Erhöhte Polizeipräsenz vor den Messehallen in Hamburg.
Den G20-Gipfel in Hamburg am 7. Juli werden auch Polizisten aus Sachsen schützen. Bildrechte: IMAGO

Hamburg Sächsische Linksextreme beim G20-Gipfel erwartet

15.000 Polizisten, acht Kilometer Absperrgitter, elf Hubschrauber. Der G20-Gipfel in Hamburg wird für die Polizei einer der größten Einsätze der letzten Jahrzehnte. Denn neben Trump, Erdogan und anderen Politikern haben sich mehrere tausend, teils gewaltbereite Gegendemonstranten aus der linken Szene angekündigt. Auch aus Sachsen erwarten die Sicherheitsbehörden gewaltbereite Demonstranten.

von Niklas Ottersbach, MDR AKTUELL

Erhöhte Polizeipräsenz vor den Messehallen in Hamburg.
Den G20-Gipfel in Hamburg am 7. Juli werden auch Polizisten aus Sachsen schützen. Bildrechte: IMAGO

In Sachsen wächst die linksextreme Szene seit Jahren. Das Landesamt für Verfassungsschutz geht derzeit von 845 Personen im Freistaat aus. Größte Gruppe: die autonome Szene in Leipzig. Sie ist überregional gut vernetzt und steht deshalb vor dem G20-Gipfel besonders im Visier vom sächsischen Verfassungsschutz.

Linkspartei glaubt nicht an große Reisewelle nach Hamburg

Sprecher Martin Döring: "Die sind insbesondere dadurch interessant, dass sie reklamieren, öffentliche Räume besetzen zu müssen. Sie sind meinungsstark. Mit Taterklärungen und Positionspapiere treten sie an die Öffentlichkeit und scheuen auch nicht vor gewalttätigen, aggressionsorientierten Angriffen zurück."

Wie viele gewaltbereite linke Demonstranten aus Sachsen zum G20 Gipfel erwartet werden, wollen die Sicherheitsbehörden nicht sagen. Juliane Nagel ist Linken-Politikerin in Leipzig. Sie kennt die autonome Szene und vermutet, dass es die große Reisewelle nach Hamburg nicht geben wird: "Es gab eine Reihe von Veranstaltungen. Es wurde auch sehr kontrovers diskutiert, ob sich eine linke Szene von Großevents wie dem G20 Themen diktieren lässt. Da gibt es einen Teil, die so denken. Es gibt natürlich einen Teil, der sich nach Hamburg aufmachen wird."

Polizei gibt im Vorfeld kaum Informationen raus

Genau um diesen Teil geht es den Behörden. Ein Mittel der Gewaltprävention ist die sogenannte Gefährder-Ansprache. Da werden polizeibekannte Personen an der Haustür gewarnt. Das Motto lautet: Wir haben dich im Blick. Zuletzt ist das geschehen im Vorfeld der Europameisterschaft 2016 gegenüber sächsischen Hooligans. Damals hat die Polizei sogar Reiseverbote nach Frankreich ausgesprochen.

Ob das im Vorfeld des G20-Gipfels auch geschieht, wollen die Behörden nicht sagen. Das ist der Unterschied zu Fußball-Großveranstaltungen. Da kommuniziert die Polizei ziemlich genau, mit welchem Gewaltpotenzial sie rechnet. Vor dem G20 Gipfel tut sie das nicht. Die Einsatzleitung in Hamburg möchte aus einsatztaktischen Gründen dazu keine Angaben machen.

Beamte aus Sachsen helfen in Hamburg

Nur eine Zahl gibt die Polizeidirektion in der Hansestadt raus: 15.000 Beamte werden beim G20-Gipfel im Einsatz sein. Darunter sind auch mehrere Hundert aus Sachsen. Die seien gut vorbereitet, sagt Hagen Husgen von der Gewerkschaft der Polizei in Sachsen: "Ich denke, da sind unsere Kollegen sehr routiniert. Sie sind ständig im Einsatz. Diese länderübergreifenden Einsätze nehmen in den letzten Jahren zu. Die Tendenz ist auch weiter steigend. Es ist nicht unbedingt Neuland für unsere Kollegen." Der Gewerkschafter hofft auf einen friedlichen G20-Einsatz. Ob das klappt, hängt nicht zuletzt von den Demonstranten der linken Szene ab.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im Radio: MDR | 29.06.2017 | 06:18 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Juni 2017, 05:00 Uhr

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25 Kommentare

01.07.2017 11:30 HERBERT WALLASCH, Pirna 25

Gestern waren noch welche in Leipzig tätig, allerdings scheint das keine Naricht wert zu sin, auch wenn es mehrere Dutzend waren. Anderes Klientel, dann der absolute bundesweite Aufschrei. Man hat doch die Gesetze, wie z.Bsp. Vermummungsverbot, setzt diese aber nicht um. Als Beispiel Heidenau, genehmigter Marsch durch die Stadt mit massivster Polizeiabsicherung. Vermummte mit dunklen Sonnenbrillen bei trüben Wetter, Schildkrötenformation, großes Spruchband " Gesicht zeigen ".

30.06.2017 17:49 Ekkehard Kohfeld 24

{Peterklauswessi 23} Übrigens: Demnächst wird der deutsche Staat ein paar Millionen sparen. Sie wissen doch, der NPD wird der Geldhahn zugedreht.##Ach Märchenfee und ihre Prognosen ich will bestimmt auch keine NPD aber die ist nun mal nicht verboten worden und somit immer noch eine demokratisch zugelassene Partei ob man der einfach die Gelder streichen kann stelle ich doch mal sehr in Frage das geht dann doch gegen das Parteienfinanzierungsgesetz.Ich denke da werden erst noch Gerichte zu entscheiden haben und nicht sie.

30.06.2017 12:48 Peter 23

@22 Agnostiker: Den Begriff "Volksgenossen" kenne ich irgendwoher.
Übrigens: Demnächst wird der deutsche Staat ein paar Millionen sparen. Sie wissen doch, der NPD wird der Geldhahn zugedreht.

29.06.2017 01:24 Agnostiker 22

@ 21: "Deutschland halt`s Maul und zahl".
Vielmehr kommt doch bei "unserer" (Ihrer?) "demokratischen Ordnung" nicht raus.

Ihr Problem in diesem Zusammenhang scheint nicht zu sein, dass das so ist, sondern dass es immer mehr Volksgenossen merken. ;)

29.06.2017 21:05 Peter 21

@19 Agnostiker: Sie haben durchaus recht. Linksextremisten und Rechtsextremisten haben Gemeinsamkeiten, Antikapitalismus und Ablehnung unserer demokratischen Ordnung.
Insofern ist das Statement zum Beispiel von 007 bloßes Gelaber. Wenn AfD-Mitglieder von einer "Machtübernahme" träumen oder "Deutschland den Deutschen" (Ausländer raus) chatten, dann ist das doch genauso martialisch wie die Wortwahl der Linksradikalen.

29.06.2017 19:16 O-Perler (1. V.) 20

@13. (D. o. M.): "Aber wen wundert's?" ... Niemanden wundert's! Wo sind wir hier schließlich (*doppeldenk*)...

29.06.2017 19:03 Agnostiker 19

Wenn die Linksextremen auch sonst (fast) immer "den falschen Baum hochklaeffen" - hier liegen sie mit unserer gemeinsamen Antikapitalismuskritik ausnahmsweise mal richtig.

29.06.2017 16:37 Wessi 18

@ 16 das verwirrt nun.Braucht man also Extreme?ich wenigstens nicht.Ist es nicht so, daß immer gesagt wird, daß wir mit den Flüchtlingen auch ihren kriminellen Teil bekämen,den wir nicht brauchen,weil wir genügend mit den biodeutschen Kriminellen zu tun hätten?Auf dieser Basis:extremistische Sachsen brauchen wir nicht+ich bewege mich hier in einem blog der ARD.Falls Sie aber meinen ich betriebe hier sowas wie "Sachsenbashing" empfehle ich Ihnen nicht so empfindlich zu sein.Ein selbstbewusster Gewerkschafter ist nie bescheiden.@ 8,007, können Sie als AfDler dem Kohfeld nicht mal klar machen,daß trotz sehr unterschiedl.Meinung Diskurs auch ohne Beleidigung geht? Ansonsten stimme ich Ihnen heute zu,möchte das aber auf alle Extremisten ausdehnen+sagen sowas wie "den Sultan" u.A. brauchen wir in der BRD nicht!

29.06.2017 16:00 Bernd 17

Aus meiner Sicht schaden Linke Politiker die sich nicht klar von linker Gewalt distanzieren der Linkspartei, denn ein Partei die Gewalt duldet sollte man nicht wählen. Und sicher es gibt wohl Sachen gegen die man demonstrieren kann, aber wenn unbeteiligtes demoliert wird hat das nichts mit politischer Demonstation sondern Zerstoerungswut zu tun.

29.06.2017 14:55 Antwortengeber @Wessi 16

"Extreme Sachsen brauchen wir hier nicht." "Hier" ist also Hamburg und du definierst dich mit "wir" wieder einmal als "die Mehrheit" aller Hamburger bzw. gleich aller "Wessis". Bescheidenheit als Schichtarbeiter nie kennen gelernt? Das Gleiche 1:1, ebenfalls ohne Bescheidenheit zurück: Rumpelstielzchenartige Schlaumeier und Belehrer als verbale Gewalttäter und allgemeine "Gescheit-Dingsda" brauchen "wir" hier in "Sachsen" ebenfalls nicht.