Landesparteitag der sächsischen CDU am 23.04.2005 in Bad Düben: Der sächsische Ministerpräsident und CDU-Landeschef Georg Milbradt, der neu gewählte sächsische CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer und der Generalsekretär der Bundes-CDU Volker Kauder (v.l.n.r.) demonstrieren kämpferische Geschlossenheit.
Landesparteitag der sächsischen CDU im April 2005 in Bad Düben: Ministerpräsident und CDU-Landeschef Georg Milbradt, sein neu gewählter Generalsekretär Michael Kretschmer und der Generalsekretär der Bundes-CDU Volker Kauder (v.l.n.r.). Bildrechte: dpa

Michael Kretschmer Niederlagen sind seine Siege

Zweimal ging Michael Kretschmer aus Wahlniederlagen als Sieger hervor: 2004 wurde er nach der CDU-Schlappe bei der Landtagswahl Generalsekretär. Jetzt steuert Kretschmer trotz Verlust seines Direktmandats bei der Bundestagswahl auf den Höhepunkt seiner politischen Karriere zu. Und zweimal half ihm dabei Kurt Biedenkopf.

von MDR-Rechercheredaktion

Landesparteitag der sächsischen CDU am 23.04.2005 in Bad Düben: Der sächsische Ministerpräsident und CDU-Landeschef Georg Milbradt, der neu gewählte sächsische CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer und der Generalsekretär der Bundes-CDU Volker Kauder (v.l.n.r.) demonstrieren kämpferische Geschlossenheit.
Landesparteitag der sächsischen CDU im April 2005 in Bad Düben: Ministerpräsident und CDU-Landeschef Georg Milbradt, sein neu gewählter Generalsekretär Michael Kretschmer und der Generalsekretär der Bundes-CDU Volker Kauder (v.l.n.r.). Bildrechte: dpa

Die Karriere von Michael Kretschmer in der sächsischen CDU schien 2002 schon vorbei. Nachdem er von 1994 bis 1999 Görlitzer Stadtrat und von 1993 bis 2002 Vorstandsmitglied der Jungen Union war, hielt die Partei keine weiteren Posten für ihn bereit.

Doch Kretschmer kämpfte sich zurück, gewann souverän ein Direktmandat bei der Bundestagswahl 2002. Damals galt er unter den Görlitzern als der "Pumuckl" ("Sächsische Zeitung" am 19.9.2002) und wurde im Wahlkampf von Altkanzler Kohl unterstützt.

Zwei Jahre später büßt die sächsische CDU bei der Landtagswahl fast 16 Prozentpunkte ein. Ministerpräsident Georg Milbradt steht heftig in der Kritik. Die parteiinternen Gegner Milbradts holten eine alte Schelte Kurt Biedenkopfs gegen Milbradt wieder hervor. Der hatte Anfang 2001 über Milbradt gesagt, der sei ein "hoch begabter Fachmann, aber ein miserabler Politiker". Nach der Niederlage Milbradts stellten sogar verbriefte Milbradt-Fürsprecher nach damaligen Recherchen der "LVZ" zähneknirschend fest: "Biedenkopf hatte recht."

CDU 2004 im Tief – Kretschmer bläst zum Angriff

In dieser Situation bläst Kretschmer mit JU-Kollege Christian Piwarz (heute Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Landtag) zum Angriff. Mit den JU-Kreischefs im Rücken will er eine Runderneuerung betreiben und fordert einen Sonderparteitag im Frühjahr 2005 ("LVZ" am 05.11.2004). Dabei zielt Kretschmer strategisch klug auf Sachsens damaligen CDU-Generalsekretär Hermann Winkler (heute MdEP).

Bereits vor Kretschmers Wahl zum Generalsekretär am 26. November 2004 war klar, dass Winkler keine Chance hat. Die "LVZ" analysiert, für den Görlitzer Kretschmer sprächen "seine Kontakte in Berlin, sein eloquentes Auftreten – und sein Alter". Um dem Druck der Partei nachzugeben, lässt sich Milbradt auf Kretschmer als neuen Generalsekretär ein. Das erste Mal hilft also der Geist Kurt Biedenkopfs Kretschmer ins Amt zu heben.

2017 - diesmal schießt Biedenkopf direkt

Die Parallele zu 2017 ist unschwer zu erkennen. Am 5. Oktober 2017 äußert sich Kurt Biedenkopf im Wochenblatt "Zeit". Er bescheinigt dem aktuellen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich nicht ganz fit für den Job zu sein. Wörtlich sagt er: "Ich habe, das will ich sagen, eine gewisse Vorbildung für mein Amt gehabt. Ich war Generalsekretär der CDU gewesen."

Als Reaktion darauf sagte der Politikwissenschaftler Werner Patzelt MDR AKTUELL noch am gleichen Tag: "Einfach Europaabgeordneter oder Staatskanzleichef gewesen zu sein, stählt nicht dafür, sich immer wieder politische Unterstützung neu zu schaffen." Genau die scheint Michael Kretschmer nun zu haben.

Für den Bundestag reicht es nicht - dann eben Ministerpräsident

Vor knapp drei Wochen hatte Kretschmer sein Direktmandat für den Bundestag noch gegen den AfD-Mann Tino Chrupalla verloren, seine ganz persönliche Niederlage. Doch noch schlimmer traf es seine CDU. Die AfD holte bei der Bundestagswahl in Sachsen mehr Stimmen als die bis dahin unantastbaren Christdemokraten.

Nervös versuchte Ministerpräsident Tillich die Debatte an sich zu ziehen und forderte einen "Rechtsruck". Doch die Landräte – eine mächtige Gruppe innerhalb der sächsischen CDU – setzten ihn am vergangenen Wochenende heftig unter Druck. Am Montag wurde bekannt, dass Tillich sein Kabinett umbauen will. Doch diesmal reichte es dem Ministerpräsidenten nicht, sein Schutzschild auszutauschen.

Zweimal macht also eine Niederlage seiner Partei Michael Kretschmer zum Gewinner und zweimal hilft ihm dabei Kurt Biedenkopf.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: MDR | 19.10.2017 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2017, 11:18 Uhr

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44 Kommentare

20.10.2017 21:24 Janes 44

Beitrag 43: Wieso Neuwahlen?! Landtagswahlen sind regulär wieder 2019! Also ich fürchte mich nicht....immerhin weiß ich, was der Haufen kann...nichts! Und wenn nun plötzlich die Mehrheit ein Rückschritt in die 1960er Jahre wünscht, dann muss ich mich dem Votum auch fügen (allerdings würde ich dann auswandern). Kleiner Tipp an dich: DDR Zeiten sind zum Glück vorbei! Es wäre für dich hilfreich, wenn du dich auch weiter entwickelst.

20.10.2017 19:37 Wie zu DDR- Zeiten 43


Das Politbüro entscheidet, ohne wenn und aber.
Dummes Wahlvolk.

Hier wären wohl Neuwahlen eher angebrachter.
Jedoch man fürchtet sich vor der AfD mehr denn je.

20.10.2017 15:22 Fragender Rentner 42

Wie schmerzlich war die Niederlage zur BT-Wahl 2017?

Gestärkt kommt er jetzt scheinbar als MP heraus, ist das nicht gut für ihn?

Und für uns?

19.10.2017 22:59 Wieland der Schmied 41

Tillich geht, Kretschmer kommt und die Sache ist geritzt. Tillich war glaubwürdig, wer ist das heute schon, doch nicht etwa die Kanzlerin? Die CDU-Granden haben vor ihr gekniet, um die Weisungen entgegen zu nehmen, Tillich und Haseloff waren die ersten, die sich verweigerten, während Seehofer rechts geblinkt hat um mit Kniefall links von ihr zu liebedienern, was Tillich wahrscheinlich den letzten Rest gab. Die Bayern werden scharf hinschauen, was er da macht. Es bleibt ihnen keine Wahl, unter 40% hat es in Bayern seit Strauß nie gegeben, das ist bei ihnen eine Gewissensfrage und hat mit Loyalität zum Häuptling nichts zu tun. Der Kampf um die die Rechts-Position, die man leichtfertig der AfD überlassen hat, ist in vollem Gange. Seehofer muß befürchten, wenn er mit einem faulen Kompromis nach Bayern zurückkehrt, daß er auf der Stelle abgehalftert wird, was die Jungspunde der JU in Dresden am geweihten Ort schon einmal geprobt haben beim Empfang der Kanzlerin.

19.10.2017 22:33 Janes 40

@Klarheit 39: Es geht um Sachsen und die haben garantiert kein Asylproblem! Also was daran schlecht sein soll Gutes zu tun...dafür bin ich leider zu emphatisch. Du hast aber in deinem Beitrag ja klar gestellt, dass du nur ein Problem hast-und das sind alle anderen. Tja....kann man nichts machen. Alle anderen sollten sich mal um das Rechtsproblem im Bundesland kümmern.

19.10.2017 18:30 Klarheit 39

@13:36 Janes 24,

-----"....Dieses unerträgliche Problem mit der Neuen Rechten ist das größte mit Abstand das aller größte Problem in Sachsen!...."----------

Irrtum , großer Irrtum, Merkel mit Ihrer desaströsen Asylpolitik , ihren Geltungsdrang weltweit als die "Gute" dazustehen ist unser größtes Problem .... und noch paar links/rot/grüne Öko-MultiKulti Extremisten die uns in Sachsen noch etwas nerven , aber zum Glück nur noch um die 10% bei Wahlen hier einfahren....

19.10.2017 18:22 Barbara 38

ja da werden auch jetzt 6 Millionen wähler verfolgt, so ein großer Schwachsinn,
@ 2 8 richtig der Lügt doch, ansonstem würde er sagen wo die neuen wähler herkommen, für die CDU,
man sollte gegen die Linkengewalttäter hart vorgehen , Berlin läßt mit denen grüßen..............

19.10.2017 17:56 Ekkehard Kohfeld 37

Janes 36 @Ekkehard Kohfeld 34: Klar-denn sobald die AfD an die Macht käme, würden politische Gegner wieder verfolgt, wie in den 1930er Jahren. Das hast du doch damit gemeint, oder##Ach tun sie doch nicht so unschuldig ich meine euch Rechte die AFD ist doch gar nicht recht sonst wärt ihr doch Parteimitglieder.## Ich hingegen freue mich auf Weihnachten, oder Geburtstage. Oder den Tag, an dem ich im Lotto viel Geld gewinne.##Ja genau das tun halt kleine Kinder.

19.10.2017 17:45 Janes 36

@Ekkehard Kohfeld 34: Klar-denn sobald die AfD an die Macht käme, würden politische Gegner wieder verfolgt, wie in den 1930er Jahren. Das hast du doch damit gemeint, oder

19.10.2017 17:07 Janes 35

@Bingo 33: Die Logik der Überschrift erschließt sich gleich in der Zeile darunter. Da muss man nur mal weiter lesen! @Luftikus 30: Sie freuen sich aber auf seltsame Ereignisse-ist dein Leben echt so langweilig? Ich hingegen freue mich auf Weihnachten, oder Geburtstage. Oder den Tag, an dem ich im Lotto viel Geld gewinne.