Medizinstudent hält ein Stethoskop in der Hand
Mit Stipendien sollen Medizinstudenten aufs Land gelockt werden. Bildrechte: dpa

Ärztemangel Mit Geld aufs Land locken

Zwei Drittel aller Hausärzte in Sachsen-Anhalt gehen in den nächsten acht Jahren in Rente. Schon jetzt fehlen 140 Landärzte - und der Nachwuchs will einfach nicht kommen. Nun will die Kassenärztliche Vereinigung mit sogenannten Landarzt-Prämien aktiv an den Universitäten werben.

von Niklas Ottersbach, MDR AKTUELL

Medizinstudent hält ein Stethoskop in der Hand
Mit Stipendien sollen Medizinstudenten aufs Land gelockt werden. Bildrechte: dpa

Medizinstudentin Linda Müller sieht ihre Zukunft auf dem Land. Die 23-Jährige kommt aus Tangerhütte in der Altmark. Dorthin möchte sie nach dem Studium auch zurück. Das muss sie sogar. Denn ihr Landarzt-Stipendium schreibt vor, dass sie nach ihrer Facharztausbildung für mindestens zwei Jahre in einem unterversorgten Bereich in Sachsen-Anhalt arbeiten muss.

Im Gegensatz zu den meisten jungen Ärzten, die lieber in der Stadt bleiben wollen, macht Linda Müller das nichts aus: "Da ich auf dem Land groß geworden bin, vermisse ich die Großstadt nicht. Magdeburg hat mir zum Studieren schon immer gereicht. Ich denke auch, dass man auf dem Land die Menschen gut erreichen kann. Man ist da eine wichtige Bezugsperson. Das finde ich schön."

Mit der Prämie das Studium finanzieren

Pro Monat bekommt die Studentin 500 Euro von der Kassenärztlichen Vereinigung, im letzten Studienjahr sind es sogar 700 Euro. Für Linda Müller bedeutet das: keine Nebenjobs, mehr Zeit fürs Studium. Insgesamt haben sich 120 angehende Mediziner in Sachsen-Anhalt schon während des Studiums dazu entschieden, Landarzt zu werden - und dafür die Prämie zu kassieren.

Die Nachfrage nach den Förderprogrammen sei nach wie vor gut, sagt Burkhard John, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung in Sachsen-Anhalt: "Wir haben Stipendien in der ganzen Bundesrepublik verteilt, weil sich die Studierenden entschlossen haben, nach Sachsen-Anhalt zu kommen oder zurückzukommen." Bei der letzten Ausschreibung, die im März endete, gab es acht Bewerber auf zwei Stipendien-Plätze.

Jedes Land macht es anders

Je nach Förderdauer verpflichten sich die Studierenden in Sachsen-Anhalt für zwei bis sechs Jahre für den Hausarzt-Beruf auf dem Land. Wer vorher abbricht, muss das Geld zurückzahlen. Drei Mal sei das schon vorgekommen.

Die Landarzt-Prämie gibt es auch in Sachsen - mit dem Unterschied, dass sich die Studierenden hier für mindestens fünf Jahre fürs Land verpflichten.

Thüringen geht einen anderen Weg: Hier setzt die Kassenärztliche Vereinigung später mit der Förderung ein - angehende Hausärzte können ab Beginn ihrer Facharzt-Ausbildung Stipendien beantragen, wenn sie dafür später vier Jahre in Thüringen arbeiten.

Trotz allem zu wenig Nachwuchs

Dennoch reichen alle Förderprogramme nicht aus, um den Ärztemangel auf dem Land zu beheben, sagt Stephan Fuchs, Allgemeinmediziner an der Uni Halle: "Wir brauchen ja auch Landärzte, die unsere Studierenden betreuen. In Sachsen-Anhalt haben wir 1.265 Hausärzte, von denen 800 in Rente gehen. Da bleiben noch 400 über." Und deshalb kämpfe man um jeden Landarzt, der Studierende weiterbildet und um junge Menschen, die auf dem Land arbeiten wollen.

So wie Medizinstudentin Linda Müller, die bald mit ihrem Studium fertig ist. Sie kann sich gut vorstellen, länger als die verpflichtenden zwei Jahre auf dem Land zu arbeiten: "Mein Interesse an der Allgemeinmedizin ist auch, dass man nicht nur kurzen Kontakt mit den Patienten hat, sondern sie über einen längeren Zeitraum begleitet und sich freuen kann, wenn es denen gut geht."

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 17.04.2017 | 7:11 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. April 2017, 10:36 Uhr

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