Pegida-Gründer Lutz Bachmann bei einem Legida-Aufmarsch in Leipzig.
Für eine dauerhafte Etablierung seiner Bewegung hat Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann (hier bei einer Legida-Kundgebung im September 2016 in Leipzig) nicht mehr viel Zeit - meint Politologe Kocyba von der TU Chemnitz. Bildrechte: IMAGO

Politikwissenschaftler Kocyba: "Schulterschluss" für Pegida zu spät

Der Politikwissenschaftler Kocyba rechnet damit, dass Pegida an Bedeutung verliert. Eine Institutionalisierung der Bewegung oder der mögliche "Versuch eines Schulterschlusses" mit der AfD kämen zu spät.

Pegida-Gründer Lutz Bachmann bei einem Legida-Aufmarsch in Leipzig.
Für eine dauerhafte Etablierung seiner Bewegung hat Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann (hier bei einer Legida-Kundgebung im September 2016 in Leipzig) nicht mehr viel Zeit - meint Politologe Kocyba von der TU Chemnitz. Bildrechte: IMAGO

Der Politikwissenschaftler Piotr Kocyba rechnet mit einem Niedergang der Pegida-Bewegung. Im Gespräch mit MDR AKTUELL sagte der wissenschaftliche Mitarbeiter der TU Chemnitz, wenn nichts Außergewöhnliches geschehe, werde das in Dresden gegründete Bündnis in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

Die Veranstaltungen von Pegida und AfD am Montagabend wertete Kocyba als "Versuch eines Schulterschlusses", der aber zu spät komme: "Pegida ist heute da, wo das Bündnis ohne die Flüchtlingskrise schon längst wäre."

Höhepunkt im Januar 2015

Das Bündnis ist in der Fläche und anderen Städten kaum noch aktiv; und Kocyba sieht als Grund für die sinkenden Teilnehmer-Zahlen, dass die Bewegung es versäumt habe, sich zu institutionalisieren: Sie habe "weder eine Partei gegründet, noch ist sie in der AfD aufgegangen", analysiert der Politik-Experte.

Die seit Mitte Dezember 2014 als Verein eingetragenen "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung Abendlandes" hatten im Oktober 2014 erstmals eine Kundgebung in Dresden angemeldet. Damals waren laut Polizei zunächst rund 350 Menschen dabei. Im Januar 2015 waren es dann 25.000 – eine der höchsten Teilnehmerzahlen.

Zuletzt hatte Pegida nach Angaben der Initiative "Durchgezählt" montags in Dresden jeweils zwischen 1.300 und 2.500 Menschen auf die Straße gebracht. Laut Kocyba hat Pegida aber ähnlich wie die AfD das Problem, dass vor allem die CDU zunehmend Themen wie Islamkritik und deutsche Identität besetze.

Piotr Kocyba ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Philosophischen Fakultät
an der TU Chemnitz und Ko-Autor der
Studie "Protestforschung am Limit: Eine soziologische Annäherung an Pegida".


Bachmann für "Schulterschluss" - AfD wahrt Abstand

Pegida-Mitgründer Lutz Bachmann bestätigte, dass es aus aus seiner Sicht um einen Schulterschluss mit der AfD gehe. In einer Begründung für sein Fehlen an "diesem historischen Tag für PEGIDA und AfD" am Montag in Dresden schrieb er auf der Pegida-Webseite, diese "erste gemeinsame Veranstaltung" sei zu wichtig, um sie wegen persönlicher Befindlichkeiten zu gefährden. Der "Schulterschluss war lange überfällig und ist ja auch mehr als natürlich", da die AfD-Basis "ohnehin zahlreich montags vertreten ist bei Pegida". Dieser Schulterschluss solle "aber langsam und schrittweise erfolgen" und er wolle dem nicht im Weg stehen.

Dagegen sah Egbert Ermer, Beisitzer im Vorstand des AfD-Kreisverbands Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, keinen "Schulterschluss". Er sprach von getrennten Veranstaltungen: Es gebe zwar "viele gemeinsame Schnittmengen", doch Pegida sei "eine Bürgerbewegung - und wir sind eine Partei".

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL im: MDR FERNSEHEN | 08.05.2017 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Mai 2017, 09:34 Uhr

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47 Kommentare

10.05.2017 11:13 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 47

@ 44. Sabrina:

"Würden unsere Politiker Politik für das Land und die große Mehrheit der Bevölkerung machen, gäbe es Pegida nicht.

So einfach ist das."

Würden ein paar rechtsradikale Spinner sich ein bissl für Politik und deren Auswirkungen interessieren, gäbe es Pegaga gar nicht!

Aber nein, sie versammeln sich regelmäßig und bejubeln dabei Volksverhetzung, Rassismus und Religionsausgrenzung!

Überlegen ist so einfach! Warum tut man das nicht?

09.05.2017 23:52 Mediator 46

Ich denke die Menschen haben langsam die Schnauze voll von rechtsradikalen und rassistischen Sprüchen. Inzwischen ist vielen ja klar geworden, dass solche Sprüche lediglich dazu dienen ein Klima des Hasses zu erzeugen und dass daraus nichts positives entsteht.

Mittlerweile sind ja etliche Deutsche, denen man ruhigen Gewissens Terrorakte nachsagen kann, vor Gericht oder befinden sich in Untersuchungshaft. Kein Mensch braucht diese Verbrecher und dies schließt deren ideologische Vordenker mit ein.

Der Untergang Deutschlands ist momentan auch nicht wirklich abzusehen, wenn man sich die wirtschaftlichen Eckdaten anschaut und Populisten wie Trump haben gezeigt, dass ein großspuriges Gerede nicht gleichbedeutend mit politischen Fähigkeiten oder gar guter politischer Arbeit ist.

Wenn man all dies in Betracht zieht, dann sind wir mit den von den Rechten gerne als Altparteien diffamierten bürgerlichen Parteien unseres Landes sehr gut bedient.

09.05.2017 23:03 Sabrina 45

@ 08.05.2017 20:31 Peter 5

Genau das von Ihnen gebrachte Zitat ist der Sprachgebrauch von Kriminellen, die im Zusammenhang mit genehmigten Veranstaltung von Zusammenrotten sprechen und die Teilnehmer als Hetzer beschimpfen, natürlich ohne Beleg.

Sie merken dabei nicht mal, dass sie selbst im rechtsextremen Sumpf schwimmen.

09.05.2017 22:59 Sabrina 44

Der Niedergang von Pegida geht jetzt bereits 2,5 Jahre.

Das hat der Politikwissenschaftler vermutlich noch gar nicht bemerkt.

Würden unsere Politiker Politik für das Land und die große Mehrheit der Bevölkerung machen, gäbe es Pegida nicht.

So einfach ist das.

09.05.2017 20:39 Kritischer Bürger 43

@Engelbert Merz 40: Volksabstimmungen nach Schweizer Vorbild. Genau das würde ich mir persönlich auch wünschen, als neutral betrachtender Mitbürger. Nur erleben werden die Bürger es hier in Deutschland nicht, denn dann würde so mancher Politiker nicht mehr als zu viel versprechen um an Stimmen zu kommen was er/sie nach der Wahl dann zu schnell wieder vergessen! Die Plätze in den einzelnen Landeregierungen oder in der Bundesregierung würden im Bezug auf Politiker und Ämter, wie Gehälter und Versprechungen sich mit einem zunehmend schneller drehenden Karussell mit fliegendem Ende nicht viel nehmen! Das kann man nicht mit/von Politologen, Experten oder sonstigen schlauen Mitmenschen erklären lassen.

09.05.2017 20:29 Wieland der Schmied 42

Der Gelehrte Kocyga hat eine sicher einträgliche wissenschaftliche Streitschrift verfasst, die wie schon Dutzende vor ihr den Untergang der PEGIDA weissagen. Hosianna, es ist vollbracht. Selbst der als „PEGIDA-Versteher“ geschmähte Patzelt als Leithirsch der Szene hatte das schon mindestend zweimal angekündigt und doch wieder nichts. Kocyga meint, irgendwann müsse die PEGIDA sich, wie er sich wissenschaftlich ausdrückte, institutionalisieren. Motto, so machen`s alle. An den Fleischtöpfen des Regimes sich laben, empfänglich werden und dem Lauf der 11-Minuten-Dauerklatscher folgen.Ich halte die Gesellschaft der BRD in allen ihren Gliederungen seit nunmehr 70 Jahren für korrumpiert – hoffnungslos! Sowie ein unbescholtener Neuling in den Kreis tritt, dreschen alle anderen auf ihn ein, so die Situation , denn er ist ihr Untergangsbote - kompromisslos.

09.05.2017 20:18 I. Maier 41

@ 39 Kritischer Bürger: Ich melde mich nochmals auf Ihren Post zum Polit-Experten und den 90%. Ob der Experte wirklich Experte ist, kann auch ich nicht prüfen. Ich sehe mir Pegida (auch Legida u. a.) öfters an und stelle fest, dass sich nie eine Mehrheit dafür in Deutschland finden würde und damit ist die sogenannte "Bürgerbewegung" von Bedeutungslosigkeit bedroht, falls der Fall nicht evtl. schon eingetreten ist. Das Abschreckenste für andere Menschen ist der Umgangston mit dem von der Bühne geredet wird. So etwas hat keine Zukunft. Pegida lässt zudem keine Kritik zu, ist also nicht veränderbar. (Beratungsresistent) D. h. es werden nicht mehr sondern immer weniger Menschen mitmachen. Es lehnen also immer mehr Pegida ab und nun auch noch die AfD im Abwärtstrend. Das sieht nicht gut aus. Besser wäre, man hätte sich mit Menschen und anderen Meinungen arrangiert und nicht mit "Wir sind das Volk" den Rest auszuschließen. Daher die 90% Ablehnung der AfD von den letzten Wahlumfragen.

09.05.2017 20:07 Engelbert Merz 40

Es ist schon interes. alle Berichte / Darst. zuvor zu lesen
Ich war seid Okt 2014 fast immer dabei .
Und ich war 31 J in der CDU bis 2011

In D. zeigen Bürger aus allen politischen Richtungen Gesicht gegen diese Art der Politik aus Berlin und EU .
Man muß sich nur mit ihnen unterhalten .
Ich bin kein AfD Wähler wie viele dort , aber es geht um diese Art der Politik , wir sind mündige Bürger und keine Sklaven .
Ob es Richtig ist sich mit einer Partei einen Platz zu TEILEN, würde ich sagen eher nein , da jede Pers. die teilnimmt ihre persönlichen Gründe hat um zu kommen .
Und hätte Frau Merkel (Neujahrsansp.)sowie die Medien(Berichte) diese Bürger 2014/15 nicht so beleidigt wäre manches anderst gekommen .
In Dresden steht ein Denkmal ( Schwerter zu Pflugscharen 1982) und es endete auch erst 7 Jahre später.
Darum mein Respekt jedem Bürger der bei jedem Wetter Gesicht(friedlich) zeigt, den was wir benötigen ist ein Volksabstimmungsrecht nach CH Modell . gez Bertl

09.05.2017 19:24 Kritischer Bürger 39

V2) @Maier-31 Geänderte Fassung des dazu vom MDR nicht veröffentlichten Kommentares:
=/= Schreibt dieser Politologe etwas genaues über Zahlen und Menge der Menschen? NEIN!

+...Die Veranstaltungen von Pegida und AfD am Montagabend wertete Kocyba als "Versuch eines Schulterschlusses", der aber zu spät komme: "Pegida ist heute da, wo das Bündnis ohne die Flüchtlingskrise schon längst wäre."...+

=Also wenn man sich nun mit AfD verbündet dann ist Pegida u.Co. weiter als so mancher es sich wünscht.=

Das wäre meine Gegenmeinung zu diesem Polit-Experten. Jedes Ding hat eben zwei Seiten und das ändert man auch nicht wenn man denkt das 90% der Bürger nichts mit Pegida & Co zu tun haben will.

Ist es so genehmer?

09.05.2017 19:10 Kritischer Bürger 38

@I.Maier-32: Zu meinem 28 nehmen Sie mal Ihren 17 und vergleichen Sie die in +... ....+ gesetzten Zitate. Vielleicht fällt Ihnen dabei auf das es Ihre eigenen Worte waren, die ich nur ZITIERTE!