Teilnehmer einer Demonstration tragen Samstag (15.09.2012) in Berlin Kippas.
Jede zweite antisemitische Straftat findet im Internet statt. Doch auch auf offener Straße kommt es immer wieder zu Beleidigungen und Bedrohungen. Bildrechte: dpa

Antisemitismus in Sachsen Tatort ist in jedem zweiten Fall das Internet

Ein MDR-Fernsehteam hat in der vergangenen Woche am jüdischen Mahnmal in der Leipziger Gottschedstraße gedreht, zusammen mit dem ehemaligen Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Leipzigs, Rolf Isaacsohn. Dabei kam es zu einem Eklat: Nach dem Interview mit dem Holocaust-Überlebenden beschimpften und beleidigten zwei Männer Isaacsohn und das MDR-Team, einer zeigte den Hitlergruß. Antisemitische Vorfälle gibt es in Sachsen immer wieder.

von Andre Seifert, MDR AKTUELL

Teilnehmer einer Demonstration tragen Samstag (15.09.2012) in Berlin Kippas.
Jede zweite antisemitische Straftat findet im Internet statt. Doch auch auf offener Straße kommt es immer wieder zu Beleidigungen und Bedrohungen. Bildrechte: dpa

110 antisemistische Straftaten zählte die Polizei im vergangenen Jahr im Freistaat Sachsen. Das geht aus Antworten des Innenministeriums auf Kleine Anfragen der Partei die Linke im Landtag hervor. Die Zahl ist auf einem hohen Niveau, erklärt Kerstin Köditz von den Linken. "In den letzten fünf Jahren haben wir wieder einen gravierenden Anstieg, da sind wir wirklich jedes Jahr über den hundert Fällen."

Statistik von vielen Faktoren abhängig

Vor fünf Jahren waren es noch 51 Fälle. Aber von einem Trend nach oben will die Rechtsextremismus-Expertin der sächsischen Linken nicht so einfach sprechen. Denn die Zahl der Straftaten gegen Juden könne auch aus ganz anderen Gründen mal steigen und mal fallen: je nachdem ob zum Beispiel eine Tat von der Polizei als antisemitisch eingestuft wird oder nicht. Oder ob sie überhaupt angezeigt wird. Hinzu kommt, dass manche Taten schon Jahre alt sind, aber erst jetzt aufgenommen werden. Erstens brauche es jemanden, der die Straftat anzeige, so Köditz. Wenn es keine Anzeige gebe, komme es gar nicht in die Statistik. Dann brauche es natürlich auch Menschen in der Bearbeitung, die eine antisemitische Motivation erkennen. Und ob das in allen Fällen so gegeben sei, sei zu bezweifeln. 

Tatort Internet

Fest steht: Tatort ist in jedem zweiten Fall das Internet. Kerstin Köditz macht dafür ein zunehmend von Hass erfülltes Klima in Sozialen Netzwerken verantwortlich. Doch antisemitische Taten wie Volksverhetzung, Beleidigung und Bedrohung werden auch auf offener Straße begangen: Hakenkreuze und Juden-Sprüche wurden in den vergangenen Jahren vor allem an Wohnhäuser, Bahnhöfe, Kitas und Schulen geschmiert. Eher selten gingen die Täter direkt auf die Opfer zu. In Dresden wurden vor zwei Jahren Israelis in einer Straßenbahn beschimpft. Die Aufklärungsquote liegt bei etwa 50 Prozent, sagt der Leipziger Polizeisprecher Uwe Voigt. Im jüngsten Fall von Antisemitismus in Leipzig sei die Wahrscheinlichkeit, dass die Tat aufgeklärt werden kann, vielleicht noch etwas höher, da der MDR Videomaterial von den Tätern zur Verfügung stellte.

Voigt dazu: "Das Beispiel in der letzten Woche, wo dieses MDR-Team zusammen mit Herrn Isaacsohn gedreht hat in der Gottschedstraße, ist eigentlich beispiellos in den letzten Jahren. Wir hatten antisemitische Handlungen zu verzeichnen, in denen ab und zu mal auch ein Brief aufgetaucht ist, der vor so einem Objekt abgelegt ist, das gab es auch, aber Angriffe gegen Personen von anderen Personen hatten wir in den letzten Jahren überhaupt nicht zu verzeichnen gehabt. Und dieses Beispiel ist bösartig ohne Ende."

Täter sind fast immer Neonazis

Die Zuwanderung von vielen muslimischen Flüchtlingen in den letzten Jahren hat dabei nicht zu mehr antisemitischen Straftaten geführt, zeigen die Statistiken. Die Täter sind nach Angaben der Polizei fast immer Neonazis. 

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 24.10.2017 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2017, 08:18 Uhr

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8 Kommentare

24.10.2017 20:42 Peter 8

@ralf meier: Ablenken, Relativieren. Sie machen sich zum verständnisvollen Unterstützer rechtsradikaler Judenhasser.
Deutsche haben 6 Mio Juden umgebracht. Diese Schuld werden wir nie vergessen.

24.10.2017 16:49 B. Wand 7

Tja, da hilft auch kein alternatives Mimimi.

93 Prozent aller antisemitischen Straftaten wurden von Rechtsextremisten begangen (Quelle: Welt).
Themen-bezogener Hass, Drohungen und körperliche Angriffe sind bis heute Teil des rechten Weltbildes.

Und:
Es ist wirklich kinderleicht, beim Thema zu bleiben.

24.10.2017 11:55 ralf meier 6

@steffen_jg63 Nr 1: Sie zitieren den MDR mit der Behauptung: '"Die Zuwanderung von vielen muslimischen Flüchtlingen in den letzten Jahren hat dabei nicht zu mehr antisemitischen Straftaten geführt". Diese Einschätzung wird schon jetzt nicht von jedem geteilt. So kann man im Handelsblatt vom 08.09.2017 im Artikel 'SPD-Generalsekretär Heil sieht Riesenproblem' lesen:
Antisemitismus gäbe es bei „Menschen die aus Regionen zu uns gekommen sind, in denen Antisemitismus eine politische Doktrin ist“ und
"So würden „Juden raus“-Schmierereien in Statistiken generell als rechtsextrem ausgewiesen, obwohl diese Parole auch in islamistischen Kreisen populär sei."

24.10.2017 11:45 ralf meier 5

Nach erfolgter Nichtfreischaltung eines ersten Kommentars hier ohne jede Wertung die folgenden Fakten:
Kein Wort zum Antisemitismus der Islamisten in Deutschland. Kein Wort vom real existierenden Antisemitismus in der vom Verfassungsschutz beobachteten Partei 'Die Linke' .
Quellen:Cicero 'Wie der Antisemitismus in die Linke kam'
Die Welt 18.07.2016: 'Der verschwiegene Antisemitismus der deutschen Linken'
Die Welt 21.06.2017: 'Deutschland unterschätzt den islamistischen Judenhass noch immer'

24.10.2017 10:28 Spottdrossel 4

Jeder Bundesbürger (ohne Migrationshintergrund) ist nun mal ein potentieller Straftäter. Wie Straftaten vorbeugend verhindern?
Chinas KP praktiziert es bereits, offenbar sehr erfolgreich.

24.10.2017 10:22 Anne 3

Wieder einmal eine sehr einseitige Betrachtungsweise. Auch bei den Linken sind antisemitische Tendenzen seit Jahren zu beobachten. Darüber wird wenig berichtet. Die Angst der in Deutschland lebenden Juden vor muslimischen Antisemitismus nimmt laut Antisemitismus-Bericht einer Expertenkommission, der im April 2017 veröffentlicht wurde, zu. Manchmal hat man den Eindruck, dass Deutschland aus seiner Geschichte wenig gelernt hat.

24.10.2017 09:15 KritischeStimme 2

Bei der heutigen Politik Deutschlands kann ein schleichendes Antisemitismus nicht ausbleiben.Deutsche Regierung verkauft seine Buerger fuer dumm
Moskau wird vorgewurfen den Krim illegal besetzt zu haben und wird dafuer sanktioniert.Schon ueber 10 Jahre besetzt Israel kontinuierlich PalestinenserGebiete (ohne Zustimmung der dortigen Bewohner) und verletzt damit Internationales Recht.Israel wird dafuer dauernd belohnt mit Geld,Subventionen,Handelsabkommen und gratis Waffen.In der Tatsache hat die EU illegales Handeln von Israelseite provoziert.Solange die EU weiter schweigt wird die Situation immer explosiver.Von USA kann nichts erwartet werden durch die dortigen juedischen Lobbys.Hoechste Zeit Israel Bedingungen zu stellen und in der Zwischenzeit die Zusammenarbeit einzufrieren und israelische Waren beim Import extra zu belasten,bis man da echt Frieden stiften will.Europa wird das viele Kosten ersparen,gute Beziehungen im NahOst bringen,und Israel den Frieden

24.10.2017 08:55 steffen_jg63 1

"Die Zuwanderung von vielen muslimischen Flüchtlingen in den letzten Jahren hat dabei nicht zu mehr antisemitischen Straftaten geführt,..." Na, warten wir es mal ab, bis die sich hier heimisch fühlen und vor Selbstbewußtsein strotzen.