Rednerpult und Bundesadler im Deutschen Bundestag
Dreißig Prozent der Abgeordneten haben Nebeneinkünfte. Bildrechte: IMAGO

Studie zu Nebeneinkünften Dreißig Prozent der Abgeordneten haben einen Nebenjob

9.541 Euro und 74 Cent: das bekommen die Parlamentarier im Bundestag pro Monat als sogenannte Abgeordnetenentschädigung. Aber manche verdienen nebenher noch sehr viel mehr, so eine Studie der Otto-Brenner-Stiftung. Allen voran stehen Mitglieder der Union. Doch auch bei der SPD nehmen die Nebeneinkünfte zu. Das liege an den vielen Rechtsanwälten und Unternehmern - so die Partei - die trotz Mandat weiterarbeiten. Die Macher der Studie warnen, es entstehe der Eindruck der Käuflichkeit.

von Stephan Zimmermann, MDR AKTUELL

Rednerpult und Bundesadler im Deutschen Bundestag
Dreißig Prozent der Abgeordneten haben Nebeneinkünfte. Bildrechte: IMAGO

Wer kennt schon den Abgeordneten Philipp Graf Lerchenfeld von der CSU? Wahrscheinlich kaum einer außerhalb von Bayern. Aber der Mann ist einer der Spitzenverdiener im Bundestag. In diesem Jahr bekommt er mindestens 150.000 Euro vom Agrarkonzern BayWa und mindestens 75.000 Euro von der Südzucker AG. Und das sind nur zwei von rund einem Dutzend Nebenjobs. So gut sind nur wenige Abgeordnete im Geschäft.

Aber immerhin: 29 Prozent verdienen dazu und zusammen bekommen sie im Jahr eine ganz Menge Geld – sagt der Sozialwissenschaftler Sven Osterberg. "Wir schätzen, dass im Schnitt 37,6 Millionen Euro Nebeneinkünfte zusammenkommen und dass achtzig Prozent dieser Nebeneinkünfte von der Unionsfraktion verdient werden."

Spitzenverdiener sitzen bei der Union

Sven Osterberg hat die Nebeneinkünfte der Abgeordneten untersucht und zwar für die Otto-Brenner-Stiftung, die der IG-Metall nahesteht. Grundlage sind Angaben, die der Bundestag seit 2005 veröffentlicht. Die Parlamentarier müssen Nebeneinkünfte inzwischen in zehn Stufen angeben – von mehr als 1.000 Euro bis mehr als 250.000 Euro.

Ergebnis: Nur knapp zehn Prozent verdienen mehr als 15.000 Euro im Jahr dazu. Und nur 15 Abgeordnete bekommen mehr als 100.000 Euro. Die meisten Spitzenverdiener sitzen bei der Union – bis vor kurzem gab es aber auch noch einen von der SPD.

Nebeneinkünfte nehmen auch bei SPD zu

Peer Steinbrück, SPD, Mitglied des Bundestages (MdB), Bundesminister der Finanzen a.D.
Ex-SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hatte mit seinen zahlreichen Honorarvorträgen für Schlagzeilen gesorgt. Bildrechte: IMAGO

Als SPD-Kanzlerkandidat hat Peer Steinbrück mit seinen Vorträgen Schlagzeilen gemacht. Im September 2016 ist er aus dem Bundestag ausgeschieden.

Aber insgesamt ist die SPD die einzige Partei, bei der die Zahl der Nebenverdiener in dieser Wahlperiode zugenommen hat. Sven Osterberg hat dafür eine Erklärung: "Das ist im Prinzip damit begründet, dass natürlich ein Abgeordneter einer Regierungsfraktion für Leute von außen wesentlich interessanter ist und deswegen die Angebote von außen häufiger auf einen zukommen."

Auf Nachfrage hat die SPD-Fraktion aber noch eine andere Erklärung. Sie sagt: für die Partei werden immer mehr Rechtsanwälte und Unternehmer gewählt, die ihren Job nicht aufgeben wollen. Und damit liegt die SPD im Trend.

Eindruck der Käuflichkeit

Daraus könnte man schließen: die Wirtschaft bekommt mehr Einfluss im Parlament, wenn mehr Unternehmer dort vertreten sind. Der Sozialwissenschaftler Sven Osterberg befürchtet sogar: wenn Abgeordnete hohe Beträge dazu verdienen, entsteht zumindest der Eindruck der Käuflichkeit. Er sagt: "Ich denke mal, gerade wenn wir uns diese rechtspopulistischen Entwicklungen anschauen,  für die ist natürlich so eine Beobachtung wieder Wasser auf ihre Mühlen. Es ist aus meiner Sicht eine gewisse Tollpatschigkeit des Parlamentes, diesen Eindruck zu zeigen."

Osterberg fordert deswegen: Abgeordnete dürften von möglichen Lobbyisten kein Geld nehmen und damit meint er Unternehmen genauso wie Gewerkschaften.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 02.08.2017 | 16:18 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. August 2017, 17:43 Uhr

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21 Kommentare

04.08.2017 11:08 Wo geht es hin? 21

Man muss sich eigentlich nur mal den Namen "Volksvertreter" vergegenwärtigen. Der Name sagt doch alles. Diese Leute sollten dem Souverän - dem Volk also - im Parlament als dessen Stellvertreter und Diener vertreten. Scheinbar "dienen" so manche dieser Leute aber eben nur einem sehr,sehr kleinem Teil des Volkes - und offensichtlich reicht denen das! Da hilft nur eines: entzieht diesen Leuten das Mandat!

04.08.2017 08:20 OHNEWORTE 20

03.08.2017, 13:04 | karstde

Richtig was Sie sagen....
Den Buergern in Deutschland wird jeden Tag das boese schlechte Leben in der DDR erzaehlt. Das hat alles einen Sinn ...,schon um zu zeigen , Buerger ...ihr lebt doch jetzt in bluehenden Landschaften. Wie sagte ein Ueberlegender , mit einer schoenen Fassade kann man zwar Eindruck schinden,aber ob es im Inneren auch so schoene Ansichten gibt ,kann man nur sehen,wenn man drinnen war.
Heute wird die DDR schon in einem Atemzug mit dem System von Hitler verglichen,von Leuten,die die DDR nur aus dem westdeutschen Geschichtsunterricht kennen.
Wofuer werden die Abgeordneten bezahlt ? Das sie sich vor den Augen der Buerger streiten,wer was besser macht ? Wenn ein Abgeordneter NATO Einsatz an den Grenzen zu Russland zustimmt ,mit dem Feuer mitspielt , kann ich mir nicht erklaeren,wofuer dessen Arbeit bezahlt werden soll...,damit wir in einem Krieg von parlamentarischer Arbeit 60 Stunden Arbeit ueberzeugt werden ?

03.08.2017 18:18 Wo geht es hin? 19

@Wessi: Aha, es ist also der pure Neid. Ich stelle jetzt mal eine Hypothese auf: wenn alle Abgeordneten sagen wir mal am Fliessband oder in meiner Baufirma von heute auf morgen ihren Lebensunterhalt mit ihren Händen verdienen müssten, gehen 50% spätestens nach 2 Tagen zum Arzt und der Rest kömmt einfach erst gar nicht und würde ohne Alimentierung ganz simpel verhungern (ausser ein paar weniger Ausnahmen). Und darauf soll ich "neidisch" sein?

03.08.2017 18:10 der_Silvio 18

Es gibt nur zwei Gründe, warum Politiker einen 'Nebenjob' haben; entweder bekommen sie den Hals nicht voll genug oder sie haben als Politiker nicht genug zu tun. Letzteres kann man in Anbetracht der vielen Baustellen in der politischen Landschaft Deutschlands ausschließen.
Als Mitglied des Vereins, der Deutschland regiert, sollte sich jeder Politiker im Klaren sein, daß er in erster Linie für das Volk da sein sollte.
Man wird heute scheinbar nicht Politiker, um etwas im Land zu bewegen, sondern um richtig Kohle zu scheffeln. Was für eine Moral...
Und wieder bewahrheitet sich (leider) das Sprichwort; Wenn jeder an sich denkt, ist an jeden gedacht.

03.08.2017 17:26 Wessi 17

@ 15 "die"? Solche Pauschalurteile haben nichts, aber auch gar nichts mit Rechtsstaat zu tun.Selbst ein etwas gehobener Angestellter verdient in großen Unternehmen schon diese Summe."Den Drang zu Korruption"? Das ist der pure Neid.Ein Rechtsanwalt, viele Unternehmer,Ärzte etc. verdienten mehr als diese Summe.Also entweder man verhindert das Engagement od. man zahlt mehr.Wie kommen Sie denn dazu mein Wissen über Marxismus in Frage zu stellen?Was man Ihnen ins "Hirn geblasen" hat....?

03.08.2017 16:09 oppie 16

Menno ,daher ist der Bundestag immer so leer . Die stehen irgendwo am Band oder tragen Pakete aus :--))))))

03.08.2017 13:43 karstde 15

@ Wessi 11: "Für den Normalbürger sind € 9.000 sehr hoch.Wenn man aber mit den Einkommen eines Managers in der Wirtschaft vergleicht und die Verantwortung für ca. 200.000 Menschen im Wahlkrisi berücksichtigt ist es lächerlich wenig."
Die haben so viel Verantwortung, dass diese die arbeitenden Menschen in die Arbeitslosigkeit schicken, ohne mit der Wimper zu zucken. Zudem Leben diese Manage von fremder Arbeit und stecken sich Bonis in die eigene Tasche, was andere erwirtschaftet haben. Außerdem haben diese noch einen Drang zu Korruption und Kriminalität. Siehe Dieselskandal. Mal darüber nachgedacht?

03.08.2017 13:04 karstde 14

@ Wessi 11: Was hat den ein Manager mit einem vom Volke gewählten Abgeordneten zu tun? Nichts. Diesen Unsinn hat man Euch Jahrzehnte lang ins Hirn geblasen. Genau so ein Schwachsinn, wie man Euch erzählt hat, und heute noch tut, dass der Marxismus sämtliches Privateigentum abschaffen will.

03.08.2017 12:52 Gschaftelhuber 13

Die Überschrift hätte ich bei diesen Selbstversorgern auch nicht ausgeschlossen.
Sind die denn auch schon kurz vor den Flaschen sammeln, wie so viele unsere armen Rentner oder besser gesagt Almosenbezieher von Konsenspolitik Gnaden.

03.08.2017 10:17 Sachse 12

Wo soll man in diesem moralisch verkommenen Land noch anfangen. Politiker können den Hals nicht voll genug bekommen, füllen sich, wie oben beschrieben unverblümt die Taschen, obwohl sie ihren Verpflichtungen kaum nachkommen. Das zeigte auch der gestrige Tag, da wurde eine Weichspülerregelung in Sachen Diesel getroffen, weil ja die Politiker eng damit verbunden sind, also offensichtlich der Betrug der Autoindustrie unterstützt. Da wird einem Volk eine Flüchtlingswelle übergestülpt, die niemals zu bewältigen ist und deren Ergebnisse Tag für Tag zu sehen sind. Und dann wundert man sich wenn Extremismus entsteht, die Verursacher sind einzig und allein die Politiker, die das Volk bevormunden und betrügen (Diesel) und belügen. Es bleibt zu hoffen, das vor dem 24.09. noch viele Menschen munter werden.