Ein leeres Klassenzimmer einer Schule.
Keine Lehrer, kein Unterricht. In Sachsen-Anhalt ein leidiges Problem. Bildrechte: Colourbox

Lehrermangel Lehrer in Sachsen-Anhalt arbeiten weniger als der Bundesdurchschnitt

In Sachsen-Anhalt fehlt es an Lehrern, mit hunderten Neueinstellungen versucht das Land, den Unterricht abzusichern. Es ist aber auch so, dass die Lehrer in Sachsen-Anhalt weniger unterrichten. Sie geben pro Woche eine Stunde weniger als im Bundesschnitt üblich. Das zeigt ein Papier der Kultusministerkonferenz. Ließe sich so nicht dem Lehrermangel begegnen?

von Vera Wolfskämpf, MDR AKTUELL

Ein leeres Klassenzimmer einer Schule.
Keine Lehrer, kein Unterricht. In Sachsen-Anhalt ein leidiges Problem. Bildrechte: Colourbox

Würde jeder Lehrer eine Stunde mehr in der Woche unterrichten, hätte Sachsen-Anhalt auf einen Schlag 500 Stellen gespart. Doch das lehnt Bildungsminister Marco Tullner (CDU) ab: "Wir haben einen Personalkörper, der vom Altersdurchschnitt bei 50 plus liegt. Wir erleben tagtäglich, wie Lehrer an die Belastungsgrenze kommen. Das würde nicht nur die Motivation nach unten treiben, denke ich, sondern auch Krankenstände und Belastung noch erhöhen. Deswegen ist das für mich kein Mittel."

Stattdessen stellt das Land Sachsen-Anhalt in diesem Jahr 600 bis 800 neue Lehrer ein. Das hänge von den Altersabgängen ab, sagt der Bildungsminister. Allein, dass der Bedarf nicht genau angegeben wird, ärgert den Landesrechnungshof. Denn im deutschlandweiten Vergleich zeichnen die Zahlen für Präsident Kay Barthel ein anderes Bild: "Wir haben nach Thüringen die zweitmeisten Lehrer in Sachsen-Anhalt und haben die dritthöchsten Ausgaben pro Schüler. Da müsste man ja eigentlich beim Output oder Bildungserfolg einen Spitzenplatz belegen. Das ist momentan leider nicht der Fall. Da sagt der Rechnungshof, das ist keine Frage des Geldes, das muss eine systematische Frage sein."

Stellschraube: junge Lehrer

Es gebe viele Stellschrauben, um die vorhandenen Lehrer gut zu nutzen – die Klassengröße, die Stundenzahl oder sogenannte Anrechnungsstunden: Die muss ein Lehrer nicht vor der Klasse stehen, wenn er sich zum Beispiel um die Computer oder die Schulbibliothek kümmert. Diese Anrechnungen wolle er überprüfen, kündigt Bildungsminister Tullner an. Außerdem hat er noch einen Vorschlag: "Ich denke, wir können bei jungen Kollegen darüber nachdenken, Anreize für Mehrarbeit zu setzen."

Gegen etwas mehr Geld freiwillig länger arbeiten – die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht darin kein gutes Geschäft. Besser wäre, Überstunden anzusammeln und später abzugelten. Bisher müsse das im darauffolgenden Schuljahr geschehen, erklärt GEW-Landeschefin Eva Gerth: "Wenn man diese Zeit auf einem Arbeitszeitkonto speichern könnte, würde das bedeuten, die Schulen hätten ein bisschen Reserve. Aber die Kollegen hätten ein Konto, das sie für sich nutzen könnten. Aus meiner Sicht ist das viel motivierender als Mehrarbeit, die – das muss man so deutlich sagen – sauschlecht bezahlt wird."

So könnten Schulen kurzfristig Engpässe ersetzen und die Lehrer in späteren Schuljahren weniger arbeiten. Auf jeden Fall fordert die Gewerkschaft GEW, gemeinsam Wege zu suchen. Sie schlägt eine Kommission nach niedersächsischem Vorbild vor: Dort wollen Lehrer, Politiker und Wissenschaftler zusammen die Arbeitszeit an Schulen besser organisieren.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: MDR | 08.03.2017 | ab 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. März 2017, 05:00 Uhr

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1 Kommentar

08.03.2017 10:53 Auch andere Bundesländer haben schöne Töchter 1

(GEW-Landeschefin Eva Gerth: "Wenn man diese Zeit auf einem Arbeitszeitkonto speichern könnte, würde das bedeuten, die Schulen hätten ein bisschen Reserve. Aber die Kollegen hätten ein Konto, das sie für sich nutzen könnten. Aus meiner Sicht ist das viel motivierender als Mehrarbeit, die – das muss man so deutlich sagen – sauschlecht bezahlt wird.")

Und mehr ist zu diesem "Vorschlag" auch nicht zu sagen. Ausser noch Folgendes: Nach Jahren der allseitigen und in vielen Branchen noch immer anhaltenden Erpressung bezüglich Arbeitszeit, Beschäftigungsbedingungen, Absicherung und anderen, damit zusammenhängenden, Fragen, würde ich als abhängig Beschäftigter in einer Machtposition exakt das zurückliefern, was mir umgekehrt jahrelang geschehen ist - und zwar ohne jede Nachsicht oder gar Geduld. Es war mal das Kapital dieser Volkswirtschaft, Interessenkonflikte im Dialog auszugleichen - das ist Dank der SPD und den Grünen seit 2004 vorbei....