Zwei Prototypen für Erdkabel mit drei Adern
Für die Stromtrasse Südlink sollen gigantische Kabel in die Erde gebracht werden. Bildrechte: dpa

Änderung Naturschutz-Verordnung Thüringen wehrt sich gegen Stromtrasse Südlink

Strom von der Nordsee bis nach Bayern und Baden-Württemberg – das ist das Ziel der Stromtrasse Südlink. Die gigantischen Kabel sollen dabei ab 2025 durch ganz Deutschland gegraben werden. Der vom Netzbetreiber favorisierte Trassenverlauf zieht sich auch durch Thüringen, mitten durch Naturschutzgebiete und ein Biosphärenreservat. Das will die Thüringer Landespolitik nicht hinnehmen und plant seit Monaten an Alternativen.

von Ludwig Bundscherer, MDR-AKTUELL-Landeskorrespondent für Thüringen

Zwei Prototypen für Erdkabel mit drei Adern
Für die Stromtrasse Südlink sollen gigantische Kabel in die Erde gebracht werden. Bildrechte: dpa

Die kürzeste Verbindung zwischen Anfangs- und Endpunkt ist eine gerade Linie. Die Linie der Stromtrasse Südlink dürfte demnach Thüringen nur streifen. So ist es aber nicht, denn die vom Netzbetreiber favorisierte Trasse ist keine Gerade, sondern eine Schlangenlinie, mit einem großen Schlenker mitten durch Thüringen. Dafür hat Infrastrukturministerin Birgit Keller wenig Verständnis.

Sie wolle Transparenz von den Unternehmen haben, warum sie zu welchen Korridoren kämen. Die klaren Kriterien würden aus Sicht des Ministeriums am Ende nur dazu führen können, dass ein Korridor betrachtet werde, der demnach außerhalb von Thüringen liege, so die Ministerin.

Alternative: Eine Trasse westlich von Kassel

Hainich mit geplanter Stromtrasse Südlink
Hainich mit geplanter Stromtrasse Südlink. Bildrechte: tennet/MDR.DE

Das Thüringer Infrastrukturministerium hat deshalb im Mai einen alternativen Korridor ausgearbeitet. Diese Trasse soll westlich von Kassel verlaufen und somit weit weg von Thüringen. Der Vorschlag wurde inzwischen von der Bundesnetzagentur als gleichwertige Diskussionsgrundlage angenommen: Was nichts anderes heiße, als dass der jetzt in die Grobplanung mit einbezogen werde.

Diese Grobplanung solle am 20. November abgeschlossen sein. Das Infrastrukturministerium rechne damit, dass vielleicht dann im März 2018 mit den normalen Planungsverläufen begonnen werde.

Landesregierung argumentiert mit Naturschutz

Die Landesregierung hat auch eine 111-seitige Begründung mitgeliefert, warum die Trassenvariante mitten durch Thüringen nicht geht. Kernargument ist der Naturschutz. Darauf hätte der Netzbetreiber Tennet bei seiner favorisierten Trasse durch Thüringen nämlich nicht geachtet, meint Umwelt- und Energieministerin Anja Siegesmund.

Ich will schon mal sagen, dass das abenteuerlich ist, überhaupt so einen Trassenverlauf ernsthaft einer Landesregierung vorzulegen.

Anja Siegesmund (B`90/Grüne), Umwelt- und Energieministerin
 Blick auf den Baumkronenpfad im Nationalpark «Hainich» bei Bad Langensalza
Die Trasse soll durch den Nationalpark Hainich gehen. Ein No-Go für die Landesregierung. Bildrechte: dpa

Der Nationalpark Hainich, die Biotope im Grünstreifen der ehemaligen DDR-Grenzanlagen und das Biosphärenreservat Rhön sind laut Ministerin absolut tabu für eine Stromtrasse. Genau dort wollte Netzbetreiber Tennet aber durch. Siegesmund schüttelt verständnislos den Kopf: Das Credo jeglichen Netzausbaus müsse doch sein, die Planungsellipsen so menschen- und naturverträglich wie möglich zu legen.

Dafür gebe es Planer, die genau solche Kategorien berücksichtigen müssten. Thüringens Biosphärenreservatsverordnung nehme jetzt auch auf, dass selbstverständlich keine Höchstspannungsleitungen durch diese sensiblen Naturräume gezogen werden könnten.

Besser funktioniert Kommunikation bei Südostlink

Noch bis Jahresende soll die neue Reservatsverordnung da sein, die Stromtrassen durch die einmalige Natur verbietet. So, wie das bei Autobahnen auch ist. Siegesmund sagt auch, sie sehe die grundsätzliche  Notwendigkeit der Trassen zwar, aber im Thüringer Osten kreuze bereits eine Megastromtrasse das Land, der geplante Südostlink. Dort gebe es mehr planerisches Verständnis für Thüringens Natur.

"Wir haben im Osten Thüringens bei der Planung des sogenannten Südostlinks mit 50 Hertz auch einen Übertragungsnetzbetreiber am Tisch sitzen, der sich ganz anders kommunikativ und inhaltlich aufstellt. Das sind schon zwei Welten", sagt sie. Diese Thüringer Ansichten werden gehört: Erst diese Woche kam der Wirtschaftsstaatssekretär für Energiepolitik des Bundes von Berlin nach Erfurt.

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im: Radio | 02.09.2017 | 10.00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. September 2017, 10:33 Uhr

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11 Kommentare

03.09.2017 07:34 Wieland der Schmied 11

@ 10 Frederic > Ja, Sie haben Recht. Die ganze Geschichte hat noch einen weiteren Haken. Man hört seit langem nichts mehr von CO2 und dem davon hergeleiteten Weltuntergang. Ganz einfach, die Bilanz für D ist seit dem Alleingang der Kanzlerin zur Abschaltung von 6 AKW, die bekanntlich ohne CO2-Ausstoß arbeiten, so grottenschlecht, dass das über Jahrzehnte nicht aufholbar ist und bei Abschaltung der letzten generell nicht. Die Stickoxidgeschichte war der Ausweg, nachdem die ungeheuerliche Geschichte mit dem Feindtaub entzaubert wurde, als Fachleute aussagten , dieser komme an Auto nur von den Bremsen und dem Reifenabrieb. Die Entzauberung von Stickoxiden hat die AfD-Frau Weidel angeschoben, als sie in der Abendquatschrunde die Frage stellte, warum Autoabgase nur ein Sechszigstel der Arbeitsplatzkonzentarionen in Büros haben sollen. Die Frage hat bisher noch keiner beantwortert, also ist es eine Staatslüge.

01.09.2017 17:07 Frederic 10

Seltsame Deutsche - der preiswerte Akw.Strom wird einfach gekapt. Dann werde, nicht effizient arbeitende Biomüllanlagen aufgebaut, zudem kommt noch der Windkraft = Propellerstrom, mit den Landschaft ver- schandelden - Betonpfeiler, welche aber nur einen Gleichstrom erzeugen können, welcher zu Wechselstrom umgeformt weden muss, aber eine Lagerung nicht gegeben ist.
UND DANN KOMMEN NUN NOCH ÜBERAL DIESE STROMTRASSEN - doch der Bürger wird - mit dem Strompreis gemolken! Im Ausland wird über diese Unsinn - Politik nur den Kopf geschüttelt. Das ganze Land wird nur noch VERSCHANDELT !!!

01.09.2017 16:47 Graf von Henneberg 9

Jetzt mal nebenher zur Diskussion wegen der HGÜ - Trasse.
Wenn ich lese, daß sich die Kindergatentante Birgit Keller (mit Diplom vor SED - Parteischule) und eine Geisteswissenschaftlerin Namens Sigesmund mit derartigen Themen befassen habe ich so meine Probleme. Hat der Souverän diese Damen wirklich gewählt?

01.09.2017 16:36 Wieland der Schmied 8

Mal tief durchatmen und Ruhe bewahren. Nach der Wahl wird die politischsche Landschaft und die Eingriffe in Natur und Gesellschaft neu zu bewerten sein, so wie es sich gehört und die Grünen sind hoffentlich auch draußen.

01.09.2017 14:38 andre 7

Ich persönlich kann Frau Siegesmund nur zustimmen, nicht immer aber hier zu 100%!

01.09.2017 12:53 Wieland der Schmied 6

Mal tief durchatmen und Ruhe bewahren. Nach der Wahl wird die politischsche Landschaft und die Eingriffe in Natur und Gesellschaft neu zu bewerten sein, so wie es sich gehört und die Grünen sind hoffentlich auch draußen.

01.09.2017 12:16 Athener Eule 5

Irgendwie muß der Atomstrom aus Schweden doch nach Gundremmingen gebracht werden!

01.09.2017 11:06 Altmeister 50 4

@ 2 dena - Studie
Die Ingenieure Thomas Linnemann und Guido S. Vallana vom VGB-Powertech haben die Wirksamkeit der Windkraft europaweit untersucht und dafür 5 Mio Datensätze ausgewertet.
Ergebnis: Für 2016 weist die entsprechende Zeitreihe (Stundenwerte) einen Mittelwert der Windstromproduktion von 33.000 MW und ein Minimum von weniger als 6.500 MW auf. Bei Windstille werden europaweit nur 6.500 MW von installierten 150.000 MW Wind erzeugt. Dies entspricht trotz der europaweit verteilten Windparkstandorte gerade einmal 4 Prozent der insgesamt installierten Nennleistung. Anders gesagt: Von den 150 Wind- Großkraftwerken von je 1000MW produzieren europaweit gerad mal noch sechs. Der Rest steht rum und wartet auf Wind.
Das bedeutet: Windenergie trägt praktisch nicht zur Versorgungssicherheit bei und erfordert 100 Prozent planbare konventionelle Backup-Kraftwerke, die vorgehalten und bezahlt werden müssen, sonst gehen die Lichter aus.
Insofern ist Südlink eine Sinnlostrasse.

01.09.2017 10:25 Horst 3

2025 - ein viertel Jahrundert nach dem Start der Energiewende will man mit dem Bau beginnen...

01.09.2017 10:04 dena - Studie 2

Die dena wird bis Oktober ERSTMALIG eine Studie erstellen, welche die Anforderungen und Auswirkungen der GESAMTEN Energiewende ( Strom, Wärme, Verkehr ) untersucht. Bisher wurden immer nur Einzelgebiete betrachtet - nie das ganze Bild. Man darf gespannt sein, ob dann das heutige Windkraftpotential nicht nur verfünffacht, sondern langfristig noch weiter aufzustocken ist.