Nahaufnahme eines geleakten Chats der AfD
Rund 8.000 WhatsApp-Nachrichten der AfD in Sachsen-Anhalt wurden veröffentlicht. Darunter Aussagen wie "Deutschland den Deutschen". Bildrechte: MDR/Marc Biskup

#AfDLeaks AfD Sachsen distanziert sich

Auf der Internetplattform "indymedia" wurden WhatsApp-Chats von Funktionären und Mitgliedern der AfD in Sachsen-Anhalt veröffentlicht. Wie geht die AfD in Sachsen damit um?

von Ine Dippmann, MDR AKTUELL

Nahaufnahme eines geleakten Chats der AfD
Rund 8.000 WhatsApp-Nachrichten der AfD in Sachsen-Anhalt wurden veröffentlicht. Darunter Aussagen wie "Deutschland den Deutschen". Bildrechte: MDR/Marc Biskup

Wenn in Berlin die Spitzenkandidaten der AfD zusammenkommen, um ihre Wahlkampfstrategien zu besprechen, könnte es laut werden. Sachsens Generalsekretär Uwe Wurlitzer wird dort Frauke Petry vertreten, die noch in der Babypause ist. Und Wurlitzer ist für seine deftige Ausdrucksweise bekannt: "Können Sie einfach mal die Klappe halten, aus Versehen? Ja, ich bin dran mit der Kurzintervention! Das ist ein Benehmen - das ist ein echter Traum!" Im sächsischen Landtag ging es hoch her, als Wurlitzer versuchte, seine Position zu den AfD-Chatprotokollen in Sachsen-Anhalt darzulegen.

"Ich bin entsetzt!"

Nun wird er das mit André Poggenburg, dem Fraktionsvorsitzenden der AfD in Sachsen-Anhalt, direkt besprechen können. Denn was da öffentlich geworden ist, sei nicht die Position der AfD, ist sich Wurlitzer sicher. Er habe nach dem Vorfall "Herrn Poggenburg eine SMS geschrieben". Darin will er folgendes gesagt haben:

Deutschland den Deutschen - sonst geht es dir gut? Warum versuchst du es nicht mal bei der NPD, dort hättest du mehr Befürworter und auch programmatisch wäre es wesentlich einfacher. Du bist Bundes- und Landesvorstandsmitglied. Ich bin entsetzt!

SMS von Uwe Wurlitzer an André Poggenburg (laut eigener Aussage)

Was Poggenburg erwiderte, will Wurlitzer nicht öffentlich machen. Klar ist aber, dass beide für sich beanspruchen, die wahre AfD zu vertreten. Entscheiden soll das nun der Bundesvorstand. Der müsse ansagen, was geht und was nicht, meint Wurlitzer. "Denn er ist Bundesvorstandsmitglied und damit Botschafter unserer Partei." Noch einmal betont Wurlitzer: "Das ist nicht unsere Botschaft. (...) Und in der Rhetorik sollten wir so etwas von vornherein gar nicht erst groß werden lassen."

Extreme Positionen werden ignoriert

Doch mit diesem Ansinnen war Parteichefin Frauke Petry schon beim Bundesparteitag in Köln Ende April gescheitert. Sie bekam keine Mehrheit, als sie versuchte, die Flügelkämpfe in der Partei zu beenden und die AfD auf moderate, bürgerliche Töne einzuschwören. Der Konflikt wurde unter den Teppich gekehrt, getreu dem Motto: aus den Augen aus dem Sinn.

So ging es offenbar auch Kirsten Muster, der medienpolitischen Sprecherin der sächsischen AfD-Fraktion. Zu den internen Chatprotokollen sagt sie: "Na klar hat es uns überrascht. Ich halte es für völlig unnötig. Wir sind im Vorwahlkampf, wir haben ein ganz tolles Wahlprogramm miteinander verabschiedet. Ich weiß jetzt nicht, warum ausgerechnet diese Diskussion aufgemacht werden musste."

So rechts will die AfD nicht sein

Die Veröffentlichung der Protokolle, in denen einzelne fordern, die Medien zu unterwandern und in denen der von der NPD bekannte Slogan "Todesstrafe für Kinderschänder" auftaucht, kommt der AfD spürbar ungelegen.

Uwe Wurlitzer
"Ich bin entsetzt!" - Uwe Wurlitzer, AfD-Generalsekretär in Sachsen Bildrechte: dpa

Mit Blick auf die aktuellen Wahlprognosen sagt Sachsens Generalsekretär Wurlitzer: "Wir haben ja in Sachsen relativ gut abgeschnitten, in Sachsen-Anhalt eben nicht." Was ihn an den geleakten Chats besonders stört: "Dass diese Äußerungen die AfD in die Ecke drücken, die von den Medien schon immer befeuert wird und letztendlich den Medien damit Recht gegeben wird. Das kann es nicht sein."

Die Aussage "Deutschland den Deutschen!" verteidigte Sachsen-Anhalts Fraktionschef André Poggenburg. Einige Einzelmeinungen aus dem Chat stellten dagegen nicht die Position der AfD dar. Die Landesspitze werde dazu intensive Gespräche mit den Betroffenen führen, kündigte Poggenburg an.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 24.06.2017 | 7:13 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Juni 2017, 05:00 Uhr

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110 Kommentare

27.06.2017 12:47 Wessi 110

@ 101 aber Sie gestatten doch zu respektieren, daß d.Mehrheit d. Deutschen (s.Wahlergebnisse) anders denkt als Sie?Sie gestatten doch,daß Menschen in unserem Land realisitisch sind,daß d.Welt nun einmal globalisiert ist?Ich wenigstens will nicht e. intolerantes abgeschlossenes Land, sondern ein total geeintes Europa.Unsere Meinungen sind diametral unterschiedlich..Und so einen Quark, wie Frauen+Familie gehört ins Mittelalter od. zu kranken evangelik.Christen,die ein Leben führen,wie die Mehrheit hier es nicht möchte,weil sie rel. zufrieden ist wie es ist.Ausserdem habe ich Ihnen in @ 99 viele Gründe genannt,warum ich Ihre identitäre+AfD- Auffassung niemals teilen werde.Nein,ich werde alles daran setzen,daß die weltoffene+tolerante BRD v.Leuten wie Poggenburg+Ihnen nicht kaputt gemacht wird.Da sind mir Polarisierer wie Claudia Roth (d.i.nicht wähle) viel willkommender."Verschwinden" ist,wenn es pro EU geschieht schön,damit verschwindet auch d.dt.Terror d.Großvätergeneration e.bißchen.

27.06.2017 12:34 der_Silvio 109

@105 Mediator; wer hat uns denn mit H4 'beglückt'?
Der deutsche Markt wird mit vielen ausländischen Produkten überschwemmt, die zwar Qualität versprechen, diese doch nicht halten können. Und wenn ich von vielen schreibe, meine ich nicht alle!
Ein Beispiel: Musikinstrumentenbau.
Der Staat lenkt nur eines - das Geld in die Taschen der Lobbyisten.

Ich erinnere auch, in der Schule Volkslieder gelernt zu haben - ich habe drei Kinder in der Schule, nur eines(!) konnte mir drei Lieder nennen, die sie in der Schule gelernt haben.

27.06.2017 11:56 der_Silvio 108

@104 Krause; im Übrigen war es die jetzige Regierung, die den Beschluss gefasst hat, nach Afghanistan abzuschieben, nicht die AfD.
Inwieweit das richtig ist, kann ich nicht beurteilen, da ich die Situation im Land nicht beurteilen kann.

27.06.2017 11:44 der_Silvio 107

Nachtrag zu @104 Krause es soll natürlich Fehler heißen und nicht Fe6in...

27.06.2017 11:42 der_Silvio 106

@104 Krause; sie haben einen Fe6in meinem Post gefunden - gut gemacht.
Das bedeutet, daß ihnen das Korrekturlesen wichtiger ist als die Inhalte - so kann man auch diskutieren.
Haben sie in einem meiner Kommentare gelesen, daß ich Deutsch-sein mit der Haar- oder Augenfarbe in Verbindung gebracht hätte?
Habe ich geschrieben, daß man Menschen nicht helfen sollte?
Und doch unterstellen sie mir Inhumanität.

27.06.2017 11:35 Mediator an der_Silvio(100) 105

Sorry, aber du hast die Frage nicht beantwortet! Diese lautete: Warum bist du stolz auf Deutschland und wie äußert sich das bei dir?
Du stellst in Beitrag 100 lediglich Forderungen auf, bei denen DU ein Defizit siehst.
Wenn du Volkslieder magst, dann sing mit deiner Familie beim Wandern oder schick die Kinder zu einer Jugendgruppe wo noch gesungen wird. Du überschätzt da massiv den prägenden Einfluss der Schule!
Deine Vorstellungen von einer staatlich gelenkten Wirtschaft entsprechen leider auch nicht der Realität. Warum sollten Firmen nicht ins Ausland verkauft werden? Deutsche Firmen sind ja auch im Ausland tätig? Was sich nicht rentiert wird nicht überleben - so einfach ist das heute.
Arbeit für alle? Dazu muss man halt auch etwas können und arbeiten wollen. Wenn eine 40h Woche im Monat grade mal 200 € mehr als H4 einbringt, dann rechnen sich viele aus, dass sie da bei 200 Stunden Arbeit im Monat grad mal 1 € / h mehr verdienen als durchs abhängen zu Hause. Auch das ist D!

27.06.2017 10:59 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 104

Da hat sich unser 'Identitärer' durch 'unbeschreibare Deutschkenntnisse' selbst widerlegt:

"Man sollte seine eigene Identität nicht zum Wohle eines anderen nicht verleugnen."
Die doppelte Verneinung ist kein 'einfaches Werkzeug' der deutschen Sprache. Und da ein 'Identitärer' nun mal so stolz aufs Deutschsein ist, kann man wohl annehmen, daß er die 'deutsche Sprache' auch bewußt einsetzen kann und dies auch tut.

Um eine eigene Identität zu erhalten, muß man auch Identitäten anderer anerkennen - und in der Gesellschaft auch aushalten können. Wer sich nur auf 'blonde Haare' und 'blaue Augen' konzentriert, konzentriert sich auf zwei rezessive Gene... da ist der Untergang sozusagen 'programmiert'.

Humanität ist das Zauberwort: und das ist das Gegenteil von 'Menschen in Kriegsgebiete abzuschieben'.
Wer 'Deutschsein' als 'Hass ausleben' versteht, ist nur 'undeutsch'.

27.06.2017 10:48 andre 103

Ich habe es ja schon länger erkannt, die AFD ist ein Haufen von selbsternannten Patrioten und von absoluten Selbstdarstellern! Ich glaube auch, dass viele von denen gar nicht so schlimm rechtsradikal sind, sondern einfach nur gemerkt haben, dass man mit Polarisierung viel Aufmerksamkeit erhält! Und die ist es ja, die ein Selbstdarsteller sucht. Dazu kommt natürlich noch, ein bei einigen sehr limitierter Intellekt(Poggi, Muhsal, Höcke) + völkische Ansichten, und das ergibt dann dieses Gesamtbild... Aber auch diese Laune der Natur werden wir überstehen:-) Das einzig schlimme ist, dass es Menschen gibt, die dieses Gebilde als Alternative ansehen!

27.06.2017 10:43 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 102

Das eigentliche Problem mit 'den Rechten im Lande' ist halt, daß sie argumentieren, 'rechte Politik' sei deshalb legitim, weil sie nur das 'Gegenstück' zu 'linker Politik' sei - was sie nun aber nicht wirklich ist.

Wenn 'rechte Politik' Menschen nach Abstammung, Herkunft, Religion oder Hautfarben ausgrenzen, kommt es halt auch dazu, daß deren 'Anhänger' auf die Idee kommen, solche Ideen in die Tat umzusetzen.
Da legt ein Pegaga-Redner schon mal eine Bombe vor einer Moschee ab oder ein paar andere Deppen bringen Menschen gleich um, weil sie 'Fremde' sind. Solche Einstellung wird halt nicht nur montags abends in Dresden propagiert, sondern auch von solch eingestellten Kommentatoren hier.

Es wird nicht 'jeder, der stolz auf sein Heimatland' ist, an den rechten Rand geschoben!
Ich bin auch stolz auf Deutschland - aber nur, weil es in den letzten 7 Jahrzehnten geschafft hat, rechts-nationale Deppen stumm zu halten, die ihren Stolz aufs Deutschsein 'Fremden' einprügeln wollen.

26.06.2017 22:47 der_Silvio 101

@99 Wessi; habe ich mit einem einzigen Wort geschrieben, daß ein anderes Land die gleiche Geschichte hat, wie Deutschland?
Mitnichten!
Ich bin aber in keinster Weise einverstanden damit, daß ein Grüner Politiker es großartig findet, daß Deutschland jeden Tag ein bisschen mehr verschwindet!
Ich bin auch nicht damit einverstanden, daß Milliarden ins Ausland fließen, während hier kleine Unternehmen kaum noch auf dem Zahnfleisch kriechen können und die Menschen hier bis 67 arbeiten sollen für eine 'Grundsicherung'!
Ich bin nicht einverstanden damit, daß Familienförderung ausschließlich bedeutet, die Kinder schnellstmöglich in fremde Betreuung zu bekommen, damit man sofort wieder arbeiten gehen kann!
Warum ist denn das Bild der Frau, die zu Hause bleibt und für die Kinder sorgt, heute so verpönt?
Weil die Leistung der Frauen, die Arbeit die darin steckt, überhaupt nicht mehr gewürdigt wird!
Und das vorangetrieben von unserer Politik!