Braune Musik Fraktion - T-Shirt-Schriftzug eines Teilnehmers der NPD-Demonstration
Ein Teilnehmer einer NPD-Demonstration trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift "Braune Musik Fraktion". (Archivbild) Bildrechte: IMAGO

Rechtsextremismus Neues rechtsradikales Netzwerk breitet sich in Thüringen aus

Thüringen, ein Spaß- und Erlebnisland für Rechtextreme? Ja, sagen Beobachter der Szene. In keinem anderen Bundesland finden so viele Rechtsrockkonzerte statt. Zudem kaufen Neonazis immer häufiger Immobilien in Thüringen. Die Szene ist im Freistaat offenbar noch aktiver geworden. Eine neue Gruppierung verwischt die Grenzen zwischen Neonazismus und Rockerbanden.

von Stefanie Gerressen, Thüringenkorrespondentin für MDR AKTUELL

Braune Musik Fraktion - T-Shirt-Schriftzug eines Teilnehmers der NPD-Demonstration
Ein Teilnehmer einer NPD-Demonstration trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift "Braune Musik Fraktion". (Archivbild) Bildrechte: IMAGO

Sie nennen sich "Garde 20", "Turonen" und "Bruderschaft Thüringen", manche von ihnen tragen Kutten wie eine Uniform, häufig versehen mit einer schwarzen Raute mit der Zahl zwanzig. Unter diesen Namen treten Mitglieder einer neuen rechtsextremen Bruderschaft auf. Hier überschneiden sich Neonazis und das Rockermilieu. Bislang waren diese Szenen noch deutlicher zu trennen.

Das ist jetzt anders, sagt Katharina König, antifaschistische Sprecherin der Linke-Fraktion im Thüringer Landtag: "In Rockerstrukturen gibt es ja die klare Abweisung gegenüber politischem Engagement beziehungsweise rechter Ideologie, zumindestens nach außen. Das ist das erste neue: dieser Mix aus Rocker und Neonazistruktur. Das zweite neue ist, dass es sozusagen nicht auf einen Ort beschränkt ist, zumindest was den Personenkreis anbelangt."

Starkes Potenzial verfassungsfeindlicher Leute

Dieses Netzwerk sei mindestens in ganz Thüringen aktiv, sagt König. Die Mitglieder organisieren und besuchen vor allem Konzerte. Es handelt sich dabei um den harten Kern der Thüringer Neonaziszene. So ordnet es auch der Thüringer Verfassungsschutz ein.

Dorothea Marx
Dorothea Marx (SPD) macht auch die AfD verantwortlich dafür, dass sich Rechtsextreme in Thüringen wohl fühlen. Bildrechte: MDR/ Holger John

Dass sich neue rechtsradikale Strukturen in Thüringen formieren, ist für Dorothea Marx, Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses, nichts Neues. "Wir haben nach wie vor ein sehr starkes Potenzial an Leuten, die sich dem rechtsradikalen Spektrum zurechnen und die auch bereit sind, sich da auch verfassungsfeindlich zu engagieren und organisieren", sagt sie. Es gelte daher, wachsam zu sein und dieses Spektrum gezielt zu bekämpfen.

Aber warum formieren sich ausgerechnet in Thüringen Neonazis neu – wo die Aufmerksamkeit nach dem Bekanntwerden des NSU-Komplexes doch erhöht ist? Marx glaubt, das liegt zum einen am Rechtspopulismus, der auch im Landtag wieder Gehör fände – und meint damit die AfD.

Leerstehende Immobilien ziehen Neonazis an

Eine weitere Erklärung, warum sich Neonazis in Thüringen so wohl fühlen, hat Felix Steiner von der Mobilen Beratung in Thüringen, kurz MoBit. Er sieht in den vielen leerstehenden Immobilien einen Anzugspunkt für die Radikalen: "Es ist natürlich so, dass Thüringer Nazis in den letzten Jahren auch geschaut haben: Wo können sie agieren". In der Folge seien sie im Freistaat fündig geworden. Mehr als ein Dutzend Immobilien würden inzwischen für "menschenverachtende Rechtsrockkonzerte" genutzt.

Was kann der Staat dagegen unternehmen? Laut Steiner zum Beispiel Jugendschutzmaßnahmen durchsetzen. Jugendliche und auch kleinere Kinder seien nämlich häufig auf den Konzerten zu sehen – unabhängig von der Uhrzeit oder der Lautstärke.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 16.12.2016 | ab 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Dezember 2016, 05:00 Uhr

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38 Kommentare

17.12.2016 00:32 Norbert 38

@36 Seltsam das Ihr Demokratieverständnis nur dazu reicht von IHREN angeblichen Mehrheiten zu schwärmen aber andere Meinungen einfach plattredet und ausblendet. Wer zur Austreibung des Faschismus vom Bombenkrieg schwärmt sollte sich nicht als Moralapostel aufspielen. Das ist wirklich das allerletzte und zeugt von Ihrer wahren Gesinnung. Wenn Sie historisch ach so bewandert wären, sollte man eigentlich mehr erwarten können. Da brauchen Sie auch nicht mehr versuchen darum herum zu lavieren. Ob diese Gesinnung so weit entfernt ist, von der die Sie ja angeblich so anwidert, ist doch stark zu bezweifeln.

17.12.2016 19:34 Klaas aus Holland 37

@35. Sie koennen waehlen: Hollender die vordraengeln oder deutsche neonazis die Gewalt gegen andendersdenken oder farbige Menschen anwenden.

17.12.2016 19:24 Wessi 36

@ 34 Es ging mir da vor allem um die radikale Austreibung des Faschismus.Da fängt man am Besten im eigenen Land an.Im Übrigen gab es in meiner Familie neben den jüdischen Opfern durch deutsches Morden in den KZs,auch - von der anderen Seite - mehrere Bombenkriegsopfer in Hamburg.Ein ganz normaler Deutscher eben,nur ohne familiäre Verstrickung in das Mörderregime der damal.Mehrheit.Der Feind ist vor allem für mich da,wo Nationalismus gepflegt wird+für mich persönlich (mit zahlreichen Freunden im westl.Ausland) als Multikultureller ist die EU eine Sache die Krieg verhindern kann.Gegen Leute wie Putin od. Trump.Über das was im nächsten Krieg, so wir ihn erleben müssen,passiert, mache ich mir keine Gedanken, ich bin ein zu "kleines Rad" um ihn zu verhindern,aber ich habe immerhin durch engagierten Internationalismus meinen Teil getan.Und was "krude" ist,das sollten Sie ruhig mal den Mehrheiten in unserer weltoffenen BRD überlassen, zu der gehören Krause+ich nämlich.

17.12.2016 18:08 Agnostiker 35

@ Kaas: Ich wuenschte, die Hollaender, die mir in Oesterreich am Lift bei ihrem Vordraengeln immer auf die Skier trampeln, wuerden auch zu Hause bleiben.

17.12.2016 16:29 Wo geht es hin? 34

@Wessi - Zitat von Ihnen:"Krause hat sogar schon einmal angezweifelt,ob die Bombenangriffe 39-45 ausreichend waren um den Faschismus auszutreiben." Zitat Ende. Da sich die siamesischen Zwillinge hier scheinbar in brüderlicher Umarmung gefallen und der Eine den Anderen über den grünen Klee lobt, kann man wohl annehmen, dass Sie auch da Nazikrauses Auffassung teilen. Schon mal drüber nachgedacht, wenn dass wirklich noch schlimmer gekommen wäre mit den Bombardierungen? Vielleicht könnten Sie dann hier gar nicht Ihre kruden Behauptungen verbreiten, weil Ihre Eltern unter den Opfern gewesen wären? PS: Noch mehr Bomben bringen noch mehr Leid! Sie verlangen immer von Anderen, aus der Vergangenheit zu lernen, am besten, Sie fangen damit bei sich selber mal an! Der Feind ist nicht einzelne User hier - der sitzt da, wo die Knöpfe für die Bomben gedrückt werden oder denken Sie ernsthaft, dass ausgerechnet Sie - weil Sie immer politisch korrekt waren - im nächsten Krieg deshalb verschont werden?

17.12.2016 15:29 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 33

Für Nobbis 'Konstruktivität' haben wir immer noch die Belege aus
http://www.mdr.de/nachrichten/politik/inland/hans-christian-stroebele-kandidiert-nicht-wieder-fuer-bundestag-100.html.

17.12.2016 13:14 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 32

@ 30:
Ick gehöre auch zu Wessis 'wir'!

Der Wind von vorn ist schon fein, aber die stinkende Brise von rechts verursacht immer wieder Brechreize.

17.12.2016 13:13 Wessi 31

@ 30 Das "wir" ist klar im post definiert. Das hätten Sie lesen können.In der deutschen Sprache ist "schmutzig" das Gegenteil von "sauber" und "rechts" das Gegenteil von "links".Das kann man in "Integrationskursen" (Zitat Merkel) lernen.Ja,Recht haben sie in Ihrer Äusserung,daß ich Faschismus als feindlich nicht toleriere.Da bin ich genauso intolerant wie der user "Krause" und letztendlich unsere (BRD) Grundhaltung.Krause hat sogar schon einmal angezweifelt,ob die Bombenangriffe 39-45 ausreichend waren um den Faschismus auszutreiben.Übrigens: wenn Sie Wahlergebnisse anschauen,dann sehen Sie wer "Mehrheit" ist.Satt gegen Rechtsaussen.Wind von vorne?Gucken Sie nach Österreich!

17.12.2016 12:23 Norbert 30

@29 wer ist wir ? Für wen halten Sie sich das Sie meinen Sie würden die Mehrheit vertreten ?
Ihre Gesinnung ist nicht demokratisch, sondern lediglich intolerant und besteht wie gehabt aus rotgrünlinkem Gezeter wenn mal der Wind von vorne kommt. Ausser Allgemeinplätzen in permanenter Wiederholung kommt da wie gewohnt von Ihresgleichen nichts konstruktives.

17.12.2016 10:44 Wessi 29

@ 17 Unverschämt?Und was sind Sie?Imponieren brauche ich keinem,denn ich habe zu lange gesellschaftlich mitgewirkt...ehrenamtlich.Und ich weiß,daß user wie @20,24,28 z.B. hier durchaus verstehen,wie ich denke.Denken sie immer schön daran daß "wir" die Mehrheit haben in d.BRD. Und ich werde meine anständige demokratische Gesinnung immer wiederholen.Dabei interessiert mich rechtes Geschwurbel zu null Prozent.Ob Sie mich nun beleidigen ("Dünnsinn") oder nicht.Vielleicht denke ich ja auch das Ganze von Ihnen...der typisch beleidigt ist,wenn man seine ach so deutsche Meinung anzweifelt.