Im Rathaus von Weißwasser nutzen viele Bürger in den Tagen vor der Bundestagswahl am 24. September 2017 die Möglichkeit der Briefwahl.
Am 24. September wird gewählt. Was machen wohl die Politiker an diesem Tag? Bildrechte: MDR/Stephan Börner

Berliner Notizen Warten aufs Wahlergebnis

Wochenlang Marktplätze und Stadthallen, Applaus und Pfeifkonzerte, Zustimmung und Kritik. Und nun ist auf einmal für einen Dreivierteltag lang Ruhe. Deutschland schreitet am Sonntag zur Stimmabgabe und zwar bis 18 Uhr. Was tun alle, die zur Wahl stehen, so lange wohl?

von Uwe Jahn, Hauptstadt-Kolumnist für MDR AKTUELL

Im Rathaus von Weißwasser nutzen viele Bürger in den Tagen vor der Bundestagswahl am 24. September 2017 die Möglichkeit der Briefwahl.
Am 24. September wird gewählt. Was machen wohl die Politiker an diesem Tag? Bildrechte: MDR/Stephan Börner

Es ist Sonntag, bis zur Schließung der Wahllokale um 18 Uhr gibt es für die, die bis eben Wahlkampf gemacht haben, kaum noch etwas zu tun. Wer nicht per Brief gewählt hat, geht in die Wahlkabine und gibt dort seine Stimme ab. Ab dann sieht er oder sie wahrscheinlich häufiger auf die Uhr. Vom sprichwörtlichen kleinen Abgeordneten bis hin zur Regierungschefin.

Am Sonntag warte ich dann.

Angela Merkel (CDU), Bundeskanzlerin

Und mache mir vielleicht Gedanken? Von der Grünen Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt, einer ehemaligen Theologie-Studentin, wissen wir, dass sie das jeden Morgen tut – und zwar mithilfe eines Bibelzitates – so wie neulich. Da sagte sie: "Laut reden, darum ging es auch. Ich gebe euch meine Lippen damit ihr reden könnt in Eintracht untereinander."

Reine Lippen sollten es laut Bibelzitat sein. Sie sind für alles, was ab 18 Uhr passieren wird, zu wünschen. Bis dahin wirkt der Wahlkampf nach, von dem es heißt, er sei langweilig gewesen. Womit es ihm gehen dürfte, wie manchen in einer erlahmten Ehe. Wenn nun eine Person beschlossen hat, die andere für langweilig zu halten, wird sie schon Anhaltspunkte finden. Frage: Liegt das Problem im Auge des Betrachters oder liegt es wirklich am Betrachteten selbst?

Den Kopf frei kriegen beim Spazierengehen, Kaffee und Kuchen

Von der Leyen im Bundestag
Ursula von der Leyen (CDU), Verteidigungsministerin Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Unter solchen Grübeleien tut es ganz gut, sich mal die Beine zu vertreten. Erst recht, wenn es zuvor so anstrengend war, weiß Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU): "Da bin ich an der frischen Luft, dann ist man nicht so drömelig." Und drömelig könnte ihr schon werden, angesichts der ganzen Fragen, die so im Kopf herumschwirren: Was sage ich heute Abend? Behalte ich mein Amt? Oder bekomme ich ein neues? Oder suche ich mir vielleicht doch lieber ganz etwas anderes?

Statt Spazieren- könnte sie natürlich auch Kaffeetrinken gehen. Sahra Wagenknecht von der Linken hat das ganz gern. Sie sagt über ihr Lieblings-Café, es sei sehr nah an ihrem Wohnort und dann sei es einfach ein sehr schönes Café das total leckeren Kuchen habe.

Wobei guter Kuchen vielleicht sogar über politische Meinungsverschiedenheiten an der Kaffeetafel etwas hinweghelfen kann. Alexander Gauland von der AfD sagt: "Meine Tochter und ich sind völlig verschiedener Meinung und verstehen uns trotzdem gut."

Mit wem der ausgezeichnete Wahlkämpfer Christian Lindner von der FDP sich gut versteht, ist schwer zu sagen. Allerdings fällt auf, dass er immer allen, die zu seinen Wahlveranstaltungen gekommen sind, gratuliert hat: 

Herzlichen Glückwunsch, dass Sie hier sind.

Christian Lindner (FDP), Spitzenkandidat seiner Partei
Der SPD-Kanzlerkandidat und Parteivorsitzende, Martin Schulz, fotografiert sich am 05.09.2017 im YouTube Space Berlin nach dem Interview für #DeineWahl mit den YouTubern Nihan Sen (M) und Lisa Sophie (r) im Studio.
Martin Schulz (SPD), Kanzlerkandidat Bildrechte: dpa

Vielleicht gratulierte er den Leuten schlicht zu seiner, Lindners, Anwesenheit. Andere denken heute auch an den politischen Gegner. So wie Martin Schulz von der SPD neulich. "Deshalb hoffe ich, dass die am Sonntag richtig einen auf die Nuss kriegen", sagte er.

Wer nun einen auf die Nuss bekommt und wer nicht, das werden wir am Sonntagabend ab 18 Uhr nach Schließung der Wahllokale erleben. Dann hat das Warten ein Ende.

Diese Kolumne sendet MDR AKTUELL auch im: Radio | 24.09.2017 | ab 12 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. September 2017, 09:11 Uhr

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5 Kommentare

24.09.2017 14:02 Muskel 5

Wer weiß Bescheid? Ist es geltendes Wahl-Recht, das im Wahllokal auf einer Namens-Liste abgehakt wird, dass ich zum Wählen erschienen bin? Also hat man später beste Übersicht, welche Personen nicht gewählt haben - mit Namen und Anschrift. Was hat das noch mit Datenschutz zu tun?

24.09.2017 13:51 OHNEWORTE 4

Die naechsten 4 Jahre haben wir dann den Merkelismus in Hochform... Groessere Auseinandersetzungen und Spaltung der Buerger .
Die Plattform einer ordentlichen demokratischen Gesellschaft ist hinueber , das zu reparieren bedarf keiner falschen Politiker.

24.09.2017 09:38 jochen 3

Heute am 24.9.2017 wird über die Zukunft Deutschlands entschieden.
Gewinnen die bekannten Asylparteien, die unser Land unter dem Deckmantel der Humanität zu gerne mit den sogenannten "neuen Deutschen" auffüllen möchten, oder erhalten die konservativen Parteien die Oberhand, die wieder Recht und Gesetz in unserem Land einführen möchten, so wie es das Gesetzbuch vorschreibt ?
Es wird sehr interessant.

24.09.2017 08:49 Konrad 2

Nun denn, 18 Uhr scheint es vorerst geschafft!
Ich war heute schon, kurz nach 8:00 Uhr wählen, es war ein befreiendes Gefühl! Ich kann nur raten, dass es mir jeder gleichtut... Probleme in einem Land, können nur durch politisches Desinteresse erst entstehen! Ich persönlich wünsche mir, dass es wieder zu Wahlbeteiligungen, wie in den 70er-80er-Jahren kommt.

24.09.2017 08:20 ein schon länger in Deutschland lebender 1

ich hatte ja auch in den letzten Wochen und auch gestern abend noch mal auf einer Party mit vielen gesprochen und (für mich privat) Meinungen eingeholt. Eigentlich ist es erschreckend wie viele einfach ins blaue hinein Wählen ohne zu wissen was die Parteien "wirklich" wollen und auch nicht was sie so in den letzten Jahren, Wochen und Tagen so angestellt haben.

Das krasseste war, das man mir nicht glaubte, das Frau Göring-Eckardt gesagt hat, das die Nazis Dresden zerstört hätten.

Vielleicht ist das gar nicht so gut das alle wählen dürfen ;-)
in diesem Sinne, das jeder morgen noch mit seiner Wahl zufrieden ist.