Ein Lehrer steht im Untericht vor einer Tafel.
Bildrechte: dpa

Thüringer Schulen 1.700 Bewerber auf 290 Stellen - und trotzdem Lehrermangel

In Mitteldeutschland sind Sommerferien, aber eins ist klar: Auch im neuen Schuljahr wird es an vielen Schulen zu wenig Lehrer geben. Um dem Problem langfristig entgegenzuwirken, hat Sachsen beispielsweise seine Lehrerausbildung erweitert. In Thüringen hat die rot-rot-grüne Koalition einfach festgelegt, jährlich 500 neue Lehrer einzustellen. Reicht das aus, um dem Lehrermangel im Land entgegenzuwirken?

von Stefanie Gerressen, MDR-Aktuell-Thüringen-Korrespondentin

Ein Lehrer steht im Untericht vor einer Tafel.
Bildrechte: dpa

72 Millionen Euro stellt der Freistaat Sachsen seinen Hochschulen insgesamt zur Verfügung, damit sie ab 2017 mehr Studienplätze für angehende Lehrer anbieten können. In Thüringen bekommen die Hochschulen dafür nicht explizit mehr Geld. Die Stellschraube scheine eine andere zu sein, sagt René Jalaß vom Thüringer Bildungsministerium: "Wir haben zum aktuellen Einstellungszeitpunkt Anfang August noch 290 Stellen zu besetzen. Dafür hatten wir über 1.700 Bewerbungen. Es herrscht also nicht unbedingt ein Mangel an Bewerberinnen und Bewerbern, sondern der Punkt, über den wir uns Gedanken machen, ist die Eignung."

Oft hakt es an der Fächerkombination

Auch in der Vergangenheit gab es regelmäßig weit mehr Bewerber als Stellen. Allerdings passe häufig die Fächerkombination nicht, sagt Jalaß weiter: "Zum einen sprechen die Zahlen natürlich dafür, dass die Bewerberinnen und Bewerber erstmal in ausreichendem Maß vorhanden sind. Es wäre aber trotzdem schön, wenn sich für bestimmte Fächer – nehmen wir mal Mathe oder Physik - viel mehr Leute begeistern könnten."

Schon vor zwei Jahren hat die alte Landesregierung deshalb die Wahlfreiheit der Fächerkombination im Lehramtsstudium begrenzt: Von zwei Fächern muss wenigstens eines einen relativ hohen Unterrichtsanteil haben. Dazu zählen die Naturwissenschaften, Sprachen und Sport. Ein Effekt daraus wird aber erst spürbar, wenn diese Lehrergenerationen ihr Studium beendet haben.

GEW: Es wird an der falschen Stelle gespart

Das werde als Maßnahme nicht reichen, sagt Michael Kummer von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft GEW: "Es gibt jetzt seit zwei Jahren den rot-rot-grünen Koalitionsvertrag. Dort steht unter anderem drin, dass die Ausbildungskapazitäten im Lehrerbereich erhöht werden sollen – davon bemerken wir nichts. Es ist eher eine Erhöhung durch die Hintertür, weil man die Laufzeiten verringert hat, aber es sind nicht mehr Stellen geschaffen worden."

In der Lehrerausbildung seien Praxisteile von 24 auf 18 Monate verkürzt worden, so würden die Studenten schneller mit dem Studium fertig – aber zu Lasten der Qualität, sagt Kummer. Dafür nimmt nach Jena nun auch die Universität Erfurt am so genannten Quali-Teach-Programm teil. Das Programm soll die Ausbildungsqualität bei Lehrern verbessern und wird von Bund und Ländern gefördert. Jena und Erfurt sind die einzigen Unis im Freistaat, die für die Lehrerausbildung zuständig sind.

Zuletzt aktualisiert: 13. Juli 2016, 08:26 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

18 Kommentare

14.07.2016 14:47 Michael Kummer 18

@Ichich: Zu behaupten, eine Berufsgruppe hätte zu einer Zeit X oder Y immer und ausnahmslos eine tadellose Arbeit gemacht ist genau pauschal wie zu behaupten, es wäre immer und ausnahmslos schlechte Arbeit gewesen. Und weil es so pauschal ist, taugt es nicht als Argument.
Und ja, es gibt diese wissenschaftlichen Nachweise, dass Akademisierung der Ausbildung (und damit eine Vertiefung der inhaltlichen theoretischen wie methodischen wie didaktischen Aspekte dieses vielschichtigen Berufes, dessen Anforderungen in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich gewachsen sind) tatsächlich etwas bringt, übrigens nicht nur auf dem Gebiet der Lehrkräfte. Andere Länder machen doch genau das erfolgreich vor.

14.07.2016 14:11 gast 17

Weshalb behandelt man nicht alle LehrerInnen, egal welche Schulform auch immer, gleich? Damit wäre doch wirklich allen geholfen und alle würden sich gleich geschätzt bzw. anerkannt fühlen. Unsere SchülerInnen erfahren doch von uns Pädagogen auch alle die gleiche Wertschätzung.

14.07.2016 13:24 Ichich 16

@Kummer, die Grundstufenlehrerinnen der DDR hatten in der Masse keine Hochschulreife und haben selbst nie eine Hochschule von innen gesehen ... und haben trotzdem eine tadellose Arbeit gemacht. Es gibt nirgendwo auch nur den Hauch eines (wissenschaftlichen) Nachweises, daß die Akademisierung und "Ausbildung" - selbstverständlich verknüpft mit höheren Tarifstufen - irgendwo eine (pädagogische) Verbesserung gebracht hätten.

13.07.2016 13:53 Michael Kummer 15

@Ichich: In der Tat, Sie haben es sich sehr einfach gemacht, nur ist die Realität eine komplexere. Denn die Arbeit eines Lehrers / einer Lehrerin bemisst sich eben nicht nur nach fachlichen Aspekten, sondern nach fachlichen UND methodischen UND didaktischen UND pädagogischen. Je nach Schulart, je nach Fachrichtung, je nach Zusammensetzung der Lerngruppe, je nach ... sind diese verschieden gewichtet, aber eben nicht voneinander zu trennen. Es wäre fatal, wenn der Lehrer / die Lehrer lediglich reine Stoffvermittlung betreibt. Schule ist viel mehr, aber das können Sie ja überall nachlesen bzw. ist praktizierte Wirklichkeit.

13.07.2016 13:45 Thüringer 14

Hallo Grenzgänger. Falls Sie der gleiche sind, der hier öfter schreibt und weiß, wie fleißig in Deutschen Behörden gearbeitet wird, weil sie angeblich auch dort arbeiten, ist es jetzt um so interessanter, dass sie jetzt Referendar sind. Irgendwo müssen wir dann schon bei der Wahrheit bleiben. Leider wird der Name Thüringer hier in den Kommentaren von mehreren Personen verwendet, so dass ich nicht für alle Beiträge mit dem Namen verantwortlich bin.

13.07.2016 12:59 Morchelchen 13

Würde mich dem Kommentar von Nr. 7 anschließen. Es gibt durchaus diese Unterschiede. Wenn ich so zurückdenke, standen unsere Grundschullehrerinnen bereits 12Uhr 20 Minuten am Bus und fuhren zum Mittagessen in die nahe gelegene Kreisstadt. Ob jetzt immer noch 27 Unterrichtsstunden als Vollzeit-Soll gelten, weiß ich nicht. Aber ich denke, dass ein Lehrer trotz seiner natürlich zusätzlich anfallenden Stunden für Vorbereitung und Korrektur gegenüber einem anderen Vollzeitbeschäftigten über einen größeren Zeitrahmen der Freizeitgestaltung verfügt. Wer also seine Berufung darin sieht, sollte die unbedingt wahrnehmen und sich dessen bewusst sein, dass er trotz aller Verdienstunterschiede zu den Altbundesländern (die wir Ossis ja beinah alle haben) noch besser dran ist, als die Vollzeitkräfte in Wirtschaft und Verwaltung.

13.07.2016 12:38 Kathrin Vitzthum 12

@hallenser: Grundschullehrkräfte machen gleichwertige Arbeit wie andere Lehrkräfte. Nicht die gleiche, aber in der Tat gleichwertige. Und Sie vergessen, dass gute Grundschullehrkräfte die Grundlage für den Bildungserfolg legen. Aus meiner Sicht Grund genug, Grundschullehrkräfte dann auch gleich zu bezahlen.

13.07.2016 12:30 Ichich 11

@Kummer, ich mache es mal einfach: Ein Grundschullehrer soll 8-jährige betreuen, ein Realschullehrer Pubertierende zur "Berufsreife" führen und ein Gymnasiallehrer Schüler "hochschulreif" machen. Das sind unterschiedliche Anforderungsprofile. Wir brauchen keine Nobelpreisträger an Grundschulen und wenn Berufsanfänger als Grundschulehrer schon auf dem Gehaltsniveau von (promovierten) Juniorprofessoren liegen, dann läuft etwas grundsätzlich schief.

13.07.2016 11:54 der_grenzgänger 10

Ich bin selbst Referendar in Thüringen für das Lehramt an Berufsb. Schulen. Wissen Sie, wie viele Bewerber es für das Ref. jetzt mit Beginn zum 1.8. gab? Ganze 8 (runden wirs mal auf 10 auf). Und naja, davon sind je zur Hälfte Wirtschafts- oder Gesundheitspädagogen. Das ist erst mal Fakt. Das hat erstmal mit RRG rein gar nix zu tun. Es gibt einfach kaum Studenten, die das Studium durchziehen. Und wieviele davon sofort im Anschluss eine Stelle finden ist auch sehr fragwürdig, denn dann muss man sich erneut bewerben und konkurriert mit vielen, vielen anderen. Und Fakt ist auch: Viele bewerben sich eben mit den gleichen Fächern v.a. für das Lehramt an Gymnasien. Da kann es sein, dass selbst jemand mit einer 1,4 nicht genommen wird, da andere besser sind. Wem schiebt man da die Schuld in die Schuhe? Es gibt eben ein Ungleichgewicht in den Bewerberzahlen für die verschiedenen Schularten und zwischen den Schulfächern. Thema Verbeamtung: pupsegal, ich bin auch mit E13 unbefristet zufrieden.

13.07.2016 11:54 Michael Kummer 9

@Hallenser: Es ist schlicht falsch, dass Grundschullehrkräfte ein geringeres Arbeitspensum haben als Berufsschullehrer oder Gymnasiallehrer. Dem widersprechen die Ergebnisse empirischer Studien, die zum Thema Arbeitsbelastung (und damit auch Arbeitszeit) gemacht wurden. Was sich unterscheidet, sind die Anteile von fachlicher Vorbereitung und methodisch-didaktischer Vorbereitung, aber die Gesamtarbeitszeit ist vergleichbar hoch (und zwar durchgängig höher als die bezahlten 40-Stunden/Woche). Wenn man schon verschiedene Arbeitspensen diskutieren will, dann vielleicht die Unterschiede zwischen den Fächern?