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Deutsche Zeitungen zum Rücktritt von Tillich

"Die größte Schwäche des Politikers Stanislaw Tillich war seine Ziellosigkeit;" beginnt die Sächsische Zeitung . "Der Ministerpräsident Tillich hatte leider nie eine überzeugende, eine mitreißende Idee für Sachsen. Sein Anspruch beschränkte sich gefühlt auf das redliche Verwalten des politisch-intellektuellen Erbes Kurt Biedenkopfs."

Die Leipziger Volkszeitung schreibt: "Stanislaw Tillich hat seinen Rücktritt gestaltet wie seine gesamte Amtszeit. Keine klare Kante, keine harte Analyse. Damit erlebt Sachsen ein politisches Erdbeben, wie es seit 1990 eher selten zu beobachten war."

Die Frankfurter Rundschau meint: "Ihn hat genau die Strategie aus dem Amt getrieben, die die Union im Bund (...) demnächst einzuschlagen droht. Tillich (...) hat in Sachsen ja seit fast einem Jahrzehnt genau das getan, was die Seehofers und Spahns empfehlen: Er hat die rechte Rhetorik so hingebungsvoll gepflegt, (...) dass seine CDU nicht als Alternative zur AfD dastand, sondern als deren blässlicher Abklatsch."

Die Zeitung Die Welt schaut voraus: "Jetzt wird es für Angela Merkel richtig interessant. Nach Stanislaw Tillichs Rücktritt ist die Frage, ob Sachsen Neuwahlen brauche statt nur einen neuen Ministerpräsidenten, keineswegs akademisch. Der designierte Nachfolger Michael Kretschmer hat jetzt bis zum Ablauf der regulären fünfjährigen Legislaturperiode im Sommer 2019 Zeit, den Wählern zu beweisen, dass der gewaltige Aufschwung der AfD im Freistaat nicht notwendigerweise zu einer kopflosen Politik der regierenden CDU/SPD-Koalition führt."
Die Volksstimme aus Magdeburg wundert sich über den Zeitpunkt: "Dass Tillich den Rückzug erst dreieinhalb Wochen nach der Wahl vollzieht, wirft Fragen auf. Hat er, der über viele Jahre vom Erfolg verwöhnte Politiker, die nun plötzlich auf ihn einprasselnde Kritik nicht verkraften können? Ist der Rücktritt eine Trotzreaktion? Dass ihn Alt-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf zuletzt öffentlich harsch abkanzelte, muss Tillich schwer getroffen haben."

Zum Abschluss die Huffington Post : "Mit seinem Rücktritt könnte Tillich - so er sich aus freien Stücken für den Abtritt entschied - doch noch ein politischer Coup gelungen sein. Der Sachse erhöht den Druck auf das Sondierungsteam der CDU, bei den Gesprächen mit FDP und Grünen Ergebnisse zu erzielen."

Zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2017, 23:50 Uhr