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Deutsche Zeitungen zum Ja der SPD zu Sondierungsgesprächen

"Sondersitzungen, Sonderparteitag, Sondervoten - wo bleibt da der Bewegungsspielraum?" fragt der Berliner Tagesspiegel und fährt fort: "Politik, die erst noch zusammengeredet werden muss, ehe sie in Koalitionsvereinbarungen gegossen werden kann, erfordert aber mehr: Fantasie, Mut, Flexibilität. Die Gesellschaft richtet sich nicht nach Spiegelstrichen, nicht nach Befindlichkeiten von Gremien, noch nicht einmal nach Parteiprogrammen. Und seien sie der SPD nahezu heilig."

Die Magdeburger Volksstimme kommentiert: "Die SPD ringt um ihre Bedeutung als Volkspartei. Martin Schulz größter strategischer Fehler war es, eine Regierungsbeteiligung rundheraus abzulehnen. [...] Schulz einzige Chance ist es, ordentlich mitzuregieren und am Ende der Merkel-Ära einen überzeugenden Mitte-Kandidaten zu präsentieren."

Die Freie Presse aus Chemnitz hat bei der SPD eine Hoffnungsträgerin ausgemacht: "Andrea Nahles ist zwar gern einmal vorlaut und frech, sie weiß aber sehr genau, was Führung ist. … Wenn sie weiß, wo die SPD wirklich hin will und es ihr gelingt, die politischen Willensbildungs- und Entscheidungswege transparent zu machen, kann gutes Regieren sogar gelingen - und die verhasste GroKo der SPD sogar wieder auf die Beine helfen."

Das Neue Deutschland findet: "Wenn die SPD nun Sondierungen mit der Union beginnt, kann sie sich auf ihre Verantwortung für den Staat berufen oder auf die Nötigung des Bundespräsidenten. Am wenigsten aber auf den Wählerwillen. Das sollte sie im Auge behalten."

Die Nürnberger Nachrichten befürchten: "Es droht eine Neuauflage der Großen Koalition, diesmal mit dem Namenszusatz: Koalition der Lust- und Ideenlosen. Das wäre ein Notbündnis der Verlierer. Ob so ein Pakt lange halten würde, ist fraglich. Dabei könnte eine Große Koalition mit mutigeren, jüngeren Köpfen einiges anpacken."

Die Neue Osnabrücker Zeitung ist sich sicher: "Die Union als Koch und die SPD als Kellner, das wird nicht funktionieren. Speziell einige aufgeblasene Vertreter der 6,2-Prozent-Minipartei CSU müssen zurückfinden zu Maß und Mitte. Ansonsten wird das nichts mit dem neuen schwarz-roten Ehevertrag."

Zum Schluss die Huffington Post aus München: "Die Sondierungsgespräche haben längst stattgefunden: Bei Twitter und in den Zeitungen. Und Kompromisse gelten dabei als Schwäche. Jeder weiß, dass das Theater ist. Doch ein Ende ist nicht in Sicht."

Zuletzt aktualisiert: 15. Dezember 2017, 22:50 Uhr