Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
Bundeskanzlerin Angela Merkel - hat sie zu wenig geführt? Bildrechte: dpa

Kommentar zum Jamaika-Aus Moderieren reicht nicht, Frau Merkel!

Jamaika ist gescheitert und die Schuldige schnell gefunden: die FDP. Sie hat schließlich aufgegeben. Doch ganz so einfach ist es nicht, findet unsere Kommentatorin Andrea Müller. Schuld an der Krise trage vor allem die Kanzlerin.

von Andrea Müller, ARD-Hauptstadtstudio für MDR AKTUELL

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
Bundeskanzlerin Angela Merkel - hat sie zu wenig geführt? Bildrechte: dpa

Was für eine Chance wäre das gewesen: Konservative, Liberale und Grüne finden eine gemeinsame Antwort auf das Ergebnis der Bundestagswahl. Eine Antwort auf die AfD, die erstmals im Bundestag sitzt und die von der vielbeschworenen Verunsicherung in der Gesellschaft profitiert hat.

Vertrauen schwindet weiter

Nach dem Aus für Jamaika dürfte das Vertrauen weiter schwinden. Und das liegt nicht allein an der FDP. Klar: Die hat sich vom Verhandlungsacker gemacht. Nach zähen, konfliktreichen Nachtsitzungen. Die nichts Gutes ahnen ließen für vier Jahre Jamaika.

Merkel hat nicht geführt

Berlin-Korrespondentin Andrea Müller mit Bundeskanzlerin Angela Merkel
Berlin-Korrespondentin Andrea Müller mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Bildrechte: Bundesregierung / Guido Bergmann

Doch diese Krise in der wir jetzt stecken, geht vor allem auf das Konto der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel. Es geht um ihre Mehrheit. Es geht um ihre Macht und Jamaika war die einzige Option.

Merkel hat gekämpft in der Sondierung – mit viel Durchhaltevermögen, ja, aber sie hat vor allem moderiert. Wirklich geführt hat sie nicht.

Es fehlt die Idee

Wer so unterschiedliche Parteien zusammenbringen will, der braucht eine Idee, eine Überschrift, ein Signal an die Wählerinnen und Wähler. Union, FDP und Grüne hätten über gemeinsame Ziele reden müssen, statt  dessen haben sie sich verhakt im politischen Kleinklein: Obergrenze, Kraftwerksblöcke, Gigawatt und Soli.

Moderieren reicht nicht

Moderieren reicht eben nicht, wenn aus politischen Gegensätzen ein gemeinsames Projekt werden soll. Nach den Zeiten der schwarz-gelben Gurkentruppe ist Merkel nun zum zweiten Mal am Wunschpartner FDP gescheitert.

Aktuell hat sie keine Mehrheit im Bundestag. Sie sollte Konsequenzen ziehen. Weiter so geht nicht mehr. Im Fall von Neuwahlen erst recht. Schwer vorstellbar, dass sie dann noch einmal als Spitzenkandidatin antritt.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio| 20.11.2017 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. November 2017, 20:22 Uhr

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22 Kommentare

21.11.2017 10:57 Wacht am Rhein 22

Das hat die FDP genau richtig gemacht, sich nicht vor Merkels bunten Karren spannen zu lassen.

Die Rolle dieses Theater zu beenden wäre eigentlich Herrn Seehofer zugekommen.

Aber der wird dafür später vernascht, zu den Landtagswahlen bei uns in Bayern, da bekommt die CSU für ihren Linksruck mit Merkel die Quittung.

21.11.2017 07:21 Wo geht es hin? 21

@nilux - Zitat von Ihnen: "Der FDP zolle ich höchsten Respekt für den Abbruch der Verhandlungen." Zitat Ende. Da wäre ich nicht so euphorisch. Die FDP hat sich mit ihrem Wahlprogramm (was in Teilen von der AfD schamlos abgekupfert wurde) sehr weit aus dem Fenster gelehnt und auch aus diesem Grund ein unerwartet gutes Ergebnis erzielt. Nun ging es an die Umsetzung - und da fängt das Dilemma bei der FDP an. Wie kann ich sozusagen AfD - Positionen in der "Schwampel" verankern? Wie erkläre ich meinen Wählern bei Zustimmung zu "Jamaika" die völlige Widersprüchlichkeit zum eigenen Wahlprogramm? DAS wäre nur schwer vermittelbar gewesen, man wusste dies auch vorher schon und so zog man lieber die Reissleine. Nach dem Motto: lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach. Da kommt aber schon das nächste Problem: Lindner versprach im Wahlkampf bei eigener Oppositionsrolle einen Untersuchungsausschuss gegen Merkel - mal sehen, was daraus wird - ich glaube das Ergebnis zu kennen....

20.11.2017 23:27 @Hans 20

Sie sehen leider nur die Statik. Konzentrieren Sie sich doch auf die Dynamik. :-)
Für den Wähler ist doch jetzt nach(!) den Sondierungsgesprächen glasklar, wer wo in welchen Punkten innerhalb der Sondierungen 'gepunktet' und/oder 'nachgegeben' hat. Damit wäre doch jetzt für den Wähler eine 'Nachjustierung' per Neuwahl die nachvollziehbare logischen Konsequenz. :-)

20.11.2017 23:21 Helga Friedrich 19

Guter Schwabe,Sie sagen es. Die FDP ist eine Partei die ,die Reichen und Großkonzerne vertritt. Möge Gott verhüten,dass diese wieder in den Bundestag ein zieht. Ich werde diese Partei nie und nimmer wählen.

20.11.2017 21:53 ewa 18

Regierungen kommen und gehen, nach einer schlechten kommt vielleicht eine gute, nach einer guten vielleicht eine schlechte. Die Welt dreht sich weiter und morgen geht die Sonne auf.

20.11.2017 21:34 Hans 17

Was sollten Neuwahlen bringen? Wenn Deutsche Politiker sich wie Kleinkinder benehmen.
" Mit den spiel ich nicht. Ich bin bockig. "

20.11.2017 21:08 Guter Schwabe 16

@9 Maria.A.Viktoria: Zitat, ... Lindner ist der Mann,der unser Land gut führen kann.
Gott bewahre uns vor so einen Mann. Diese 2 Personen Partei, auch genannt FDP hat für das Volk überhaupt nicht übrig. Diese „Kapital soll vermehrt werden Partei“ soll dorthin, wo sie hergekommen ist. Lindner ist ein Lügner vor dem Herren, denn das was er gestern gemacht hat, war sehr wohl im Voraus geplant. Dann wären uns Allen, 8 Wochen Kasperle Theater erspart geblieben.

20.11.2017 20:54 Klaus 15

Manche haben eben eine begrenzte Vorstellung, aber dafür kann die Kanzlerin auch nichts.
Die nächste Kanzlerin wird Angela Merkel heißen. :-)

20.11.2017 20:33 Alf 14

Wer bitte ist Andrea Müller? Die Frage, ob Frau Merkel noch mal antritt, sollte Sie selbst, ihre Partei und schließlich die Wähler bei Neuwahlen entscheiden! Ich sehe jedenfalls keinen anderen Politiker oder Partei für die Kanzlerschaft!

20.11.2017 20:19 Henry Higgens 13

Respekt Herr Lindner, endlich mal ein Politiker mit Rückgrat, ich dachte schon sowas gibt's heute nicht mehr. Wenigstens einer der wegen Machtgerangel und Postengescharrer seine Wähler nicht verrät.