SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz (r)spricht am 29.08.2017 während eines Wahlkampfauftrittes auf dem Nikolaikirchhof in Leipzig (Sachsen).
SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz bei einem Wahlkampfauftritt in Leipzig. Bildrechte: dpa

Berliner Notizen Was, wenn es so weiterläuft?

Deutschland ist im Wahlkampf. Eine Umfrage jagt die nächste, im Fernsehen laufen noch ein paar Diskussionssendungen mehr als sonst und auf den Marktplätzen wird es zuweilen laut. Was das alles für unsere Zukunft heißen mag, damit beschäftigt sich unser Kolumnist aus der Hauptstadt.

von Uwe Jahn, Hauptstadt-Kolumnist für MDR AKTUELL

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz (r)spricht am 29.08.2017 während eines Wahlkampfauftrittes auf dem Nikolaikirchhof in Leipzig (Sachsen).
SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz bei einem Wahlkampfauftritt in Leipzig. Bildrechte: dpa

Wenn es so weiterläuft, wie wird es dann? Diese Frage haben kurz vor den Wahlen viele Menschen in Deutschland. Beispiel Lebensverhältnisse in Ost und West. Dietmar Bartsch von der Linken äußert in mehrerlei Hinsicht beschränkte Hoffnungen: "Wenn es so weiter läuft, ist die Angleichung in etwa 200 Jahren erreicht, wie das Ifo-Institut sagt. Ich wünsche mir, dass dann zumindest die Kanzlerin dann nicht mehr im Amt ist."

Demokratie steht und fällt mit den Menschen

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU)
Norbert Lammert (CDU). Bildrechte: dpa

Was in ihrem Sinne sein dürfte. Wobei an dieser Stelle die Bemerkung erlaubt sein muss, dass auch die Lebensverhältnisse zwischen einem Dorf in Ostniedersachsen sich wohl langfristig von denen in beispielsweise Heidelberg unterscheiden werden. Doch zurück zur Frage, was, wenn es so weiterläuft? Wenn es so weiterläuft, werden wir uns daran gewöhnen müssen, dass der Bundestag nach der Wahl ein ganz anderer wird. Auch daran, dass manche kluge, kultivierte Stimme dort nicht mehr zu hören ist. Beispielsweise die vom langjährigen Parlamentspräsidenten Norbert Lammert, CDU: "Wir wissen aus noch nicht ganz so lange zurückliegenden Phasen der deutscher Geschichte, dass auch Demokratien ausbluten können, dass sie ihre innere Kraft verlieren, wenn sie die Unterstützung der Menschen verlieren, für die es sie gibt. Die Demokratie steht und fällt mir dem Engagement ihrer Bürger."

Was meinen wir mit deutscher Kultur?

Aydan Özoguz
Aydan Özoguz (SPD). Bildrechte: dpa

Und was, wenn es jetzt schon beides gibt: Eine Demokratie, die einerseits von manchen nicht mehr unterstützt wird, und andererseits viele engagierte Bürger? Dann wird es zwischen diesen, so viel ist abzusehen, auch mal lauter. Es gibt auf den Marktplätzen der Republik einen Vorgeschmack darauf. Und in der Auseinandersetzung zwischen den politischen Gegnern auch. Beispiel die Staatsministerin für Integration, Aydan Özoguz (SPD). Sie hatte gesagt, sie tue sich schwer, damit eine spezifisch deutsche Kultur auszumachen, jenseits der deutschen Sprache. Darüber hätte man ins Gespräch kommen können: Was meinen wir mit deutscher Kultur?

Gehören gute Umgangsformen und gegenseitiger Respekt auch dazu? Würde man dann vielleicht wenigstens die Namen seiner politischen Gegner korrekt aussprechen, wie der Anstand es gebietet? AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel, eine sehr gebildete Frau, hat sich wohl dagegen entschieden. Egal, ob ihr Gegenüber nun türkische Wurzeln hat wie Aydan Özoguz oder bayerische, wie CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer, den sie beharrlich Scheurer nennt.

SPD-Kanzlerkandidat, ein Beispiel

Wenn es so weiterläuft, dann werden wir uns vielleicht auch im Deutschen Bundestag an einen Ton gewöhnen, den wir dort länger nicht gehört haben. Doch wenden wir uns lieber heiteren Gefilden zu. Und landen bei Martin Schulz. Der wirklich nette Onkel von der SPD hat neulich bei Youtube eine Jugendsünde gebeichtet. Schulz: "Ich hab ein Paket Waschpulver ins Freibad geschüttet." Interviewerin: "Wie sind Sie denn ins Freibad gekommen? Sind Sie eingebrochen, nachts?" Schulz: "Übern Zaun geklettert." Angetrunken war er übrigens auch.

Man kann sich ausmalen, was aus SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz wohl geworden wäre, wenn bei ihm alles so weitergelaufen wäre. Aber manchmal kommt es eben auch ganz anders. Und das ist ein großes Glück.

Diese Kolumne sendet MDR AKTUELL auch im: Radio | 10.09.2017 | ab 06:11 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. September 2017, 05:00 Uhr

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16 Kommentare

11.09.2017 18:36 Ekkehard Kohfeld 16

Und hier eine der größten Lügen der Nachkriegszeit
die Diesellüge geht es noch schlimmer.http://www.mdr.de/sachsen/dresden/diesel-feinstaub-stickoxid-fraunhofer-100.html

11.09.2017 12:59 Ekkehard Kohfeld 15

@ Alfred Rantzsch 14 @Ursus
eine weiter so Stimme wird es von mir nicht geben!
Ich wähle Protest!##Ich auch meine Stimme haben sie schon und in meinem Bekanntenkreis habe die meisten auch schon ihre Stimme für die AFD abgegeben und einige wählen gar nicht (Enthaltung). Nun hoffen wir mal das die neutrale Wahlaufsicht funktioniert und niemand an den Briefwahlzetteln rum pfuscht.

10.09.2017 22:53 Alfred Rantzsch 14

@Ursus
eine weiter so Stimme wird es von mir nicht geben!
Ich wähle Protest!

dito

10.09.2017 22:29 REXt 13

Märchenerzählerin habe ich in meiner Kindheit geglaubt!

10.09.2017 22:09 HERBERT WALLASCH, Pirna 12

Wenn das so weiterläuft, warten Teile der Altbundesdeutschen nicht mehr auf wegführende Signale von Oben und machen sich endlich öffentlich ihre eigenen Gedanken, ohne moralisierende Scheuklappen.

10.09.2017 21:09 Ursus 11

eine weiter so Stimme wird es von mir nicht geben!
Ich wähle Protest!

10.09.2017 20:18 Wieland der Schmied 10

@ 7 Pfingstrose Zitat „Es gibt viele Punkte ..: Flüchtlings-, Familien-, Renten-, Sozialpoltik und viele andere mehr... > Die Aufgaben, die Sie nennen, sind richtig, erfüllt hat diesen Aufgabenkomplex die regierende GroKo nicht halb und nicht ganz, weil sie sich nie einig waren außer im Geldabschöpfen. Und wer soll es danach machen? Die AfD wird nicht zur Verfügung stehen, das haben sie schon ausgeschlossen, er sei denn , der Wähler gibt ihnen 50 +x %. Nach Lage der Dinge müßte aber die GroKo wieder ran, die keiner haben will und sie selbst auch nicht, aber nach Schulz`Kniefall in der Elephantenrunde könnte man sich wohl wieder vertragen, auch wenn in den Parteien weiter Zwist herrscht. Falls die AfD nur 20 % bekommt, ist rechnerische die Achse CDU/SPD nicht über 50 und müßte dann noch einen oder zwei Versprengte aufnehmen. Der innere Unfriede wäre noch größer und die AfD als echte Oppositionpartei könnte dann jeden Tag ein Federlesen veranstalten. Es wird heikel und spannend.

10.09.2017 18:49 ThüringerIn 9

"...dass auch Demokratien ausbluten können, dass sie ihre innere Kraft verlieren, wenn sie die Unterstützung der Menschen verlieren, für die es sie gibt. Die Demokratie steht und fällt mir dem Engagement ihrer Bürger."

Ein hoch pathetischer Satz. Wenn aber das Engagement der Bürger nur im (sprichwörtlichen!) Abgeben der Wählerstimme im 4-Jahrestakt an der (ebenso sprichwörtlichen) Wahlurne besteht oder das Engagement als sogenannter Flüchtlingshelfer gefragt ist, dann muß man sagen, haben die Parteien versagt, die genau diesen Zustand hervorgebracht haben.
Nicht zu vergessen Herrn Lammerts Parteivorsitzende, die das Parlament als zentrales Organ einer parlamentarischen Demokratrie durch ihre Alleingänge und souveräne Entscheidungen entkernt und der Lächerlichkeit preisgegeben hat.
Es ist nicht der Bürger, der an dem Zustand dieser bundesdeutschen Demokratie schuldig ist.
Allerdings er wird es in 14 Tagen wieder sein, wenn er dem weiter-so seine Stimme gibt...

10.09.2017 16:33 Wieland der Schmied 8

Ja, was denn? Jahn: „Wenn es so weiterläuft, dann werden wir uns vielleicht auch im Deutschen Bundestag an einen Ton gewöhnen, den wir dort länger nicht gehört haben.“ Jo mei, und das wäre gut so, da kann man sich wurzeln, dafür sind die hohen Herrschaften doch da! Nicht ist schlimmer als diese Totenstille, wie sie Merkels Drift nach links-grün-außen verursachte und die den BT über weite Strecken arbeitslos gemacht hat, als sie ihre Großprojekte durchgezogen hat und die ohne Legitimation durch den BT nun obsolet werden. Das kann noch heiter werden. Wer es nicht glaubt, die aus der CDU ausgetretene Steinbach findet bei AfD-Auftritten begeisterte Zuhörer ihrer Offenbarungen, warum ein korekter Staatsbürger diesem Tollhaus BT unbedingt den Rücken kehren muss, wer noch als rechtschaffen gelten will. Mit dem Einzug einer echten Oppositionspartei wird ein frischer Wind wehen und das ist gut so. Lammert hat drei Tage nach dem ominösen Feiertag am 03.10.16 in Dresden in Sack gehauen.

10.09.2017 13:29 Pfingstrose 7

Wenn dies weiterhin so läuft wie jetzt bei Merkel und Co. Vergingen noch 200 Jahre bis zu einen neuen Epoche. Das Land braucht eine Bundesregierung mit Biß und einer geraden Linie. Aber auf keinen Fall die AfD und ihre rechtspopulistischen Bruderparteien. Bis jetzt wurde nur immer geschwatzt aber auf den Punkt kam keiner dieser Herrschaften. Es gibt viele Punkte die bei der neuen Bundesregierung erörtert werden müßte. Flüchtlingspolitik, Familienpolitik, Arbeitsrecht Rentenpolitik, Sozialpolitik, Gerichtsbarkeit, Zivielrecht Sicherheit und Ordnung für die Bürger dieses Landes. Dies sind einige Punkte.