Von Der Leyen
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kolumne Asketin mit Doktortitel

Verteidigungsministerin von der Leyen darf ihren Doktortitel behalten - auch wenn die Plagiatsvorwürfe nicht aus der Welt sind. Damit kann eine der vielversprechendsten Karrieren in Berlin fortgesetzt werden - und wir dürfen ihr weiter beim Reden zuhören...

von Uwe Jahn, Hauptstadtkolumnist für MDR INFO

Von Der Leyen
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Nichts sagen ist auch keine Lösung

Eigentlich hat Ursula von der Leyen immer etwas zu sagen: "Wir haben jetzt offensichtlich eine funktionale Fähigkeitsforderung." Auch wenn man es nicht immer gleich versteht: "Das Gewehr hat ein Problem mit schussinduzierter Erwärmung." Und auch zu unmittelbaren Nachbarn wie den Niederländern spricht Ursula von der Leyen gern - wenn es sich einrichten lässt, sogar in der Landessprache: "Ik wens de nederland veel succes." Am wichtigsten sind natürlich die Besuche bei der eigenen Truppe, beispielsweise bei der Aufklärungsmission mit Tornadoflugzeugen in der Türkei: "Das Ganze findet in einem gefährlichen Raum statt."

Maßstab: Perfektion

In diesen Tagen allerdings wurde der Raum Bundesrepublik für Ursula von der Leyen persönlich gefährlich. Und plötzlich war sie verschwunden. Jetzt, als es wirklich mal um sie ging, um sie und ihre Doktorarbeit, da war sie nämlich weg, in die Vereinigten Staaten entschwunden, ganz ohne Pressebegleitung. Die Sache mit den Plagiatsvorwürfen hätte ja schließlich auch ins Auge gehen können. Es ist aber nichts ins Auge gegangen: Der Doktortitel bleibt. Und die Betroffene meldet sich schriftlich: "Teile meiner damaligen Arbeit entsprechen nicht den Maßstäben, die ich an mich selber stelle." Ursula von der Leyens Maßstab ist inzwischen längst: Perfektion. Immer vorbereitet, kenntnisreich, schlagfertig, lösungsorientiert und auch noch gut angezogen.

Salat ohne Dressing

Als Familienministerin hat sie dereinst durchgesetzt, woran alle anderen sich jahrelang die Zähne ausbissen. Das Verteidigungsministerium hat sie in ruhiges Fahrwasser gebracht, nach all den Reformen und Reförmchen ihrer mäßig angesehenen Vorgänger. Natürlich ist Ursula von der Leyen auch eine tadellose Reiterin, was sie ganz nebenbei noch auf diesem oder jenem Reitturnier vorführt. Die Figur ist von überraschender Zierlichkeit - jedenfalls wenn man bedenkt, dass sie ja auch noch siebenfache Mutter ist. Bei festlichen Anlässen im Regierungsviertel nippt sie an ihrem Wasser, lehnt angebotenen Wein dankend ab und isst ihren Salat ohne Dressing. Salat ohne Dressing! Kein Wunder, dass sie das traurige Los vieler Asketen teilt: Beliebt ist sie nicht.

"Differenzierte Durchhaltetiefe"

Aber jetzt wo sie ihren Doktortitel behalten darf und wieder zurück in Deutschland ist, dürfte sie schon bald wieder allgegenwärtig sein - und mit ihr der von-der-Leyen-Sound: "Wir brauchen auch dringend eine differenzierte Durchhaltetiefe in manchen Schlüsselfähigkeiten." Durchhaltetiefe ist ihr übrigens auch zu eigen: Zum Beispiel wenn es darum geht, das Rampenlicht zu suchen. So verwundert es nicht, dass sie dieser Tage selbst in den USA im Fernsehen zu sehen war: "Well, basicly Angela Merkel gave me the first appointment as a minister for family affairs." Denn zu sagen, das wissen wir ja nun, hat Ursula von der Leyen immer etwas.

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2016, 05:00 Uhr