WiO Digitale Arbeit
Die Arbeit am Bildschirm gehört für viele Menschen längst zum Alltag. In vielen Branchen ermöglichen Internet und Smartphone auch ein Arbeiten von zu Hause oder unterwegs. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Arbeiten 4.0" Digitalisierung: Nahles setzt auf Weiterbildung

Digitalisierung, Automatisierung, Globalisierung - unsere Arbeit befindet sich in einem tiefgreifenden Umbruch. Das hat Folgen für den Arbeitsmarkt, die Beschäftigten und Unternehmen. Arbeitsministerin Andrea Nahles will den Wandel gestalten. Anderthalb Jahre lang haben ihre Experten an einem "Weißbuch" zur Zukunft der Arbeit getüftelt. Jetzt liegen die Ergebnisse vor.

von Cecilia Reible, ARD- Hauptstadtstudio

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Die Arbeit am Bildschirm gehört für viele Menschen längst zum Alltag. In vielen Branchen ermöglichen Internet und Smartphone auch ein Arbeiten von zu Hause oder unterwegs. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Morgens in die Firma, mittags in die Kantine, abends nach Hause – das war der klassische Acht-Stunden-Arbeitstag. Doch die Arbeitswelt ändert sich rasant: Dank Internet, Smartphone und Tablet kann man in vielen Branchen seine Arbeit erledigen, ohne an einen bestimmten Ort oder an feste Arbeitszeiten gebunden zu sein. Die Digitalisierung der Arbeit braucht aber auch Regeln.

Massive Investitionen in Weiterbildung

Vorschläge dafür will Arbeitsministerin Andrea Nahles in ihrem Weißbuch machen, wie sie vergangene Woche im Bundestag ankündigte: "Das Weißbuch 'Arbeiten 4.0' wird vielleicht wegweisende Antworten dazu geben. Und eine der wegweisenden Antworten ist es, massiv in die Qualifizierung und in die Weiterbildung der Menschen in diesem Land zu investieren. Wir brauchen eine umfassende Weiterbildungsstrategie für dieses Land, um den Transformationsprozess 'Arbeiten 4.0' erfolgreich zu gestalten."

Neben der Qualifizierung sind die Arbeitszeiten ein wichtiges Thema in Nahles‘ Weißbuch.  Denn der Stress im Berufsalltag hat durch die Digitalisierung zugenommen, wie eine Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) ergeben hat. "Das heißt im Detail: Mehr als jeder Zweite, gut 55 Prozent, spürt einen zunehmenden Zeitdruck, unter dem er oder sie arbeiten muss, und hier: Tendenz leider steigend", sagt DGB-Chef Reiner Hoffmann.

Wirtschaft befürchtet Überregulierung

Während die Beschäftigten sich zum Teil überfordert fühlen, warnen die Arbeitgeber vor einer Überregulierung. Die Politik dürfe das Engagement der Firmen, Beschäftigten flexible Arbeitszeiten anzubieten, nicht kaputt regulieren, hieß es vom Verband "Die jungen Unternehmer".

Andrea Nahles
Arbeitsministerin Andrea Nahles hat die Zukunft der Arbeit im Blick. Bildrechte: dpa

Arbeitsministerin Nahles plant allerdings keine vorschnellen Gesetzesänderungen. Die SPD-Politikerin will zunächst die Tarifpartner ermutigen, neue Arbeitszeitmodelle auszuprobieren, um Erfahrungen zu sammeln. "Wir haben jetzt überlegt, zusammen mit den Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern, dass wir dort, wo es Tarifverträge gibt, das Arbeitszeitgesetz ein Stück weit ausklammern und Experimentierräume machen, und sagen, verabredet mal, ohne dass ihr die gesetzlichen Regelungen beachten müsst. Das kann man erst mal nur im Modellprojekt machen. Und dann gucken wir mal: Wie weit kommen wir denn damit?"

Nahles schwebt vor, dass die Beschäftigten ihre Arbeitszeiten künftig stärker selbst bestimmen können. Dazu gehört für die SPD-Politikerin auch ein Rückkehrrecht aus Teilzeit in Vollzeit. Das lässt wiederum bei der Wirtschaft die Alarmglocken schrillen. Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer warnt vor neuen Belastungen durch zusätzliche Ansprüche und mehr Bürokratie. Jede Menge Zündstoff also im Weißbuch – es dürfte für heftige Diskussionen sorgen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 29.11.2016 | ab 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. November 2016, 11:29 Uhr

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3 Kommentare

29.11.2016 11:36 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 3

Weiterbildung ist nicht nur eine Option, sondern in einer 'Wissensgesellschaft' so wichtig wie die Luft zum Atmen.

Allerdings bekommen Geschäftsführer von kleineren und mittleren Unternehmen beim Thema 'Bildungsurlaub' immer noch Schnappatmung - er wird einfach noch nicht mit eingeplant.
Und die Weiterbildungsangebote von Arbeitsagentur oder JobCenter verdienen diesen Namen auch noch nicht.

Setzen wir weiter auf Weiterbildung. Wenn man sich etwas nur intensiv genug wünscht, dann geht es auch irgendwann in Erfüllung.

29.11.2016 11:31 Wer hat euch verraten? 2

Nahles "setzt" auf gar nichts - diese "Arbeitsministerin" treibt das Verwertungsinteresse des Kapitals vor sich her und die absurden Kleinklein-Vorschläge dieser Ministerin angesichts der zunehmenden Verarmung trotz Beschäftigung und zunehmender Leiharbeit zeigen das nur in aller Deutlichkeit.
Diese Versuche, dem dummen Michel medial Handlungsfähigkeit und ein politisches Konzept vorzuspiegeln, scheitern nach der einfachen Lektüre der deutschen Sozialstatistiken.

Nahles mitsamt ihrer "Maßnahmen" ist die perfekte Illustration der von ihrer eigenen Partei, der SPD, geschaffenen deutschen Zustände.

29.11.2016 11:30 Tim und Struppi 1

Was sollen denn diese Weiterbildungen bringen?
Habt Ihr in Mathe alle gepennt? Wenn durch Digitalisierung und Automatisierung ein Haufen Arbeitsplätze überflüssig werden, was soll dann eine Weiterbildung bringen? Diese Stellen sind weg! Die kommen nicht mehr zurück! Die Gewinne durch die Automatisierung stecken natürlich die Unternehmen ein. Überlegenswert wäre eine Steuer für jeden vernichteten Arbeitsplatz. Und um dem Lohndruck durch mehr Arbeitslose zu unterbinden, könnten wir ja mal über ein bedingunsloses Grundeinkommen auf Höhe des Hartz4 Satzes reden.