Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow tippt in sein Handy.
Twittert viel, sogar sein Hund tut es: Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow. Bildrechte: dpa

Soziale Medien Warum Politiker ständig twittern

Was ist der Unterschied zwischen Angela Merkel Donald Trump? Merkel twittert nicht. Sie überlässt das lieber ihrem Regierungssprecher Steffen Seibert. Das ist ungewöhnlich. Denn immerhin 60 Prozent der deutschen Spitzenpolitiker sind regelmäßig auf Twitter unterwegs. Aber warum überhaupt?

von Helena Brinkmann, ARD-Hauptstadtstudio für MDR AKTUELL

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow tippt in sein Handy.
Twittert viel, sogar sein Hund tut es: Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow. Bildrechte: dpa

Twitter ist in Deutschland ein Nischennetzwerk. Berechnungen zufolge sind dort etwa drei Millionen Deutsche angemeldet, nur ein Drittel davon ist aktiv. Wahlkampf für nur eine Million Menschen? Lohnt sich doch gar nicht!? Doch, sagt Politikberater Martin Fuchs:

Wenn man die Agenda beeinflussen möchte, wenn man Diskurse anstoßen möchte, wenn man mitbekommen möchte, was andere Politiker tun, dann sollte man auf jeden Fall auf Twitter sein.

Martin Fuchs, Politikberater

Denn dort tummeln sich viele Journalisten, Blogger, Wissenschaftler und Politiker - Leute, die die öffentliche Debatte bestimmen. Sie tragen die Themen aus dem Netzwerk in die digitale und auch in die analoge Welt. "Influencer" werden diese Leute genannt.

Twitter hat außerdem im Vergleich zu anderen sozialen Netzwerken bestimmte Vorteile, so Martin Fuchs: "Sie erreichen die Leute schneller und bekommen Feedback unmittelbarer. Das ist für Politiker extrem wichtig." Durch digitale Kommunikation und soziale Medien wie Twitter habe sich die Politik insgesamt beschleunigt. "Das kann man jetzt gut oder schlecht finden", meint Fuchs.

Mit Shitstorms zum Wahlsieg

Der direkte Kontakt zu den Followern und damit zu den Wählern - das ist, was Twitter für Politiker so spannend macht. Aber das kann sich auch gegen sie wenden. Wie bei CDU-Generalsekretär Peter Tauber: Der hatte sich Anfang Juli auf eine Diskussion mit einem Twitter-User eingelassen. Als Antwort auf eine etwas provokante Frage twitterte er:

Wenn Sie was Ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs.

CDU-Generalsekretär Tauber auf Twitter

Diese Äußerung regte viele User auf. Andere Parteien nahmen die Kritik auf und wetterten ebenfalls gegen Tauber. Kein Einzelfall. Immer wieder tauchen in den Medien Berichte über verbale Ausrutscher von Politikern auf.

Solche Shitstorms müssen nicht unbedingt schlecht für die Partei sein, meint Politikberater Martin Fuchs. Er vermutet, dass sie manchmal sogar bewusst eingesetzt werden. "Oftmals ist es die Chance, dass man in dieser Erregung, diesen Diskurs, den man erzeugt hat, ganz andere Themen draufsetzen kann, die dann sehr viel mehr Tiefe haben als die 140 Zeichen eines Tweets."

Immer im Gespräch

Auch Jasper Bauer aus dem Online-Team der Grünen ist sich sicher, dass sich rege Aktivität bei Twitter am Ende auszahlt und die Aufmerksamkeit der Wähler auf sich zieht. "Viel entscheidender als die eigenen Abonnenten ist, in bestimmten Diskussionen vorzukommen - also unter bestimmten Hashtags, den gerade viele Leute sehen, lesen, selber mitdiskutieren."

Doch dabei seien nicht einfach Parteiparolen entscheidend. Es zähle der persönliche Kontakt, am besten direkt über die Politiker. Jasper Bauer stimmt aus der Parteizentrale heraus mit den Politikern ab, was diese twittern könnten, statt es über den allgemeinen Partei-Account zu veröffentlichen.

Politische Botschaften von Mensch zu Mensch sind lebendiger und glaubwürdiger, als wenn sie über eine anonymisierte Partei kommen.

Jasper Paul, Grüne

Die Zutaten für den Erfolg auf Twitter sind also die Nähe zum User, die Teilnahme an Diskussionen und der persönliche Kontakt durch echte Menschen. Etwas, was viele in der realen Welt vermissen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 30.07.2017 | ab 5 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2017, 07:10 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

5 Kommentare

30.07.2017 19:54 Querdenker 5

Papalapap! Ganz kurz vereinfacht gesagt geht es darum, dass die geplanten geistigen Ergüsse von der Presse aufgenommen werden für Propaganda. Des etwas eine ungewollte „Entgleisung“ ist, ist also bei höheren Politikern eher die Ausnahme. Es ist dann ggf. eher gewollte Provokation für Propaganda.

Außerdem geht’s natürlich auch darum mit Stammwählern Kontakt zu halten, denn jemand Anderes folgt der Propaganda ja eher selten. Ich meine schaut euch doch mal so ein Twitter Account von einem Politiker an, das ist doch eher Gehirnwäsche. Je weiter am Rand der Demokratie, je größer ist diese.

30.07.2017 18:06 B 4

weil diese vor langer weile nichts anderes mehr zu tun haben , auf dem Bau werden Leute gesucht , aber das überstehen diese warscheinlich keinen einzigen Tag....
Geld stinkt nicht in massen davon............

30.07.2017 16:17 Sabrina 3

Vermutlich sind es auch die Politiker, die mit Hilfe der Medien versuchen, den Eindruck zu erwecken, wer Twitter nicht nutzt, sei irgendwie nicht mehr auf dem Laufenden.

Ich frage mich, wann Politker mal anfangen zu arbeiten, anstatt die Arbeit "Fachleuten" - also Lobbyisten - zu überlassen.

30.07.2017 15:01 Prinz Eisenherz 2

Wer twittert, hat den Kontakt zur realen Welt, zu den Menschen verloren!

30.07.2017 09:44 Zwitschern 1

Es zwitschern vorwiegend junge Menschen. Interessiert die Meinung der Älteren nicht mehr? Das wäre sehr schade, weil deren Meinung eher realistisch ist.