Teilnehmer einer rechtsextremen Demonstration
Der Verfassungsschutz in Thüringen warnt vor einer Unterwanderung sozialer Berufe durch Neonazis. Bildrechte: dpa

Rechtsextremismus Thüringens Verfassungsschutz warnt vor Neonazis in sozialen Berufen

Die eigenen Kinder will wohl kaum einer jeden Morgen bei Extremisten abgeben – genau das ist in Thüringen aber schon passiert. Etliche weibliche Neonazis aus Thüringen haben soziale Berufe.  Der Thüringer Verfassungsschutz stellt jetzt ganz allgemein fest, dass sich Thüringer Extremisten aller Richtungen vermehrt im sozialen Bereich engagieren.

von Ludwig Bundscherer, MDR-AKTUELL-Landeskorrespondent für Thüringen

Teilnehmer einer rechtsextremen Demonstration
Der Verfassungsschutz in Thüringen warnt vor einer Unterwanderung sozialer Berufe durch Neonazis. Bildrechte: dpa

Der Thüringer Verfassungsschutz beobachtet ein marxistisches Ferienlager im Thüringer Wald genauso wie Islamunterricht für Thüringer Kinder – das weitaus größte Extremismus-Problem im sozialen Bereich bestünde aber von rechts, sagt Innenminister Georg Maier. Es hätte in Thüringen schon Fälle gegeben, wo Wohlfahrtsorganisationen von Rechtsextremen unterwandert worden seien.

Thüringens Verfassungsschutzpräsident Stephan Kramer will deshalb mehr Bewusstsein schaffen. "Wir haben festgestellt, insbesondere nach Gesprächen mit den Sozialverbänden, dass dort vereinzelt Aktionen auch innerhalb der eigenen Belegschaft stattfinden. Wo Personen aus dem Extremismusbereich dort arbeiten, beziehungsweise gezielt versuchen, in der Bevölkerung zu punkten, indem man sich kümmert", erzählt er.

Kramer betont gleichzeitig auch, dass es sich bei Neonazis in der Belegschaft um Einzelfälle handle. Viel häufiger erleben beispielsweise Erzieherinnen, dass Neonazi-Eltern in der Kita auftauchen. Auch das sei ein wachsendes Problem, sagt Stefan Werner, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Thüringen. "Wir erleben zunehmend die Situation, dass Eltern in die Kita kommen, die offensichtlich extremistische Einstellungen mitbringen – für Ausgrenzung", sagt Werner. "Die sich gegen Kinder mit Migrationshintergrund wehren, die dafür Sorge tragen, dass ihre eigenen Kinder nicht mit Kindern mit Migrationshintergrund sprechen."

Sozialverbände bieten Schulungen gegen Rechts

Das sei mit den Werten des Paritätischen unvereinbar, meint Werner. Und damit die Mitarbeiter sowas nicht unwidersprochen stehen lassen müssen, bieten die Sozialverbände inzwischen Schulungen an. Denn Untätigkeit könnte das Problem viel größer werden lassen, befürchtet Verfassungsschutzpräsident Kramer.

Dass rechtsextremistische Eltern plötzlich in der Elternvertretung oder im Kindergarten aktiv geworden seien, das seien bisher Einzelfälle. "Wir müssen allerdings davon ausgehen, dass das durch diese extremistischen Gruppierungen gezielt genutzt wird, um eben die Gesellschaft in ihren Fundamenten zu unterwandern und um dann eben auch Nachwuchsarbeit zu betreiben", so Kramer.

Verfassungsschützer fordert mehr Lehrer und Sozialarbeiter

Punkten durch soziales Engagement für Deutsche, das ist eine klassische Taktik der rechten Szene – Thüringens bekanntester Neonazi Tommy Frenck versuchte beispielsweise öffentlichkeitswirksam 500 Euro an das Kinderhospiz Mitteldeutschland zu spenden. Es gibt in Thüringen Rechtsrock-Soli-Konzerte für Kranke und rechtsextreme Bündnisse versuchen via Hüpfburg an die Eltern zu kommen.

Wenn wir mehr Polizisten und Verfassungsschützer als Personal aufbauen, dann müssen wir mindestens genauso viele Sozialarbeiter und Lehrer und andere aufbauen, damit wir die Ursachen bekämpfen und nicht nur die Symptome.

Stephan Kramer, Verfassungsschutzpräsident Thüringen

Der Paritätische bekräftigt das. Landesgeschäftsführer Werner sagt, man dürfe nicht den Fehler der 90er wiederholen, als freie Kameradschaften oder die NPD mit Gemeindefesten kamen und deshalb punkten konnten, weil die öffentlichen Jugendclubs vorher eingespart wurden.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 17.10.2017 | 05:18 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2017, 08:26 Uhr

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101 Kommentare

19.10.2017 08:28 Ullrich 101

Ganz genau Kinder sehen andere Kinder als Kinder! Und ihr Beispiel in 32 ändert dies und das ist Rassismus. Wenn ich Kinder vor diesem Verhalten schütze können sie weiter Kinder sein!

18.10.2017 23:21 Kritischer Bürger 100

@Ullrich 96: +.... Frage des Rassismus, welchen sie übrigens in #32 ins Spiel gebracht und verharmlost haben, ...+ Ihre Weltanschauung=Meinungsbildung über andere Menschen (Bürger wie mir) ist wirklich bemerkenswert! Wo habe ich irgendwie im entsprechend angeführten Beitrag (32) was von Rassismus geschrieben oder verharmlost? ***+...hier müssen Kinder auf einen multikulturell aktieportierenden Weg geleitet werden. ...+ Kinder MÜSSEN GAR NICHT in irgendeinen Weg geleitet werden denn das ist nur das grundsätzliche Gegenteil dessen was hier zur Debatte steht. Kinder sehen andere Kinder nur als solche (Kinder) an und nicht als poli. zu leitende Richtlinie die Einen sind die Guten die Anderen die Bösen. Darüber sollte man mal nachdenken! Genau wie auch darüber das viele ältere Mitmenschen ihre eigene Lebensgeschichte nicht einer poli. Ideologie opfern würden wen diese von irgend einer poli. Seite als Gut, als Böse oder als Hetze Einfluss nehmen soll. Das Objektive ist maßgeblich!

18.10.2017 23:09 Frank L. 99

an Ulrich@96 Wenn sie ihre Kinder auf einen " multikulturell aktieportierenden Weg " geleiten wollen dann ist das ihr Problem. Andere sehen in Multikulti eben nicht die Zukunft dieses Landes. Das mag ihnen jetzt gefallen oder nicht es bleibt ihnen aber nichts anderes übrig als das zu akzeptieren ,auch wenn das für sie vielleicht Verrat an "ihren" Werten ist. Denn mit wem ich mich abgebe oder gut finde, werden bestimmt nicht Leute wie sie entscheiden, es ist immer noch meine eigene Entscheidung . Diese Entscheidungsfreiheit gilt natürlich auch für mein Kind . Auch wenn wir dadurch z.B. nicht in den Genuss der kulturellen Bereicherung durch unsere Neubürger kommen.

18.10.2017 22:08 @ralf meier(92) 98

Da sie mir also keine Belege dafür benennen können, dass AfD Mitglieder in sozialen Organisationen pauschal von Entlassungen bedroht sind atme ich beruhigt auf.

Scheint also doch nicht so schlimm zu sein mit der politischen Verfolgung in unserem Land wie die Vertreter rechter Ideologien immer gerne behaupten.

18.10.2017 22:06 Ullrich 97

@Krause
Stimmt ohne Einschränkung - aber das hätte Ekkehard Kohfeld erst Recht nicht verstanden. ;-)

18.10.2017 21:38 Ullrich 96

Habe ich in #89 klar geschrieben. Der Unterschied in unserer Einschätzung ist die Frage des Rassismus, welchen sie übrigens in #32 ins Spiel gebracht und verharmlost haben, hier müssen Kinder auf einen multikulturell aktieportierenden Weg geleitet werden. Alles andere wäre ein Verrat an unseren Werten und unserer Verfassung!
Im Übrigen sind wir alle aus Afrika eingewandert.:-)

18.10.2017 21:35 Kritischer Bürger 95

@Ullrich 89: +...um auf den Artikel zurück zu kommen. NPD, IB und Teile der AFD und Teile von pegida stehen nicht zu unserer Verfassung....+ Sind diese Angeführten dann in den Kitas in sozialen Berufen? Haben diese oder nehmen diese vgn. Angeführten Einfluss auf Betreuer, Hilfsbedürftige die selbst wohl kaum noch das was diese Menschen im Leben erlebten mit den betr. Überzeugungen sofort umstellen und all das im Leben erlebte vergessen, nur weil da jemand rechtes Gedankengut verbreiten will oder Kinder aus anderem Elternhaus, zBsp entsprechende häusliche Erziehung vorschreiben? Wer zur Verfassung steht oder nicht das wird nicht in den Kitas, in Senioren.- oder Pflegeheimen entschieden und ich denke hier geht es um Ereignisse das man wohl die poli. Ausrichtung damit verbindet das diese von VS Beobachteten ogn. Angeführten Parteien, selbsternannte Bürger (IB) oder Demoteilnehmer auf die Kinder in der Kita und Hilfsbedürftige Einfluss nehmen? Blanker Quatsch! Das dann bei Personalmangel!

18.10.2017 21:29 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 94

@ 90. Ullrich:

Nichts gegen Deinen Standpunkt und vielen Dank für die bisherige Unterstützung, aber bei Deiner Definition von Rassismus machst Du den gleichen systematischen Fehler wie auch die Rassisten:

Unter Menschen kann es keine 'Rassenunterschiede' geben, weil eben die Menschen auch keine eigene Rasse darstellen, sondern nur eine Unterart der Hominiden sind, die ihrerseits eine Unterart der Primaten, speziell der Trockennasenprimaten sind.

Unter den Umständen sollte überlegt werden, ob nicht 'Triefnase' als rassistische Bemerkung eingeordnet werden sollte... ;)

18.10.2017 21:17 Kritischer Bürger 93

@88: +... Diskriminierung ist KEINE Meinung!...+ Hetze ohne Argumente genau so. (Selbst wenn es in der Kita beginnt.) Also darf ich mal schlussfolgern: Sie stimmen mir zu das Kinder in der Kita wie auch in der Grundschule eben Kinder bleiben sollen und nicht polit. ausgerichtet gegen wen sie später im Leben sich zu wenden haben! Das ist meiner Meinung nach wichtig denn wo eine einseitige Überzeugung hinführt habe ich von 1957 bis 1961 unbewusst und später 1961 bis 1973 wahrhaftig wahr genommen. Damit lehne ich jegliche poli. Beeinflussung grundsätzlich ab, egal durch wen ob Betreuer bei den Kindern oder Eltern die in die Kita kommen um zu sehen was man dort leistet und ggf. vllt. später in die Schule um dort auffällig zu werden. Heißt aber nicht das man sich doch auf jeder poli. Einstellung hin irgendetwas herausnehmen will, kann, soll! Gilt für rechte, linke oder fremde Einstellungen, wie der oben benannte islamische Unterricht für Thüringer Kinder. Wenn man etwas anführt dann alles!

18.10.2017 21:12 ralf meier 92

@AnonymusNr 84: Die von Ihnen gewünschten Belege finden Sie wie schon in einem vorhergehenden Fall genau in dem Beitrag, aus dem Sie mich zitieren. Ich hab keine Lust auf solche Spielchen und verzichte auf einen weiteren Dialog mit Ihnen.