Rosen in Gedenkstätte Buchenwald
Rosen für die Opfer des Nationalsozialismus in der Gedenkstätte Buchenwald. Bildrechte: MDR/Franziska Hentsch

Äußerungen überschatten Gedenken Björn Höcke - Persona non grata in Buchenwald

Der Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus dürfte zumindest in Thüringen von der Frage überschattet werden: Wird Björn Höcke in Buchenwald erscheinen? Die Stiftung Gedenkstätte Buchenwald hatte den AfD-Landes- und Fraktionschef als unerwünschte Person ausgeladen. Höcke hatte vergangene Woche bundesweit für Empörung gesorgt, weil er in einer Rede unter anderem von einer "dämlichen Erinnerungspolitik" gesprochen hatte. Höcke forderte außerdem eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad".

von Stefanie Gerressen, MDR AKTUELL-Landeskorrespondentin in Thüringen

Rosen in Gedenkstätte Buchenwald
Rosen für die Opfer des Nationalsozialismus in der Gedenkstätte Buchenwald. Bildrechte: MDR/Franziska Hentsch

Was heute Mittag in Buchenwald passieren wird, kann keiner voraussehen. Alle Beteiligten sind in Alarmbereitschaft. Obwohl Björn Höcke von der Gedenkstätte Buchenwald zur Persona non grata erklärt wurde, kündigte der AfD-Landeschef an, am Gedenken auf dem ehemaligen KZ-Gelände teilnehmen zu wollen.

Gruhner hielte Teilnahme Höckes für geschmacklos

Auch Stefan Gruhner, CDU-Abgeordneter und Chef der Jungen Union Thüringen, findet dafür scharfe Worte. "Dass Herr Höcke an so einer Gedenkveranstaltung teilnimmt, ist zunächst einmal sein Recht als Abgeordneter. Er muss selber wissen, was er tut. Aber er sollte einsehen, dass es eine absolute Geschmacklosigkeit ist, dass es ein erneuter Schlag ins Gesicht der Opfer des Holocaust ist. Deswegen kann ich nur nachdrücklich an ihn appellieren, von der Teilnahme Abstand zu nehmen."

Würdevolle Begegnung würde gestört

Dirk Adams
Dirk Adams (Grüne) Bildrechte: MDR/Holger John

Bereits seit Tagen sind Landespolitiker jeglicher Couleur unruhig. Nach Björn Höckes Äußerungen über die Erinnerungskultur sagen viele: Er sollte nicht an der offiziellen Gedenkveranstaltung teilnehmen. Zu ihnen gehört Dirk Adams, Fraktionschef der Grünen. "Für uns Grüne ist es sehr schwer nachzuvollziehen, wie wir mit Herrn Höcke, der möchte, dass dieses Gedenken nicht mehr vollzogen oder gar abgeschafft wird, würdevoll den Opfern oder deren Angehörigen gegenübersitzen."

Carius fordert Entschuldigung von Höcke

Christian Carius bei der Weihnachtsansprache 2016
Christian Carius (Landtagspräsident) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Aus dem Grund hatte die Fraktion schon vor Tagen den Landtagspräsidenten Christian Carius gebeten, die Angelegenheit zu überprüfen. Carius wollte seinerseits Höcke jedoch nicht auffordern, der Gedenkveranstaltung fernzubleiben. "Ausladung halte ich nicht für das richtige Instrument, um im politischen Streit miteinander umzugehen. Genauso ist es aber schwierig, wenn Herr Höcke der Einladung Folge leisten würde, ohne sich vorher bei den Opfern entschuldigt zu haben." Dazu hatte er Björn Höcke bereits vergangene Woche per Brief aufgefordert, eine Antwort blieb bislang aus.

Stiftung lädt Höcke aus

Der stellvertretende Leiter der Gedenkstätte Buchenwald Rikola-Gunnar Lüttgenau hat dagegen versucht, mit der Ausladung Höckes Fakten zu schaffen. "Der Zweck unserer Stiftung Gedenkstätte Buchenwald und Mittelbau-Dora ist es, die Trauer zu ermöglichen, an die Toten des Nationalsozialismus, an die Toten der Lager und verschiedenen Orte. Diese Trauer zu stören, das wollen wir nicht." Das ist auch im Sinne der Überlebenden Buchenwalds, wie einer von ihnen, Bertrand Herz, der Ehrenpräsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommando bekräftigt. Für Björn Höcke ziehen diese Argumente offenbar nicht.

Er beharrt darauf, falsch verstanden worden zu sein. Der Gedenkstättenleitung sprach er schriftlich das Recht ab, ihn ausladen zu dürfen. Mit Medienvertretern wollte er dazu nicht weiter sprechen.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: Radio | 27.01.2017 | 05:08 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Januar 2017, 05:00 Uhr

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89 Kommentare

29.01.2017 11:15 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 89

"Die AfD hat richtig erkannt, dass sie eine eigene Plattform braucht wie AfD-TV über Internet, wie Rothbart für Trump."

Na, da muß ick aber läscheln: 'wie Rothbart für Trump.'

Danke, Wieland! Dat war mal ein feines Outing! =)

29.01.2017 11:04 Wessi 88

@ 86 Na,dann warten wir drauf,wenn einer der AfDler volksverhetzend agitiert...demnächst..und dann wird der Kanal abgestellt.Übrigens dann mit einer gewählten Mehrheit dahinter.Ich denke die Petry ist Vorsitzende,ok,eine der Vorsitzenden.Nach Ihrer allerwertesten Deutung hat demnach einer der Vorsitzenden jener Partei also gelogen...ein anderer Rückschluß geht gar nicht.Entweder hat Höcke oder er hat nicht...?Parteien mit lügenden Vorsitzenden hatten wir schon (vor allem rechts der Mitte)+brauchen wir überhaupt nicht.

29.01.2017 10:45 Klaus => An unsere unbelehrbaren Besorgten 87

{ Wieland der Schmied [0741] 86 } und { real_silver 84 }
Es ist erstaunlich wie stark der Verdrängungseffekt bei unseren Besorgten ist. Sie können ja gerne noch mal den Beitrag 49 und 51 durchlesen und versuchen dagegen zu argumentieren.
Aber an der Reaktion der Besorgten kann man erkennen, dass Höcke richtig kalkuliert hat, wenn er mit der Dummheit seiner Zuhörer und Zustimmer rechnet. Diese Gruppe ist schon recht naiv, insbesondere wenn Höcke über die angebliche Opferrolle von Nazideutschland schwadroniert. Die Wahrheit ist, Hitler wurde von der deutschen Bevölkerung gewählt, da gibt es nichts aufzurechnen, insbesondere nicht im Zusammenhang mit dem Holocaust.
Das Gedenken an die Opfer ist keine Schande. Der Text "ein Denkmal der Schande" behauptet das aber und das ist falsch. Das weiß Höcke auch, er hat nur vergessen seine Fans zu informieren, die das nicht merken wollen.

29.01.2017 09:47 Wieland der Schmied [0741] 86

@ 84 real_silver Zitat „Er hatte NIE das Gedenken an den Holocaust als Schande bezeichnet!“ > Ja, Sie haben recht, ich sehe das auch so. Niemand hat den Satz im Klartext dargelegt und danach seine Deutung vermittelt. Es war dann ein Leichtes das beabsichtigte Ergebnis zu erzielen. Im Zeitalter des „Postfaktischen“(d.h. keine Fakten, nur noch gefühlsmäßiges) geht das so, man sagt, dass Höcke ein ganz schlimmer ist und rechtsradikales Gedankengut verbreitet wie ein Dungstreuer auf dem Acker. Das hat gewirkt und einen Sturm im Wasserglas ausgelöst. Bei vielen wirkt diese Droge aber schon nicht mehr. Die AfD hat richtig erkannt, dass sie eine eigene Plattform braucht wie AfD-TV über Internet, wie Rothbart für Trump. Die versierten Fachleute aus den Altmedien sind ihr schon zugeflogen. Es entwickelt sich.

29.01.2017 03:04 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 85

@ 84:

Na, was hat er denn gesagt?

28.01.2017 20:29 real_silver 84

Er hatte NIE das Gedenken an den Holocaust als Schande bezeichnet! Merkt ihr euch eigentlich noch? Wahnsinn, echt!

28.01.2017 16:22 Klaus 83

{ Nachdenklicher 78 ... Und wenn Höcke sagt, der Holocaust ist eine Schande, dann hat er Recht. Basta! Ich verstehe nicht, wie man das nicht verstehen kann. }
Das hat er aber nicht gesagt. Hätte er das tatsächlich gesagt, dann gäbe es auch keine Diskussion. Es ging um das Andenken an die Opfer und das ist keine Schande. Sowohl Höcke als auch Sie scheinen das trotz mehrfacher Erklärung vorsätzlich zu verwechseln. Sie sollten mal Ihren Nick überdenken, irgendwie passt der nicht.

28.01.2017 16:13 Klaus 82

{ Wieland der Schmied [0741] 81 }
Wenn Sie nachweisen wollten, dass man auch frei von Verstand, Vernunft und Sinn argumentieren kann, dann ist Ihnen das trefflich gelungen.

28.01.2017 14:05 Wieland der Schmied [0741] 81

@ 77 Peter > Ich hatte nicht vor, meinen Beitrag auszudehnen, da Sie aber fragen, hier einige Anhaltspunkte. Die europäischen Völker haben seit der Frühzeit eine Toten- und Gräberkultur, deren Zeugnisse Sie am besten in Mecklenburg-Vorpommern, insbesondere auf Rügen sehen können in Form der Hünengräber. Man hat die Toten unter gewaltigen Findlingen begraben für ihre ewige Ruhe, weswegen Streit der Verwandten am Grab undenkbar waren. Diese Grundsätze sind auch im Christentum übernommen worden. Wenn heute Verantwortliche den Zugang zu Grab-und Gedenkstätten dirigieren wollen nach ihrem Gutdünken, wen sie dazu laden wollen und ausladen, dann ist das eine ungeheuerliche Anmaßung und ein nicht hinnehmbarer Bruch der Totenkultur. Die Bibel meint dazu: Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden.

27.01.2017 00:51 Klaus 80

Ich meinte natürlich Beitrag 76 (SPON eine Kolumne von Sascha Lobo).