Anhänger des Bündnisses Pegida demonstrieren auf dem Theaterplatz in Dresden
Mehr als ein Viertel der Bürger vertritt neurechte Positionen. Bildrechte: dpa

"Mitte-Studie" Neurechte Einstellungen weit verbreitet

Der Islam unterwandert Deutschland, Politiker und Medien lügen. Mehr als ein Viertel der Bürger vertreten solche neurechten Einstellungen. Besonders häufig kommen sie bei AfD-Anhängern vor. Das sind Ergebnisse der neuen "Mitte-Studie", die am Montag in Berlin vorgestellt wurde. Der Aufnahme von Flüchtlingen hingegen stimmten mehr als die Hälfte der Befragten zu. Nur 20 Prozent lehnen sie ab.

Anhänger des Bündnisses Pegida demonstrieren auf dem Theaterplatz in Dresden
Mehr als ein Viertel der Bürger vertritt neurechte Positionen. Bildrechte: dpa

Während negativen Meinungen über gesellschaftliche Gruppen wie Behinderte und Homosexuelle rückläufig sind, sind sogenannte neurechte Einstellungen weit verbreitet in Deutschland. Wie aus einer in Berlin vorgestellten Studie "Gespaltene Mitte" im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung hervorgeht, vertreten 28 Prozent der Bevölkerung ein Meinungsbild,

  • das etwa eine vermeintliche Unterwanderung durch den Islam umfasst,
  • ein "Meinungsdiktat" von Politikern, Medien
  • und eine nationale Rückbesinnung gegen die EU fordert.

Viel Zustimmung für Aufnahme von Flüchtlingen

Der Studie zufolge teilen 84 Prozent der AfD-Wähler solche Meinungen. Etwas positiver ist den Daten zufolge die Einstellung der Deutschen zur Flüchtlingsaufnahme. Mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) findet die Aufnahme "gut", weitere 24 Prozent "zum Teil gut". Nur 20 Prozent finden es "eher nicht" oder "überhaupt nicht gut", dass Deutschland viele Flüchtlinge aufgenommen hat.

Gespaltene Gesellschaft

Der Bielefelder Konfliktforscher und Studienleiter Andreas Zick von der Universität Bielefeld sagte, das Wort Spaltung beschreibe den Zustand der Gesellschaft derzeit am treffendsten. Er warnte vor einer zunehmenden Polarisierung und auch Radikalisierung.

Die sogenannten Mitte-Studien werden seit 2006 im Zwei-Jahres-Rhythmus im Auftrag der SPD-nahen Stiftung erstellt. Untersucht wird dabei, wie rechtsextreme oder gruppenfeindliche Ansichten in der Mitte der Bevölkerung vertreten sind. Für die aktuelle Untersuchung wurden zwischen Anfang Juni und August dieses Jahres 1.896 repräsentativ ausgewählte Personen ab 16 Jahren befragt.

Mitte-Studie Die Studie basiert auf repräsentativen Befragungen per Telefon, die die Friedrich-Ebert-Stiftung alle zwei Jahre in Auftrag gibt. Befragt wurde die deutschsprachige Wohnbevölkerung ab 16 Jahren. Insgesamt wurden zwischen dem 6. Juni und dem 5. August 2016 2008 Menschen befragt.

Zuletzt aktualisiert: 21. November 2016, 21:07 Uhr

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75 Kommentare

23.11.2016 10:03 Antwortender 75

@Joachim Dierks: "Metaphysiker lehnt die Sozialwissenschaften relativ eindeutig ab, weil sie ,,bestechlich und zweckhaft'' seien. [...] Damit kann man viel Diskussion im Keim ersticken, wenn man nur sich selbst als objektiv, den anderen aber als bestechlich und fremdbestimmt abkanzelt."

Mich stört dabei vor allem, dass "Metaphysiker" sehr überheblich bestimmte Wissenschaften verdammt und selbst offenkundig über keinerlei Kenntnisse von Erkenntnistheorie und sozialwissenschaftlichen Theorien und Methoden verfügt. Statt konstruktive Kritik zu üben - was dem Geist einer pluralistischen Wissenschaft ja keineswegs entgegensteht - wird uns hier wieder mal nur platteste Dogmatik geboten und ganzen Wissenschaftszweigen, und somit den Werken von herausragenden Wissenschaftlern wie Max Weber, Jürgen Habermas, Karl Popper, Theodor W. Adorno (nur eine klitzekleine Auswahl), selbstherrlich die Existenzberechtigung abgesprochen. Das klingt mir ziemlich fundamentalistisch...

22.11.2016 00:37 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 74

@ 72:
... oder, um es mit einfachen Worten zu sagen:

Wer den Tellerrand scheut, mag nicht mal seine eigene Suppe richtig beurteilen. ... was dann wieder zu Einstein führt! Wer sich an Zunder entzündet, ist schwer zu kontrollieren.

Fährst Du rückwärts an einen Baum, verkleinert sich der Kofferraum. Nicht alles kann so einfach und trotzdem so tief sein!

Und genau darin spiegelt sich die Oberflächlichkeit: ein instinktives Motzen ohne die Bereitschaft, auch nur einen Schritt weiter zu denken; ihn gehen, ohne ihn zu hinterfragen... Traben mit Scheuklappen.

Wer einen Hussein ablehnt, lehnt auch einen Krause ab...

22.11.2016 22:07 Joachim Dierks 73

Antwortender und Metaphysiker:
Zumindest mal eine ganz schön niveauvolle Diskussion.
Letztendlich aber wenig zielführend, denn um es mal auf den Punkt und allgemeinverständlich zu formulieren.
Metaphysiker lehnt die Sozialwissenschaften relativ eindeutig ab, weil sie ,,bestechlich und zweckhaft'' seien.
Ein Vorwurf übrigens, der hier und vielerorts übrigens auch gegen die Medien generell erhoben wird! Damit kann man viel Diskussion im Keim ersticken, wenn man nur sich selbst als objektiv, den anderen aber als bestechlich und fremdbestimmt abkanzelt.

22.11.2016 21:14 Antwortender 72

Und ich halte es übrigens eher mit Paul Feyerabend: „Kein Rationalist, kein kritischer Rationalist besitzt eine Einsicht in die Grenzen der Wissenschaften – dazu müsste er ja wissen, was außerhalb der Wissenschaften vorgeht, er müsste Mythen kennen, müsste ihre Funktion verstehen […] Man zeige einem kritischen Rationalisten einen Gegenstand, der außerhalb seiner Erfahrung liegt – damit kann er gar nichts anfangen, er benimmt sich wie ein Hund, der seinen Herrn in ungewöhnlichen Kleidern sieht; er weiß nicht, soll er ihn beißen, soll er davon laufen, oder soll er ihm das Gesicht lecken. Das ist auch der Grund, warum kritische Rationalisten an den Grenzen der Wissenschaft zu schimpfen beginnen – für sie ist das Ende ihres Glaubens erreicht und das einzige, was sie sagen können, ist: ‚irrationaler Unsinn‘ oder ‚ad hoc‘ oder ‚unfalsifizierbar‘ oder ‚degenerierend‘ – Bezeichnungen, die genau denselben Zweck haben wie die früheren Bezeichnungen ‚häretisch‘ etc. etc.“

22.11.2016 21:12 Antwortender 71

Und, lieber Metaphysiker, legen Sie doch mal Ihre Vorstellung von einer wissenschaftlichen Analyse von Rassismus und anderen Ausgrenzungs- bzw. Unterdrückungsphänomenen vor. Knallgasmethode?
Haben Sie die 400seitige Studie denn überhaupt gelesen oder kritisieren Sie hier etwas, was Ihnen als Untersuchungsgegenstand nicht passt??? Das ist natürlich "objektiv"!!!

22.11.2016 20:48 Antwortender 70

Lieber Metaphysiker, die Sozialwissenschaften betrachten ihren Untersuchungsgegenstand - gesellschaftliche Phänomene - eben nicht als "natürlich", "gegeben" oder ähnliches. Wo haben Sie diesen Unfug her? Haben Sie jemals einen sozialwissenschaftlichen Text gelesen??? Sozialwissenschaften beobachten (a)soziale Phänomene, wie die Ausgrenzung von Menschen mit anderer Hautfarbe oder den "falschen" sexuellen Präferenzen, und versuchen zu ergründen, wie sich diese sozial konstituieren. Aber Empirie ist vermutlich auch nur ein "moralischer Begriff" für Sie...?!

"Menschenfeindlichkeit" wird in der Studie als Oberbegriff für Sexismus, Antisemitismus, Homophobie, Islamophobie und anderen spaßigen Dingen verwendet.

22.11.2016 18:45 Metaphysiker im Auftrag eben 69

@22.11.2016 16:24 Antwortender:
"Menschenfeindlichkeit" ist kein wissenschaftlicher, sondern ein moralischer Begriff und, mehr noch, ein eindeutig ideologisch besetzter Begriff.
In dieser unreflektierten Begrifflichkeit kommt das ganze Elend der Sozialwissenschaften zum Ausdruck: Sie ist in einer "Wissensgesellschaft" gestaltender Teil dessen, was sie gerne "objektiv" untersuchen möchte und kann nicht einmal eine Metasprache anwenden, um Wertungen schon im Beobachtungansatz methodisch zu vermeiden. Zu deutsch: Die Sozialwissenschaften laufen Gefahr, etwas als gegeben anzunehmen, was sie selbst erst als reine Begrifflichkeit erschaffen haben. Oder etwas zu beweisen, was sie selbst oder ihre Auftraggeber und Finanziers als wünschenswert empfinden. Ich halte es da mit Immanuel Wallerstein und ich halte den weitaus grössten Teil der Sozial"wissenschaften" für bestechlich, zweckhaft und unfähig zwischen ideologischen Paradigmen und in der Anschauung Vorhandenem zu klar unterscheiden.

22.11.2016 16:31 Unterschreib' 68

@22.11.2016 12:59 Joachim Dierks (59 Wo geht es hin: Ja, ich bin Ossi, fühle mich aber als Deutscher und lebe mittlerweile auch länger im vereinten als geteilten Land. Die deutsche Teilung ist für mich wie Willy Brandt es sagte, ,,gegen den Strom der Geschichte". Die Einheit war das grösste Glück und Geschenk für unser Land!)

Unterschreib' von der nordwestdeutschen Wasserkante. Das muss nämlich gelegentlich mal deutlich ausgesprochen werden - damit die Kategorien klar bleiben.

22.11.2016 16:24 Antwortender 67

@62: Das können Sie alles der Studie entnehmen (http://www.fes-gegen-rechtsextremismus.de/pdf_16/Gespaltene%20Mitte_Feindselige%20Zust%C3%A4nde.pdf, S. 42ff).


"In meinem Umfeld (zwei Unis in D und NL und diverse IT-Betriebe) werden diese Begriffe zur Phänomenbeschreibung nämlich niemals verwendet - sie entstammen offensichtlich dem Soziologenmilieu."

Ich weiß nicht, was Sie für einen wissenschaftlichen Background haben und inwiefern Sie sich wissenschaftlich mit Rassismus beschäftigt haben. Soziale Phänomene kann man jedenfalls nicht mit IT-Begriffen beschreiben und untersuchen. Menschenfeindlichkeit ist leider ein soziales Phänomen und bedingt daher eine sozialwissenschaftliche Analyse...

"Schon deshalb besteht ein semantischer Anfangsverdacht."

Diesen Satz müssten Sie noch mal erklären. Es klingt fast so, als hielten Sie Sozialwissenschaften für anrüchig...

22.11.2016 15:13 Joachim Dierks 66

Bemerkenswert ist ja diese Feststellung:
Mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) findet die Aufnahme "gut", weitere 24 Prozent "zum Teil gut". Nur 20 Prozent finden es "eher nicht" oder "überhaupt nicht gut", dass Deutschland viele Flüchtlinge aufgenommen hat.''
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Mit den letzen 20% dürfte aktuell das maximale Wählerpotential der AfD für die Bundestagswahl beschrieben sein, ich bin gespannt, ob sie es ausnutzen kann.