Ein aufgeschlagenes Ei liegt zwischen anderen  weiߟen Eiern in einem Karton.
Es ist nicht leicht mitanzusehen, wenn Eier palettenweise vernichtet werden, weil sie Giftstoffe enthalten. Das kann schon auch Politiker verbal ins Stolpern bringen. Bildrechte: dpa

Kolumne | Berliner Notizen Politik und guter Geschmack

"Über Geschmack lässt sich trefflich streiten", so heißt es in der bekannten Redewendung. Und gerade die Geschmacksfragen sind immer wieder dankbare Gesprächsthemen. Übrigens auch im Zusammenhang mit der Politik, wie die Beobachtungen unseres Hauptstadt-Kolumnisten in den "Berliner Notizen" zeigen.

von Uwe Jahn, Hauptstadt-Kolumnist für MDR AKTUELL

Ein aufgeschlagenes Ei liegt zwischen anderen  weiߟen Eiern in einem Karton.
Es ist nicht leicht mitanzusehen, wenn Eier palettenweise vernichtet werden, weil sie Giftstoffe enthalten. Das kann schon auch Politiker verbal ins Stolpern bringen. Bildrechte: dpa

Die Politik verstößt manchmal gegen den guten Geschmack. Fragen sie mal die Grüne Renate Künast: "Der Punkt ist der, dass es eigentlich eklig ist, ja?"

Politisches Beben in Niedersachsen

Renate Künast
Renate Künast (Grüne) Bildrechte: IMAGO

Zum Beispiel die Sache mit dem Insektengift in den Hühnereiern, oder? Falsch geraten. Die ehemalige Verbraucherschutzministerin schimpft zwar auch über den Fipronil-Skandal. Aber hier geht es Künast um eine ehemalige Parteifreundin aus Niedersachen, die mir nichts, dir nichts die Fraktion gewechselt hat, von den Grünen zur CDU: "Diese Geschichte: Ich bin unzufrieden, mein Kreisverband stellt mich nicht auf, und die ganzen Hinweise, dass die CDU ihr da Angebote gemacht hat, das ist alles in allem eklig, ja, weil eigentlich soll Politik nicht heißen: Politiker kümmern sich um sich, sondern sie kümmern sich um die Leute und das Land", so Künast. 

Das liebe gute Hühnerei

Jaja. Aber was ist denn nun mit dem Fipronil in den Eiern? Das verstößt auch gegen den guten Geschmack, gefährdet außerdem die Gesundheit und stellt das zuständige Personal auf die Probe. Hier Landwirtschaftsminister Christian Schmidt von der CSU: "Fipronil ist bei Eiern, die von Tieren gelegt werden, von Hühnern, nicht zugelassen." Aber manche Eier werden gar nicht von Tieren gelegt. Was ist mit denen?

Thomas de Maizière (CDU), Innenminister
Thomas de Maizière (CDU) Bildrechte: dpa

Diese Frage treibt im allerweitesten Sinne sogar Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) um. Er hat in dieser Woche eine neue Direktion der Bundespolizei Spezialkräfte eingeweiht. Bei der Gelegenheit wollte er wissen, was so eine Spezialausrüstung eigentlich wiegt, und ergriff die seltene Gelegenheit, in einem Gespräch mit Untergebenen Leibwäsche zu erwähnen: "Alles, was sie tragen müssen, ohne Unterhose." Die Antwort des Bundespolizisten: "30 Kilo". Minister de Maizière: "Da muss man auch trainieren, ne." Nicht schlecht, tragen Sie mal 30 Kilo ohne Unterhose! Aber lassen Sie sich nicht dabei erwischen. So etwas ist nämlich nicht jedermanns Geschmack.

Der gute alte Diesel

Bernd Riexinger
Bernd Riexinger (Die Linke) Bildrechte: Jens Schlueter/dapd

Was in ganz anderer Weise auch für die deutschen Diesel-Fahrzeuge gilt. Der Skandal, hartnäckig beschwiegen von der Regierungschefin, überschreitet in nahezu jeder Hinsicht Geschmacksgrenzen. Auch was Haftung und Vergütung der Konzernmanager angeht. Anton Hofreiter von den Grünen: "Wenn die großen Schwierigkeiten auftreten, sind die längst weg und sitzen irgendwo in ihrer Villa mit ihren Millionen von Abfindungen." Das kann natürlich auch der Linken nicht recht sein. Bernd Riexinger mit einem Erregungsversuch: "Wir haben es hier mit einem flächendeckenden Staatsversagen zu tun, dessen Opfer und 'Opferinnen', gut, das ist blöd, dessen Opfer die Verbraucherinnen und Verbraucher sind, die Beschäftigten und die Umwelt."

Die Political Correctness frisst ihre Kinder, könnte man schadenfroh sagen, obwohl auch das sicher irgendwie gegen den guten Geschmack verstößt. Aber manchmal geht es wohl gar nicht anders. In der Politik wie überhaupt im Leben.  

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 13.08.2017 | 07:11 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. August 2017, 07:00 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

3 Kommentare

13.08.2017 13:10 part 3

Eigentlich ein wunderbarer Zuschlagstoff für die Baustoffindustrie, doch müssten die vernichteten Eier jetzt als Sondermüll gelten, ebenso wie die unzähligen anderen Produkte, die eben Eier als Zutaten enthalten. Von der Nudel bis Backmischung müssten so auch andere Produkte aus den Regalen der Supermärkte verschwinden oder untersucht werden. Doch wo jahrelang immer wieder gespart wird bei Aufsichtsbehörden, da lässt sich ein gewisser Lobbyismus gegenüber der Lebenmittelindustrie nicht mehr verheimlichen. Ja und dann noch die vielen Hühner...

13.08.2017 10:41 Fragender Rentner 2

Was geschied eigendlich wenn die Eier in den Containern gelandet sind?

Wie und wo wird der Mist dann entsorgt?

Bilder wo sie die Eier hineingeschüttet werden, werden laufend gezeigt nur wie geht es mit den giftigen Eiern weiter?

Wo landen sie und wie werden sie tatsächlich vernichtet, dass wir nicht geschädigt werden?

Davon habe ich noch nichts gesehen oder gehört?

Wer weiß genaueres?

13.08.2017 09:40 Pfingstrose 1

Diese Chaos und Panikmacherei nimmt kein Ende. Jedes Jahr ist etwas anderes dran. Vogelgrippe, Eierverseuchung usw. Haben wir nicht genug Federvieh was Eier legt?? Müssen diese Firmen Eier von Belgien und Holland importieren?? Langsam nimmt dieses hin und her Züge an die nicht mehr nachvollziehbar und vertretbar sind. Zuletzt müssen wir Bürger noch Tubenfutter essen was vielleicht auch kontaminiert ist. Und was kommt danach? Ich esse weiter Geflügel und Eier natürlich aus deutschen Legehöfen. Beim Kauf immer Augen auf und lesen nicht nur kaufen.