Zwölf überlange neue Busse der Dresdner Verkehrsbetriebe stehen auf dem Theaterplatz in Dresden
Ein Fahrverbot könnte auch für die Dresdner Verkehrsbetriebe zum Problem werden. Erst Anfang des Jahres präsentierte das Unternehmen auf dem Theaterplatz neue Diesel-Busse. Bildrechte: dpa

Viele alte Diesel in Fuhrparks Fahrverbot würde Kommunalbetriebe lahmlegen

In vielen deutschen Städten ist zu viel Stickstoffdioxid in der Luft. Erlaubt sind 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Manche Städte übersteigen den Grenzwert aber um ein Vielfaches. Als Hauptverursacher für die Schadstoffe gelten Diesel-Autos. Vor allem die älteren Modelle unterhalb der sogenannten Abgasnorm Euro 6. Den Besitzern könnten deshalb gerichtlich erzwungene Fahrverbote drohen. Die Kommunen würde das logistisch vor große Probleme stellen.

von Lydia Jakobi, MDR AKTUELL

Zwölf überlange neue Busse der Dresdner Verkehrsbetriebe stehen auf dem Theaterplatz in Dresden
Ein Fahrverbot könnte auch für die Dresdner Verkehrsbetriebe zum Problem werden. Erst Anfang des Jahres präsentierte das Unternehmen auf dem Theaterplatz neue Diesel-Busse. Bildrechte: dpa

Für die schmutzigeren Diesel unterhalb der Abgasnorm Euro 6 wird es wohl nur noch eine Gnadenfrist geben. Das wissen auch die Kommunen in Sachsen. So hat zum Beispiel Leipzig schon 2012 sein sogenanntes Mobilitätsmanagementkonzept erarbeitet, erklärt Jürg Schrödl vom Hauptamt der Stadt: "In diesem Konzept verfolgen wir den Plan, dass unsere Benzin- und Dieselfahrzeuge sukzessive umgewandelt werden. Wir wollen ein Drittel Elektroautos, ein Drittel Carsharing sowie ein Drittel Benzin- und Dieselfahrzeuge. Da sind wir auf dem Weg, das zu erfüllen."

Schwere Nutzfahrzeuge trüben die Bilanz

Auf dem Weg, wohlgemerkt. Wenn man die Eigenbetriebe der Stadt nicht mitrechnet, zählt der kommunale Fuhrpark 248 Fahrzeuge. 167 davon sind mit Diesel betrieben, 148 entsprechen nicht der aktuellen Abgasnorm Euro 6. Eine Nachfrage von MDR AKTUELL bei den zehn größten sächsischen Städten ergab, dass die Kommunen, was ihre Autos angeht, häufig nicht auf dem Stand der Technik sind.

Rund drei Viertel davon sind Diesel. Etwa die Hälfte erfüllt die Abgasnorm Euro 6 nicht. Die Kommunen zählen in ihren Antworten aber teilweise auch schwere Nutzfahrzeuge mit auf. Die laufen fast immer mit Diesel. Das ist auch im Dresdner Fuhrpark so, sagt Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen: "Der größte Teil sind die technischen Fahrzeuge, also Lkw, Schneefräsen, Fahrzeuge zum Pflegen von Blumen usw. Die sind schwer umzustellen. Da hat es schon mal ein Modellprojekt bei der Stadtreinigung gegeben. Aber die haben ja auch richtig große Lasten zu fahren. Das ist dann eine Frage der Ladetechnik. Aber wir werden sie zügig auf die aktuelle Norm umstellen."

Mehrere Abteilungen in Dresden sollen ein Fahrzeug nutzen

Mehr als 200 Dieselfahrzeuge nutzt Dresden noch, 187 davon sind schmutziger, als die Euro 6-Norm vorschreibt. Dabei stehen viele Autos die meiste Zeit auf dem Parkplatz, so Jähnigen: "Deshalb wäre ein Pooling-System sinnvoll. Dadurch kann man Kapazität und Fahrzeuge sparen. Wir müssen dann in der Verwaltung aber die Standorte anpassen. Wir brauchen Ladesäulen, ein elektronisches Fahrtenbuch, damit verschiedene Abteilungen zusammen die Fahrzeuge nutzen können. Wir haben jetzt den Auftrag gegeben, dafür ein Konzept vorzubereiten."

Alle sächsischen Kommunen bekräftigen, bei Neukäufen auf niedrige Schadstoffwerte oder Elektromobilität zu setzen. Die ganze Umstellung geht allerdings nicht von heute auf morgen. Ein Problem: Die Autos sind erst ein paar Jahre alt. Im Haushalt ist für eine Neuanschaffung noch kein Geld eingeplant.

Umwelthilfe: Kommunen sollen mit gutem Beispiel vorangehen

Das weiß auch Dorothee Saar von der Deutschen Umwelthilfe: "Natürlich ist es nicht von heute auf morgen möglich, die Fahrzeuge nachzurüsten oder auszutauschen. Aber ich denke auch im Sinne der besseren Kommunikation gegenüber allen anderen Betroffenen in den Städten ist es sinnvoll, dass die Kommunen da mit gutem Beispiel vorangehen." Die sehen einen Teil der Verantwortung aber auch bei den Herstellern. Die Autobauer müssten, so schreibt die Stadt Leipzig, die Abgas-Grenzwerte zuerst einmal einhalten.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 05.10.2017 | 05:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Oktober 2017, 05:00 Uhr

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21 Kommentare

07.10.2017 09:35 Ullrich 21

@Jochen
Sie wissen aber auch, dass der Diesel in kaum einem Land so gefördert wird wie in Deutschland. In den meisten Ländern wird Diesel höher besteuert - was auch folgerichtig ist, da der Energiegehalt bei Diesel höher ist - somit ergibt sich eine geringere Diesel Quote insbesondere im privaten Bereich.
Und ob sie das für oder schlecht finden - die Fahrverbote werden kommen und das ist völlig richtig!

06.10.2017 18:16 jochen 20

19# Merkwürdigerweise gibt es meines Wissens solche Diskussionen über Feinstaub und ein Dieselverbot nur in Deutschland. Viele alten Dieselfahrzeuge der BRD wandern in das benachbarte Ausland und fahren dort noch viele Jahre weiter. Es gibt dort keine Diskussionen über den Diesel bzw. Feinstaub. Die Leute wollen nur billig fahren-sie tun das mit Freude. Daran wird kein deutscher grüner Klimaschützer etwas ändern.
Und was glauben Sie was passiert, wenn die schlauen Klimaschützer hier Fahrverbote durchsetzen. Dann gibt es hier Aufstände !

06.10.2017 12:58 Ullrich 19

@Michael
So wie sie das Schreiben ist das einfach falsch!
"...Höchst offiziell sind am deutschen Arbeitsplatz für Beschäftigte laut Bundesgesundheitsblatt in Büros bis zu 60 Mikrogramm pro Kubikmeter Innenraumluft als „Maximale Arbeitsplatz-Konzentration“ (MAK) erlaubt, an Produktionstätten sogar 950 Mikrogramm. ..." Quelle Focus 05.09.2017 .
Feinstaub ist ein Problem und Diesel da einfach einen hohen Anteil.

06.10.2017 07:45 Michael 18

Alles Lug und Trug.
Die zulässige Arbeitsplatzkonzentration von Feinstaub beträgt 930 Mikrogramm pro Kubikmeter. Ist gesetzlich so festgelegt. Gilt für alle Arbeitnehmer jeden Tag. Beim Betrieb von E-Autos gibt es keinen oder wenig Feinstaub. Aber wie ist das bei der Produktion dieser Autos und ihrer Teile, einschliesslich von den Akku`s? Das sieht die Umwelthilfe nicht oder verschließt die Augen davor.

05.10.2017 20:09 Christin 17

gestern kam erst ein Bericht wie die seltenen Erden die für die Akkus für die E-Autos gebraucht werden abgebaut werden.

wer das gesehen hat will eigentlich kein E-Auto mehr fahren.

05.10.2017 17:53 Frederic 16

@ N°15 Fragender Rentner, Gesunde LUFT ist auch wenn die Autos fahren, nur die wid von den selbst - ernannten "Umweltschützer"zerstört. Es könnte hier gesagt werden, " oh Herr verzeih ihnen, denn sie wissen nucht was sie tun" Mit dem Gelaber, zestören die, die Umwelt mehr, als andere in 100 Jahren in Ordnung bringen können. So schaut es aus !!

05.10.2017 16:02 Fragender Rentner 15

Wollt ihr nun fahren oder eine gesunde Luft einatmen?

Was ist euch oder so einigen wohl lieber?

Ach stimmt ja, es werden sonst Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet!

Schaut mal in andere Länder, da laufen sie mit einem Mundschutz herum.

Warum in Zukunft nicht auch hier?

05.10.2017 15:28 optinator 14

Der treue STEUERZAHLER wird es schon richten !

Siehe Schwarzbuch und viele unendliche Miseren !

05.10.2017 15:03 Anton 13

Die Politiker sind schrecklich weit von dem Volk...

05.10.2017 13:07 Brennabor 12

Frage: Warum hat man den O-Bus Betrieb in Dresden
abgeschaft ? In Salzburg gibt es ihn immer noch !