Martin Schulz und Sigmar Gabriel beim SPD-Parteikonvent in Wolfsburg
Dieses Mal keine Troika, sondern ein Duo: Martin Schulz und Sigmar Gabriel. Bildrechte: dpa

SPD-Kanzlerkandidat Schwanken zwischen Schulz und Gabriel

Sozialdemokraten aus Mitteldeutschland halten Popularität für einen wichtigen Faktor bei der Auswahl des SPD-Kanzlerkandidaten. Dies spricht dafür, dass sich die Genossen hierzulande eine Kandidatur von EU-Parlamentspräsident Martin Schulz wünschen. Offiziell will man sich bei der SPD in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aber nicht festlegen.

Martin Schulz und Sigmar Gabriel beim SPD-Parteikonvent in Wolfsburg
Dieses Mal keine Troika, sondern ein Duo: Martin Schulz und Sigmar Gabriel. Bildrechte: dpa

Laut aktuellem ARD-Deutschlandtrend ist EU-Parlamentspräsident Martin Schulz wesentlich beliebter als der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel und hat auch im Duell mit Kanzlerin Angela Merkel bessere Chancen. Nach dem Willen der Sozialdemokraten in Thüringen und Sachsen-Anhalt sollte dies bei der Kür des SPD-Kanzlerkandidaten berücksichtigt werden: "Als Regionalpolitiker sage ich, dass die Verankerung eines Kandidaten in der Bevölkerung wichtig ist", sagte der stellvertretende Landesvorsitzende der SPD in Sachsen-Anhalt, Markus Bauer, auf Anfrage von MDR AKTUELL.

Die Bevölkerung entsende letztlich einen Botschafter für ihre Interessen, betonte Bauer. "Das muss in die Diskussion, die wir in den kommenden Wochen führen, Einzug halten." Zugleich präferiere die SPD in Sachsen-Anhalt momentan weder einen Kandidaten Schulz noch einen Kandidaten Gabriel, sagte Bauer weiter. Die SPD habe momentan eine klare Haltung: "Der Parteivorsitzende hat das erste Zugriffsrecht auf die Kandidatur."

Thüringen: Schulz ist ein "Seelenfänger"

Der Entscheidung von Sigmar Gabriel will man auch in der Thüringer SPD nicht vorgreifen. Steffen-Claudio Lemme, Sprecher der Thüringer SPD-Bundestagsabgeordneten, betonte jedoch auf Anfrage ausdrücklich: "Natürlich schauen wir auf die Umfrageergebnisse."

Allerdings hätten Umfragen nur eine begrenzte Aussagekraft für die tatsächlichen Ergebnisse, sagte Lemme. "Das haben wir in letzter Zeit etwa beim Brexit oder der Trump-Wahl gesehen."

EU-Parlamentspräsident Schulz, der erst im November seinen Wechsel in die Bundespolitik angekündigt hat, genießt bei Lemme allerdings hohe Anerkennung: "Er ist ein Seelenfänger. Zugleich ist er auf dem Boden geblieben und das drückt sich auch anhand der Inhalte aus, für die er eintritt", lobt der SPD-Abgeordnete, der den Kyffhäuserkreis, Sömmerda und das Weimarer Land im Bundestag vertritt. Sigmar Gabriel habe gleichwohl als Parteichef und Wirtschaftsminister "sehr gute Arbeit geleistet".

Sachsen: Gabriel ist ein "Bilderbuch-Spitzenpolitiker"

Dass die SPD an ihrem Zeitplan für die Kandidatenkür festhalte, betonte die Generalsekretärin der sächsischen SPD, Daniela Kolbe. Wie Sigmar Gabriel selbst angekündigt habe, könne es bei mehreren Anwärtern auf die Spitzenkandidatur auch eine Urwahl geben. "Wir sind in der Phase, in der die handelnden Personen miteinander sprechen und dann hierzu auch sicherlich eine gut überlegte Entscheidung treffen werden", sagte Kolbe.

Auch in der sächsischen SPD werden die Umfragewerte von Martin Schulz jedoch erfreut zur Kenntnis genommen. "Es ist spannend, dass jemand, der gerade erst aus Brüssel nach Berlin gewechselt ist, in Deutschland so gute Werte erzielen kann", sagte Kolbe. Schulz verfüge über Fähigkeiten und Talente, die derzeit sehr gefragt sind. "Er hat eine klare Haltung und eine leichte, verständliche Ansprache, die bei den Menschen ankommt."

Anerkennende Worte findet Kolbe jedoch auch für Vizekanzler Gabriel: "Er ist ein Bilderbuch-Spitzenpolitiker und einer der intelligentesten Menschen, die ich kenne. Er hat ein hervorragenden Blick für Stimmungen und Prozesse." Auf diese Eigenschaften sei auch der Erfolg zurückzuführen, dass Außenminister Frank-Walter Steinmeier als gemeinsamer Kandidat mit der Union als Bundespräsident antreten könne.

SPD-Anhänger wünschen sich Schulz

Dennoch favorisieren hinter vorgehaltener Hand viele SPD-Mitglieder und -Funktionäre in Mitteldeutschland inzwischen eine Kandidatur von Martin Schulz. Und dies nicht nur wegen seiner stärkeren Umfragewerte. Wie zu hören ist, wird Schulz zugetraut, die besonderen Probleme der Ostdeutschen besser zu verstehen und wahrzunehmen als ein Kandidat Gabriel.

Die Stimmung in Mitteldeutschland ist ähnlich wie in ganz Deutschland. Laut Deutschlandtrend würden SPD-Anhänger bundesweit derzeit Martin Schulz den Vorzug geben. In einem Duell mit Angela Merkel würden 63 Prozent von Ihnen für Schulz stimmen. Gabriel kommt im Rennen mit Merkel lediglich auf 43 Prozent Zustimmung bei den eigenen Anhängern.

Kandidatenkür bei Parteitag im Juni

Falls sich die Parteispitze der SPD auf einen Kandidaten einigen kann, wird voraussichtlich im Januar bekanntgegeben, wer SPD-Kanzlerkandidat wird. Alternative ist ein innerparteilicher Wahlkampf mit Ur-Abstimmung durch alle Mitglieder.

Ein Bundesparteitag im Juni kürt den Kandidaten danach offiziell. Auf dem Parteitag wird auch das Wahlprogramm verabschiedet, über dessen Eckpunkte zuvor alle Mitglieder abstimmen sollen.

Zuletzt aktualisiert: 09. Dezember 2016, 17:59 Uhr

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17 Kommentare

10.12.2016 18:48 007 17

@ Fragesteller 15 ... Bingo, ohne Worte sie haben recht ...

10.12.2016 17:24 Kritischer Bürger 16

@Peter 9: HartzIV = AGENDA 2010 hat doch die SPD und Herr Schröder VON DER SPD in die Wege geleitet. Jetzt schreiben Sie bitte noch: Das diese Sache richtig war, das daraus Armut entsteht, dass konnte man nicht wissen, oder da haben wenigstens die ArbS eine Grundsicherung und das ist auch gut. Ich denke dann könnten Sie sich mit dieser Partei glattweg identifizieren. Ihre persönliche Meinung ist dann bestens unterstützt! SPD würde bei mir ggf. in Erwägung für ein Kreuz gezogen wenn diese vor der BT-Wahl diese AGENDA-2010 rückgängig machen und den Bürgern (ArbS) mehr Eigenverantwortung zugestehen würden. Alles Andere ergibt sich von selbst!

10.12.2016 17:10 Fragesteller 15

Warum ist es so schwer zwischen beiden zu entscheiden? Weil sie beide das gleiche verkörpern. Außer in der Person keine Unterschiede. Beide verkörpern eins: das der Wille der Bürger nicht zählt.

10.12.2016 09:38 Gerald 14

Ich finde Sie alle Beide sehr unsympathisch! Das Gleiche gilt der gesamten Partei gleichermaßen! Einfach nicht mehr wählbar! Schon lange keine Arbeiterpartei mehr!!!

10.12.2016 05:51 M. Jacob 13

Ich bin dafür, dass der zukünftige Kanzlerkandidat meine Partei in einer Urwahl bestimmt wird. Das Vorschlags- oder Zugriffsrecht eines Parteivorsitzenden ist undemokratisch.

09.12.2016 00:00 Johannes Bierfreund 12

Ich mag sie Beide, aber nicht wählen.

09.12.2016 23:20 Oh Gott! 11

Vom Regen in die Traufe! Die Genossen von der SPD kriegen es doch fertig und würden, 25 Jahre nach der friedlichen Herbstrevolution und dem Sturz des SED-Regimes, genau mit diesen „Genossen“ hier wieder zusammenregieren. SPD - die Umfallerpartei in der Geschichte. Und nicht nur einmal ...

09.12.2016 21:55 007 10

@ Peter 9 ... Die SPD ist was? In einer komfortablen Lage wegen ihrer zwei fähigen Kandidaten? Hahaha Hmm die wollen wohl damit ihre Prozente verdoppeln? Die stecken so tief in den Roten Zahlen, die könne nur mit der Union zusammen anders geht bei denen nichts. Aber die Union hat noch eine Möglichkeit wenn es die FDP schafft mit der AfD. Sie werden sich wundern Kollege wie im neuen Jahr die AfD von der Union pö a pö salonfähig gemacht wird. Und wenn es nur als Druckmittel für die Genossen ist. Wem die SPD als Kandidaten aufstellt und wenn es Pittiplatsch wäre, dass ist egal bei denen. Die haben mit der Agenda 2010 und den Harz Gesetzen es für Jahrzehnte bei den Arbeitnehmern vermasselt ...

09.12.2016 21:32 Peter 9

Die Sozialdemokraten sind anders als die CDU in der komfortablen Lage, zwei fähige Kandidaten zu haben. Ich würde Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten machen.
Und noch etwas. Es wird kaum möglich sein, nach 2017 gegen die SPD eine Regierung zu bilden. Wenn man also will, dass hier die sozialen Themen beachtet werden, sollte man SPD wählen.
Schließlich eine letzte Anmerkung. Martin Schulz ist Mitglied und Präsident des Europaparlaments. Sein Amtssitz in Straßburg. Also bitte nicht Äpfel und Birnen verwechseln.

09.12.2016 21:10 paterfischi 8

Egal, wer für die SPD antritt, Hartz4 wird man nicht
vergessen können.