Sonntag : keine Frage, MultiKulti schafft Zwänge und diese Zwänge schaffen Arbeitsplätze . Das gilt ganz besonders für die massenhafte Einwanderung von Asylanten , die einen entsprechend massiven Ausbau der schon bestehenden Asylindustrie erforderte. Diese bietet nun vielen Sozialarbeitern Dolmetschern und Psychologen u.a. ein Einkommen. Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, spricht gegenüber der Bildzeitung zusätzlich von einer "regelrechten Abschiebeverhinderungs Industrie", von der "Anwälte und Organisationen wie Pro Asyl" profitieren würden. Das der Bundesverband der Dolmetscher sich nun für seine Mitglieder einsetzt ist legitim. Lobbyismus ist in unserer Gesellschaft Teil des Interessenausgleiches. Wer der Meinung ist, das hier die richtigen Prioritäten gesetzt werden, kann zufrieden sein.