Besucher des Rechtsrock-Konzertes "In Bewegung" in Sondershausen mit "Division Sachsen-Anhalt"-T-Shirt
Wie umgehen mit Rechtsrock-Konzerten wie hier in Sondershausen? Bildrechte: MDR

Mobile Beratung "Mobit e.V." Thüringer Kommunen suchen Hilfe gegen Rechts

Seit fünfzehn Jahren gibt es die Mobile Beratung, kurz Mobit, in Thüringen – ein Verein, der Aktivitäten der rechten Szene dokumentiert und Schulungen und Seminare dazu anbietet. Seit einiger Zeit machen auch vermehrt Kommunen davon Gebrauch. Aus gutem Grund.

von Stefanie Gerressen, MDR AKTUELL

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Es sind vor allem konkrete Anlässe, die zu Mobit führen, sagt Berater Stefan Heerdegen: "Thüringen ist das Festival- und Erlebnisland der Szene. Das wird immer deutlicher mit den jährlichen Großveranstaltungen der Szene, mit einer deutlichen Zunahme von Rechtsrockveranstaltungen und damit sind natürlich auch Behörden und Verwaltungen konfrontiert." Die fragen immer mehr bei dem Verein an, der vom Freistaat getragen wird.

Thüringen ist das Festival- und Erlebnisland der Szene.

Stefan Heerdegen von Mobit e.V.

In der Kommunalpolitik würden Behörden häufiger mit Rechtspopulismus, oder Rechtsradikalismus konfrontiert, sagt Ralf Rusch vom Gemeinde- und Städtebund Thüringen. "Für Kommunen gibt es beispielsweise Informationen, wie man im Gemeinderat oder in Kreistagen mit rechten Problemen umgeht, auch mit rechten Mandatsträgern." Die Beratungen seien konkreter auf Behörden oder Verwaltungen zugeschnitten, findet Rusch.

Beratungsbedarf steigt mit wachsender Szene

Das sieht auch die Kulturbürgermeisterin der Stadt Erfurt, Tamara Thierbach, so. Gerade wenn es um sogenannte Reichsbürger geht, die die Bundesrepublik Deutschland nicht als solche anerkennen, haben die Behörden oft Probleme. Deshalb sei es wichtig, auch sein Personal darauf vorzubereiten.

Umso mehr, weil die Szene deutlich aktiver geworden sei, sagt Mobit-Geschäftsführer Sandro Witt. So habe sich die Zahl der einschlägigen Aktivitäten und Veranstaltungen allein von 2014 auf 2015 mehr als verdoppelt – auf mehr als 300 Veranstaltungen. Das sei ein weiterer Grund, weshalb sich auch Behörden öfter an Mobit wenden, sagt Witt weiter. Es gebe dort nun mehr Leute, die Organisationen wie Thügida - "Thüringen gegen die Islamisierung des Abendlandes" - oder AfD-Demonstrationen und -Veranstaltungen als Problem wahrnähmen und etwas dagegen unternehmen wollten.

Tragweite erklären, juristisch beraten

Aber wie sieht so eine Beratung genau aus? Private Initiativen bräuchten zum Beispiel juristische Beratung in Sachen Versammlungsrecht, wenn sie eine Demo abhalten wollen, sagt Stefan Heerdegen von Mobit. "Bei Verwaltungen sind es vielleicht auch andere Impulse; vielleicht auch erstmal eine Erhellung des ganzen Themas, wenn die zum ersten Mal damit zu tun haben. Was hat es damit auf sich, in welcher Breite muss man das ganze sehen?"

Wie viele Beratungen Mobit konkret gemacht hat, sei kaum festzustellen. Denn wo hört schon eine Beratung auf, gibt Heerdegen zu bedenken. Eine Statistik werde deshalb nicht geführt. Seit 2001 beraten dort sechs Mitarbeiter für Demokratie, gegen Rechtsextremismus.

Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2016, 05:00 Uhr

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8 Kommentare

20.10.2016 15:21 esSKaa 8

Eine sinnvolle Arbeit des Vereins. Wenn sich Kommunalpolitiker und Verwaltung heute von rechts schon bedrohen und einschränken lassen müssen, ist der Verein mehr als sinnvoll und darf auch staatlich gefördert werden. Wenn die MitkommentatorInnen gleich wieder den Blick nach links schwenken, soll das der Ablenkung dienen. Man ist mal wieder "Opfer"... Natürlich beobachtet der Staat Linksextreme. Und das ist gut. Das Nazipack darf jedoch nicht ungebremst in der Provinz wüten!

19.10.2016 14:20 Tüt Tüt 7

Nur weil man die rechten Extremisten nicht mag, muß man die linken noch lange nicht mögen. Der einzige Unterschied zwischen beiden Gruppen ist nämlich vorllem der, daß die Wachtürme welche sie hinterlassen haben an etwas anderen Stellen stehen!

19.10.2016 12:56 Horst Müller 6

Ich werde immer wütend, wenn ich über die verdeckte Parteienfinanzierung unter dem Vorwand des "Kampfes" gegen Rechts" lese! Keiner konnte mir bisher erklären, was man unter "Rechts" versteht? Alles was nicht R2G konform ist? Ab und an hatte man die CDU ja auch schon auf dem Zettel. Bin gespannt, wie lange sich die CDU Mitglieder das noch gefallen lassen.
Jeder hat doch angeblich das Recht eine eigene Meinung zu haben. Warum dann diese Steuergeldverschwendung? Die 150 Mio., die hier für nichts verschleudert werden, sind in Altenheimen garantiert besser angelegt.

19.10.2016 11:44 Hor Es Te 5

Würde mich ja " brennend " interessieren ( und MDR hat ja Reporter die auch recherchieren können, wenn sie wollen,sollen ? ) ob es auch e.V - also Vereine gibt die generell gegen Extremismus existieren.Oder gar gegen Links ; wie Mobile so schön pauschal gegen "Rechts " ( danke Rüdi) .Ja und dann natürlich mit hauptamtlich bezahlen Mitarbeitern.Förderungen ohne Ende vom Bundesmin. Frauen,Fam....;Demokratie Leben,Freistaat Thüringen Min. Bildg.,Jugend und Sport,aus dem Thüringer Landesprogramm für Demokratie.... ? Aber das ist wohl nicht der Fall.Ist ja nicht notwendig,oder ?Links ist eben nun mal " In " wie Connewitz , Rigaer Straße usw .

19.10.2016 11:21 Paula 4

Gibt es eigentlich auch Vereine, die die Aktivitäten von der linken Szene beobachten? Es wird immer nur gegen rechts gehetzt. Ich finde linke Gewalt genau so schlimm, darüber wird aber eigenartiger Weise seltener in den Medien berichtet.

19.10.2016 10:44 RÜDI 3

Alles was nicht links ist- ist rechts. Und wo steht, was links ist? Aber vielleicht steht das in der Verfassung. Und was ist linksextremistisch?- Ist alles was nicht linksextremistisch gleich rechtsextremistisch,mein Kind? The answer is blowing in the wind. - Und wer nicht linkpopulistisch - ist rechtspopulistisch oder gar regierungspopulistisch. Schwurbler der Welt vereinigt euch!

19.10.2016 10:14 Scharnhorst 2

Man sollte dort lieber Hilfe gegen diese Linke Regierung suchen.

19.10.2016 10:12 Irmela mensah-Schramm 1

Die Frage ist nur: WIE ?

Den Kopf einzuziehen ist wohl das schlechteste Mittel gegen rechts.
Ebenso nur auf staatliche - zumeist lediglich - symbolische Aktionen,- die überzeugen herzlich wenig!