Landtag diskutiert über Image-Kampagne Wie weiter mit "So geht Sächsisch"?

Wie kann Sachsen seinen Ruf wieder aufbessern? Das diskutiert man heute auf Antrag der Linken im Landtag. Eigentlich sollte die Kampagne "So geht Sächsisch" den Freistaat bekannt machen, Investoren und Touristen aus aller Welt anlocken - mit Filmen, Plakaten, aber auch Aktionen wie dem Gewandhausorchester-Auftritt mitten in New York. Doch seit anderthalb Jahren gerät Sachsen durch Pegida und fremdenfeindliche Übergriffe in die Negativschlagzeilen. Das Programm wurde auf Eis gelegt. Und jetzt?

von Ine Dippmann, Sachsen-Korrespondentin für MDR INFO

"Sinnlos rausgeschmissenes Geld" nennt Linken-Chef Rico Gebhardt den Plan der Staatsregierung, weitere Millionen für die Imagekampagne für Sachsen auszugeben: "Ich glaube, wir sollten jetzt Taten sprechen lassen, dass sich Sachsen von den Dingen distanziert, die in den letzten Monaten für überregionale Schlagzeilen gesorgt haben. Deswegen wollen wir das Geld verwenden, um es in Demokratieprojekte zu stecken, es zivilgesellschaftlichen Akteuren geben, um das Image des Freistaats von der Gesellschaft aus zu verbessern."

Die Opposition im sächsischen Landtag ist geschlossen dagegen, die Imagekampagne des Freistaats fortzusetzen, wenn auch mit unterschiedlichen Zielen. Für die touristische Vermarktung der sächsischen Regionen gebe es andere Mittel, sagt der wirtschaftspolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Jörg Urban: "Wir werden zu 'So geht Sächsisch' argumentieren, dass es besser ist, dieses Geld in den Bereichen einzusetzen, die gerade brennen, das heißt Polizei und Sicherheit."

SPD will Sachsen-Monitor nach Thüringer Vorbild

Doch so einfach kann die Regierung aus der Kampagne nicht aussteigen. Ein Teil der Gelder sei vertraglich gebunden und müsste deshalb genutzt werden, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Dirk Panter: "Wir sind der Meinung, dass ein 'Weiter so' wie bisher nicht geht. Wir wollen eine Standortkampagne, wir brauchen die mehr denn je. Aber sicherlich nicht in der Form. Und aus unserer Sicht nicht mit diesem Claim."

Die SPD will die Kampagne ganz neu konzipieren und mit einer Bevölkerungsbefragung verbinden, dem Sachsen-Monitor. So etwas gibt es in Thüringen seit mehr als 15 Jahren. Damit wird unter anderem erforscht, wie zufrieden die Bürger mit der Demokratie und staatlichen Institutionen sind, aber auch, wie weit rechtsextremes Gedankengut verbreitet ist. Aber Panter gesteht ein: "Da müssen wir, so habe ich das Gefühl, mit der CDU noch einige Gespräche führen."

CDU will sich nicht beirren lassen

Bei der CDU hält man sowohl an der Kampagne als auch an dem Slogan fest. Der CDU-Abgeordnete Sebastian Fischer meint, gerade jetzt müsse gezeigt werden, was Sachsen zu bieten hat: "Ich habe selbst am Flughafen Charles de Gaulle diesen Slogan gesehen, natürlich auf Französisch. Ich glaube, dass diese Kampagne nicht nur national, sondern auch international wirken soll. Wir haben einmal damit angefangen, und es ist eine gute Werbestrategie, diesen Slogan durchzuhalten. Deswegen sollten wir uns nicht beirren lassen."

"Auch so geht Sächsisch" als Lösung?

Ganz ohne Änderungen gehe es aber nicht, sagt Christian Salzborn. Der Kommunikationswissenschaftler hat für seine Doktorarbeit das Phänomen Shitstorm erforscht. Seine Erkenntnis: Man müsse das Feld nicht den Kritikern überlassen. "Man könnte schreiben 'Auch so geht Sächsisch'. In dem Moment wird man den Kritikern entgegenkommen und sagen "'Okay, ihr habt Recht. Es ist nicht alles schön in Sachsen, so wie es die Kampagne darstellt. Aber Sachsen ist nicht nur Pegida und Fremdenfeindlichkeit, sondern Sachsen hat viele positive Seiten'." Überlegungen, die auch schon in der sächsischen Staatskanzlei angestellt worden sind. So könnten für das Thema Asyl mutige, hilfsbereite Menschen in den Mittelpunkt der Kampagne gestellt werden, hieß es.

Zuletzt aktualisiert: 17. März 2016, 08:35 Uhr