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Deutsche Tageszeitungen zum Fall Akhanli

Die Nürnberger Nachrichten schreiben zum Vorgehen der Türkei und ihres Präsidenten: "Erdogan will den Deutschen und den eigenen Bürgern zeigen, wie weit sein Arm reicht und dass er türkische Interessen weit über die Landesgrenzen hinaus durchsetzen kann. Deutsche Spitzenpolitiker müssen Erdogans Einschüchterungsversuche natürlich streng zurückweisen. Sie sollten sein Verhalten aber nicht mit gleicher Lautstärke beantworten. Berlin sitzt gegenüber der Türkei am längeren Hebel."

Die Süddeutsche Zeitung aus München kommentiert: "Es ist das Wesen der Autokraten, dass sie sich wie Halbstarke gebärden. Man muss darauf stark reagieren, nicht halbstark. (...) Es gibt Aktionen Erdogans, die verlangen nach scharfer Reaktion - so die Verhaftung deutscher Staatsbürger aus politischen Gründen."

Die Mittelbayerische Zeitung aus Regensburg findet: "Akhanlis Auslieferung an die Türkei wäre ein Kotau vor dem Möchtegern-Sultan. Sie muss mit allen diplomatischen, politischen und rechtlichen Mitteln, die Berlin zur Verfügung stehen, verhindert werden."

Die Stuttgarter Zeitung sieht nicht nur Deutschland, sondern auch die EU zum Handeln aufgefordert: "Nähme die EU ihre eigenen Regeln ernst, hätte sie die Beitrittsverhandlungen mit Ankara längst aussetzen müssen. Doch bricht die EU alle Brücken zu Ankara ab, verliert sie den Einfluss auf die Entwicklung in der Türkei. Der Umgang mit dem Land bleibt eine heikle Gratwanderung."

Die Sächsische Zeitung aus Dresden schreibt: "Die juristische Attacke auf den in Köln lebenden Schriftsteller mit deutscher Staatsbürgerschaft (...) gilt tatsächlich ganz anderen. Es ist ein Signal an Europa und an Deutschland, in der politischen Auseinandersetzung (...) nachzugeben und die vielen gegensätzlichen Positionen Erdogans zu akzeptieren. Die neue Stufe der Eskalation macht es schwieriger, dabei einen kühlen Kopf zu behalten. Doch genau das bleibt der richtige Weg, um Erdogan dauerhaft (...) Grenzen aufzuzeigen.

Zum Abschluss die Rhein-Neckar-Zeitung aus Heidelberg: "Den Autokraten vom Bosporus wird dagegen vermutlich nichts zum Einlenken bewegen. Er hat nun einmal Geschmack daran gefunden, den deutschen Wahlkampf aufzumischen. Dass er dabei Spuren von Größenwahn offenbart, ist allerdings weniger ein deutsches Problem, als eines für seine Landsleute."

Zuletzt aktualisiert: 20. August 2017, 21:50 Uhr