Lesbische Hochzeit
Bei der evangelischen Kirche können sich lesbische und schwule Paare schon jetzt segnen lassen. Bildrechte: dpa

"Ehe für alle" Kirchen gegen Ehebegriff für homosexuelle Paare

"Ehe für alle", Fraktionszwang für keinen. So könnte man Merkels Kehrtwende bei der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare bezeichnen. Die Kanzlerin gibt damit eine der letzten konservativen Bastionen auf. Was sagen die Kirchen dazu?

von Niklas Ottersbach, MDR AKTUELL

Lesbische Hochzeit
Bei der evangelischen Kirche können sich lesbische und schwule Paare schon jetzt segnen lassen. Bildrechte: dpa

Das Familienbild der katholischen Kirche sieht so aus: Mann-Frau-Kinder. So sieht das auch Ulrich Neymeyr. Der katholische Bischof von Erfurt hat Angela Merkels Öffnung für die gleichgeschlechtliche Ehe mit einem Seufzen zur Kenntnis genommen: "Ich halte das für einen Fehler. Ich bedauere es, wenn der Staat so grundsätzlich andere Wege geht, als wir in der katholischen Kirche. Aber wir werden dann trotzdem an unserer Einstellung festhalten. Es wird keine Eheschließung zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren geben."

Katholische Kirche: "Ehe für alle" widerspricht Grundgesetz

Ganz ähnlich sieht das der katholische Familienbund Sachsen. Für Geschäftsführer Markus Kremser ist klar, dass die Ehe für alle dem Grundgesetz widerspricht: "Wir sind der Auffassung, dass die Mütter und Väter des Grundgesetzes, als sie den besonderen Schutz für Mütter und Väter in das Grundgesetz geschrieben haben, nicht die gleichgeschlechtliche Partnerschaft meinten. Sie meinten explizit die Ehe zwischen Mann und Frau und deren Ausrichtung auf gemeinsame Kinder."

Die Meinung der katholischen Kirchenvertreter ist also eindeutig. Doch wie steht die evangelische Kirche zur gleichgeschlechtlichen Ehe? Zumindest deutlich offener als die katholische Kirche, könnte man meinen. Schon jetzt können sich homosexuelle Paare in Mitteldeutschland segnen lassen.

Evangelische Kirche segnet gleichgeschlechtliche Partnerschaft

Dem stehe in der Regel nichts im Wege, sagt Landesbischöfin Ilse Junkermann: "Außer es ist gegen das Gewissen des Pfarrers oder der Pfarrerin. Aber grundsätzlich ist das möglich in unserer Kirche. Das Formular zu dieser Segensfeier ist 98 Prozent gleich. Es heißt nur nicht, wir segnen eure Ehe, sondern wir segnen eure gleichgeschlechtliche Partnerschaft."

Mit dem Begriff Ehe zwischen Mann und Mann oder Frau und Frau hat Junkermann ein Problem: "Die Notwendigkeit, die da wäre, ist Respekt. Dafür habe ich mich seit 20 Jahren eingesetzt, dass es Adoptionsrecht gibt. Aber der gleiche Name belastet sozusagen das Verständnis zwischen der besonderen Beziehung zwischen Mann und Frau." Darin sind sich katholische und evangelische Kirche einig: Die Ehe ist ein Markenname, der nicht so einfach aufgeweicht werden sollte.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im Radio: MDR | 28.06.2017 | 05:16 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Juni 2017, 05:00 Uhr

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92 Kommentare

30.06.2017 15:07 Wessi 92

@ 81 ja doch,Sie wollen ein Leben nach der Bibel.Und dann noch wie sie sie auslegen.Es steht für mich auf gleicher Ebene wie diejenigen die meinen die Scharia stände im Koran und müsse deshalb weltweit gelten.Ja doch,kumuliert wollen Sie mir auch noch klar machen,daß Sie mit Ihrer Religion im Recht wären.Ich glaube nicht an das was sie glauben.Ausserdem zitieren Sie hier schon wieder falsch:ich habe in @ 74 das Wort "vorschreiben" an keiner Stelle verwendet.(ich erinnere mich an das v.Ihnen behauptete Wort "Nazi-Brut").

30.06.2017 14:59 Antwortender 91

Noch mal zu Silvio: "Ich finde diese Praxis nicht gut; wie hindere ich nun jemanden, glücklich zu werden?"

Indem Sie den Menschen verwehrt wissen wollen, dass sie gleichberechtigt heiraten dürfen und ihre Beziehung als gleichwertig zu Hetero-Ehen anerkannt wird. Wenn Sie Ihre ganzen unnötigen Fortpflanzungsvoraussetzungen weglassen, sehen Sie das vielleicht auch. Nochmals: Ehe ist keine Rassenzuchtinstitution und funktioniert seit Jahrtausenden auch ohne Kinder...

30.06.2017 14:54 Antwortender 90

Und Silvio, ich habe hier noch ein Zitat von David Cameron vom 2011 (gestern auf Spiegel online gesehen): "Konservative glauben an Bande, die uns verbinden; daran, dass die Gesellschaft stärker ist, wenn wir einander Versprechen abgeben und uns gegenseitig unterstützen. Deshalb unterstütze ich die Homo-Ehe: Nicht, obwohl ich ein Konservativer bin. Ich unterstütze die Homo-Ehe, weil ich ein Konservativer bin." Das sahen 75 Unionsabgeordnete scheinbar auch so.

30.06.2017 14:51 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 89

Danke dem Bundestag für dieses eindeutige Votum!!
Homosexualität ist nicht 'unnormaler' als Heterosexualität.
Nun fehlt noch die Nacharbeit für die Ausführungsgesetze, damit das alles reibungslos ablaufen kann.

@ 84. Antwortender:
Daß Religionen andere Menschen/Denkarten/Religionen eher ablehnen, wird ja (nach jahrhundertelanger Tradition) in verschiedenen Religionen in letzter Zeit aufgeweicht.
Solange sie mit ihrem 'Glauben' der Realität 'im Wege' stehen, kann man sich eben nur als 'Glauben' ansehen und einordnen. Wer 'dogmatisch' argumentiert, wird Zweifler nicht überzeugen können.

Wenn z.B. Christen ihre Bibel genauso kritisch sehen würden wie den Koran, könnte man ja schon mal sagen, sie nähern sich einer 'Diskussionsbasis' an.
So bleibt eine solche Aussage von mir aus.

30.06.2017 14:48 Antwortender 88

@Silvio(86): "Wie aber kann denn ein homosexuelles Paar zur 'Erhaltung einer Nation' (klingt seltsam) beitragen?"

Wir drehen uns im Kreis.
1. Wieso ist für Sie Ehe automatisch Fortpflanzung und Art- bzw. Nationserhalt? Sie beziehen sich ja so gern auf die jahrtausende alte Geschichte der Ehe. Die Menschheit ist ja ein paar hundertausend Jahre alt. Wie ging denn Fortpflanzung vor der Ehe? Und wie pflanzen sich alle Lebewesen fort, die nicht heiraten?
Nochmals: 35% aller in D geborenen Kinder waren unehelich.

2. Homosexuelle Frauen können sehr wohl Kinder kriegen. Natürlich auch ohne Trauschein. Aber warum soll man ihnen den verwehren?

3. Was ist mit Hetero-Ehen, wo beide keine Kinder wollen oder z.B. Ehen von Leuten über 50. Wieso dürfen die heiraten, obwohl Fortpflanzung doch ausgeschlossen ist?

30.06.2017 14:39 Antwortender 87

Nachtrag zu 83: es sollte natürlich ein klares JA heißen.

30.06.2017 14:37 der_Silvio 86

@83 Antwortender; der MDR hat den Post, auf den ich mich beziehe, kassiert - warum auch immer...
Ich hatte geschrieben, daß ich nicht für dieses Model der Ehe Gleichgeschlechtlicher bin so wie auch 226 BT-Abgeordnete (Zahl stammt vom MDR selbst).
Desweiteren hatte ich geschrieben, daß ich froh bin, daß sich BT-Abgeordnete auch auf christliche Werte beziehen, wie Beispielsweise die Abgeordnete Veronika Bellmann (MDR berichtet davon) als sie von der Schöpfungsnatur sprach.
Wie aber kann denn ein homosexuelles Paar zur 'Erhaltung einer Nation' (klingt seltsam) beitragen?
Sie selbst können auf natürlichem Wege keine Kinder bekommen (M+M/W+W).
Ich finde diese Praxis nicht gut; wie hindere ich nun jemanden, glücklich zu werden?

30.06.2017 14:37 Antwortender 85

@Krause(80): Sie haben doch abgeschrieben... :D

"ich gebe mein Leben, daß Du sie äußern kannst, solange sie nicht die Rechte Dritter beschneidet."

Sehr wahre Worte. Ich glaube, das ist auch das Verständigungsproblem mit Silvio. Ich will ihm ja nicht seine Haltung zur Homosexualität austreiben. Er will aber seine Haltung weiter in einer diskriminierenden Praxis gegossen sehen. Und da hört halt der Spaß auf, wenn man nicht vernüftig begründen kann, dass es für die gesamte Gesellschaft (inkl. Homosexueller!) notwendig ist, dass nur Heteros heiraten dürfen. Und da es offenkundig niemanden benachteiligt, wenn Homosexuelle heiraten, ist die Lösung der Frage ja auch nicht sooo schwer. Selbst 7 CSUler haben das ja vorhin ähnlich gesehen...alles wird gut! :)

30.06.2017 14:23 Antwortender 84

@Silvio(82): "keine Antwort die mit meinem Glauben und der Bibel unvereinbar sind, sowohl was die Ehe betrifft, als auch praktizierte Homosexualität..."

Das ist doch ein klares nein zu meiner Frage: Sind Sie nun dafür, dass Homosexuellen die Ehe (Zivilehe) weiterhin nicht erlaubt wird? Ja oder nein? 

Wenn Sie dafür sind, dass Homosexuelle weniger Rechte haben, fragen Sie doch nicht so scheinheilig "Ich spreche niemandem ab, glücklich zu werden!"(73).

Es ist ja ein erheblicher Unterschied, ob Sie Homosexualität "nicht gut finden" (das können Sie doch auch, wenn wenn die "Ehe für alle" Realität ist!) oder mit absonderlichen Argumenten (sonst "kippt" die Ehe, "Fortbestand der Nation" in Gefahr) eine diskriminierende Praxis öffentlich unterstützen. Ich will Ihre innere Ablehnung ja nicht "heilen". Aber wenn Sie im öffentlichen Raum über eine Regelung für alle MitbürgerInnen propagieren, reicht ihre innere Ablehnung als Argument für die ganze Gesellschaft ja wohl nicht.

30.06.2017 13:01 der_Silvio 83

Nachtrag zu @77 Antwortender;... keine Antwort die mit meinem Glauben und der Bibel unvereinbar sind, sowohl was die Ehe betrifft, als auch praktizierte Homosexualität...