Ein Kokain-Konsument
Ein junger Mann bereitet Crystal für den Kosum vor. Bildrechte: IMAGO

Drogenprävention Das Crystal Meth, die Schüler und die nahe Grenze

Die Zahl der Crystalkonsumenten steigt seit Jahren. Längst hat die Designerdroge aus Tschechien fast alle anderen Drogen vom sächsischen Markt verdrängt. 2014 hat Innenminister Markus Ulbig (CDU) einen 10-Punkte-Plan vorgelegt, in dem ein Schwerpunkt auf Drogenprävention in Schulen gelegt wird. Doch bei den Schulen ist davon kaum etwas angekommen. Besuch einer Schule in Sebnitz, direkt an der tschechischen Grenze.

von Iris Milde, MDR AKTUELL

Ein Kokain-Konsument
Ein junger Mann bereitet Crystal für den Kosum vor. Bildrechte: IMAGO

Ralf Müller steht vor einer 7. Klasse des Goethegymnasiums Sebnitz. Er ist Polizist. Doch gerade trägt er keine Uniform. Er sagt: "Es ist genau wie beim Alkohol ein Querschnitt durch die ganze Gesellschaft. Es kann jeden treffen. Es kann euch treffen."

Ralf Müller macht Drogenprävention. Er plaudert aus 20 Jahren Erfahrung mit dem Thema Drogen und erklärt:

Bei uns in der Region fing es nach der Wende an. Wir hatten Haschisch und Marihuana auf dem Markt. Und wir hatten das Speed.

Ralf Müller, Polizei Sachsen

Inzwischen ist von Speed, LSD oder Ecstasy in Sachsen keine Rede mehr. Crystal hat außer Haschisch und Marihuana alle Drogen vom Markt gefegt. Die kristalline Droge ist extrem wirksam und steigert die Leistungsfähigkeit. Sie macht psychisch abhängig und das mit dem ersten Einnehmen. Polizist Müller warnt:

Das ist immer schlimmer geworden. Aber wir haben keinen Einfluss drauf. Das Zeug kommt ja nicht von uns, das kommt aus der Tschechischen Republik. Und unsere Zuständigkeit endet nun mal an der tschechischen Grenze.

Ralf Müller, Polizei Sachsen

Umschlagplatz für die Designerdroge sind die kleinen Asiamärkte, die hinter jedem größeren Grenzübergang nach Tschechien zu finden sind. In Sebnitz liegt der Grenzübergang nur 10 Gehminuten vom Stadtzentrum entfernt. Ein Gramm Crystal kostet etwa 15 Euro. Das ist auch vom Taschengeld erschwinglich.

Aufklärung ist wichtig

Um so wichtiger ist es, Schüler über die Droge aufzuklären. Ralf Müller erklärt: "Ich habe die Drogenprävention hier im Landkreis aufgebaut." Er sei lange flächendeckend tätig gewesen, habe Prävention in allen 7. Klassen betrieben. "Heute schaffe ich das in der Regel nicht mehr", gibt er zu.

Ein Grund ist, dass Ralf Müller zunehmend zu Elternabenden eingeladen wird, denn Eltern sind alarmiert. Doch viel schwerer wiegt vermutlich, dass Müller heute allein für die Drogenprävention im gesamten Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge zuständig ist. Früher seien sie zu zweit gewesen.

Besondere Lage an der Grenze

Dabei müsse viel mehr getan werden, warnt Müller. "Ich denke mal, eine wirksame Prävention müsste sich eigentlich wie ein roter Faden durch das Leben eines Kindes bzw. Jugendlichen ziehen. Man müsste damit im Grundschulbereich beginnen." Und dann immer weiter in gewissen Abständen.

Christine Hofmann ist stellvertretende Direktorin des Goethegymnasiums. Sie sagt, Drogenprävention sei ein wichtiges Thema für die Schule. Man sei sich der besonderen Lage "hier an der Grenze bewusst." Man wisse, dass die Schüler hier besonderen Gefahren ausgesetzt seien.

Versprechen der Landesregierung nicht gehalten

Drogen seien Thema im Biologie- und Ethikunterricht. Einen speziellen Ansprechpartner, wie von der sächsischen Landesregierung 2014 vollmundig versprochen, gebe es aber nicht. Hofmann holt ihr Tablet hervor und zeigt eine Präsentation, die sie selbst zum Thema Crystal angefertigt hat.

Dann kramt sie in einem Schrank und zieht ein kleines Plakat und einen vergilbten Ordner hervor. Das sei alles an offiziellen Lehrmaterialien zum Thema Drogen. Crystal komme da noch gar nicht vor.

Arbeitsmarterialien zu Crystal-Prävention

Hofmann hat klare Forderungen: "Fürs aktuelle Drogenthema Crystal würden wir uns wünschen, dass ähnlich wie für andere Drogen, wo wir schon gute Materialien haben, ein aktuelles Material rauskäme, mit aktuellen Zahlen, mit Material für die Schüler. Das wäre für uns eine große Hilfe."

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 7.10.2017 | ab 5:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Oktober 2017, 05:00 Uhr

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3 Kommentare

08.10.2017 21:29 HERBERT WALLASCH, Pirna 3

Eine einzige Partei plakatierte zu diesem Thema schon jahrelang und solange uns eingeredet wird, man soll Mitleid für diese Kranken haben, Verständnis und der Datenschutz wichtiger ist als die Vorbeugung, da wird sich nicht viel ändern. Unangemeldete Drogenkontrollen in Schulen, Berufsschulen oder Lehrstätten wären das Maß, vorher jeden schriftlich belehren und falls erwischt, sofortige Konsequenzen, notfalls Auflösung des Lehrauftrags. Aber man will ja ein guter Mensch sein und es sind ja noch Kinder. Wie überall, der Staat ist unfähig auf neue Herausforderungen zu reagieren, man versucht lieber alles mit Geld zu regeln und zu verharmlosen und wundert sich dann über das schwindente Vertrauen.

07.10.2017 14:26 Ludwig 2

""Man sei sich der besonderen Lage "hier an der Grenze bewusst." Man wisse, dass die Schüler hier besonderen Gefahren ausgesetzt seien.""
Ja, und warum hat man denn diese besondere Lage an der Grenze? Weil sich auch unsere Grenzen seit Jahren in keinem normalen Zustand befinden? Und welche inneren Zustände haben wir genau deshalb noch zu ertragen? Diese Fragen kann sich jeder, der Augen zum Sehen hat, leicht selbst beantworten.

07.10.2017 05:54 Caroline 1

"Markus Ulbig (CDU) einen 10-Punkte-Plan vorgelegt, in dem ein Schwerpunkt auf Drogenprävention in Schulen gelegt wird. Doch bei den Schulen ist davon kaum etwas angekommen."

bei Herrn Ulbig ist es mit der Drogenprävention wie bei Herrn Tillich mit mehr Polizeibeamten, es bleibt bei Medienwirksamen vollmundigen versprechen!

Und auch deswegen sind die Wahlergebnisse bei der BT Wahl und den Landeswahlen so wie sie sind.