Amerikanischer Sumpfkrebs
Sorgte für ein Herbstmanöver der besonderen Art: der amerikanische Sumpfkrebs. Bildrechte: dpa

Berliner Notizen Mehr oder weniger riskante Manöver

Ein Manöver kann eine militärische Übung sein, aber auch ein Täuschungsversuch oder eine Richtungsänderung. Insofern passt das Wort Manöver in die Zeit. Im Wahlkampf gibt es Manöver aller Art zu besichtigen. Außerdem proben viele Armeen gerade im Herbst ihre Kampfkraft. Hier die Manöver der Woche.

von Uwe Jahn, Hauptstadt-Kolumnist für MDR AKTUELL

Amerikanischer Sumpfkrebs
Sorgte für ein Herbstmanöver der besonderen Art: der amerikanische Sumpfkrebs. Bildrechte: dpa

Kein Manöver ohne Kritik. Ein Beispiel ist das Störmanöver der Piloten von Air Berlin. 200 von 1.500 Piloten melden sich krank. Und der zuständige Minister, Alexander Dobrindt von der CSU, meldet sich zu Wort, verhalten wie stets: "Es ist durchaus ein riskantes Manöver, was da von einigen Piloten ganz offensichtlich versucht wird, ich kann deswegen an alle nur appellieren, wieder Vernunft einkehren zu lassen."

Was womöglich auch im Umgang mit der Maut geholfen hätte. Oder dabei, die Autoindustrie für ihr Täuschungsmanöver beim Diesel in Haftung zu nehmen. Stattdessen gibt es die wohl lahmste Manöverkritik aller Zeiten, diesmal direkt von der Chefin: "Sie haben Verbraucher getäuscht und enttäuscht. Und deshalb muss die Automobilindustrie alles daran setzen, Vertrauen zurückzugewinnen", so Kanzlerin Merkel.

Wendemanöver in der EU

Vertrauen zurückzugewinnen, das ist auch eine Herausforderung für die Europäische Union. Deshalb setzt Frankreichs Präsident Emanuel Macron jetzt zum Wendemanöver an. Er will die EU demokratischer machen. Allerdings haben Deutschlands Wahlkämpfer Macrons Rede in Athen dazu nicht mal zur Kenntnis genommen.

Kommissionspräsident Jean Claude Juncker hat es dann eine Nummer kleiner versucht. Und zwar mit dem "Euro für alle EU-Länder" und mit einem Manöver in Form einer Charmeoffensive Richtung Osten: "Slowaken haben nicht weniger Fisch in Fischstäbchen verdient oder Tschechen weniger Kakao in der Schokolade", so Juncker in seiner Rede.

Truppenmanöver von Russen und Weißrussen

Das geht gegen die Nahrungsmittelindustrie, die in gleichen Verpackungen unter gleichem Namen auch beispielsweise in Polen weniger Qualität anbietet. Wofür Polen Rache nimmt, indem es rechtsstaatliche Standards unterschreitet. Allerdings hat man dort gerade andere Sorgen. Die Nachbarn Russland und Weißrussland veranstalten ein Herbstmanöver. Allein die Größenordnung beunruhigt.

Krebs-Manöver im Berliner Tierpark

Was übrigens, und jetzt wird es fast exotisch, in ganz anderer Weise auch für den amerikanischen Sumpfkrebs und sein Vorkommen im Berliner Tiergarten gilt, direkt neben dem Regierungsviertel. Das bis zu 15 Zentimeter große Tier verdrängt hier andere Krebsarten und hat sich so vermehrt, dass Naturschützer mit Reusen bewaffnet in ein Herbstmanöver ganz eigener Art ziehen. "Wir haben mit dem heutigen Tag über 3.000 amerikanische Sumpfkrebse aus dem Tiergarten geholt", resümiert der Wildtierreferent des Berliner Senates, Derk Ehlert.

Die Tiere sind übrigens rötlich-schwarz, angeblich schmackhaft und ihre Scheren tragen Dornen, heißt es. Mit letzterem dürfte wenigstens Christian Lindner von der FDP kaum ein Problem haben. Gerade ist ein Video von 1997 aufgetaucht, das ihn als postpubertären Jungunternehmer zeigt. Dort sagt Lindner: "Ran an die Arbeit, Probleme sind nur dornige Chancen."

Manöverkritik steht bevor

Aber wo Dornen sind, müssen nicht immer Rosen sein. Kommen wir zur AfD. Spitzenkandidatin Alice Weidel schlägt sich mit Vorwürfen herum, sie soll vor Jahren schon rassistische Mails geschrieben haben. Weidel selbst sagt dazu: "Diese plumpe Kampagne auch noch selbst befeuern, das mache ich nicht." Womit sie über andere plumpe Kampagnen natürlich nichts gesagt hat.

Indessen wankt die Republik unter Getöse dem Wahltermin entgegen. Ob Stör-, Täuschungs- oder Wendemanöver. Die große Manöverkritik kommt bald. Direkt vom Wähler.

Diese Kolumne sendet MDR AKTUELL auch im: Radio | 17.09.2017 | ab 12 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. September 2017, 05:00 Uhr

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